{"id":6440,"date":"2021-09-30T12:51:24","date_gmt":"2021-09-30T10:51:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=6440"},"modified":"2021-09-30T12:51:37","modified_gmt":"2021-09-30T10:51:37","slug":"bergauf-mit-dem-wanderer-vom-eichkogel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/09\/30\/bergauf-mit-dem-wanderer-vom-eichkogel\/","title":{"rendered":"Bergauf mit dem Wanderer vom Eichkogel"},"content":{"rendered":"<h5>Wie Dirigent, mdw-Professor und Musikwissenschafter Johannes Wildner die Pandemie aktiv und reflektierend nutzt, und warum er die Krise als Chance sieht.<\/h5>\n<p>\u201eGr\u00fc\u00df Gott! Johannes Wildner, der Wanderer vom Eichkogel, begr\u00fc\u00dft Sie ganz herzlich zu unserer gemeinsamen Eichkogel-Wanderung.\u201c So hei\u00dft der Dirigent sein Publikum in den YouTube-Videos jedes Mal willkommen. Besser gesagt jeden Tag. Was am 22. M\u00e4rz 2020 als Erkl\u00e4rung f\u00fcr pandemiebedingt abgesagte Konzerte, als Nachrichten \u201eaus der Kultur-Quarant\u00e4ne\u201c begann, wurde bald zur t\u00e4glichen Betrachtung unterschiedlichster zeitgen\u00f6ssischer und historischer Themen. Auch viele Gedenktage nutzt er, um zeit\u00fcbergreifende Topoi und ihm eigene Werte zu transportieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6442\" aria-describedby=\"caption-attachment-6442\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6442\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-17-1024x587.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"487\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-17-1024x587.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-17-300x172.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-17-768x440.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-17-1536x880.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-17-384x220.jpg 384w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-17-850x487.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image0-17.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6442\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und es mangelt dem Intendanten der Oper Burg Gars nicht an Gespr\u00e4chsstoff. Zum Interview traf ihn das <i>mdw-Magazin<\/i> dort. Die Opernfestspiele mit Mozarts <i>Die Entf\u00fchrung aus dem Serail<\/i> auf der wundersch\u00f6n im Waldviertel gelegenen Burgruine waren gerade in vollem Gange, die Zeit knapp bemessen, und dennoch wurde der k\u00fcnstlerische Leiter nicht m\u00fcde, die Geschichte der Burg und der Opernfestspiele mit unwahrscheinlicher historischer Pr\u00e4gnanz zu erl\u00e4utern.<\/p>\n<p>Das Videoprojekt fing eigentlich damit an, dass das f\u00fcr den 1. Mai 2020 geplante Konzert des Wiener Johann Strauss Orchesters pandemiebedingt abgesagt werden musste. Dirigent Johannes Wildner sollte Videobotschaften an das internationale Publikum ins Netz stellen, um die Situation zu erkl\u00e4ren. Ein professionelles Kamerateam lehnte er ab, hielt sich das Smartphone vors Gesicht und nahm sich selbst damit auf. Doch gerade dieses \u201eSelbstgestrickte\u201c, wie es der Intendant nennt, kam beim Publikum sehr gut an, und so ist er diesem Stil bis heute treu geblieben.<\/p>\n<p>Wildner erz\u00e4hlt, wie es dann weiterging. \u201eDie Idee, das am Eichkogel zu realisieren, ist entstanden, weil ich vom Garten hinter unserem Haus in M\u00f6dling direkt auf den Eichkogel gehen kann, ohne \u00f6ffentliche Verkehrsfl\u00e4chen zu ben\u00fctzen.\u201c Sein Publikum nahm er also mit auf die Wanderung und erz\u00e4hlte zun\u00e4chst \u00fcber Johann Strauss und Ludwig van Beethoven. Einige Medien in \u00d6sterreich und Deutschland wurden auf die Serie von kurzen Videos aufmerksam, stellten Fragen und gaben neue Ideen. \u201eAb der 50., damals noch so genannten Corona-Wanderung habe ich begonnen, nicht nur \u00fcber das Strauss-Orchester zu sprechen, sondern auch andere Themen aufzugreifen\u201c, erkl\u00e4rt der Dirigent. Ab der 70. Folge nannte er sie <i>Eichkogel-Wanderung<\/i>, um die negative Corona-Konnotation loszuwerden und dem damals mutma\u00dflichen baldigen Ende der Pandemie Rechnung zu tragen. Auch die Wanderungen f\u00fchrten bald weiter, \u00fcber die Weinstra\u00dfe hinauf zum Husarentempel und zum Anninger, dem Hausberg M\u00f6dlings, auf den Pfaden Beethovens und Schuberts.<\/p>\n<p>\u201eEigentlich, denke ich, geht das so weiter, denn es f\u00e4llt mir immer etwas Neues ein\u201c, sieht der Intendant der Zukunft seiner Videoreihe l\u00e4chelnd entgegen. \u201eIm Vordergrund steht die Freude, etwas mitzuteilen, an das ich gerade denke, etwas weiterzugeben, das mir am Herzen liegt. Ein Vorbild f\u00fcr mich ist Christa Kummer. Nach dem Motto \u201aEinsparen, kleiner werden, leiser treten, um die Umwelt zu schonen und den Kohlendioxid-Aussto\u00df zu verringern\u2018, versuche auch ich, eine Bewegung zu gestalten: eine Wanderbewegung, die uns zur\u00fcckf\u00fchrt in die unverkl\u00e4rte Romantik, als wir die Dinge dynamischer, als wir hinter die Fassaden gesehen haben.