{"id":7192,"date":"2022-02-27T15:01:15","date_gmt":"2022-02-27T14:01:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=7192"},"modified":"2022-02-28T18:24:12","modified_gmt":"2022-02-28T17:24:12","slug":"leidenschaft-in-der-musik-und-vielfalt-in-den-perspektiven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2022\/02\/27\/leidenschaft-in-der-musik-und-vielfalt-in-den-perspektiven\/","title":{"rendered":"Leidenschaft in der Musik und Vielfalt in den Perspektiven"},"content":{"rendered":"<h1>Aris Alexander Blettenberg, Gewinner des Internationalen Beethoven Klavierwettbewerbs 2021, im Portr\u00e4t<\/h1>\n<p>Der Internationale Beethoven Klavierwettbewerb Wien ist der \u00e4lteste und wichtigste internationale Klavierwettbewerb \u00d6sterreichs. Vor \u00fcber 50\u00a0Jahren gegr\u00fcndet, veranstaltete die mdw diesen Wettbewerb im Jahr 2021 zum sechzehnten Mal. Der k\u00fcnstlerische Leiter des Wettbewerbs ist Jan Jiracek von Arnim.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7196\" aria-describedby=\"caption-attachment-7196\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-7196\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image2-15-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image2-15-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image2-15-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image2-15-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image2-15-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image2-15-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image2-15-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7196\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der 27-j\u00e4hrige deutsche Pianist Aris Alexander Blettenberg gewann den 1.\u00a0Preis des 16.\u00a0Beethovenwettbewerbs. Er \u00fcberzeugte die Jury mit seiner Darbietung von Ludwig van Beethovens <i>Konzert f\u00fcr Klavier und Orchester Nr.\u00a01 C-Dur op.\u00a015<\/i> und setzte sich damit im Finale am 21.\u00a0Oktober 2021 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins gegen Dasol Kim und Philipp Scheucher durch. Blettenberg erh\u00e4lt einen Konzertfl\u00fcgel der Firma B\u00f6sendorfer Modell\u00a0200 sowie 10.000\u00a0Euro von der RPR Privatstiftung gestiftetes Preisgeld.<\/p>\n<p>Dasol Kim aus S\u00fcdkorea und der \u00d6sterreicher Philipp Scheucher wurden ex aequo mit dem 2.\u00a0Preis ausgezeichnet und erhalten Preisgelder im Wert von je rund 6.000\u00a0Euro; der eine Preis wurde gestiftet von Jasminka Stan\u010dul-Cernko und Willibald Cernko, der andere als Rita-Medjimorec-Ged\u00e4chtnispreis von Heinz Medjimorec.<\/p>\n<p>Im Interview mit dem <i>mdw-Magazin<\/i> gibt der Wettbewerbsgewinner spannende Einblicke in sein musikalisches Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Auf Ihrer Website sagen Sie \u00fcber sich selbst, dass Sie Pianist, Dirigent und Komponist sind. Wie kam es dazu?<\/p>\n<p><b>Aris Alexander Blettenberg (AB): <\/b>Meine Begeisterung f\u00fcr Musik wurde durch den Wunsch meiner Schwester, Klavierspielen zu lernen, geweckt. Dieser hatte zur Folge, dass meine Eltern ein Klavier anschafften, dem ich mit gr\u00f6\u00dfter Freude und einer geh\u00f6rigen Portion kindlichen \u00dcbereifers T\u00f6ne zu entlocken versuchte. F\u00fcr meine Eltern war ganz klar: \u201eDer Junge muss Unterricht bekommen!\u201c So fand ich den Weg zu den Tasten. Mein Interesse galt in den ersten Jahren allerdings nicht so sehr dem Beherrschen der Klaviatur und der Musik, die sich andere ausgedacht hatten, sondern vielmehr der Darstellung eigener musikalischer Ideen, bei deren Ausarbeitung und Konkretisierung das Klavier ein ausgezeichnetes Mittel zum Zweck war. R\u00fcckblickend war auch das Bed\u00fcrfnis des Dirigierens vertreten. Ich erinnere mich lebhaft daran, wie ich als kleines Kind an den Str\u00e4nden Griechenlands, der Heimat meiner Mutter, zahlreiche Stunden damit verbrachte, die Kl\u00e4nge des Meeres und des Windes einer Symphonie gleich mit Bewegungen anzuleiten, zu \u201edirigieren\u201c. Seit der Initialz\u00fcndung meiner Faszination f\u00fcr die Musik sind diese drei \u201ePerspektiven\u201c ein und derselben Sache, n\u00e4mlich Musik auszudr\u00fccken, meine st\u00e4ndigen Begleiter. Ich identifiziere mich mit allen gleich stark und beantworte die h\u00e4ufig gestellte Frage \u201eJa, was sind Sie denn nun?! Pianist, Dirigent oder Komponist?