{"id":6542,"date":"2021-09-30T15:38:50","date_gmt":"2021-09-30T13:38:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=6542"},"modified":"2021-09-30T15:49:04","modified_gmt":"2021-09-30T13:49:04","slug":"facingethnicdrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/09\/30\/facingethnicdrag\/","title":{"rendered":"\u201eFacing Ethnic Drag\u201c\ufeff: Zum Auftakt einer Veranstaltungsreihe der mdw Gender Studies"},"content":{"rendered":"\u201eFacing Ethnic Drag\u201c, eine lange geplante Konferenz der mdw Gender Studies, musste immer wieder pandemiebedingt verschoben werden. Am 17. Juni konnte nun endlich zumindest die diesj\u00e4hrige Kick-off-Veranstaltung auf der virtuellen B\u00fchne mit einer Keynote von Jay Pather und einem Artist Talk mit Mamela Nyamza stattfinden. Initiiert und organisiert von Evelyn Annu\u00df und Mariama Diagne vom Institut f\u00fcr Kulturmanagement und Gender Studies (IKM) zeugte der Abend von einer geisteswissenschaftlich-kulturtheoretischen Schwerpunktsetzung der mdw Gender Studies im Zusammenhang mit performativen Praktiken. So profilierte die Veranstaltung die Geschlechterforschung im Kontext der an der mdw vertretenen K\u00fcnste und zugleich als Querschnittsfeld wissenschaftlicher Auseinandersetzung an der Schnittstelle von \u00c4sthetik und Politik.<\/p>\n<p>Im Titel der Veranstaltung laufen diverse aktuelle Diskurse zusammen. Um die Jahrtausendwende wurde der Begriff \u201eEthnic Drag\u201c eingef\u00fchrt, um kulturelle Aneignungsformen im deutschsprachigen Theater zu untersuchen. Im Rahmen der aktuellen Veranstaltungsreihe soll er nun in einem transdisziplin\u00e4ren Umfeld auch jenseits von Repr\u00e4sentationsfragen neu gedacht und st\u00e4rker auf die jeweilige Kontextspezifik performativer Praktiken hin untersucht werden. Es geht also darum, unterschiedliche Formen der Maskerade, von Drag, historisch und r\u00e4umlich aus globaler Perspektive zu situieren. \u201eDoing Drag\u201c wird dabei als eine Praxis gesehen, die Kultur und Gesellschaft nicht nur abbildet, sondern potenziell mitgestaltet und pr\u00e4gt. Dabei regt der Titel der Konferenz die Frage an, in welchem Verh\u00e4ltnis die queere Praktik des Drag, des Cross-Dressing, zu folkloristischen, rassistischen oder grotesken Darstellungen derer steht, die als vermeintlich Fremde wahrgenommen werden. Wie also lassen sich diese Darstellungen ihrerseits resignifizieren, aneignen oder umkehren? Und wie l\u00e4sst sich das so Zitierte aus einem erweiterten geschlechtertheoretischen Blickwinkel analysieren und konfrontieren \u2013 wie gelingt mithin ein \u201eFacing Ethnic Drag\u201c?<\/p>\n<p>Bereits beim Online-\u201eAppetizer\u201c wurde die globale Perspektive der Veranstaltungsreihe deutlich. Exemplarischer Schwerpunkt war in diesem Jahr S\u00fcdafrika als Ort reicher intellektuell-k\u00fcnstlerischer Auseinandersetzung. Denn gerade in S\u00fcdafrika wird seit Langem mit gender-fluiden Auftrittsformen experimentiert, um diese in Verbindung mit der kolonialen Vergangenheit des Landes und der Geschichte der Apartheid sowohl k\u00fcnstlerisch als auch etwa im Stra\u00dfenkarneval zu bearbeiten.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Auftaktveranstaltung untersuchte Jay Pather (Leiter des Institute for Creative Arts und Professor am Centre for Theatre, Dance and Performance Studies an der University of Cape Town) in seiner Keynote ein breites Feld spannender k\u00fcnstlerischer Arbeiten und deren historischen Kontext. Pather ist selbst als international bekannter Choreograf sowie Kurator t\u00e4tig und Experte f\u00fcr die performativen K\u00fcnste in S\u00fcdafrika. