{"id":73,"date":"2016-11-22T15:21:56","date_gmt":"2016-11-22T14:21:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=73"},"modified":"2017-12-11T14:46:28","modified_gmt":"2017-12-11T13:46:28","slug":"die-menschen-sind-hungrig-nach-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/11\/22\/die-menschen-sind-hungrig-nach-musik\/","title":{"rendered":"\u201eDie Menschen sind hungrig nach Musik\u201c"},"content":{"rendered":"<strong>Angela Myles Beeching, Autorin des Buches \u201eBeyond Talent \u2013 Creating A Successful Career in Music\u201c war im September im Rahmen der <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/index.php\/2016\/11\/22\/vienna-music-business-research-days-2016\/\" target=\"_blank\">Vienna Music Busines Research Days 2016<\/a>, zu Gast in Wien. Im Gespr\u00e4ch mit dem mdw-Magazin gibt sie Einblick in ihre Arbeit als Karriereberaterin und Coach f\u00fcr MusikerInnen, spricht \u00fcber die Rolle des Publikums und vor welchen Herausforderungen junge K\u00fcnstlerInnen heute stehen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Musikwelt hat sich grundlegend ver\u00e4ndert. Ist es f\u00fcr junge MusikerInnen heute schwerer erfolgreich zu sein?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Angela Myles Beeching (AMB):<\/strong> Zun\u00e4chst stellt sich die Frage, wie jede\/r einzelne \u201eErfolg\u201c f\u00fcr sich definiert. Es gibt K\u00fcnstlerInnen, die ihr ganzes Leben auf der B\u00fchne stehen, mit den besten Orchestern zusammenarbeiten oder an den renommiertesten Opernh\u00e4usern singen wollen. Andere wiederum m\u00f6chten ihr eigenes Ensemble gr\u00fcnden. Viele MusikerInnen haben zudem irgendwann auch den Wunsch, zu unterrichten und ihr Wissen weiterzugeben. Daher empfehle ich immer, zu hinterfragen, welche M\u00f6glichkeiten es gibt, diese verschiedenen Wege konsequent zu verfolgen. Es reicht nicht mehr aus, technisch perfekt ausgebildet zu sein. Das Berufsbild hat sich gewandelt. Die Konkurrenz ist gro\u00df. Wer erfolgreich sein will, muss lernen, selbstverantwortlich zu handeln. Umso wichtiger ist es, seine Ziele genau zu definieren: Wer bin ich? Was macht mich aus? Welche Zielgruppe spreche ich an? Wie sieht mein Arbeitsumfeld aus? Wie kann ich die AkteurInnen des Musikbusiness auf mich aufmerksam machen? \u201eKarriere\u201c ist ein so vielf\u00e4ltiger Begriff.<\/p>\n<figure id=\"attachment_74\" aria-describedby=\"caption-attachment-74\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-74\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_Angela_Myles_Beeching.jpg\" alt=\"Angela Myles Beeching\" width=\"400\" height=\"276\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_Angela_Myles_Beeching.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_Angela_Myles_Beeching-300x207.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_Angela_Myles_Beeching-320x220.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-74\" class=\"wp-caption-text\">Angela Myles Beeching im September 2016 in Wien \u00a9 Doris Piller<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wie schafft man als MusikerIn diesen schmalen Grat zwischen Kunst und Gesch\u00e4ft? F\u00fcr viele sind Begriffe wie \u201eSelbstmanagement\u201c und \u201eBusinessplan\u201c immer noch Fremdw\u00f6rter.<\/strong><\/p>\n<p><strong>AMB:<\/strong> Zun\u00e4chst glaube ich, dass gerade junge MusikerInnen mittlerweile eine gewisse Sensibilit\u00e4t f\u00fcr diese Themen entwickelt haben, die real werden, wenn sie selbst auf der B\u00fchne stehen und ein Honorar bekommen. Hier kommen unweigerlich wirtschaftliche Aspekte ins Spiel. Und sp\u00e4testens dann sollte sich jede\/r fragen, werde ich angemessen bezahlt und kann ich \u00fcberhaupt davon leben.<\/p>\n<p><strong>Sie widmen in Ihrem Buch ein ganzes Kapitel dem Publikum. Warum ist die Auseinandersetzung mit dem Publikum heute so wichtig?<\/strong><\/p>\n<p><strong>AMB:<\/strong> Zun\u00e4chst denke ich, dass Musikschaffende heute mehr denn je die gesellschaftliche Verantwortung tragen, den bewussten Umgang mit Musik zu f\u00f6rdern. Jede\/r soll die M\u00f6glichkeit haben, mit Musik in Kontakt zu kommen. Musik ber\u00fchrt, bewegt, fasziniert und inspiriert. Damit das gelingt, muss sie richtig vermittelt werden \u2013 innovativ, kreativ und mutig, abseits des klassischen Gef\u00e4lles zwischen Sender und RezipientIn. Die Menschen sind hungrig nach Musik! Die Vielfalt der Musik ist so gro\u00df, dass f\u00fcr jede\/n etwas dabei ist. Ich sage immer: \u201eFinde heraus, wer dein Publikum ist und baue eine Beziehung zu ihm auf.