\u201c am liebsten mit einem trockenen \u201eMusiker\u201c.<\/p>\n<p>Im Finale des Wettbewerbs konnte man merken, dass Ihre Interaktion mit dem Orchester sehr nat\u00fcrlich und recht intensiv war. Beeinflussen die Bereiche einander stark?<\/p>\n<p><b>AB:<\/b> Ich war immer schon gewillt bzw. konnte auch nie anders, als meine verschiedenen Interessen miteinander in Einklang zu bringen, um ihren gegenseitigen Einfluss bestm\u00f6glich zu gew\u00e4hrleisten. Beim Einstudieren einer Beethoven-Klaviersonate helfen mir die Sichtweisen und Erfahrungen, die ich als Komponist und Dirigent gesammelt habe, beim Komponieren eigener Werke die Einsichten meiner Besch\u00e4ftigung als ausf\u00fchrender Musiker usw. Das Dirigieren vom Klavier ist f\u00fcr mich seit einigen Jahren zu einer besonderen Passion geworden, was damit zu tun haben mag, dass ich f\u00fcr die Kammermusik seit jeher eine besondere Schw\u00e4che habe und mir jene Art des Musizierens eben diese unmittelbare, kammermusikalische Kommunikation mit den Musiker_innen des Orchesters erm\u00f6glicht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7195\" aria-describedby=\"caption-attachment-7195\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-7195\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image1-21-1024x587.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"487\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image1-21-1024x587.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image1-21-300x172.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image1-21-768x440.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image1-21-1536x880.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image1-21-384x220.jpg 384w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image1-21-850x487.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/post-1_image1-21.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7195\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sie haben als 1.\u00a0Preis zus\u00e4tzlich zum Preisgeld einen B\u00f6sendorfer-Konzertfl\u00fcgel gewonnen. Konnten Sie schon einen Platz f\u00fcr Ihr neues Instrument finden?<\/p>\n<p><b>AB:<\/b> Ich habe das gro\u00dfe Gl\u00fcck, dass ich in meiner Wahlheimatstadt M\u00fcnchen einen Ort gefunden habe, wo meine etwas sperrigen \u201eFamilienmitglieder\u201c Unterschlupf finden konnten. Im Nymphenburger B\u00fcrgerheim, der Fl\u00fcgelresidenz, darf ich sogar nach Lust und Laune \u00fcben. Nun begibt es sich so, dass die Kapelle dieser Einrichtung, ein idyllisches, freistehendes bayerisch-barockes Gottesh\u00e4uschen, nicht in Gebrauch ist und genug Platz bietet, um dem wundervollen Instrument von B\u00f6sendorfer Obdach zu gew\u00e4hren, und, als sei das noch nicht genug, gleichzeitig einen herrlichen Konzertsaal abgibt. Mit der Nutzung dieses Raumes gewinne ich also nicht nur eine weitere \u00dcbem\u00f6glichkeit, sondern auch einen Ort, an dem dieser tolle Preis auch f\u00fcr andere Menschen zum Erklingen gebracht werden kann.<\/p>\n<p>Wie haben Sie insgesamt den Wettbewerb in der neuen, hybriden Form erlebt?<\/p>\n<p><b>AB:<\/b> Tats\u00e4chlich hat mir die zeitliche Entzerrung des Wettbewerbs eine fokussiertere Vorbereitung auf das Wettbewerbsprogramm erlaubt, als dies bei einer dichten Abfolge der Runden vielleicht der Fall gewesen w\u00e4re. Dem gegen\u00fcber stand jedoch die lang andauernde Unsicherheit, ob die Durchf\u00fchrung des Wettbewerbs \u00fcberhaupt m\u00f6glich sein wird.