{"id":6080,"date":"2021-04-21T13:31:19","date_gmt":"2021-04-21T11:31:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=6080"},"modified":"2021-04-26T09:17:09","modified_gmt":"2021-04-26T07:17:09","slug":"die-folgen-der-pandemie-fuer-den-schauspielnachwuchs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/04\/21\/die-folgen-der-pandemie-fuer-den-schauspielnachwuchs\/","title":{"rendered":"Die Folgen der Pandemie f\u00fcr den Schauspielnachwuchs"},"content":{"rendered":"<h5>Johanna Mahaffy und Anton Widauer sind Studierende des 4. Jahrgangs am Max Reinhardt Seminar und stehen somit kurz vor ihrem Abschluss. Die coronabedingte Situation stellt sie vor gro\u00dfe Herausforderungen in ihrer Ausbildung und bei der Jobsuche.<\/h5>\n<p>\u201eDie au\u00dfergew\u00f6hnliche Situation bringt meine Ausbildung am Max Reinhardt Seminar total durcheinander\u201c, sagt Johanna Mahaffy. \u201eUnser vierj\u00e4hriges Studium wurde abrupt durch die Pandemie unterbrochen und hat uns allen gezeigt, wie schnell man pl\u00f6tzlich ohne Ausbildung, Arbeit und Ziele dastehen kann.\u201c Der Unterricht am Max Reinhardt Seminar wird seit Beginn der Krise, so gut es geht, auch online abgehalten. \u201eEinerseits waren die Lehrenden sehr entgegenkommend, und digitaler Unterricht wurde teils geblockt angeboten, was f\u00fcr mich gut passt\u201c, so Anton Widauer. Andererseits herrscht nat\u00fcrlich gro\u00dfes Verbesserungspotenzial \u2013 k\u00fcnftige Jahrg\u00e4nge werden von den Erkenntnissen in der Durchf\u00fchrung der digitalen Lehre profitieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6083\" aria-describedby=\"caption-attachment-6083\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6083\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-12-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-12-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-12-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-12-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-12-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-12-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-12-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-12-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6083\" class=\"wp-caption-text\">Johanna Mahaffy \u00a9 Linda Rosa Saal<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Theater k\u00f6nnen keine normale Spielsaison durchf\u00fchren, Premieren werden laufend verschoben, bereits geprobte St\u00fccke m\u00fcssen nachgeholt werden, sobald die Theater wieder \u00f6ffnen. Das bedeutet, dass die bereits engagierten Schauspieler_innen an ihren Theatern bleiben und sich kaum freie Stellen f\u00fcr Schauspielabsolvent_innen ergeben. \u201eMein Wunsch war und ist es, nach dem Max Reinhardt Seminar ein Fixengagement am Theater zu finden\u201c, sagt Mahaffy. Jetzt m\u00fcssen die Theaterleitungen aber umdenken. \u201eAnf\u00e4nger_innen an ein Theater zu holen, bedeutet auch zu wissen, dass diese spielen wollen, aber wenn alles nachgeholt werden muss, stehen die Absolvent_innen mit leeren H\u00e4nden da\u201c, so Mahaffy. Anton Widauer probte Anfang dieses Jahres <i>Die Dreigroschenoper<\/i> am Theater in der Josefstadt. F\u00fcr ihn ist die Vorstellung, nach Abschluss des Max Reinhardt Seminars ohne Fixanstellung zu sein, nicht so dramatisch: \u201eIch gehe davon aus, in der n\u00e4chsten Spielzeit frei Produktionen zu machen.\u201c Er hat zudem seine eigene Theatergruppe namens kollekTief, mit der er spielen kann \u2013 sofern es die Pandemie zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Eine besondere Herausforderung stellte f\u00fcr die Studierenden des 4.