{"id":62,"date":"2016-11-22T14:59:33","date_gmt":"2016-11-22T13:59:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=62"},"modified":"2017-12-11T14:45:30","modified_gmt":"2017-12-11T13:45:30","slug":"bis-sie-der-ernst-des-lebens-etwas-anderes-lehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/11\/22\/bis-sie-der-ernst-des-lebens-etwas-anderes-lehrt\/","title":{"rendered":"\u201eBis sie der Ernst des Lebens etwas anderes lehrt\u201c"},"content":{"rendered":"<strong>Seit 1. Oktober 2016 gibt es an der mdw ein Career Center, das Studierenden den Weg ins Berufsleben erleichtern soll. Was kann es? Und \u2212 braucht es das wirklich? Ein Gespr\u00e4ch mit Vizerektorin Barbara Gisler-Haase und Career Center-Leiterin Susanne Latin.<\/strong><\/p>\n<p><strong>2015 hat die mdw stolz eine Befragung unter Abg\u00e4ngerInnen pr\u00e4sentiert, laut der sich die AbsolventInnen sehr gut aufs Berufsleben vorbereitet f\u00fchlen. Die meisten von ihnen arbeiten als MusikerInnen oder Musikp\u00e4dagogInnen und sie gaben an, damit gl\u00fccklich zu sein. Wie sind Sie nun zu der Erkenntnis gekommen, dass es Bedarf nach einem eigenen Career Center gibt?<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_63\" aria-describedby=\"caption-attachment-63\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-63\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_barbara_gisler-haase.jpg\" alt=\"Barbara Gisler-Haase\" width=\"400\" height=\"491\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_barbara_gisler-haase.jpg 800w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_barbara_gisler-haase-245x300.jpg 245w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_barbara_gisler-haase-768x942.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-63\" class=\"wp-caption-text\">Vizerektorin Barbara Gisler-Haase \u00a9Theresa Pewal<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Barbara Gisler-Haase (BGH):<\/strong> Das geht einerseits auf Befragungen von Studierenden zur\u00fcck und andererseits einfach auf die gelebte Praxis. Ich unterrichte seit 40 Jahren Konzertfachklassen in Querfl\u00f6te und habe sehr viele Menschen \u00fcber das Ende des Studiums hinaus verfolgt und gesehen, welche Probleme sie haben.<\/p>\n<p><strong>Was meinen Sie damit genau und was sollte man als AbsolventIn der mdw au\u00dfer dem Instrument noch k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Susanne Latin (SL):<\/strong> Die Musik ist eine heilige Kunst, hat Hofmannsthal gesagt und er hat recht. Aber die M\u00f6glichkeit, diese Kunst auszu\u00fcben, ist heute von vielen F\u00e4higkeiten abh\u00e4ngig. Da gibt es das vielzitierte Wort Entrepreneurship, das gerade im Bereich der aus\u00fcbenden K\u00fcnstlerInnen ein verhasstes ist. Manchmal wird es als Sakrileg betrachtet, sich mit wirtschaftlichen Dingen auseinanderzusetzen. Doch es ist so wichtig. Das f\u00e4ngt mit Selbstmanagement an, geht \u00fcber das Verstehen von Sozialversicherung und Steuern bis hin zu rechtlichen Grundbegriffen.<\/p>\n<p><strong>Daf\u00fcr gibt es doch K\u00fcnstleragenturen&#8230;<\/strong><\/p>\n<p><strong>SL:<\/strong> Es reicht heutzutage nicht mehr, bei\u00a0einer guten Agentur zu sein. Eine Agentur bedeutet Arbeit. Ich muss in diesem Markt ganz genau \u00fcberlegen, wer ich bin, wo ich hin will und wie ich dorthin komme. Man muss unterscheiden zwischen dem n\u00e4chsten Job als Brotberuf und der Karriere als gesamtheitliches Lebenskonzept. Das verlangt Selbstreflexion.<\/p>\n<p><strong>Es gibt bereits den mdw club, der bietet Workshops an und legt Leitern in die Branche. Ist das nicht ausreichend?