{"id":682,"date":"2017-03-01T10:17:06","date_gmt":"2017-03-01T09:17:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=682"},"modified":"2017-12-11T14:59:47","modified_gmt":"2017-12-11T13:59:47","slug":"liebe-zum-kino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/03\/01\/liebe-zum-kino\/","title":{"rendered":"Liebe zum Kino"},"content":{"rendered":"<strong>Sabine Derflinger hat als erste Frau einen \u00f6sterreichischen <em>Tatort<\/em> inszeniert, mit der Fernsehserie <em>Vorstadtweiber<\/em> feiert sie gro\u00dfe Erfolge und hat zahlreiche Auszeichnungen wie den <em>Grimme-Preis<\/em> oder den <em>VFF TV Movie Award<\/em> des <em>Filmfest M\u00fcnchen<\/em> erhalten. Die aus Ober\u00f6sterreich stammende Regisseurin ist au\u00dferdem Absolventin der Filmakademie Wien. Auch Jannis Lenz, der derzeit an der Filmakademie studiert, kann schon auf einige Auszeichnungen zur\u00fcckblicken. Was die beiden FilmemacherInnen abgesehen von ihrer Berufung noch verbindet, ist ihre gro\u00dfe Liebe zum Kino und eine individuelle filmische Handschrift.<\/strong><\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Auszeichnung hat Sabine Derflinger erst k\u00fcrzlich in M\u00fcnchen f\u00fcr eine Folge der beliebten \u00f6sterreichischen Serie <em>Vorstadtweiber<\/em> verliehen bekommen: der <em>Metropolis<\/em>-Preis ist ein Branchenpreis und eine ganz besondere Anerkennung f\u00fcr die Arbeit der vielf\u00e4ltigen Regisseurin, die in vielen Genres zu Hause ist. So z\u00e4hlen zu ihrem OEuvre Dokumentarfilme wie<br \/>\n<em>Schnelles Geld<\/em> (2004) und <em>Hotspot<\/em> (2011), in dem ein Projekt f\u00fcr Langzeitarbeitslose gezeigt wird, Fernseharbeit wie etwa die Tatortfolgen <em>Falsch verpackt<\/em> (2011) oder <em>Borowski und das Meer<\/em> (2013) sowie Episoden der ORF-Serie <em>Vorstadtweiber<\/em> und Spielfilme wie <em>Vollgas<\/em> (2001), <em>Tag und Nacht<\/em> (2010) und <em>D\u00e4mmerung \u00fcber Burma<\/em> (2014).<\/p>\n<figure id=\"attachment_686\" aria-describedby=\"caption-attachment-686\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-686 size-medium\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/sabine_derflinger-200x300.jpg\" alt=\"Sabine Derflinger\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/sabine_derflinger-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/sabine_derflinger.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-686\" class=\"wp-caption-text\">Sabine Derflinger \u00a9Petro Domenigg<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sabine Derflinger sch\u00e4tzt alle diese Genres sehr, im Fernsehen sieht sie etwa den Vorteil, dass sie die Figuren in der Erz\u00e4hlung weiterentwickeln kann: \u201eDiese Chance hat man bei einem Kinofilm selten, deswegen w\u00e4re es wunderbar, Serienfiguren auch immer in einen Kinofilm zu bringen.\u201c Aber nat\u00fcrlich sieht man sich in der Fernseharbeit schwierigen Produktionsbedingungen gegen\u00fcber, man hat sehr kurze Drehzeiten und knappe Budgets. Dem begegnet die engagierte Regisseurin mit ihrer ganz eigenen Handschrift, die sich auch in ihren anderen filmischen Arbeiten wiederfindet: \u201eIch gebe die Kontrolle auf\u201c, sagt sie. Das bedeute, dass sie jeden Dreh sehr gut vorbereite, aber dann allen Mitwirkenden Freiraum gebe: \u201eEs ist meine Methode, den Menschen einen riesigen Freiraum zu\u00a0gestatten, sodass alle ihre Inputs einbringen k\u00f6nnen und aus diesem Freiraum, etwas Anderes, Ungew\u00f6hnliches entsteht.\u201c<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfes Kino<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl sie alle Sparten liebt, in denen sie arbeitet, antwortet sie auf die Frage, was ihre Lieblingssparte sei, dass es das gro\u00dfe Kino sei, f\u00fcr das ihr Herz am st\u00e4rksten schl\u00e4gt: \u201eIch liebe gro\u00dfes Kino mit gro\u00dfen Filmen und \u00fcppigen Settings. Das habe ich bei den Dreharbeiten zu <em>D\u00e4mmerung \u00fcber Burma<\/em> wieder sehr stark empfunden.