{"id":6796,"date":"2021-11-26T16:00:20","date_gmt":"2021-11-26T15:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=6796"},"modified":"2021-11-26T16:01:08","modified_gmt":"2021-11-26T15:01:08","slug":"jetzt-muessen-wir-raus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/11\/26\/jetzt-muessen-wir-raus\/","title":{"rendered":"\u201eJetzt m\u00fcssen wir raus\u201c"},"content":{"rendered":"<h5>Ob das jetzt so die \u201eBurner-Story\u201c sei, frage er sich schon, sagt Enzo Brumm gleich zu Beginn des Gespr\u00e4chs. Der 25-j\u00e4hrige Schauspielstudent ist im vierten und letzten Studienjahr am Max Rainhardt Seminar. Als Jugendlicher war Brumm im Jugendclub des Ernst Deutsch Theaters in Hamburg, nun kehrt er f\u00fcr eine Produktion dorthin zur\u00fcck: als Schauspieler in der Inszenierung von <i>Don Carlos<\/i>. Bei einem kleinen Braunen an einem sonnigen Herbsttag im Hof des Museumsquartiers erz\u00e4hlt er sympathisch unpr\u00e4tenti\u00f6s, warum ihm sein erstes Vorsprechen immer noch peinlich ist, von unbewusster Kompetenz und welches Fach ihn w\u00e4hrend des Schauspielstudiums besonders genervt hat.<\/h5>\n<p>Wann haben Sie f\u00fcrs Theater Feuer gefangen?<\/p>\n<p><b>Enzo Brumm (EB):<\/b> In der zehnten Klasse w\u00e4hlte ich Theater, weil ich mir dachte, da kann ich ohne viel Aufwand eine gute Note bekommen. Aber dann hat es mir \u00fcberraschend viel Spa\u00df gemacht, und als ich erfuhr, wie schwierig es ist, an einer staatlichen Schauspielschule genommen zu werden, dachte ich mir: Das muss ich ausprobieren.<\/p>\n<p>Als Sie mit der Schule fertig waren, wirkten Sie im Jugendclub am Ernst Deutsch Theater in Hamburg mit. Was passierte dort?<\/p>\n<p><b>EB: <\/b>Das Format \u201ePerformance\u00a0+\u201c war kein klassischer Schauspiel-Jugendclub, sondern wir haben selber St\u00fccke entwickelt. Oft gab es ein Thema, zu dem wurde recherchiert. Wir haben Texte gesammelt und geschrieben und sehr viel ausprobiert: Alles unter der Regie von Gesche Lundbeck. W\u00e4hrenddessen habe ich mich an den unterschiedlichsten Schauspielschulen beworben.<\/p>\n<p>Wie viele Male sind Sie angetreten?<\/p>\n<p><b>EB: <\/b>Hier in Wien nur einmal, aber ich habe insgesamt \u00fcber drei Jahre verteilt so 15\u00a0Vorsprechen gemacht. Mal mit mehr Ernst, mal mit weniger.<\/p>\n<p>Erinnern Sie sich an Ihr erstes Vorsprechen?<\/p>\n<p><b>EB: <\/b>Das war an der Hochschule f\u00fcr Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, und ich bin in der ersten Runde rausgeflogen. Wenn ich daran denke, ist mir das bis heute unangenehm. Es war klassisch: Junger Typ kommt gerade von der Schule und glaubt, er rockt das jetzt. Ich habe Macbeth gespielt und zehn Minuten durchgebr\u00fcllt. Nicht so gut.<\/p>\n<p>Warum stehen Sie gerne auf der B\u00fchne?<\/p>\n<p><b>EB: <\/b>Ich habe Ideen, was ich antworten kann, aber ich wei\u00df ja noch gar nicht, wie es sich anf\u00fchlt, wenn man wirklich anf\u00e4ngt, Theater zu spielen. Die Erfahrung in der Ausbildung ist ja vielleicht nicht ganz die Erfahrung, die man auch im Berufsleben macht. Aber die Vorstellung, mir ein Kost\u00fcm anzuziehen und f\u00fcr einen gewissen Zeitraum in eine andere Welt einzutauchen, ist eine sehr sch\u00f6ne Vorstellung.<\/p>\n<p>Sie sind jetzt in Ihrem letzten Studienjahr und haben bereits ein Engagement: Sie spielen Anfang n\u00e4chsten Jahres am Ernst Deutsch Theater in <i>Don Carlos<\/i> mit. Wie f\u00fchlt sich das an?