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sie noch etwas \u00fcber Ihre aktuellen Projekte erz\u00e4hlen? Welche musikalischen und pers\u00f6nlichen Ziele haben Sie sich gesetzt? Inwiefern beeinflusst die Pandemie Ihre Aktivit\u00e4ten?<\/p>\n<p><b>AB: <\/b>Der Beginn der Pandemie riss mich aus einer Reihe von Verpflichtungen, was dazu f\u00fchrte, dass die in der ersten Phase des Lockdowns auferlegte Entschleunigung und Isolation f\u00fcr gro\u00dfe Erleichterung bei mir sorgte. Ich nutzte die \u201egeschenkte\u201c Zeit nicht nur um gr\u00f6\u00dfere Wunschprojekte in Angriff zu nehmen, die ich w\u00e4hrend des normalen Konzertbetriebs nicht h\u00e4tte bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen, sondern auch um eine Bilanz meines bisherigen Wirkens und Schaffens zu ziehen, diese zu hinterfragen, um letzten Endes erf\u00fcllt mit neuen Ideen meinen Weg fortzusetzen. Damals rechnete man noch insgeheim mit einer baldigen R\u00fcckkehr der Normalit\u00e4t. Als diese Erwartungen nach fl\u00fcchtigen Lichtblicken zerst\u00f6rt wurden, wog der Verlust der B\u00fchne und des k\u00fcnstlerischen Austausches schwer, und es begann eine Zeit, in der mir der eigentliche Wert dieser verlorenen M\u00f6glichkeiten und das, was diese f\u00fcr mein Leben allzu selbstverst\u00e4ndlich bedeuteten, in einer noch nie da gewesenen Eindringlichkeit bewusst wurden. Mittlerweile genie\u00dfe ich jede doch stattfindende Veranstaltung bewusster. F\u00fcr dieses neue und anhaltende Bewusstsein bin ich sehr dankbar. Solange mich diese Dankbarkeit nicht verl\u00e4sst, blicke ich der kommenden Zeit mit viel Gelassenheit, aber auch Neugier entgegen. In Zukunft m\u00f6chte ich mich wieder vermehrt mit meinen eigenen Werken befassen. Auch dem Schaffen Beethovens m\u00f6chte ich, inspiriert durch die intensive Besch\u00e4ftigung im letzten Jahr, mehr Platz in meinem Leben einr\u00e4umen. Hierbei denke ich beispielsweise an die Einstudierung und Auff\u00fchrung seiner kompletten Sonaten und Kammermusikwerke f\u00fcr Klavier an Orten, an denen diese Werke noch nicht oder noch nie in dieser Gesamtheit zu Geh\u00f6r gebracht wurden. \u00dcberhaupt bin ich der \u00dcberzeugung, dass man besonders dieser Tage gro\u00dfe Visionen hegen und pflegen sollte. In meiner zweiten Heimat Griechenland gibt es auf dem Feld der Vermittlung klassischer Musik noch viel zu tun, auch in meiner Heimatstadt M\u00fclheim sehe ich dahingehend Entwicklungspotenzial. Unabh\u00e4ngig davon, was die n\u00e4here Zukunft an M\u00f6glichkeiten bereith\u00e4lt oder auch nicht, bleibe ich dabei, mir Ziele zu setzen, die sich selbst in kleinstem Rahmen erf\u00fcllen lassen und mir helfen, zuversichtlich und erwartungsvoll nach vorne zu schauen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/mediathek.mdw.ac.at\/BeethovenCompetition2021\">mediathek.mdw.ac.at\/BeethovenCompetition2021<\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 27-j\u00e4hrige deutsche Pianist Aris Alexander Blettenberg gewann den 1.\u00a0Preis des 16.\u00a0Beethovenwettbewerbs. Er \u00fcberzeugte die Jury mit seiner Darbietung von Ludwig van Beethovens Konzert f\u00fcr Klavier und Orchester Nr.\u00a01 C-Dur op.\u00a015 und setzte sich damit im Finale am 21.\u00a0Oktober 2021 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins gegen Dasol Kim und Philipp Scheucher durch.<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":7195,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[1232,945,34,837],"class_list":["post-7192","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-report","tag-2022-1","tag-beethovenwettbewerb","tag-competition","tag-music"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7192"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7451,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7192\/revisions\/7451"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7195"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}