\u00a0Jahrgangs das Absolvent_innenvorsprechen (AVO) dar, das letzten November aufgrund der Pandemie ohne Publikum aufgezeichnet werden musste. Das AVO ist ein zentral organisiertes Vorsprechen, bei dem Schauspielabsolvent_innen deutschsprachiger Ausbildungsst\u00e4tten die M\u00f6glichkeit haben, sich auf der B\u00fchne mit Szenen und Monologen dem Fachpublikum zu pr\u00e4sentieren. Intendant_innen und Regisseur_innen werden so auf die Studierenden aufmerksam und laden einige von ihnen zu Vorsprechen an die jeweiligen Theater ein. F\u00fcr die Studierenden war das digitale AVO sehr fordernd. \u201eDas Online-AVO war f\u00fcr mich und einige meiner Mitstudierenden die wohl traurigste M\u00f6glichkeit, sich bei den Theatern vorzustellen. Wir hatten zwei Wochen Proben, und an einem Tag wurden dann alle Szenen und Monologe hintereinander abgefilmt. Ich h\u00e4tte mir niemals vorstellen k\u00f6nnen, mein Schauspielstudium so abzuschlie\u00dfen\u201c, erz\u00e4hlt Mahaffy. \u201eDen Zauber der realen Begegnung im Theater kann man durch die Kamera nicht herstellen und einfangen. Das ist nicht wie beim Film, der mit ganz anderen Mitteln funktioniert.\u201c Jedoch r\u00e4umt sie ein, dass die Erfahrung mit Kameras auf der B\u00fchne sehr wichtig f\u00fcr sie war, da im Theater auch \u00f6fter live mitgefilmt wird und das auf der B\u00fchne als stilistisches Mittel benutzt wird. \u201eVielleicht bekommt das Online-AVO auch mehr Reichweite, da jedes Theater Zugriff hat. Dadurch wurde zum Beispiel ein Intendant auf mich aufmerksam, der mich davor wahrscheinlich nie gesehen h\u00e4tte\u201c, so Mahaffy. F\u00fcr Anton Widauer war die Zeit rund um das <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/maxreinhardtseminar\">AVO<\/a> die schwierigste im Studium. Das AVO fiel zeitlich in den Lockdown von November, damit einhergehend gab es verk\u00fcrzte \u00d6ffnungszeiten an der mdw und dadurch weniger Probenzeit f\u00fcr das AVO, weniger direkte Betreuung durch die Lehrenden, da weniger Personen gleichzeitig vor Ort sein durften, und allgemeine Verunsicherung aufgrund der Covid-Verordnungen. \u201eF\u00fcr die Kamera muss man anders spielen als in einer Theaterauff\u00fchrung. Es gab die Hoffnung, dass die Aufzeichnung nur der Plan\u00a0B ist und eine reale Pr\u00e4sentation f\u00fcr das Fachpublikum sp\u00e4ter stattfinden kann\u201c, sagt Widauer. Diese Hoffnung hat sich aber nicht erf\u00fcllt. \u201eF\u00fcr diesen Jahrgang w\u00fcnsche ich mir, dass die Theaterleitungen in der n\u00e4chsten Spielzeit offen genug sind, auch die diesj\u00e4hrigen Absolvent_innen in Betracht zu ziehen, weil diese sonst auf der Strecke bleiben\u201c, hofft Widauer. Auch Reisebeschr\u00e4nkungen erschweren die Chancen auf Vorsprechen. \u201eEs gab auch die Situation, dass ich zu einem Vorsprechen nach Deutschland eingeladen wurde, aber die Reise mit all den Einreisebestimmungen und anschlie\u00dfender Quarant\u00e4ne nicht m\u00f6glich war und ich schlie\u00dflich auf diese Chance verzichten musste\u201c, erz\u00e4hlt Mahaffy. Die Situation stellt jede_n vor gro\u00dfe Herausforderungen in der Bew\u00e4ltigung. \u201eAntriebslosigkeit macht sich breit. Man muss wissen, wof\u00fcr man etwas macht. Auf Bewerbungen werden h\u00f6fliche, aber abschl\u00e4gige Antworten geschickt. Das geht allen Absolvent_innen so, auch in anderen Studienrichtungen und auch den Lehrlingen\u201c, sagt Widauer. In diesem Zusammenhang appelliert er an Entscheidungstr\u00e4ger_innen: \u201eEs ist wichtig, die Jungen und die Zukunft in den jeweiligen Berufsgruppen nicht zu vergessen. Ansonsten fragt man sich in einigen Jahren, wo diese Generation geblieben ist, weil sie aufgrund der Krise und der fehlenden Resonanz auf ihr Tun aufgegeben hat.