{"id":699,"date":"2017-03-01T10:13:20","date_gmt":"2017-03-01T09:13:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=699"},"modified":"2019-11-29T09:41:36","modified_gmt":"2019-11-29T08:41:36","slug":"radiofone-kunst-das-hoerspiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/03\/01\/radiofone-kunst-das-hoerspiel\/","title":{"rendered":"Radiofone Kunst: Das H\u00f6rspiel"},"content":{"rendered":"<p>\u201eMan muss sp\u00fcren, dass du ein Problem hast!\u201c Harald Krewer, Lehrender am Max Reinhardt Seminar der mdw, erkl\u00e4rt seinen Studierenden im Aufnahmestudio des ORF-Funkhauses die grundlegende Haltung in der Textpassage. Im Rahmen des Faches <em>H\u00f6rspiel<\/em> lernen Schauspiel- und Regiestudierende des Max Reinhardt Seminars gemeinsam ein H\u00f6rspiel zu produzieren. W\u00e4hrend der Schauspielstudierende mit dem Text vor sich versucht diesen eindringlich vorzutragen, leitet ihn der Regiestudierende mit m\u00f6glichst pr\u00e4zisen Anweisungen an. Wieder und wieder wird ein Textfragment gelesen, jede Intonation, jedes Ausatmen, jede Pause unter die Lupe genommen und analysiert. Schnell wird klar: Die Konzentration auf die Stimme als beherrschendes Erz\u00e4hlmittel ist eine hohe Kunst. Sie entscheidet dar\u00fcber, ob die H\u00f6rerInnen der Geschichte folgen wollen, wie packend ein Text ist. Keine Requisite, kein Einsatz von Licht und keine Kameraeinstellung helfen bei der Dramaturgie, allein die Stimme, begleitet von Musik und Ger\u00e4uschen, erz\u00e4hlt die Geschichte.<\/p>\n<p>Das Pflichtfach <em>H\u00f6rspiel<\/em> gliedert sich in drei Bereiche. In einer Einf\u00fchrung werden den Studierenden das H\u00f6rspiel und seine Formen n\u00e4hergebracht. H\u00f6rspiele aus verschiedenen Epochen und von unterschiedlichen SchauspielerInnen gelesen werden angeh\u00f6rt, um so einen Einblick in die Bandbreite an Interpretationen zu bekommen. Die Regiestudierenden suchen schlie\u00dflich einen Text aus, den sie mit Schauspielstudierenden aufnehmen m\u00f6chten. Im praktischen Teil finden die Aufnahmen mit TonmeisterInnen im ORF-Funkhaus in der Argentinierstra\u00dfe statt. An zwei Tagen \u2013 die Zeit ist bewusst knapp, um auch das Zeitmanagement zu schulen \u2013 erarbeiten die Studierenden unter Anleitung von Harald Krewer ihre Interpretation des Textes.<\/p>\n<p>Im dritten Teil der Lehrveranstaltung wird schlie\u00dflich die Gestaltung der gew\u00e4hlten Fassung mit Musik und Ger\u00e4uschen vorgenommen. Essenziell ist hier das eigenverantwortliche Ausgestalten des H\u00f6rspiels, denn produziert wird nicht f\u00fcr die Schublade \u2013 die fertigen H\u00f6rspiele werden von Radio \u00d61 gesendet und erreichen somit ein gro\u00dfes Publikum.<\/p>\n<figure id=\"attachment_716\" aria-describedby=\"caption-attachment-716\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-716\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hoerspiel15.jpg\" alt=\"Hoerspiel\" width=\"1000\" height=\"588\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hoerspiel15.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hoerspiel15-300x176.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hoerspiel15-768x452.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hoerspiel15-850x500.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hoerspiel15-413x244.jpg 413w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-716\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Annamaria Kowalsky<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eDie Faszination f\u00fcr das Medium H\u00f6rspiel ist nach wie vor ungebrochen\u201c, ist Harald Krewer \u00fcberzeugt. Als es noch kein Fernsehen gab und das Radio das Leitmedium darstellte, waren H\u00f6rspiele des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks wahre \u201eStra\u00dfenfeger\u201c. Die H\u00f6rspiele wurden live mit Bands im Studio gesendet. Zum Teil standen die SchauspielerInnen sogar in Kost\u00fcmen vor den Mikrofonen. Vor der Zeit der Digitalisierung war die Erzeugung von Ger\u00e4uschen im H\u00f6rspiel deutlich aufwendiger als heute. Jedes Ger\u00e4usch war auf Band aufgezeichnet oder musste im Studio nachgestellt werden. Im Studio des Funkhauses findet man zur Erinnerung an diese Zeit nach wie vor verschiedene Treppen, Fenster oder T\u00fcren, um Schritte, Fenster\u00f6ffnen, T\u00fcrenknallen und viele weitere Ger\u00e4usche zu erzeugen. Heute werden diese oft aus Filmen und Videos entnommen, eigene Aufnahmen f\u00fcr bestimmte Ger\u00e4usche sind kaum mehr notwendig. Auch die verwendete Literatur f\u00fcr das H\u00f6rspiel hat sich ver\u00e4ndert, da es kaum mehr eigens daf\u00fcr geschriebene Texte gibt. AutorInnen wie Ilse Aichinger oder Ernst Jandl haben diese noch extra verfasst.