{"id":6462,"date":"2021-09-30T12:41:35","date_gmt":"2021-09-30T10:41:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=6462"},"modified":"2021-09-30T12:42:16","modified_gmt":"2021-09-30T10:42:16","slug":"wie-geht-es-meiner-psyche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/09\/30\/wie-geht-es-meiner-psyche\/","title":{"rendered":"\u201eWie geht es meiner Psyche?\u201c"},"content":{"rendered":"<h1>Psychosoziale Beratung an der mdw w\u00e4hrend der Krise<\/h1>\n<p>Die Nachfrage nach der <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/1480\/\">Psychosozialen Beratung<\/a> f\u00fcr Studierende an der mdw hat in den vergangenen eineinhalb Jahren stark zugenommen, sodass das Angebot im Zuge der Coronakrise so rasch wie m\u00f6glich erweitert wurde. Die Therapeut_innen Marion Herbert, Evelyn Jahn und Alexander Parte geben Einblick in ihre Arbeit, zeigen auf, welche Themen die Covid-Krise dominiert haben, und erkl\u00e4ren, was uns dabei unterst\u00fctzen kann, derartige Situationen (besser) zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>\u201eDie Corona-Pandemie hat insbesondere f\u00fcr Kulturschaffende mit einem Schlag zum Wegfall s\u00e4mtlicher beruflichen Engagements gef\u00fchrt. Dies stellte Studierende nicht nur finanziell vor gro\u00dfe Herausforderungen, sondern machte auch deutlich, unter welchen spezifischen Bedingungen k\u00fcnstlerisches Schaffen erfolgt und wie ein Ereignis wie eine Pandemie mit den damit verbundenen Folgen \u00fcber Nacht die Existenzgrundlage infrage stellen kann\u201c, beschreibt Alexander Parte die Lage, in der sich pl\u00f6tzlich viele vorgefunden haben. \u201eDie daraus resultierenden \u00c4ngste und Sorgen sowie eine pessimistische Sicht auf die eigene berufliche Zukunft haben einen wichtigen Anteil an der Zunahme der Nachfrage nach der Psychosozialen Beratung an der mdw. Dar\u00fcber hinaus war die Isolation vieler Studierender w\u00e4hrend der Lockdowns, insbesondere der ausl\u00e4ndischen Studierenden ohne famili\u00e4ren Anschluss in Wien, ein weiterer wichtiger Belastungsfaktor. Die Vereinsamung durch eine starke Einschr\u00e4nkung des sozialen Kontakts hat neben einer Zunahme von \u00c4ngsten zu einem deutlichen Anstieg von depressiven Episoden gef\u00fchrt\u201c, erkl\u00e4rt der Therapeut. Zu Beginn der Pandemie standen vor allem Sorgen und \u00c4ngste in Bezug auf die eigene Gesundheit und Sicherheit im Vordergrund; Routinen und Regeln im sicheren Miteinander mussten erst gefunden werden. \u201eSchlie\u00dflich r\u00fcckte dann der durch die verschiedenen Lockdowns, die Schlie\u00dfungen der Universit\u00e4ten und die Verlagerung der Lehre in den digitalen Raum verursachte Strukturverlust in den Vordergrund. Die Studierenden waren sehr gefordert, ihre Tage selbst zu strukturieren und sich zu motivieren, da viel an \u00e4u\u00dferem Rahmen und damit an strukturellem Halt weggefallen ist. Nach eineinhalb Jahren Pandemie und einer zu erwartenden Normalisierung gehen diese Schwierigkeiten nun wieder zur\u00fcck. Was jetzt verst\u00e4rkt auftaucht, sind Sorgen die eigene berufliche Zukunft betreffend. Auch wenn der Kulturbetrieb nun wieder Fahrt aufnimmt, zweifeln viele Studierende, ob dieser zu einer Situation wie vor der Pandemie zur\u00fcckkehren kann und wird. Covid hat hier wohl zu einer bleibenden Verunsicherung gef\u00fchrt\u201c, stellt Parte aktuell fest.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6464\" aria-describedby=\"caption-attachment-6464\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6464\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-20-1024x377.