<\/p>\n<p><b>EB: <\/b>Wir waren drei Jahre lang in einem gesch\u00fctzten Rahmen, und jetzt m\u00fcssen wir raus. Dass ich ein Engagement au\u00dferhalb der Uni habe, nimmt schon ein bisschen die Zukunftsangst und den Druck, der am Ende des Studiums ganz normal ist. Selbst wenn es erst einmal nur f\u00fcr eine Produktion ist. Wir spielen den <i>Don Carlos<\/i> en suite, und ich glaube, es wird von vorne bis hinten eine lehrreiche Erfahrung. Ich habe noch nie 30\u00a0Mal hintereinander ein St\u00fcck gespielt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6800\" aria-describedby=\"caption-attachment-6800\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6800\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image2-9-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image2-9-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image2-9-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image2-9-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image2-9-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image2-9-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image2-9-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6800\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Lalo Lucia Jodlbauer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sie hatten gerade das Absolvent_innen-Vorspiel vor Intendantinnen und Intendanten und fahren im November auch noch nach Neuss, Berlin und M\u00fcnchen zum gro\u00dfen Vorspiel der deutschsprachigen Schauspielschulen. W\u00fcnschen Sie sich, dass dabei ein Festengagement herauskommt?<\/p>\n<p><b>EB: <\/b>Ich habe schon sehr Lust auf Theater und bin gespannt, was das Absolvent_innen-Vorsprechen bringt. Aber es ist nicht so, dass ich krass den Traum und die Hoffnung habe, dass es jetzt auf jeden Fall ein Fixengagement gibt. Auch Performance oder Film w\u00fcrde mich interessieren.<\/p>\n<p>Welches Fach hat Sie am meisten genervt im Studium?<\/p>\n<p><b>EB: <\/b>Es ist ein Fach, das ich auch gleichzeitig sehr geliebt habe: Karatedo. Eine Art Karate, bei der man anderthalb Stunden immer wieder die gleichen Bewegungen macht, die zum Teil total schwer zu koordinieren sind f\u00fcrs Gehirn. Weil da Abl\u00e4ufe reinkommen, die man sich kaum merken kann. Man muss sich konzentrieren und geduldig sein; das hat mich oft extrem nerv\u00f6s gemacht. Aber ich glaube, es war ein total gutes Training f\u00fcrs K\u00f6rperbewusstsein.<\/p>\n<p>Wie haben Sie sich weiterentwickelt seit der Erfahrung im Jugendclub?<\/p>\n<p><b>EB: <\/b>In der Schule und im Jugendclub war ich sehr viel freier, weil ich die Sachen mit v\u00f6lliger \u00dcberzeugung gemacht und mich komplett reingeworfen habe. Dann kam die Studienzeit. Bei uns an der Uni gibt es vier Lernschritte: die unbewusste Inkompetenz, die bewusste Inkompetenz, die bewusste Kompetenz und die unbewusste Kompetenz.<\/p>\n<p>Das bedeutet?<\/p>\n<p><b>EB: <\/b>Das bedeutet, dass man erst einmal unbewusst technisch nichts kann und es auch nicht reflektieren kann. Nachdem man auf seine Baustellen aufmerksam gemacht wurde, versucht man, daran zu arbeiten: sei es die Sprache, sei es der K\u00f6rper. Die Umsetzung wird dann zur bewussten Kompetenz. Und der finale Schritt ist die unbewusste Kompetenz: Die Freiheit und das freie Spiel kommen zur\u00fcck, mit dem Unterschied, dass man nun kompetent dabei ist.<\/p>\n<p>Und wo stehen Sie?<\/p>\n<p><b>EB: <\/b>Unbewusste Inkompetenz \u2026 (<i>lacht<\/i>). Ich merke schon, dass ich versuche, alles, was ich gelernt habe, wieder ein bisschen loszulassen und nicht immer die Stimme von irgendwelchen Dozierenden im Kopf zu haben. Da kommt schon so eine Losgel\u00f6stheit zur\u00fcck. Aber nat\u00fcrlich ist der Lernprozess mit Ende des Studiums bei Weitem nicht abgeschlossen. Wir sind Anf\u00e4nger_innen und stehen noch ganz am Anfang unseres Berufslebens. Von unbewusster Kompetenz kann da keine Rede sein.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob das jetzt so die \u201eBurner-Story\u201c sei, frage er sich schon, sagt Enzo Brumm gleich zu Beginn des Gespr\u00e4chs. Der 25-j\u00e4hrige Schauspielstudent ist im vierten und letzten Studienjahr am Max Rainhardt Seminar. 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