\u201c Der Film, in dem eine \u00f6sterreichische F\u00f6rstertochter einen Shan-Prinzen in Burma heiratet, Prinzessin wird und sich dann den Gefahren eines Milit\u00e4rputsches ausgesetzt sieht, wurde mit einem Team von 150 Personen gedreht und das gef\u00e4llt Sabine Derflinger \u201erichtig gut\u201c.<\/p>\n<p><strong>Zum Mond<\/strong><\/p>\n<p>Die Liebe zum Film hat die 53-j\u00e4hrige Regisseurin Sabine Derflinger schon fr\u00fch entdeckt. Sie erinnert sich an ihre Anf\u00e4nge, etwa dass der Wunsch, Regisseurin zu werden, \u201eungef\u00e4hr so war, als h\u00e4tte ich gesagt, ich m\u00f6chte auf den Mond fliegen\u201c. Abgesehen von den Schwierigkeiten einer jungen Frau in einer damals noch sehr m\u00e4nnerdominierten Filmbranche und Ausbildungssituation, erinnert sich die Regisseurin in\u00a0Bezug auf ihre Zeit an der Filmakademie Wien vor allem an den k\u00fcnstlerischen Freiraum und die Zusammenarbeit mit den KollegInnen. Dar\u00fcber hinaus sei die Zeit an der Filmakademie ein Such- und Entwicklungsprozess gewesen, \u201eum mein eigenes Potenzial, die eigene Identit\u00e4t zu entdecken\u201c, sowie auch eine Begegnung mit Menschen, die \u00fcber filmhistorisches Wissen verf\u00fcgten. Der Tipp, den sie jungen RegisseurInnen gibt, ist es, viele Filme anzusehen und es nicht immer allen recht machen zu wollen: \u201eEs kann nur eine\/einer der kreative Kopf sein\u201c, sagt sie. Eine wesentliche Voraussetzung daf\u00fcr sei es, die eigene Arbeitsmethode, die eigene Handschrift zu kennen.<\/p>\n<p>Sabine Derflinger ist die Unterst\u00fctzung von und Solidarisierung mit Frauen in der Filmbranche ein wichtiges Anliegen, 2012 wurde sie f\u00fcr ihre vielf\u00e4ltigen Aktivit\u00e4ten diesbez\u00fcglich mit dem <em>Wiener Frauenpreis<\/em>\u00a0ausgezeichnet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_687\" aria-describedby=\"caption-attachment-687\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-687 size-medium\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/jannis_lenz-300x204.jpg\" alt=\"Jannis Lenz\" width=\"300\" height=\"204\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/jannis_lenz-300x204.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/jannis_lenz.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-687\" class=\"wp-caption-text\">Jannis Lenz \u00a9Alexi Pelekanos<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch der 1983 geborene Jannis Lenz, der derzeit an der Filmakademie Wien studiert, liebt das Kino. Mit seinen Kurzfilmen und Videoinstallationen <em>Freistil<\/em> (2014), <em>Daheim und Dazwischen<\/em> (2014), <em>Schattenboxer<\/em> (2015) und <em>Schwerelos<\/em> (2016) war er auf internationalen Festivals erfolgreich und erst k\u00fcrzlich wurde ihm ein <em>START-Stipendium<\/em> des \u00f6sterreichischen Bundeskanzleramts zuerkannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Parkour<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den jungen Deutschen bahnt sich eine erfolgreiche Laufbahn als Regisseur an, die eigentlich einen sehr gegens\u00e4tzlich scheinenden Ursprung hat: \u201eIch habe in meiner Jugend mit dem Parkour (Hindernislauf in einer Stadt, Anm. d. Red.) begonnen. Dabei wird viel \u00fcber Videos kommuniziert und ich wollte auch selbst Videos machen.