{"id":6702,"date":"2021-11-26T18:12:28","date_gmt":"2021-11-26T17:12:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=6702"},"modified":"2021-11-26T18:12:57","modified_gmt":"2021-11-26T17:12:57","slug":"festlicher-auftakt-fuer-die-alte-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/11\/26\/festlicher-auftakt-fuer-die-alte-musik\/","title":{"rendered":"Festlicher Auftakt f\u00fcr die Alte Musik"},"content":{"rendered":"Das im Herbst 2020 an der mdw neu gegr\u00fcndete Institut f\u00fcr Alte Musik kann nun schon auf ein einj\u00e4hriges Bestehen zur\u00fcckblicken, und endlich konnte die Institutsgr\u00fcndung auch offiziell gefeiert werden.<\/p>\n<p>Mit dem breit gef\u00e4cherten musikalischen Programm des Er\u00f6ffnungskonzerts spiegelte das Institut seine Schwerpunkte wider: die Musik am Wiener Kaiserhof des 17. und fr\u00fchen 18.\u00a0Jahrhunderts, den sogenannten <i>Wiener Barock<\/i>, wie auch die Besch\u00e4ftigung mit der <i>Wiener Klassik<\/i> und dar\u00fcber hinaus Musik auf Originalinstrumenten unter Ber\u00fccksichtigung der historischen Auff\u00fchrungspraxis. Die gew\u00e4hlten Werke lie\u00dfen das Schaffen einzelner mit dem Wiener Kaiserhof in Verbindung stehender Komponisten aufblitzen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6707\" aria-describedby=\"caption-attachment-6707\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6707\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image3-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image3-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image3-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image3-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image3-2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image3-2-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image3-2-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6707\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ludwig Senfl hielt bereits als Kind Einzug in die Hofkapelle Kaiser Maximilians\u00a0I. und wurde in den Verzeichnissen der Kapelle als Altist registriert. Ferdinand Tobias Richter wurde 1679 ein kaiserliches Stipendium f\u00fcr ein Studium in Rom zuteil. Vier Jahre sp\u00e4ter trat er seinen Dienst als kaiserlicher Hoforganist an und unterrichtete auch mehrere Mitglieder der kaiserlichen Familie. Damit wurde er der Nachfolger von Alessandro Poglietti, der ab 1661 das Amt des Hoforganisten unter Leopold\u00a0I. versehen hatte, aber w\u00e4hrend der Zweiten Wiener T\u00fcrkenbelagerung 1683 ein tragisches Ende erleiden musste. Johann Joseph Fux, dessen Lehrwerk <i>Gradus ad Parnassum<\/i> noch heute die Grundlage f\u00fcr den Kontrapunktunterricht bildet, wurde 1698 zum <i>Hofcompositeur<\/i> ernannt und war ab 1715 Kapellmeister der kaiserlichen Hofkapelle. Auch bei Franz Schubert l\u00e4sst sich eine Verbindung zum Kaiserhof finden: Im Alter von elf Jahren wurde er wegen seiner sch\u00f6nen Stimme als S\u00e4ngerknabe in die Hofmusikkapelle aufgenommen. Unter den aufgef\u00fchrten Werken befindet sich auch eine Kantate aus anonymer Hand, die f\u00fcr den Wiener Ursulinenkonvent geschrieben wurde, der ehemals in dem jetzigen Geb\u00e4ude der mdw in der Seilerst\u00e4tte\u00a026 untergebracht war. Die aus Italien stammende Kaiserin Eleonora\u00a0II. setzte sich f\u00fcr die Gr\u00fcndung des Konvents in Wien ein und war wohl auch f\u00fcr den regen Austausch der Ursulinen mit italienischen Musikern zust\u00e4ndig. Unter den Ursulinen gab es viele gute S\u00e4ngerinnen und Musikerinnen, deren k\u00fcnstlerische Auff\u00fchrungen in Sankt Ursula von einem Zeitgenossen 1685 als \u201erar und angenehm\u201c<span id='easy-footnote-1-6702' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/11\/26\/festlicher-auftakt-fuer-die-alte-musik\/#easy-footnote-bottom-1-6702' title='Johannes Matthias Testarello della Massa: \u201erare und annembliche\u201c; zit. n.: PAGE, Janet K., Convent Music and Politics in Eighteenth-Century Vienna, Cambridge University Press, 2014, S.\u00a073.'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> gepriesen wurden. An zwei Festtagen im Jahr erhielten die Ursulinen kaiserlichen Besuch: am Tag der heiligen Ursula und am Karsamstag. Zum Anlass dieses <i>Sabato santo<\/i> wurde die im Festakt erstmalig wieder aufgef\u00fchrte <i>Cantata sacra<\/i> komponiert. Damit setzte das Institut f\u00fcr Alte Musik auch ein Zeichen, dass es sich der Erforschung und Publikation bisher unentdeckter Sch\u00e4tze des Wiener Musiklebens widmen wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6705\" aria-describedby=\"caption-attachment-6705\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6705\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image1-3-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image1-3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image1-3-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image1-3-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image1-3-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image1-3-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image1-3-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6705\" class=\"wp-caption-text\">Institutsleiter