{"id":6429,"date":"2021-09-30T12:58:17","date_gmt":"2021-09-30T10:58:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=6429"},"modified":"2021-09-30T12:58:40","modified_gmt":"2021-09-30T10:58:40","slug":"spuren-im-wald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/09\/30\/spuren-im-wald\/","title":{"rendered":"Spuren im Wald"},"content":{"rendered":"<h5>Joshua J\u00e1di ist Studierender an der Filmakademie Wien. Im Sommer 2020 begleitete er mit einer dreik\u00f6pfigen Filmcrew unter widrigsten Umst\u00e4nden den bedeutenden Mar\u0161 mira (Der Friedensmarsch), der j\u00e4hrlich an die Kriegsverbrechen in Srebrenica in Bosnien und Herzegowina erinnert.<\/h5>\n<p>W\u00e4hrend des Ausbruchs des Covid-19-Virus in Europa im M\u00e4rz 2020 wird Joshua J\u00e1di, Regiestudent an der Filmakademie Wien, auf das Vorhaben einer Bekannten aufmerksam, die im Sommer 2020 den Mar\u0161 mira, die Wanderung im Gedenken an den Genozid von Srebrenica, plant. \u201eIch wollte der Familie dieser starken Frau, die ich seit 25\u00a0Jahren kenne und die den Weg im Gedenken an ihren Bruder zu Ende gehen m\u00f6chte, etwas zur\u00fcckgeben\u201c, beschreibt Joshua J\u00e1di sein Hauptmotiv f\u00fcr den Dreh des Dokumentarfilms. \u201eUnd mir war bewusst, dass sie nur einmal die Energie aufbringen w\u00fcrde, diesen schwierigen Weg anzutreten.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_6436\" aria-describedby=\"caption-attachment-6436\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6436 size-medium\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image5-1-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image5-1-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image5-1-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image5-1-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image5-1-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image5-1-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image5-1-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image5-1-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6436\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Joshua J\u00e1di beginnt umgehend mit der Planung des Projekts, muss jedoch bereits nach wenigen Tagen wieder abbrechen \u2013 \u00d6sterreich befindet sich im ersten Lockdown.<\/p>\n<p>Im Zuge des Dokumentarfilmunterrichts an der Filmakademie im Sommersemester beschlie\u00dft J\u00e1di, das Projekt zun\u00e4chst als Modellversuch weiterzudenken. \u201ePl\u00f6tzlich kam die Nachricht aus Bosnien, dass der Marsch trotz Corona stattfinden soll, da sich 2020 der Gedenktag zum 25.\u00a0Mal j\u00e4hrt. Dadurch habe ich wieder Hoffnung gesch\u00f6pft, das Projekt doch realisieren zu k\u00f6nnen.\u201c Die kommenden Wochen stellen sich f\u00fcr den engagierten Dokumentarfilmer als besonders nervenaufreibend dar. T\u00e4glich schwankt das Projekt zwischen Realisation und Scheitern. \u201eNiemand wusste, was morgen sein w\u00fcrde. Das machte es auch so schwierig herauszufinden, was m\u00f6glich sein wird\u201c, erinnert sich Joshua J\u00e1di. Trotz so mancher Gedanken ans Aufgeben entschlie\u00dft er sich weiterzumachen. \u201eWenn die ganze Welt stillsteht, ist es unsere Aufgabe, rauszugehen und zu filmen, was gerade passiert. Denn wir sind in der Pflicht, das Zeitgeschehen festzuhalten.\u201c<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste R\u00fcckschlag folgt, als der Regisseur erf\u00e4hrt, dass aufgrund von Covid-19 nur hundert M\u00e4nner den Mar\u0161 mira begleiten d\u00fcrfen. \u201eKurzerhand habe ich \u00fcberlegt, unsere Protagonistin als \u00dcbersetzerin mitzunehmen. Die Regierungsstellen in Bosnien haben mir schlie\u00dflich eine Erlaubnis ausgestellt, dass ich mit meiner Crew, limitiert auf drei Leute, f\u00fcr drei Tage unter bestimmten Sicherheitsvorkehrungen den Marsch begleiten darf.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_6433\" aria-describedby=\"caption-attachment-6433\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6433 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-9-1024x457.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-9-1024x457.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-9-300x134.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-9-768x343.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-9-1536x686.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-9-2048x915.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image2-9-850x380.