{"id":6098,"date":"2021-04-23T22:09:42","date_gmt":"2021-04-23T20:09:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=6098"},"modified":"2021-04-26T08:33:08","modified_gmt":"2021-04-26T06:33:08","slug":"is-it-a-mans-mans-mans-world","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/04\/23\/is-it-a-mans-mans-mans-world\/","title":{"rendered":"Is it a Man\u2019s, Man\u2019s, Man\u2019s World?"},"content":{"rendered":"<h1>Performing Gender im Angesicht der Krise<\/h1>\n<p>Die Forschung zu Covid-19 ist in den letzten Monaten sprichw\u00f6rtlich explodiert. Das betrifft nicht nur die Forschungsfelder der Infektiologie und Virologie, sondern auch die Geistes-, Sozial- und Kunstwissenschaften. Erfreulicherweise wurden zudem bereits mehrere Projekte auf den Weg gebracht, die sich mit geschlechtsspezifischen Problematiken im Kontext von SARS-CoV-2 befassen. Die Frage aber, wie die genderspezifischen Ungleichgewichte, die durch die aktuelle Krise zutage treten, von politischen Verantwortlichen kommentiert, legitimiert oder aber verschleiert werden, blieb bis dato unerforscht. Diese Frage ist jedoch nicht zuletzt deshalb von zentraler Bedeutung, weil bestimmte Geschlechterrollenklischees, die gemeinhin bereits \u00fcberwunden geglaubt waren, in der aktuellen Pandemie wieder verst\u00e4rkt zutage treten und neu konfiguriert werden. An diesem Punkt setzt das Projekt <i>Performing Gender in View of the Outbreak<\/i> an, das ich seit M\u00e4rz 2021 am Institut f\u00fcr Kulturmanagement und Gender Studies der mdw leite. Das Forschungsvorhaben setzt sich am Beispiel \u00d6sterreich mit der Performance politischer Repr\u00e4sentant_innen angesichts von Covid-19 auseinander und fragt nach den genderbezogenen Identit\u00e4tsentw\u00fcrfen, die in diesem Zusammenhang kommuniziert werden. Das Projekt wird im Rahmen der \u201eAkutf\u00f6rderung SARS-CoV-2\u201c finanziert, mit der der \u00f6sterreichische Wissenschaftsfonds (FWF) ausgew\u00e4hlte Projekte f\u00f6rdert, die sich mit der Erforschung der Ursachen und Auswirkungen von Epidemien und Pandemien am Beispiel von SARS-CoV-2 besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Im Fokus von <i>Performing Gender in View of the Outbreak<\/i> steht die intensive und auffallend m\u00e4nnerdominierte Medienpr\u00e4senz der \u00f6sterreichischen Bundesregierung angesichts der aktuellen Gesundheits- und Wirtschaftskrise. Die politische und mediale Unterrepr\u00e4sentanz von weiblichen Akteuren ist unter anderem deshalb besonders brisant, weil Frauen von der aktuellen Pandemie deutlich st\u00e4rker betroffen sind als M\u00e4nner. Tats\u00e4chlich konzentriert sich der durch Covid-19 bedingte Besch\u00e4ftigungsr\u00fcckgang auf Wirtschaftsbereiche, die f\u00fcr die Frauenbesch\u00e4ftigung bedeutender sind. Gleichzeitig trifft die Doppelbelastung von Beruf und Betreuungspflichten infolge von Homeoffice oder aber einer Besch\u00e4ftigung in sogenannten systemrelevanten Sektoren Frauen h\u00e4rter als M\u00e4nner. Abgesehen von geschlechtsspezifischen Differenzen bringt die Pandemie auch Ungleichheit generierende Kategorien wie Klasse, Bildung, Ethnie und Nation zum Vorschein. Sozial benachteiligte Menschen trifft die Krise heftiger als andere \u2013 sie sind einerseits von einer Versch\u00e4rfung ihrer finanziellen Situation bedroht und unterliegen andererseits einem deutlich h\u00f6heren Risiko, im Falle einer Covid-19-Infektion schwer zu erkranken bzw. daran zu sterben. Die Pandemie macht mithin sichtbar, dass Ungleichheiten nie eindimensional operieren, sondern stets Resultat eines Zusammenspiels unterschiedlicher Kategorien und Faktoren sind. Ausgehend von diesen Beobachtungen verschreibt sich <i>Performing Gender in View of the Outbreak<\/i> zwei ineinandergreifenden Fragen: Inwiefern werden genderspezifische Problematiken von politischen Akteur_innen adressiert bzw. ausgeblendet, und welche Geschlechterbilder werden in diesem Zusammenhang (re-)konstruiert? Ausgehend von der These, dass die Performance der \u00f6sterreichischen Bundesregierung angesichts der pandemischen Krise eine Retraditionalisierung spezifischer Geschlechterrollen und -stereotype bef\u00f6rdert, unterzieht das Projekt die damit im Zusammenhang stehenden Auftritte einer dramaturgischen und diskursanalytischen Untersuchung.