Stefan Gottfried \u00a9 Stephan Polzer Department head Stefan Gottfried \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine dem Originalklang m\u00f6glichst nahekommende Auff\u00fchrungspraxis erfordert naturgem\u00e4\u00df das entsprechende Instrumentarium, und das Institut f\u00fcr Alte Musik setzt sich sehr daf\u00fcr ein, den Studierenden diese Ressourcen so weit als m\u00f6glich zur Verf\u00fcgung zu stellen. Ein Consort aus Renaissance-Traversfl\u00f6ten, eine Kopie des einzig erhaltenen Originals in Verona, erweckte die Musik von Ludwig Senfl zu neuem Leben. Ein italienisches Cembalo nach dem Original von Carlo Grimaldi, ein Claviorganum<span id='easy-footnote-2-6702' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/11\/26\/festlicher-auftakt-fuer-die-alte-musik\/#easy-footnote-bottom-2-6702' title='Privatbesitz'><sup>2<\/sup><\/a><\/span>, das die Register von Cembalo, Orgel und Regal vereint, sowie ein Wiener Fortepiano nach einem Original von Rosenberger repr\u00e4sentierten nur einen kleinen Ausschnitt aus einer reichen Palette von verschiedenartigen historischen Tasteninstrumenten. Beim Festkonzert erklangen auch die f\u00fcr die festlichen Werke des <i>Wiener Barock<\/i> typischen Zinken, von denen noch Originale im Wiener Kunsthistorischen Museum erhalten sind.<\/p>\n<p>Es musizierten gemeinsam Lehrende, Studierende und G\u00e4ste des Instituts f\u00fcr Alte Musik, dessen Lehrangebot nun schon ein reiches Spektrum umfasst. So wird neben den Studienrichtungen Cembalo, Blockfl\u00f6te und Historische Auff\u00fchrungspraxis auch im Rahmen von Kammermusik, Schwerpunkten und Workshops Unterricht in Barockgesang, Traversfl\u00f6te, Barockoboe, historischen Klarinetteninstrumenten, Barockfagott, historischer Posaune, Naturtrompete, Hammerklavier, Clavichord, Barockvioline, Barockcello, Viola da Gamba, Laute, Barockgitarre und Barocktanz angeboten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6704\" aria-describedby=\"caption-attachment-6704\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6704\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image0-3-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image0-3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image0-3-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image0-3-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image0-3-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image0-3-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/post-1_image0-3-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6704\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Besch\u00e4ftigung mit <i>Alter Musik<\/i> kann ja in Wien schon auf eine Zeit zur\u00fcckblicken, die von uns jetzt selbst in die Periode <i>Alter Musik<\/i> eingereiht wird. Gottfried van Swieten, Sohn des Leibarztes von Kaiserin Maria Theresia, Diplomat im Dienste der Habsburger und am Ende seiner Karriere Pr\u00e4fekt der kaiserlichen Hofbibliothek, sammelte begeistert Manuskripte einer bereits vergangenen Epoche und lie\u00df im Rahmen von Sonntagskonzerten die Musik von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich H\u00e4ndel im Prunksaal der Wiener Hofbibliothek auff\u00fchren. Wolfgang Amad\u00e9 Mozart wirkte selbst bei diesen Konzerten mit und wurde auf diese Weise mit den alten Meistern bekannt. Damals galt das Hauptinteresse allerdings den Kompositionen an sich; an der Auff\u00fchrungspraxis war man noch nicht interessiert, im Gegenteil: Mozart hat die barocken Werke bearbeitet und \u201auminstrumentiert\u2018, um sie in das Klanggewand seiner Zeit zu kleiden. Erst in den sp\u00e4ten 1940er Jahren wurden an der damaligen <i>Akademie f\u00fcr Musik und darstellende Kunst<\/i> die Erforschung der historischen Auff\u00fchrungspraxis und die Besch\u00e4ftigung mit historischen Instrumenten in gewissem Ma\u00dfe ins Lehrangebot aufgenommen. Pers\u00f6nlichkeiten wie Josef Mertin und Isolde Ahlgrimm pr\u00e4gten diese Anf\u00e4nge des steigenden Interesses an stilgerechter Auff\u00fchrung. Mit der im Herbst 2020 erfolgten Gr\u00fcndung eines eigenen Instituts f\u00fcr Alte Musik, das diese Belange m\u00f6glichst breit \u2013 praktisch wie auch wissenschaftlich \u2013 abdeckt, ist sicher ein Meilenstein an der mdw gesetzt worden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/mdw.ac.at\/altemusik\">mdw.ac.at\/altemusik<\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das im Herbst 2020 an der mdw neu gegr\u00fcndete Institut f\u00fcr Alte Musik kann nun schon auf ein einj\u00e4hriges Bestehen zur\u00fcckblicken, und endlich konnte die Institutsgr\u00fcndung auch offiziell gefeiert werden. 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