\u201c Bei einem Praktikum in einer Produktionsfirma konnte Jannis Lenz das Schneiden erlernen und entdeckte dabei seine Leidenschaft f\u00fcr das Filmemachen. Er entschied sich f\u00fcr ein Studium in Wien, \u201eeine tolle Stadt mit vielen M\u00f6glichkeiten\u201c. Zuerst das der Theater-, Film- und Medienwissenschaft, das ihn in die Filmgeschichte einf\u00fchrte und dann f\u00fcr die Filmakademie Wien. \u201eMan kann sich hier gut ausprobieren und sich von vielen kompetenten Menschen \u2013 nicht nur Lehrenden \u2013 Rat, Hilfe und Feedback holen. Ich hole diese Meinungen gerne ein, m\u00f6chte dabei aber meinen eigenen Blick nicht verlieren, da ich ja auch f\u00fcr die Filme geradestehen muss. Ich denke, dass es nur so m\u00f6glich ist, seinen eigenen Weg zu finden, indem man ausprobiert und scheitert.\u201c<\/p>\n<p><strong>Organischer Prozess<\/strong><\/p>\n<p>Das Ausprobieren und Scheitern, das \u00dcberwinden von Hindernissen ist es, was f\u00fcr Jannis Lenz den Parkour und das Filmemachen verbindet. \u201eParkour ist eine Lebensart, in der man Hindernisse nicht als solche betrachtet, sondern vielmehr als M\u00f6glichkeiten.\u201c Auch beim Filmemachen sei man oft mit Hindernissen konfrontiert, wenn es nicht auf Anhieb klappe, die filmische Vision umzusetzen. \u201eDas ist f\u00fcr mich ein spannender Prozess und f\u00fcr den Umgang mit dem Scheitern war der Parkour ein ziemlich guter\u00a0Lehrmeister.\u201c<br \/>\nDieser Prozess hat Jannis Lenz im Laufe der Jahre seine eigene filmische Handschrift entwickeln lassen. Authentizit\u00e4t, Glaubw\u00fcrdigkeit und eine gute Geschichte sind ihm ebenso wichtig wie seine Figuren: \u201eIch arbeite viel mit LaiendarstellerInnen und versuche sie vor der Kamera das machen zu lassen, was sie sonst im Privatleben auch machen.\u201c Ein Beispiel daf\u00fcr sei sein Film <em>Schattenboxer<\/em>, in dem ein junger Kickboxer ein Anti-Gewalttraining absolviert, um sich eine Gef\u00e4ngnisstrafe\u00a0zu ersparen. \u201eIch schaffe ein Umfeld f\u00fcr die DarstellerInnen, baue einen fiktionalen Rahmen und plane die Kameraarbeit.\u201c Das Projekt wachse dann st\u00e4ndig, neue Situationen oder Texte w\u00fcrden sich von alleine ergeben. \u201eDas ist unglaublich spannend f\u00fcr mich, weil ich es als einen organischen Prozess sehe, der sich schon bei der Arbeit f\u00fcr mich wie echt anf\u00fchlt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Kino und YouTube<\/strong><\/p>\n<p>Als leidenschaftlichen Kinogeher und Filmemacher interessieren Jannis Lenz dennoch auch andere Formen der Erz\u00e4hlung. So setzt er sich etwa in seinem j\u00fcngsten Projekt <em>Wannabe<\/em> mit dem Ph\u00e4nomen YouTube auseinander und verbindet raffiniert die Medien Kino und YouTube miteinander. Im Kinofilm begleitet er die junge Coco auf ihrem Weg zu ihrem Wunschziel YouTube-Star, in den passenden YouTube-Clips k\u00f6nnen ZuseherInnen die Ergebnisse von Cocos Anstrengungen sehen. \u201eIch habe versucht, <em>Wannabe<\/em> so aufzubereiten, dass es die beiden Welten zusammenf\u00fchrt, denn ich denke, es ist wichtig, dass sich die beiden Dinge aufeinander zubewegen und nicht voneinander weg\u201c, gibt Jannis Lenz einen Ausblick auf die Zukunft des Filmes und eventuell auch auf seine eigene.<\/p>\n<p><strong>Links<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>YouTube-Kanal &#8222;Coco Channel&#8220; von Jannis Lenz&#8216; Filmprojekt &#8222;Wannabe&#8220;:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/coco-channel99\" target=\"_blank\">www.youtube.com\/coco-channel99<\/a><\/li>\n<li>Website von Sabine Derflinger: <a href=\"http:\/\/www.derflinger.org\" target=\"_blank\">www.derflinger.org<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sabine Derflinger hat als erste Frau einen \u00f6sterreichischen Tatort inszeniert, mit der Fernsehserie Vorstadtweiber feiert sie gro\u00dfe Erfolge und hat zahlreiche Auszeichnungen wie den Grimme-Preis oder den VFF TV Movie Award des Filmfest M\u00fcnchen erhalten. 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