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"313\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-20-1024x377.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-20-300x110.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-20-768x283.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-20-1536x566.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-20-2048x754.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-20-850x313.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6464\" class=\"wp-caption-text\">Von links nach rechts: Alexander Parte, Marion Herbert, Evelyn Jahn \u00a9 privat, Bernhard Nicolics-Jahn<\/figcaption><\/figure>\n<p>Um \u201ekrisensicher\u201c durch eine derartige Situation zu kommen, bringen Menschen unterschiedliche Voraussetzungen mit. \u201eDer eine hat vielleicht schon einiges erlebt in seinem Leben und kennt sich daher schon recht gut, was in Krisen wichtig f\u00fcr ihn ist und wie die eigene Resilienz erlebt wird, eine andere Person muss sich diesen Herausforderungen ganz neu stellen. Jede Person hat Ressourcen und F\u00e4higkeiten, mit Krisen umzugehen. Zus\u00e4tzlich sind ein sicher erlebtes Besch\u00e4ftigtsein, beispielsweise durch Studium, Arbeit oder eine Aufgabenstellung als strukturierender Inhalt, sowie zumindest halbwegs stabile finanzielle und soziale Verh\u00e4ltnisse und k\u00f6rperliche Gesundheit von gro\u00dfer Bedeutung. Krisen haben die Eigenschaft, sehr spontan aufzutauchen und dann erst einmal alles durcheinanderzuwirbeln\u201c, beschreibt Evelyn Jahn den sehr individuellen Umgang in derartigen Situationen. Sehr wichtig erscheint ihr auch die Einordnung der Gr\u00f6\u00dfe und Bedeutung der Krise f\u00fcr das eigene Leben. \u201eWelche Bereiche in meinem Leben sind davon betroffen? Ist vielleicht etwas unbeschadet davon geblieben, was bricht weg? Welche Ressource bleibt bestehen, und was muss eingetreten sein, dass die Krise als bew\u00e4ltigt erlebt und eingeordnet wird? Besonders wichtig sind sogenannte stabilisierende Faktoren: regelm\u00e4\u00dfige Nahrungsaufnahme und Minimum sechs Stunden Schlaf, so gut es geht eine Tagesstruktur beibehalten k\u00f6nnen und Kommunikation mit anderen. Sich jeden Tag aufs Neue kleine Orientierungspunkte schaffen\u201c, r\u00e4t die Therapeutin. Dar\u00fcber hinaus ist es auch wichtig, wen man an seiner Seite hat \u2013 Freundeskreis, Kolleg_innen, Familie k\u00f6nnen hier Unterst\u00fctzung bieten. \u201eUnd man sollte sich auch die Frage stellen: Wie geht es meiner Psyche, habe ich Symptome, brauche ich professionelle Hilfe?\u201c, so Jahn. Oft haben Menschen das Gef\u00fchl, ihre Probleme und Sorgen seien nicht wichtig genug, und vergleichen sich in solchen Situationen stark mit anderen. \u201eIch antworte diesen Personen, dass jeder Mensch ein Recht auf seine Empfindungen und sein Jammern hat, egal ob es daneben noch Menschen mit objektiv betrachtet gr\u00f6\u00dferen Problemen und weniger Ressourcen gibt. Schuldgef\u00fchle und schlechtes Gewissen anderen gegen\u00fcber sind absolute Krisenverst\u00e4rker und m\u00fcssen daher mit sehr deutlichen Worten so fr\u00fch wie m\u00f6glich im Gespr\u00e4ch abgefangen werden.\u201c<\/p>\n<p>Wie sehr Covid als Belastung empfunden wurde und wird, unterscheidet sich genauso wie der Umgang damit und wird selbstverst\u00e4ndlich auch von anderen Faktoren, wie z.