<\/p>\n<p>Erste Analysen im Rahmen des Akutprojekts haben ergeben, dass sich die Kriseninszenierung der \u00f6sterreichischen Bundesregierung eindeutig an m\u00e4nnlich konnotierten Konzepten der aufgabenbezogenen Kompetenz und Instrumentalit\u00e4t orientiert. In diesem Zusammenhang sticht beispielsweise der gerade im \u00f6sterreichischen Kontext prominente und geradezu inflation\u00e4re Rekurs auf Metaphern des Sports ins Auge. Das Bild des Marathons etwa ruft eine bereits von Politikern der Antike mit Vorliebe bem\u00fchte Wettkampfrhetorik auf, die einerseits eine individuell-maskuline Dominanz untermauert, andererseits eine kollektiv operierende autochthone M\u00e4nnlichkeit herstellt. \u00c4hnliches l\u00e4sst sich hinsichtlich der symptomatischen Bezugnahme auf Narrative der Auferstehung und der Apokalypse beobachten, derer sich vor allem der \u00f6sterreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz bedient. Der Politiker f\u00e4llt durch eine eschatologische Rhetorik auf, die sich im Spannungsfeld von Furcht und Hoffnung bewegt. Diese Rhetorik bringt Figurationen des Erl\u00f6sers und des \u00dcbervaters hervor, mit denen gleichzeitig die beschriebene Zur\u00fcckdr\u00e4ngung von Frauen in alte, passive Rollenbilder gest\u00fctzt oder unterst\u00fctzt wird. Diese spezifische Performance untermauert die Suppression genderspezifischer und durch die Krise verst\u00e4rkt sp\u00fcrbar werdender Problematiken. So wenig Politikerinnen im Krisenmanagement sichtbar werden, so dominant ist ihre Rolle innerhalb der diskursiven Auseinandersetzung mit der Covid-19-Krise. Die Reden der medial in Erscheinung Tretenden stilisieren sie gerade w\u00e4hrend des ersten Lockdowns im Fr\u00fchjahr 2020 und oftmals im R\u00fcckbezug auf totgesagte Begriffe wie \u201eZusammenhalt\u201c und \u201eSolidarit\u00e4t\u201c als \u201eHeldinnen des Alltags\u201c und \u201eSystemerhalterinnen\u201c hoch. Gerade dadurch aber kommt es zu einer perfiden Reproduktion paternalistischer Stereotype, die Frauen ganz selbstverst\u00e4ndlich mit Mutterschaft und (unbezahlter) Care-Arbeit in Verbindung bringt. Die Verhaltenserwartungen, die durch derartige Strategien kommuniziert werden, fordern und f\u00f6rdern die \u00dcbernahme traditioneller Rollen durch Frauen. Gleichzeitig beg\u00fcnstigt die vordergr\u00fcndige diskursive Aufwertung von Frauen die Inszenierung antitoxischer M\u00e4nnlichkeit und unterst\u00fctzt die auftretenden Akteure dabei, sich als frei von sexistischen Tendenzen zu gerieren.<\/p>\n<p>Das Projekt <i>Performing Gender in View of the Outbreak<\/i> ist transdisziplin\u00e4r ausgerichtet und kooperiert mit internationalen Partnerinnen aus den Theater-, Medien-, Literatur- und Sprachwissenschaften sowie mit Expertinnen aus den Politik- und Rechtswissenschaften. Mehr Informationen unter <a href=\"http:\/\/performinggenderoutbreak.wordpress.com\">performinggenderoutbreak.wordpress.com<\/a>.<\/p>\n<h1><\/h1>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Forschung zu Covid-19 ist in den letzten Monaten sprichw\u00f6rtlich explodiert. Das betrifft nicht nur die Forschungsfelder der Infektiologie und Virologie, sondern auch die Geistes-, Sozial- und Kunstwissenschaften. Erfreulicherweise wurden zudem bereits mehrere Projekte auf den Weg gebracht, die sich mit geschlechtsspezifischen Problematiken im Kontext von SARS-CoV-2 befassen. 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