{"id":6093,"date":"2021-04-23T22:07:20","date_gmt":"2021-04-23T20:07:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=6093"},"modified":"2021-08-06T14:13:49","modified_gmt":"2021-08-06T12:13:49","slug":"expressiveperformanceonsinglewoodwindinstruments","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/04\/23\/expressiveperformanceonsinglewoodwindinstruments\/","title":{"rendered":"Expressive \ufeffPerformance on \ufeffSingle-\ufeffReed \ufeffWoodwind \ufeffInstruments:\ufeff An \ufeffExperimental \ufeffCharacterisation of \ufeffArticulatory \ufeffActions"},"content":{"rendered":"Im Forschungsbereich der musikalischen Akustik wird die Auswirkung von Spieler_innenaktionen auf die Akustik des Instruments als \u201ePlayer-Instrument Interaction\u201c bezeichnet. Bei Einfachrohrblattinstrumenten wird der Ton durch die Vibration eines Rohrblattes erzeugt, das an einem schnabelf\u00f6rmigen Mundst\u00fcck befestigt ist. Die Spitze des Rohrblatt-Mundst\u00fcck-Systems befindet sich im Mund der Klarinettist_innen bzw. Saxofonist_innen und interagiert mit den Anblas- und Zungenaktionen sowie mit dem Vokaltrakt. Diese drei Elemente standen im Mittelpunkt dieser <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/upload\/MDWeb\/iwk\/downloads\/PhD_PamiesVila_online.pdf\">Dissertation<\/a>, die darauf abzielte, den Einfluss der Spieler_innen auf die An- und Ausschwingvorg\u00e4nge von T\u00f6nen zu erforschen. Daf\u00fcr wurde durch systematische, experimentelle Methoden untersucht, wie Zungen-, Blas- und Vokaltraktaktionen den Beginn und das Ende von T\u00f6nen beim Klarinettenspiel beeinflussen. Dabei ist die Artikulation ein Schl\u00fcsselfaktor dieser Analyse. Sie definiert, auf welche Art und Weise Spieler_innen eine Tonfolge aneinanderreihen (wie beim Legato) oder voneinander trennen (wie beim Staccato). Den Spieler_innen ist bewusst, dass die Artikulation durch die Aktion der Zunge gesteuert wird: Wenn die Zunge das Rohrblatt ber\u00fchrt, wird das Rohrblatt abged\u00e4mpft und der Ton stoppt, w\u00e4hrend beim Loslassen der Zunge von der Oberfl\u00e4che des Rohrblatts \u2013 bei ausreichendem Blasdruck \u2013 ein Ton entsteht. Dies deutet darauf hin, dass Zungen- und Anblasaktionen bei der Tonerzeugung zusammenwirken k\u00f6nnen. Um die Auswirkung der Artikulation auf den erzeugten Ton zu analysieren, wurden zwei experimentelle Verfahren angewandt: Messungen unter realen Spielbedingungen mit Instrumentalist_innen und Messungen unter k\u00fcnstlichen Anblasbedingungen im Labor.<\/p>\n<p>In einer Studie mit elf Klarinettist_innen (Studierende bzw. Absolvent_innen der mdw) wurden der Einfluss messbarer physikalischer Variablen auf drei musikalische Eigenschaften (Artikulation, Tempo, Dynamik) und die daraus resultierenden Klangeffekte untersucht. Die gemessenen physikalischen Variablen waren der Anblasdruck, der Luftdruck im Mundst\u00fcck und die Rohrblattschwingung (siehe Abbildung). Eine statistische Analyse der aufgezeichneten Ton\u00fcberg\u00e4nge zeigte den Einfluss des Tempos und der Dynamik auf die Blasaktion und als bemerkenswertestes Ergebnis die unterschiedlichen Klangeffekte, die bei der Anwendung eines Zungenanschlags oder beim Reduzieren des Anblasdrucks entstehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6096\" aria-describedby=\"caption-attachment-6096\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6096\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-14-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-14-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-14-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-14-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-14-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-14-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-14-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6096\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Montserrat P\u00e0mies-Vil\u00e0<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Rahmen dieser Forschung wurde auch ein k\u00fcnstlicher Bl\u00e4ser verwendet, um die Spielsituation durch kontrollierten Blasdruck nachzustellen. K\u00fcnstliche Spielbedingungen waren erforderlich, um die Schwingungen des Rohrblatts optisch messen zu k\u00f6nnen. Mit diesem Aufbau und einer Hochgeschwindigkeitskamera wurden jene Sensoren kalibriert, die zur Messung der Schwingungen des Rohrblattes verwendet wurden. Der k\u00fcnstliche Bl\u00e4ser wurde mit einer computergesteuerten k\u00fcnstlichen Zunge ausgestattet, die auf die Reproduktion verschiedener Artikulationsstile eingestellt war. Eine solche Anblasmaschine kann zur Analyse von Instrumenteneigenschaften eingesetzt werden. Zum Beispiel zeigte eine Studie in Zusammenarbeit mit dem Politecnico di Milano, wie \u00c4nderungen im Mundst\u00fcckdesign bestimmte Klangeigenschaften beeinflussen. Eine weitere Untersuchung der Zungen- und Anblasaktionen wurde mithilfe eines ebenfalls am Institut f\u00fcr musikalische Akustik \u2013 Wiener Klangstil (IWK) entwickelten physikalischen Modells durchgef\u00fchrt. Diese Computersimulation der Physik eines Einfachrohrblattinstruments nutzte Messungen mit (k\u00fcnstlichen sowie realen) Spieler_innen, um Klarinetten- bzw. Saxofonmusik zu synthetisieren.