{"id":6536,"date":"2021-09-29T16:58:24","date_gmt":"2021-09-29T14:58:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=6536"},"modified":"2021-09-30T10:34:33","modified_gmt":"2021-09-30T08:34:33","slug":"contestingborderregimes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/09\/29\/contestingborderregimes\/","title":{"rendered":"Contesting Border Regimes \u2013 Sounds and Images\ufeff Ioannis Christidis"},"content":{"rendered":"<h1>Symposium Transkulturalit\u00e4t_mdw 2021<\/h1>\n<p>Das internationale Symposium <i>Transkulturalit\u00e4t_mdw <\/i>fand 2021 am 7.\u00a0und 8. Mai online unter dem Titel <i>Contesting Border Regimes \u2013 Sounds and Images<\/i> statt. Nach dem bereits siebenj\u00e4hrigen Bestehen des Projektes, dem interdisziplin\u00e4re wissenschaftliche und k\u00fcnstlerische Beitr\u00e4ge rund um das Verst\u00e4ndnis von Kultur, kulturellen Grenzen und deren theoretischen und praktischen Schnittpunkten in Bildung und Politik zu verdanken sind, lag der Fokus dieses Jahres auf aktuellen Fluchtbewegungen und den soziopolitischen und kulturellen Realit\u00e4ten und Ungleichheiten, die sich daraus ergeben. Dank der digitalen Meeting-Software, die aufgrund der Covid-19-Beschr\u00e4nkungen immer mehr in den Bildungsalltag integriert wird und dieser Art von Event zu einer gr\u00f6\u00dferen internationalen Plattform verhilft, konnten sich mehr als 100 Teilnehmer_innen aus der ganzen Welt \u2013 sowohl Mitwirkende als auch Zuh\u00f6rende \u2013 online treffen und austauschen. Auf dem Programm standen Vortr\u00e4ge, Musik, Lyrik und Performances, eine Filmvorf\u00fchrung, Podiumsdiskussionen und wissenschaftliche Pr\u00e4sentationen. Mit dem Vorsatz, verschiedene Formen von k\u00fcnstlerischen Ausdrucksweisen, Studienfeldern und Aktivismus miteinander in Dialog zu bringen, wurden Vertreter_innen der akademischen Welt sowie vieler anderer Felder eingeladen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6540\" aria-describedby=\"caption-attachment-6540\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6540\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-16-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"478\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-16-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-16-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-16-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-16-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-16-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-16-850x478.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6540\" class=\"wp-caption-text\">Von links nach rechts: Faris Cuchi Gezahegn, Gana\u00ebl Dumreicher &amp; Miriam Adefris \u00a9 mdw<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Event wurde von Gerda M\u00fcller, Vizerektorin f\u00fcr Organisationsentwicklung, Gender &amp; Diversity, er\u00f6ffnet. Sie betonte, dass die mdw neben dem Erreichen akademischer Expertise einen besonderen Schwerpunkt darauf setze, das Bewusstsein der Studierenden f\u00fcr kritisches Denken zu sch\u00e4rfen, vor allem im Hinblick auf die Schaffung einer faireren Universit\u00e4t mit mehr Diversit\u00e4t. Das Symposium<i> Transkulturalit\u00e4t<\/i> sei ein wesentlicher Schritt hin zur Erf\u00fcllung dieses best\u00e4ndigen Zieles. Ursula Hemetek, Leiterin des Instituts f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie sowie des Research Centers for Music and Minorities (MMRC), pr\u00e4sentierte das Thema<i> Transkulturalit\u00e4t_mdw 2021 <\/i>und das Konzept der Grenz\u00fcberschreitung in Bezug auf kulturelle Diversit\u00e4t und Ungleichheit. Sie hob hier auch hervor, dass das Symposium innerhalb der mdw sowie \u00fcber sie hinaus einen Raum f\u00fcr Reflexion und Gestaltung er\u00f6ffne.