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6433\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Joshua J\u00e1di \/ Jakob Carl Sauer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wieder folgt ein Hindernis, diesmal kurz vor Drehbeginn. Drei Tage vor der Abreise wird in \u00d6sterreich die rote Warnstufe ausgerufen und die Universit\u00e4t geschlossen, mit der Folge, dass J\u00e1di und seine Crew nicht mehr auf das Equipment der Filmakademie zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. \u201eEs war sehr frustrierend, denn obwohl ich von der Filmakademie so gut es ging unterst\u00fctzt wurde, musste ich den Dreh nun selbst finanzieren. Zudem war ein Teil der Crew bereits vor Ort, wir konnten daher unser Vorhaben nicht mehr stoppen.\u201c Innerhalb weniger Tage organisiert Joshua J\u00e1di eigenes Equipment. Finanzielle Unterst\u00fctzung wird ihm kurzerhand \u00fcber die Soforthilfe der hmdw zugesichert. \u201eSchlie\u00dflich sind wir mit dem Gef\u00fchl losgefahren, dass unser Projekt unterwegs noch scheitern wird.\u201c<\/p>\n<p>Trotz der zahlreichen Widrigkeiten k\u00f6nnen die Dreharbeiten schlie\u00dflich beginnen. Die vielen Bilder, die dabei entstehen, beschreibt Joshua J\u00e1di als eindrucksvoll und verst\u00f6rend zugleich. Durch die Umst\u00e4nde der Corona-Pandemie erinnern sie an die damalige Zeit: \u201eDer Marsch wurde vom Milit\u00e4r begleitet. Menschen werden aus ihren Zelten geholt, um ihnen Fieber zu messen. Das sieht im ersten Moment so aus wie damals\u201c, erz\u00e4hlt der junge Regisseur \u00fcber seine Beobachtungen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6432\" aria-describedby=\"caption-attachment-6432\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6432\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image1-16-1024x457.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image1-16-1024x457.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image1-16-300x134.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image1-16-768x343.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image1-16-1536x686.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image1-16-2048x915.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/post-1_image1-16-850x380.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6432\" class=\"wp-caption-text\">Finanziell wurde die Postproduktion des Films von der isa Internationale Sommerakademie der mdw unterst\u00fctzt. Im Rahmen des isaFestivals im vergangenen August wurde Spuren im Wald erstmals der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert. \u00a9 Joshua J\u00e1di \/ Jakob Carl Sauer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Strecke, die w\u00e4hrend des Mar\u0161 mira zur\u00fcckgelegt wird, ist 90\u00a0km lang und erinnert an die Strecke, die die Fl\u00fcchtlinge im Juli 1995 \u00fcberwinden mussten, um nach Tuzla an der Grenze des bosnischen Gebiets zu gelangen. Die Gedenkwanderung beginnt am Ziel der damaligen Fl\u00fcchtlingskolonne und endet beim Srebrenica-Genozid-Denkmal in Poto\u010dari. \u201eDie Wanderung wird normalerweise von rund 8.000\u00a0Menschen begleitet. 2020 waren es aufgrund von Corona um ein Vielfaches weniger. Wir waren auch die einzige Filmcrew, die den Marsch begleiten durfte.\u201c<\/p>\n<p>Trotz der vielen Hindernisse und R\u00fcckschl\u00e4ge im Zuge der Planung und Umsetzung haben es Joshua J\u00e1di und seine Crew geschafft, den Film fertigzustellen. \u201eWir stehen hier im Dienst einer gr\u00f6\u00dferen Sache. Wichtig sind nicht wir oder der Film, sondern das Zeitdokument, das am Ende entstanden ist. Und dass ich der Familie unserer Protagonistin zeigen kann, was f\u00fcr eine starke, tolle Frau sie ist. Diese Motivation hat mir jeden Tag Kraft gegeben weiterzumachen.\u201c","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joshua J\u00e1di ist Studierender an der Filmakademie Wien. Im Sommer 2020 begleitete er mit einer dreik\u00f6pfigen Filmcrew unter widrigsten Umst\u00e4nden den bedeutenden Mar\u0161 mira\ufeff (Der Friedensmarsch), der j\u00e4hrlich an die Kriegsverbrechen in Srebrenica in Bosnien und Herzegowina erinnert.<\/p>\n","protected":false},"author":86,"featured_media":6431,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1192,1052,1214,179,854],"class_list":["post-6429","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2021-3","tag-filmakademiewien","tag-reslienz","tag-film","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6429","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/86"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6429"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6429\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6648,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6429\/revisions\/6648"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6431"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6429"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6429"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6429"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}