\u201c Auch Begegnungen, Erlebnisse und Jahrestage aus Kultur, Geschichte und Politik geben Anregungen f\u00fcr Betrachtungen, die in Bild und Ton festgehalten werden. \u201eWo ist das Volk von Schiller und Goethe hingeraten, was haben wir mit den Werten der Franz\u00f6sischen Revolution in den vergangenen 200 Jahren gemacht?\u201c, nennt Wildner als beispielhafte Fragen, die ihn auf seinen Wanderungen begleiten. \u201eF\u00fcr mich haben die Wanderungen auch die Funktion, die Augen zu \u00f6ffnen, dass das Allt\u00e4gliche so unglaublich spannend, informativ und enth\u00fcllend sein kann.\u201c<\/p>\n<p>Auf den Stellenwert der Resilienz angesprochen, verweist der Wanderer vom Eichkogel ebenfalls auf die Epoche der Romantik. \u201eVon ihr k\u00f6nnen wir lernen, dass wir keine Angst vor der Zukunft haben brauchen und keine Angst vor Ver\u00e4nderung, denn sie kommt ohnehin.\u201c Und konkret auf die vergangenen eineinhalb Jahre zur\u00fcckblickend zieht er ebenfalls ein positives Res\u00fcmee: \u201eWir haben in dieser Zeit sehr viel gelernt in Bezug auf Online-Unterricht, es ist eine hervorragende M\u00f6glichkeit, internationale Studierende zu erreichen, die nicht nach Wien kommen k\u00f6nnen. Ich habe eine Studierende, die ein ganzes Jahr lang nicht aus China rauskonnte, in dieser Zeit \u00fcber Zoom unterrichtet. Wir gehen auch kreativ mit dem Medium um. Zum Beispiel spielt ein Studierender ein St\u00fcck am Klavier, das wird dann einer anderen Studierenden geschickt, die es daraufhin dirigiert. Ein dritter Studierender gab dazu Feedback. Wir lassen uns immer wieder Neues einfallen. Aber nat\u00fcrlich gibt es Einschr\u00e4nkungen, gerade in Hinsicht auf Orchesterarbeit und Auftrittsm\u00f6glichkeiten.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_6444\" aria-describedby=\"caption-attachment-6444\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6444\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-10-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-10-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-10-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-10-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-10-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-10-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-10-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6444\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Abschlie\u00dfend fasst Johannes Wildner zusammen: \u201eWenn uns die Coronakrise etwas gelehrt hat, dann, dass wir nicht ununterbrochen abh\u00e4ngig sind vom t\u00e4glichen Applaus, dass wir eine Definition unseres Selbstwerts finden, die in uns ist und nicht von au\u00dfen kommt. Unser Eigenwert soll eben nicht bestimmt sein vom finanziellen Abgeltungsfaktor eines Auftritts. Auch den Wert dessen, was wir anzubieten haben, bestimmen wir aus uns heraus. Ich bin dankbar daf\u00fcr, diese Erfahrung gemacht zu haben. Freilich ist das f\u00fcr jemanden, der am Beginn seiner Laufbahn steht, sehr schwer , die Studierenden wollen nat\u00fcrlich vordirigieren und vorspielen. Als Lehrender sehe ich hier meine Aufgabe zu helfen und den Studierenden zu zeigen, was sie vorbereiten k\u00f6nnen, um es dann, wenn es gefragt ist, zu pr\u00e4sentieren. Ich vergleiche die Entwicklung gern mit einer Pflanze, die \u00fcber einen Betonblock w\u00e4chst und aufbl\u00fchen kann. Die Fantasie muss Raum bekommen. Jeder und jede muss aktiv sein. Vieles ist m\u00f6glich. Nur Raunzen geht nicht.\u201c","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Dirigent, mdw-Professor und Musikwissenschafter Johannes Wildner die Pandemie aktiv und reflektierend nutzt, und warum er die Krise als Chance sieht.<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":6443,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1192,1196,854],"class_list":["post-6440","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2021-3","tag-resilienz","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6440","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6440"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6440\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6645,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6440\/revisions\/6645"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6443"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6440"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6440"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6440"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}