<\/p>\n<p>Daraufhin erl\u00e4uterte Tonica Hunter, die Kuratorin des k\u00fcnstlerisch-musikalischen Beitrags <i>Metamorphosis\/\/Metahuman<\/i>, die Idee der bewussten Verschr\u00e4nkung von k\u00fcnstlerisch-musikalischen Performances und Vortr\u00e4gen, Pr\u00e4sentationen und Diskussionen, die es erm\u00f6glicht, Musik in den Diskurs einzubinden. <i>Metamorphosis\/\/Metahuman<\/i> verhandelt die vielf\u00e4ltigen Identit\u00e4ten des Hauptakteurs Faris Cuchi Gezahegn mit der Intention, k\u00f6rperliches Erleben und Selbstbilder, die White Supremacy und Unterdr\u00fcckung thematisieren und infrage stellen, durch Musik, Klang, Gesang, Poesie, Bilder und Kollagen zu dekonstruieren und rekonstruieren. Weitere Mitwirkende dieses k\u00fcnstlerisch-musikalischen Projekts waren Miriam Adefris (Harfe), Dora Deliyska (Klavier), Gana\u00ebl Dumreicher (Elektronik) und Ciara Moser (E-Bass).<\/p>\n<p>Aus den Forschungsbereichen Visual and Film Studies, Cultural Studies und Migrations- und Grenzstudien kommend, diskutierte die erste Vortragende Brigitta Kuster den Trend unter jungen Migrant_innen aus dem Maghreb, die sich selbst als \u201eharraga\u201c bezeichnen, ihre Mittelmeer\u00fcberquerung nach Europa in provisorischen Booten zu filmen und diese Videos dann auf YouTube hochzuladen. Sie sprach von ihrer Theorie, dass diese audiovisuellen Beweisst\u00fccke transnationaler Migration, die der Dinglichkeit der tats\u00e4chlichen Bedingungen w\u00e4hrend der Seereise entspringen, durch post-kinematische, narrative Strukturen umgehende und Montagetechniken anwendende Ans\u00e4tze (Affectics) neue M\u00f6glichkeiten und emotionale Verbindungen zwischen Politik und \u00c4sthetik erzeugen.<\/p>\n<p>Der erste Tag endete mit der Online-Vorf\u00fchrung des Films <i>Purple Sea<\/i> (67\u00a0Minuten, 2020; deutscher Titel: Das Purpurmeer) der Regisseur_innen Amel Alzakout und Khaled Abdulwahed. Der Film besteht aus Bildern und Ger\u00e4uschen, zuf\u00e4llig von Amel Alzakout am 28. Oktober 2015 aufgenommen, als ihr Boot beim Versuch, mit anderen Gefl\u00fcchteten zur griechischen Insel Lesbos zu gelangen, sank. Mit der Absicht, einen sicheren Raum f\u00fcr das Schildern dieses tragischen Vorfalls zu schaffen, der 42 Menschen das Leben kostete, wurden die Aufnahmen sp\u00e4ter zu einem Film verdichtet; erg\u00e4nzt um Alzakouts Stimme aus dem Off. In einem interaktiven Dialog mit den rohen Bildern erz\u00e4hlt sie die Geschichte aus der Intimit\u00e4t ihrer eigenen Lebenserfahrung, Erinnerung und Fantasie. Nach dem Film folgte eine Podiumsdiskussion mit den beiden Regisseur_innen und dem Cutter Philip Scheffner unter der Moderation von Evelyn Annu\u00df.<\/p>\n<p>Am zweiten Tag des Symposiums untersuchte der Politikwissenschaftler Ilker Ata\u00e7 das Konzept der \u201eUrban Citizenship\u201c, bei dem der Fokus auf einer im Entstehen begriffenen lokalen und inklusiven Politik im Feld der Migration in verschiedenen europ\u00e4ischen St\u00e4dten liegt. Diese Politik erzeugt durch das Engagement von Institutionen wie Gemeinden sowie der Zivilgesellschaft und zivilgesellschaftlicher Grassroot-Initiativen neue politische Visionen, die im Kontrast zur restriktiven Migrations- und Grenzstrategie auf paneurop\u00e4ischer und nationalstaatlicher Ebene stehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6538\" aria-describedby=\"caption-attachment-6538\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6538\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-25-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"478\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-25-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-25-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-25-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-25-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-25-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-25-850x478.