<\/strong><\/p>\n<p><strong>SL:<\/strong> Der mdw club k\u00fcmmert sich vorrangig um die AbsolventInnen. Das Career Center setzt noch fr\u00fcher an. Nachdem die fixen Stellen im gesamten Kulturbereich immer weniger werden, viele Orchester fusioniert oder wegrationalisiert werden, stehen unsere jungen AbsolventInnen und Studierenden vor einem Problem. Wenn das gewonnene Probespiel eben nicht mehr die Eintrittskarte in eine gesicherte Zukunft ist, brauchen sie ein neues Lebens- oder Berufskonzept.<\/p>\n<p><strong>In den bisherigen Beschreibungen des Career Centers hei\u00dft es, es soll den \u201e\u00dcbergang vom Studium ins Professionelle erleichtern\u201c sowie der \u201eF\u00f6rderung und Unterst\u00fctzung der Studierenden beim Einstieg ins Berufsleben\u201c dienen. Das klingt alles sch\u00f6n. Aber was hei\u00dft das konkret? Was wird das Career Center leisten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>SL:<\/strong> Das Career Center hat drei S\u00e4ulen, die erste sind die Kurse. Gemeinsam mit dem Zentrum f\u00fcr Weiterbildung (ZfW) bieten wir Programme f\u00fcr einzelne Berufsgruppen an. Im Februar m\u00f6chten wir einen Kurs f\u00fcr junge DirigentInnen anbieten, weil die es sehr schwer haben, im Beruf Fu\u00df zu fassen. Dann gibt es ein Angebot f\u00fcr k\u00fcnstlerisches Selbstmanagement und im Sommer soll ein Kurs f\u00fcr herausragende junge K\u00fcnstlerInnen starten, bei denen es vielleicht zu sp\u00e4t ist, mit 25 Jahren zu lernen, wie sie Lebensl\u00e4ufe schreiben oder sich in Interviews verhalten. Sie glauben nicht, welche Fehler junge K\u00fcnstlerInnen beim ersten Vertrag machen k\u00f6nnen, wie sehr sie oft ausgebeutet werden.<\/p>\n<p><strong>Wie viele ECTS-Punkte kriege ich f\u00fcr so einen Kurs?<\/strong><\/p>\n<p><strong>BGH:<\/strong> Gar keine, denn das sind keine Wahlf\u00e4cher, sondern ein Zusatzangebot.<\/p>\n<p><strong>Hat es Vorbilder f\u00fcr das Career Center gegeben? Haben Sie sich die Programme anderer H\u00e4user angesehen oder wirklich vom wei\u00dfen Papier aus konzeptioniert?<\/strong><\/p>\n<p><strong>SL:<\/strong> Vom wei\u00dfen Papier aus macht man es nicht. Wir haben uns nat\u00fcrlich angesehen, was die anderen machen und tun das auch<br \/>\nimmer noch.<br \/>\n<strong>BGH:<\/strong> In Wirklichkeit arbeiten alle mit den gleichen Inhalten und Werkzeugen. Manche integrieren es in den Lehrplan, bei manchen muss man sogar daf\u00fcr bezahlen. Man muss das mit Gef\u00fchl ans eigene Haus anpassen.<\/p>\n<p><strong>Es gab ja bisher schon berufsspezifische Wahlf\u00e4cher an der mdw, in denen Selbstmanagement erlernt werden konnte. Diese wurden aber nur sp\u00e4rlich genutzt. Untersch\u00e4tzen die Studierenden diese Dinge?<\/strong><\/p>\n<p><strong>BGH:<\/strong> Wom\u00f6glich. Und zwar so lange, bis sie der Ernst des Lebens etwas anderes lehrt.<br \/>\n<strong>SL:<\/strong> Es setzt langsam ein Umdenken ein. Sobald Studierende \u00f6fter auftreten, machen sie sich Gedanken: Wie komme ich an Konzerte? Wie spreche ich potenzielle Geldgeber an? Wie pr\u00e4sentiere ich mich?<\/p>\n<p><strong>Was uns zur zweiten S\u00e4ule des Career Centers bringt&#8230;<\/strong><\/p>\n<p><strong>SL:<\/strong> Wir arbeiten an einer Online-Plattform, um besonders gute Studierende oder AbsolventInnen zu pr\u00e4sentieren. Damit helfen wir ihnen, sich bei Agenturen und Veranstaltern zu bewerben. Die k\u00f6nnen Bilder und Lebensl\u00e4ufe der MusikerInnen einsehen sowie Szenen von Konzerten und Interviews. Eine zweite Plattform richtet sich an angehende Musikp\u00e4dagogInnen. Da wird es ein \u201eSchwarzes Brett\u201c geben, an dem sich jede\/r, die\/der eine\/n MusiklehrerIn sucht, bedienen\u00a0kann. Die dritte S\u00e4ule sind Auftrittsm\u00f6glichkeiten. Von denen gibt es jetzt schon viele. Die, die einen Schritt aus dem Uni-Betrieb rausgehen, betreffen auch das Career Center \u2013 wie Kooperationen mit renommierten externen Veranstaltern, wie dem Musikverein, dem Brucknerhaus oder \u00d61.