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte ist die Frage, inwiefern traditionelle Praktiken in zeitgen\u00f6ssischen s\u00fcdafrikanischen Kunstformen als genuin moderne nachleben. Pather stellte zahlreiche, im hiesigen Kontext bis dato weitgehend unbekannte Videobeispiele von queeren K\u00fcnstler_innen der Gegenwart vor, die sich in ihren Arbeiten auf sehr unterschiedliche Weise mit Exotismus, \u201eBlackness\u201c, Feminismus und der Markierung von K\u00f6rpern im Kontext von Kolonialismus und Apartheid besch\u00e4ftigen. Sein Appell: Neben der oft \u00f6ffentlichkeitswirksamen Schrill- und Buntheit solle gerade der k\u00fcnstlerische Umgang mit Drag nicht nur als \u201etrendy\u201c Unterhaltung betrachtet werden, sondern in den Kontext einer \u00e4sthetischen und politischen Auseinandersetzung gestellt und auch als \u201eStrategy of Survival\u201c im Zusammenhang einer weiter bestehenden, die globalen Verh\u00e4ltnisse noch immer pr\u00e4genden Kolonialit\u00e4t lesbar gemacht werden. Die portr\u00e4tierten K\u00fcnstler_innen seien dabei gerade im Zitat von \u201eEthnic Drag\u201c mit Herausforderungen der (Selbst-)Repr\u00e4sentation konfrontiert, wie Pather im Gespr\u00e4ch mit Evelyn Annu\u00df betonte: Welche historisch bestimmten Formen der Verk\u00f6rperung, so seine Frage, werden zitierend in welcher Weise um-, auf- oder abgewertet, und welche Rolle spielt hierbei das Verh\u00e4ltnis von Gender und Race?<\/p>\n<p>Kunstaktionen in \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen urbanen R\u00e4umen, spontane Happenings und unerwartete Stra\u00dfenvorstellungen beispielsweise brechen in S\u00fcdafrika immer wieder mit routinierten und standardisierten Publikumserwartungen und er\u00f6ffnen Menschen, die sich au\u00dferhalb etablierter Kunstinstitutionen bewegen, die M\u00f6glichkeit der Teilhabe. Daher werden auch Aktionen, die sich eher avantgardistischen Performance-Eins\u00e4tzen zuordnen lie\u00dfen, oft explizit f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Raum konzipiert, wie etwa die von Mamela Nyamza f\u00fcr Kapstadt gestaltete Arbeit <i>19 Born 76 Rebels<\/i>, die anschlie\u00dfend f\u00fcr das Festival in Avignon adaptiert wurde. Nyamza \u2013 T\u00e4nzerin, Choreografin und Aktivistin \u2013 stellte im Dialog mit Mariama Diagne ihre eigenen Arbeiten vor. Von ihr choreografiert und performt, kombiniert sie darin unterschiedliche Tanzstile und \u00fcbersetzt sie in aktuelle Performances, die geschlechterspezifische ebenso wie rassistische Markierungen ihres K\u00f6rpers unterlaufen. Entsprechend nutze sie diesen als politisches Instrumentarium. Ihre Tanzproduktionen stellten dabei Narrative von \u201eBlack Women\u201c in den Mittelpunkt; sie br\u00e4chten, so Nyamza, tradierte Bilder \u201eschwarzer Weiblichkeit\u201c in Bewegung, thematisierten hierzu physische Gewalt und arbeiteten sich an der historisch pr\u00e4figurierten Zurschaustellung von K\u00f6rpern ab.<\/p>\n<p>Mit \u00fcber 120 Teilnehmenden war der virtuelle Auftakt von <i>Facing Ethnic Drag<\/i> bereits ein voller Erfolg. Im n\u00e4chsten Jahr soll die Konferenz vom 23. bis 25. Juni nun endlich auch vor Ort an der mdw weitergehen. Einige der Beitragenden waren bereits bei der diesj\u00e4hrigen Veranstaltung dabei und haben in einer Art Elevator Pitch den Ausblick auf 2022 er\u00f6ffnet: Geplant sind neben weiteren Artist Talks Vortr\u00e4ge etwa zu der Geschichte von Blackfacing und Gender in der Popmusik (Eric Lott, New York), der \u00dcbersetzung dieser Auftrittsform in den digitalen Raum (Katrin Koeppert, Leipzig) sowie deren Fortleben in gegenw\u00e4rtigen Darstellungen arabischer M\u00e4nnlichkeit (Raz Weiner, London), zu jesuitischem Drag und Kolonialit\u00e4t (Karin Harrasser, Linz), der Relation von Maskerade und Film (Nanna Heidenreich, Wien) und auch zu karnevalesken Praktiken auf der Stra\u00dfe und in audiovisuellen Medien (Aurelie Godet, Paris, und Nathalie Aghoro, Eichst\u00e4tt). <i>Facing Ethnic Drag<\/i> wird also auch im n\u00e4chsten Jahr ein breites Feld zuk\u00fcnftiger Auseinandersetzung mit intersektionalen Perspektiven im Kulturbetrieb und \u00f6ffentlichen Raum er\u00f6ffnen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\ufeff\ufeffFacing Ethnic Drag\u201c\ufeff, eine lange geplante Konferenz der mdw Gender Studies, musste immer wieder pandemiebedingt verschoben werden. 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