\u201c In den USA, zum Beispiel, wird von immer mehr KonzertveranstalterInnen erwartet, dass die K\u00fcnstlerInnen ein paar einf\u00fchrende Worte an das Publikum richten \u2013 nicht nur bei zeitgen\u00f6ssischer Musik.<\/p>\n<p><strong>Glauben Sie, dass das klassische Konzertritual, so wie wir es kennen, eine Zukunft hat?<\/strong><\/p>\n<p><strong>AMB:<\/strong> Ein Teil davon bestimmt. Aber die Strukturen haben sich ver\u00e4ndert, im positiven Sinne. Die Genre-Grenzen verschwimmen zunehmend, zeitgen\u00f6ssische KomponistInnen arbeiten mit Soundcollagen, K\u00fcnstlerInnen und VeranstalterInnen experimentieren immer mit neuen, ungew\u00f6hnlichen Konzertformaten. Das Publikum von heute gibt sich nicht mehr damit zufrieden, Musik ausschlie\u00dflich passiv zu konsumieren. Auf der anderen Seite wollen gerade junge MusikerInnen Konzerterfahrungen schaffen, die bei ihren Zuh\u00f6rerInnen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. So entsteht eine sehr wichtige emotionale Bindung.<\/p>\n<p><strong>Vor welchen Herausforderungen stehen Musikschaffende heute?<\/strong><\/p>\n<p><strong>AMB:<\/strong> Der CD- und DVD-Markt hat sich stark ver\u00e4ndert, vom physischen CD-Vertrieb hin zur einer Digitalisierungs- und Streamingkultur. Fr\u00fcher waren A&amp;R-ManagerInnen gro\u00dfer Plattenfirmen f\u00fcr den Erfolg der K\u00fcnstlerInnen verantwortlich. Heute m\u00fcssen Musikschaffende ihre Zukunft zu einem gro\u00dfen Teil selbst gestalten und ein passendes Konzept entwickeln. Der Mythos vom Demotape, das an eine Plattenfirma geschickt wird und den ersehnten Plattenvertrag einbringt, bewahrheitet sich nur selten. Auf der anderen Seite gab es nie einen besseren Zeitpunkt f\u00fcr das \u201eDo it yourself\u201c-Prinzip. Wer wei\u00df, wie das Gesch\u00e4ft funktioniert, braucht weder ein Label, noch ein Management, um erfolgreich zu sein. Die vielen neuen Distributionsformen und Social Media-Plattformen sind die beste Promotion, die ein\/e junge\/r, noch unbekannte\/r K\u00fcnstlerIn haben kann. Viele bevorzugen es, ihre Karriere selbst zu steuern \u2013 von der Kommunikation \u00fcber die Konzert-Bookings bis hin zu CD-Produktionen und Vertrieb. So sind sie frei und unabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p><strong>Kann sich jede\/r f\u00fcr ein pers\u00f6nliches Coaching an Sie wenden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>AMB:<\/strong> Nat\u00fcrlich! Wer sich mit mir in Verbindung setzen m\u00f6chte, schreibt mir eine E-Mail und wir vereinbaren ein erstes Kennenlernen via Skype oder Facetime. Wenn wir uns dazu entschlie\u00dfen, zusammenzuarbeiten, treffen wir uns zwei Mal im Monat zu einer Coaching-Session. Dazwischen gibt es kleine Hausaufgaben. Oft stellt sich im Zuge des Gespr\u00e4chs heraus, dass im Hinterkopf ein geheimes Wunschprojekt schlummert. Manche wollten immer schon ein Buch schreiben, ein Ensemble gr\u00fcnden oder ein Werk f\u00fcr ihr Instrument in Auftrag geben. Dar\u00fcber zu sprechen und die Idee zu konkretisieren, kann helfen, den weiteren Werdegang zu bestimmen. Ich m\u00f6chte den Menschen die Angst nehmen, ihr Projekt voranzutreiben.<\/p>\n<p><strong>Ist es schon vorgekommen, dass Sie einer\/einem MusikerIn von ihrem\/seinem Beruf abgeraten haben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>AMB:<\/strong> Nein. MusikerIn zu sein, ist mehr als ein Beruf. F\u00fcr viele ist es eine Berufung. Musik ist mit Liebe und Leidenschaft verbunden. Allerdings wird das Gesch\u00e4ft durch so viele Faktoren beeinflusst, dass man nicht immer alles in erfolgreiche Bahnen lenken kann. Oft wenden sich Leute an mich, die sich gerade in einer Sackgasse befinden. Dann versuchen wir gemeinsam neue Wege zum Erfolg zu finden.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrden Sie jungen MusikerInnen, die gerade in der Ausbildung sind oder am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stehen, mit auf den Weg geben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>AMB:<\/strong> Lerne die Prozesse und sei offen f\u00fcr das, was um dich herum passiert. Vernetze dich. Kenne deine F\u00e4higkeiten genau und hole dir f\u00fcr Dinge, die du selbst nicht kannst, kompetente PartnerInnen mit ins Boot. Das erspart Zeit, die man f\u00fcr seine k\u00fcnstlerischen Aktivit\u00e4ten braucht. Musik muss nicht immer im stillen K\u00e4mmerchen passieren.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angela Myles Beeching, Autorin des Buches \u201eBeyond Talent \u2013 Creating A Successful Career in Music\u201c war im September im Rahmen der Vienna Music Busines Research Days 2016, zu Gast in Wien. 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