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6538\" class=\"wp-caption-text\">Von links nach rechts: Ioannis Christidis, Ursula Hemetek &amp; Anja Brunner \u00a9 mdw<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Symposium endete mit der Pr\u00e4sentation von drei wissenschaftlichen Arbeiten und einer hybriden Podiumsdiskussion mit den Ethnomusikolog_innen Anja Brunner, Ioannis Christidis und Evrim Hikmet \u00d6\u011f\u00fct. Diese Arbeiten behandeln die musikalischen Praktiken von syrischen Migrant_innen und Gefl\u00fcchteten in Verbindung mit ideologischen, politischen, r\u00e4umlichen und musikalischen Grenzen. Brunner besch\u00e4ftigte sich mit Musikerinnen aus Syrien, die in \u00d6sterreich und Deutschland leben, beleuchtete ihre Erfahrungen im Exil sowie die Musik und Lebensstrategien, die sie entwickelten, um mit ihren neuen sozialen Realit\u00e4ten konform zu gehen. Das \u00dcberschreiten von Grenzen im Leben dieser Musikerinnen betrifft sowohl physische als auch symbolische Grenzziehungen, was weitere musikalische Verhandlungen mit imaginierten oder realen kulturellen und musikalischen Unterschieden impliziert. Christidis untersuchte, wie gewisse politische Mainstream-Diskurse rund um die Idee einer \u201egemeinsamen europ\u00e4ischen Identit\u00e4t\u201c (Europeanity), die auf dem Ausschluss von nicht-europ\u00e4ischen \u201eAnderen\u201c auf kultureller, politischer und physischer Ebene basiert, von syrischen Schutzsuchenden und Migrant_innen in musikalischen Strategien hinterfragt, verhandelt oder adaptiert wurden, und zwar in zwei unterschiedlichen, aber dennoch \u00e4hnlichen Kontexten: in Thessaloniki (Griechenland), 2015 w\u00e4hrend der Flucht und in Wien (\u00d6sterreich), in den Jahren 2019 und 2020, einem der Hauptziele von syrischen Gefl\u00fcchteten. \u00d6\u011f\u00fct sprach \u00fcber die Stra\u00dfenmusik von syrischen Musiker_innen auf dem Taksim Square und der Istiklal Street in Istanbul, T\u00fcrkei, im Rahmen von \u201esocial non-movements\u201c. Mit ineffektiver Migrationspolitik in der T\u00fcrkei und dem begrenzten Zugang zu Veranstaltungsr\u00e4umen konfrontiert, behaupten diese Musiker_innen ihre Existenz in der Stadt, indem sie ihre eigenen musikalischen, r\u00e4umlichen und sozialen Strategien entwickeln. Den Pr\u00e4sentationen folgte eine lebendige Diskussion, die von Ursula Hemetek geleitet wurde.<\/p>\n<p>Das Symposium wurde organisiert von einem Team bestehend aus Evelyn Annu\u00df, Julia Fent, Ursula Hemetek, Therese Kaufmann, Gerda M\u00fcller und Hande Sa\u011flam. Das von Pit Kaufmann koordinierte Team des Audio-Video-Zentrums der mdw k\u00fcmmerte sich um die digitale Unterst\u00fctzung und die audiovisuelle Aufnahme. Das Feedback der internationalen Teilnehmer_innen, vor allem das Format betreffend \u2013 die Integration von musikalischen Kompositionen, Performances und akademischen Diskussionen und das hohe Niveau von technischen und \u00e4sthetischen Standards \u2013, war sehr positiv.<\/p>\n<div class=\"bdaia-separator se-shadow\" style=\"margin-top:30px !important;margin-bottom:30px !important;\"><\/div>\n<p>Teile des Symposiums k\u00f6nnen in der mdwMediathek nachgesehen werden unter: <a href=\"http:\/\/mediathek.mdw.ac.at\/contestingborderregimes\">mediathek.mdw.ac.at\/contestingborderregimes<\/a><\/p>\n<p>Weitere Informationen \u00fcber das Programm des Symposiums unter: <a href=\"http:\/\/mdw.ac.at\/ive\/symposium-2021\">mdw.ac.at\/ive\/symposium-2021<\/a><\/p>\n<p>Weitere Informationen \u00fcber den k\u00fcnstlerischen Beitrag <i>Metamorphosis\/\/Metahuman<\/i> und den Film <i>Purple Sea<\/i> unter: <a href=\"http:\/\/tonicahunter.com\/work\">tonicahunter.com\/work<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das internationale Symposium Transkulturalit\u00e4t_mdw fand 2021 am 7.\u00a0und 8. 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