\u2009B. der sozialen Situation, beeinflusst. \u201eW\u00e4hrend manche von \u201aEntschleunigung\u2018 sprachen, haben andere mit Mehrfachbelastungen, massiven Existenzbedrohungen und -\u00e4ngsten, aber auch gesundheitlichen Beschwerden zu k\u00e4mpfen gehabt und k\u00e4mpfen auch noch aktuell. Wer schon vor der Krise in einer nicht privilegierten Situation war, wird auf psychosozialer Ebene noch mehr Belastungen zu bew\u00e4ltigen haben\u201c, erkl\u00e4rt Marion Herbert. Auch bei den Nachwirkungen der Krise wird es \u00e4hnlich aussehen, so ihre Einsch\u00e4tzung. \u201eBei manchen kommen diese vielleicht erst, wenn der gr\u00f6\u00dfte Stress vorbei ist und der \u201a\u00dcberlebensmodus\u2018 aufgegeben werden kann \u2013 \u00c4ngste, Ersch\u00f6pfung und depressives Erleben sowie eine Ersch\u00fctterung des Sicherheitsgef\u00fchls k\u00f6nnten zeitverz\u00f6gert auftreten. Auch diejenigen, die unter den Symptomen von Long Covid leiden, werden noch l\u00e4nger gefordert sein \u2013 manche werden vermutlich noch viel Geduld, Durchhalteverm\u00f6gen, Zeit und ein unterst\u00fctzendes Umfeld brauchen, um sich zu erholen bzw. wieder Boden unter den F\u00fc\u00dfen zu bekommen und sich wieder sicher und gesund f\u00fchlen zu k\u00f6nnen.\u201c Ein Patentrezept, wie man k\u00fcnftig mit derartigen Krisen umgehen kann, gibt es freilich nicht. \u201eAber Ideen, was in Krisensituationen unterst\u00fctzen kann, gibt es: Sich mit f\u00f6rderlichen Menschen zu umgeben, die guttun, denen man sich anvertrauen kann, um mit eigenen Belastungen nicht alleine zu bleiben, d\u00fcrfte f\u00fcr viele schon entlastend sein. Manchmal tut es gut, mit nahestehenden Personen zu reden, manchmal kann es auch helfen, mit professionellen Helfer_innen in Kontakt zu treten, um eine \u201aAu\u00dfenperspektive\u2018 zu bekommen bzw. Familie und Freund_innen nicht zu sehr zu belasten. Schuld, Selbstvorw\u00fcrfe und Scham sind in diesem Zusammenhang auch oft zentrale Affekte. Diese Gef\u00fchle sind verst\u00e4ndlich, meist aber nicht entlastend, sondern eher die Situation bzw. die eigene Wahrnehmung der aktuellen Krise verschlimmernd. Wenn es gelingt, f\u00fcr sich selbst und die aktuell empfundene Ohnmacht und\/oder \u00dcberforderung auch Verst\u00e4ndnis zu entwickeln, ist ein wesentlicher Schritt schon getan.\u201c Wie ihre Kollegin Jahn r\u00e4t auch Marion Herbert zu einer gewissen Struktur im Alltag: \u201eRegelm\u00e4\u00dfiges Schlafen, Essen und Trinken sind das Um und Auf \u2013 das wird in krisenhaftem Erleben oft nicht ausreichend beachtet. Und dann weiter schauen: Wer oder was tut mir aktuell gut? Wo kann ich mir punktuell Auszeiten schaffen? Wo sind kleine Momente der Ruhe\/Kraft\/Entlastung trotzdem m\u00f6glich? Vielen hilft auch eine Tagesstruktur, um wieder ein wenig in eine gef\u00fchlte \u201aNormalit\u00e4t\u2018 zu kommen. Wichtig ist aus meiner Erfahrung heraus, sowohl die Ressourcen als auch die Belastungen und die Schwere im Auge zu behalten.\u201c","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Therapeut_innen Marion Herbert, Evelyn Jahn und Alexander Parte geben Einblick in ihre Arbeit, zeigen auf, welche Themen die Covid-Krise dominiert haben, und erkl\u00e4ren, was uns dabei unterst\u00fctzen kann, derartige Situationen (besser) zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6465,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1192,1196,854],"class_list":["post-6462","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2021-3","tag-resilienz","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6462","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6462"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6462\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6641,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6462\/revisions\/6641"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6465"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}