<\/p>\n<p>Harald Krewer versucht auch die Tradition des H\u00f6rspiels in seinem Unterricht zu vermitteln. Er selbst ist Absolvent des Max Reinhardt Seminars und hat durch die dortige H\u00f6rspielarbeit sein Interesse am H\u00f6rspiel entdeckt. War er anfangs auch noch als Theaterregisseur t\u00e4tig, so hat sich seine Arbeit schlie\u00dflich ganz ins Aufnahmestudio verlagert. Neben seiner Lehrt\u00e4tigkeit an der mdw ist er f\u00fcr \u00d61 als H\u00f6rspielregisseur t\u00e4tig und betreibt er eine Produktionsfirma f\u00fcr Audioformate und einen H\u00f6rbuchverlag.<\/p>\n<p>\u201eDie Reduktion auf das gesprochene Wort und eine gut erz\u00e4hlte Geschichte machen die Faszination am H\u00f6rspiel aus\u201c, erkl\u00e4rt er seine Leidenschaft f\u00fcr die\u00a0akustische Kunstform. F\u00fcr die Studierenden stellt das H\u00f6rspiel auch eine besondere Herausforderungen dar: Anders als auf der B\u00fchne oder beim Film sind RegisseurIn und SchauspielerIn durch eine Glasscheibe getrennt, oft auch ohne direkten Blickkontakt, und die Anweisungen erfolgen nur \u00fcber das Mikrofon. W\u00e4hrend f\u00fcr Theater oder Film oft wochenlang eine Rolle einge\u00fcbt wird und die SchauspielerInnen sich intensiv mit einem Text besch\u00e4ftigen, ihn schlussendlich auswendig lernen, haben sie beim H\u00f6rspiel den Text direkt vor sich und nur wenig Zeit diesen auf ihre Weise zu interpretieren. Die Textaneignung erfolgt somit innerhalb eines k\u00fcrzeren Zeitfensters. Regiestudierende wiederrum m\u00fcssen lernen ihre Anweisungen m\u00f6glichst pr\u00e4zise an die SchauspielerInnen zu kommunizieren.<\/p>\n<p>\u201eEin H\u00f6rspiel ist mehr mit Musik vergleichbar, ein Text ist wie eine Partitur\u201c, meint Harald Krewer. Rhythmuswechsel, Lautst\u00e4rke, Pausen und das Timbre der Stimme der\/des Vorlesenden entscheiden \u00fcber die Qualit\u00e4t eines H\u00f6rspieles, \u00e4hnlich wie bei einem Lied. Die Schauspielerin\/der Schauspieler muss den Text sorgf\u00e4ltig strukturieren und ein Gesp\u00fcr f\u00fcr die Melodie des Textes entwickeln. Darin besteht die wahre Kunst eines gelungenen H\u00f6rspiels.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMan muss sp\u00fcren, dass du ein Problem hast!\u201c Harald Krewer, Lehrender am Max Reinhardt Seminar der mdw, erkl\u00e4rt seinen Studierenden im Aufnahmestudio des ORF-Funkhauses die grundlegende Haltung in der Textpassage. Im Rahmen des Faches H\u00f6rspiel lernen Schauspiel- und Regiestudierende des Max Reinhardt Seminars gemeinsam ein H\u00f6rspiel zu produzieren. W\u00e4hrend der Schauspielstudierende mit dem Text vor &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":713,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[43,923,390,162,44,161,163],"class_list":["post-699","post","type-post","status-publish","format-gallery","has-post-thumbnail","hentry","category-drama","tag-acting","tag-fotoserie","tag-harald-krewer","tag-hoerspiel","tag-max-reinhardt-seminar","tag-radio","tag-radio-play","post_format-post-format-gallery"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/699","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=699"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/699\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":718,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/699\/revisions\/718"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/713"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=699"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=699"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=699"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}