<\/p>\n<p>Bislang war bereits bekannt, dass Vokaltraktmodifikationen von Holzblasmusiker_innen verwendet werden, um einige erweiterte Klangeffekte auszuf\u00fchren bzw. um die h\u00f6chsten T\u00f6ne zu erreichen. Die hier pr\u00e4sentierte Dissertation zeigte dar\u00fcber hinaus, welchen Effekt diese Modifikationen bei Ton\u00fcberg\u00e4ngen haben k\u00f6nnen. W\u00e4hrend eines Forschungsaufenthalts an der McGill University wurde ein Experiment mit f\u00fcnf Saxofonist_innen durchgef\u00fchrt, um den Einfluss des Vokaltraktes auf die Tonerzeugung zu analysieren. Tonfolgen mit langsam und schnell variierenden Tonh\u00f6hen wurden gespielt und mit den oben beschriebenen Messinstrumenten aufgezeichnet. Die Ergebnisse zeigten jene Zeitintervalle, in denen die Mundraumresonanz die Blattschwingungen beeinflusste. Dies war auch bei einigen Ton\u00fcberg\u00e4ngen zu beobachten. In \u00e4hnlicher Weise wurde ein Klarinettenkonzert analysiert, um die Wirkung des Vokaltrakts auf die Klarinette zu untersuchen. Diese Analyse ber\u00fccksichtigte die Interpretationen von elf Klarinettist_innen und umfasste T\u00f6ne in allen Registern der Klarinette sowie verschiedene Artikulationsstile. In allen Registern ab dem Kehlkopfregister fanden sich Hinweise auf Vokaltrakt-Effekte, die sich mit steigender Tonh\u00f6he verst\u00e4rkten. Im h\u00f6chsten Register wurden nur die T\u00f6ne, die einen deutlichen Vokaltrakt-Einfluss aufwiesen, mit einem klaren Tonbeginn gespielt.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse dieser Dissertation k\u00f6nnen sowohl Akustiker_innen als auch Musiker_innen und P\u00e4dagog_innen helfen, die Interaktion zwischen Instrumenten und Spieler_innen in Hinblick auf die Klangerzeugung genauer zu verstehen. Lesen Sie <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/upload\/MDWeb\/iwk\/downloads\/PhD_PamiesVila_online.pdf\">hier<\/a> die gesamte Dissertation.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung Dissertationstitel:<\/em> Expressives Spiel auf Einfachrohrblattinstrumenten: experimentelle Charakterisierung von artikulatorischen Aktionen<\/p>\n<div class=\"bdaia-separator se-shadow\" style=\"margin-top:30px !important;margin-bottom:30px !important;\"><\/div>\n<p>Open-Access-Publikationen mit Bezug zu dieser Forschung:<\/p>\n<p>Montserrat P\u00e0mies-Vil\u00e0, Alex Hofmann, Vasileios Chatziioannou (2018): <i>Analysis of tonguing and blowing actions during clarinet performance,<\/i> in: Frontiers in psychology, 9, 617., <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3389\/fpsyg.2018.00617\">https:\/\/doi.org\/10.3389\/fpsyg.2018.00617<\/a><\/p>\n<p>Vasileios Chatziioannou, Sebastian Schmutzhard, Montserrat P\u00e0mies-Vil\u00e0, Alex Hofmann (2019): <i>Investigating Clarinet Articulation Using a Physical Model and an Artificial Blowing Machine,<\/i> in: Acta Acustica united with Acustica 105\u00a0(4), 682\u2013694., <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3813\/AAA.919348\">https:\/\/doi.org\/10.3813\/AAA.919348<\/a><\/p>\n<p>Montserrat P\u00e0mies-Vil\u00e0, Alex Hofmann, Vasileios Chatziioannou (2020): <i>The influence of the vocal tract on the attack transients in clarinet playing,<\/i> in: Journal of New Music Research, 49\u00a0(2), 126\u2013135., <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/09298215.2019.1708412\">https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/09298215.2019.1708412<\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Forschungsbereich der musikalischen Akustik wird die Auswirkung von Spieler_innenaktionen auf die Akustik des Instruments als \u201ePlayer-Instrument Interaction\ufeff\u201c bezeichnet. Bei Einfachrohrblattinstrumenten wird der Ton durch die Vibration eines Rohrblattes erzeugt, das an einem schnabelf\u00f6rmigen Mundst\u00fcck befestigt ist.<\/p>\n","protected":false},"author":243,"featured_media":6095,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[1162,150,53,33],"class_list":["post-6093","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-research","tag-2021-2","tag-dissertation","tag-forschung","tag-research"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6093","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/243"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6093"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6093\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6243,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6093\/revisions\/6243"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6095"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6093"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6093"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6093"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}