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_6082\" aria-describedby=\"caption-attachment-6082\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6082\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image0-12-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image0-12-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image0-12-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image0-12-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image0-12-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image0-12-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image0-12-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image0-12-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6082\" class=\"wp-caption-text\">Anton Widauer \u00a9 Linda Rosa Saal<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eIch versuche trotz dieser Situation mit all den Entt\u00e4uschungen und Absagen stets positiv zu bleiben, weil ich wei\u00df, dass ich gegen diese Pandemie nicht ank\u00e4mpfen kann. Wir sind gezwungen, uns mit dem Hier und Jetzt zu befassen und einen Gang runterzufahren. Insofern reflektiere ich gerne auch die \u201aVorteile\u2018 dieser Zeit. Ich habe zum Beispiel wieder zu malen begonnen und gebe mich auch wieder der Musik hin\u201c, sieht Johanna Mahaffy auch etwas Positives. Durch die Krise bedingte Lerneffekte f\u00fcr das Studium und die Theaterarbeit erkennt auch Anton Widauer: \u201eMan lernt, als Kunstschaffender flexibel zu sein. Das Schauspielstudium sollte krisenfester werden. In dem Zusammenhang erscheint es mir auch wichtig, \u00fcber alternative Theaterformen und breitere Interaktionsformen mit dem Publikum nachzudenken\u201c, meint Widauer. Die beiden Studierenden haben W\u00fcnsche f\u00fcr ihre Zukunft. Johanna Mahaffy: \u201eIch w\u00fcnsche mir einen Ort, an dem ich gemeinsam mit einem Ensemble relevantes Theater machen darf, mich ausprobieren kann und viel mehr der Arbeitsprozess als das Endprodukt Bedeutung hat. Ich w\u00fcrde gerne weiter im Film und Fernsehen spielen, was tats\u00e4chlich in der Corona-Zeit m\u00f6glich war. Am wichtigsten ist mir aber, dass ich gl\u00fccklich und mir meiner Privilegien bewusst bin und nun noch mehr sch\u00e4tze, dass ich im \u201aNormalfall\u2018 einem Beruf nachgehen kann, der mich so erf\u00fcllt.\u201c Anton Widauer: \u201eDurch die Pandemie habe ich noch mehr erkannt, dass ich im Theater meine Heimat finden werde.\u201c Sobald die Theater wieder eine Aussicht auf Spielbetrieb haben, wird auch sofort die Motivation bei allen Beteiligten zur\u00fcckkehren, glaubt er. \u201eIch hatte ein Telefonat mit einer B\u00fchnenbildnerin \u00fcber ein vorgesehenes Projekt im Sommer. Alleine das Sprechen dar\u00fcber und das Sp\u00fcren der geteilten Leidenschaft f\u00fcr das Theater haben mich schon irrsinnig froh gestimmt\u201c, erz\u00e4hlt Widauer.<\/p>\n<p>In diesem Sinne darf man auf die baldige R\u00fcckkehr auf die B\u00fchnen hoffen, um das Talent und die Spielfreude der diesj\u00e4hrigen Absolvent_innen zu bewundern \u2013 und ihnen die Resonanz auf ihr K\u00f6nnen zuteilwerden zu lassen, die sie verdienen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johanna Mahaffy und Anton Widauer sind Studierende des 4. Jahrgangs am Max Reinhardt Seminar und stehen somit kurz vor ihrem Abschluss. 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