<\/p>\n<figure id=\"attachment_64\" aria-describedby=\"caption-attachment-64\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-64\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_susanne_latin.jpg\" alt=\"Susanne Latin\" width=\"400\" height=\"492\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_susanne_latin.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_susanne_latin-244x300.jpg 244w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-64\" class=\"wp-caption-text\">Susanne Latin, Leiterin des neuen Career Center der mdw \u00a9Theresa Pewal<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das neue Chamber Orchestra?<\/strong><\/p>\n<p><strong>BGH:<\/strong> Das ist auch ein Schritt aus der reinen Lehre hinaus. Es gibt im Haus einen enormen Bedarf an Orchestern f\u00fcr Opernauff\u00fchrungen, \u00f6ffentliche Diplompr\u00fcfungen f\u00fcr DirigentInnen, die wir mit unseren eigenen MusikerInnen f\u00fcllen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr werden sie auch mit einer nicht handels\u00fcblichen, aber durchaus vertretbaren Gage bezahlt. Im mdw-Chamber Orchestra darf, soll und muss man sich wie ein\/e engagierte\/r Orchester-musikerIn mit Rechten und Pflichten f\u00fchlen.<\/p>\n<p><strong>Es gibt an der mdw auch ein Programm f\u00fcr hochbegabte Kinder und Jugendliche. Verstehen Sie sich als Komplett-anbieter, der die MusikerInnen vom Kindergarten bis zum Philharmonikervertrag begleitet?<\/strong><\/p>\n<p><strong>BGH:<\/strong> Tats\u00e4chlich ist in der sogenannten Nachwuchsf\u00f6rderung jetzt beides vereint: Der Vorstudienbereich, der spezielle Betreuung braucht und das Aus-dem-Studium-Hinauswachsen in die Berufswelt. Dazwischen steht ein sechsj\u00e4hriges, intensives Studium.<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrde es nicht Sinn machen, besagtes Angebot, als integrativen Teil der Ausbildung zu f\u00fchren? Dass sie nicht in zus\u00e4tzlichen Kursen, sondern im Studium selbst behandelt werden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>BGH:<\/strong> In den neuen Studienpl\u00e4nen kommen diese Dinge unter dem Titel Kulturbetriebslehre\/Musikmanagement vor. Und zwar so, dass die Studierenden je nach Interessen auf unterschiedliche Angebote zugreifen k\u00f6nnen \u2013 etwa wie ich eine Musikschule leite oder wie ich mich Orchestern pr\u00e4sentiere. Da wollen wir die Basis legen und danach in ein anw\u00e4hlbares Kursprogramm gehen. Alles, was im Studienplan stattfindet, l\u00e4uft Gefahr, nur absolviert zu werden, weil es eben gerade sein muss. Das hei\u00dft aber nicht, dass das Thema die jungen K\u00fcnstlerInnen erreicht hat. Au\u00dferdem w\u00fcrde manches den Rahmen eines Studienplans sprengen. Unsere Studien tendieren ohnehin schon dazu, \u00fcberf\u00fcllt zu sein.<\/p>\n<p><strong>Ist die eingeschlagene Richtung die, dass die Universit\u00e4t die Studierenden bis zum ersten Arbeitstag begleitet? Wann kommt der Zeitpunkt, an dem die Hochschule sagen muss: Wir haben unseren Teil getan, ihr m\u00fcsst jetzt ohne uns weitergehen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>BGH:<\/strong> Den Punkt gibt es schon, wir schieben ihn nur ein wenig hinaus. Bisher war es mit der abschlie\u00dfenden Pr\u00fcfung vorbei. Oft haben die Lehrenden danach ihr Bestm\u00f6gliches getan, die AbsolventInnen zu vernetzen. Jetzt werden diese Initiativen verst\u00e4rkt. Wir sind ja auch stolz auf diese Leute. Wir wollen ja, dass alle sehen, dass sie bei uns Qualit\u00e4t bekommen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 1. Oktober 2016 gibt es an der mdw ein Career Center, das Studierenden den Weg ins Berufsleben erleichtern soll. Was kann es? Und \u2212 braucht es das wirklich? 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