{"id":6048,"date":"2021-04-22T16:17:52","date_gmt":"2021-04-22T14:17:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=6048"},"modified":"2021-05-03T14:42:32","modified_gmt":"2021-05-03T12:42:32","slug":"kunst-und-unterhaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/04\/22\/kunst-und-unterhaltung\/","title":{"rendered":"Kunst und Unterhaltung"},"content":{"rendered":"<h5>Die Oper <i>Ariadne auf Naxos<\/i> von Richard Strauss ist der ideale Stoff, um die zahlreichen Institute der mdw \u2013 Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien miteinander zu verzahnen. Warum das so ist, erkl\u00e4ren die Mitwirkenden im Gespr\u00e4ch mit dem <i>mdw-Magazin.<\/i><\/h5>\n<p>Ist die Postdramatik wirklich eine Erfindung der 1980er-Jahre? Betrachtet man die Oper <i>Ariadne auf Naxos<\/i> von Richard Strauss mit dem Libretto von Hugo von Hofmannsthal, dann wird deutlich, dass zumindest Begriffe wie Metatheater, Work in Progress und die Debatte, ob sich Hochkultur und Unterhaltung vertragen, schon eine lange Tradition haben.<\/p>\n<p>\u201eEs ist eine Oper \u00fcber eine Oper, in der die Frage von Kunst und Unterhaltung verhandelt wird\u201c, sagt Regisseur Michael Sturminger, der <i>Ariadne auf Naxos<\/i> gerade am Institut f\u00fcr Gesang und Musiktheater der mdw mit Studierenden probt \u2013 die Premiere ist, sollte es Covid-19 zulassen, f\u00fcr Anfang Mai im Schlosstheater Sch\u00f6nbrunn geplant. Der Inhalt: Da m\u00f6chte ein neureicher Hausherr seine G\u00e4ste mit etwas Besonderem \u00fcberraschen: Eine von ihm in Auftrag gegebene Oper wird aufgef\u00fchrt, der ein lustiges Tanzst\u00fcck folgen soll. Aber es kommt noch schlimmer: Weil die Zeit knapp wird, beschlie\u00dft man, die Opera seria <i>Ariadne <\/i>und die Kom\u00f6die sollen gleichzeitig gegeben werden. L\u00e4nger als eine Stunde darf die Veranstaltung ohnehin nicht dauern, denn dann beginnt das Feuerwerk. \u201eMan muss sich das einmal vorstellen\u201c, sagt Sturminger: \u201eDas w\u00e4re heute, als ob <i>Dancing Stars<\/i> und eine zeitgen\u00f6ssische Oper gleichzeitig aufgef\u00fchrt w\u00fcrden.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_6051\" aria-describedby=\"caption-attachment-6051\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6051\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-9-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-9-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-9-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-9-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-9-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-9-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image1-9-850x637.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6051\" class=\"wp-caption-text\">Skizzen f\u00fcr das B\u00fchnenbild \u00a9 Selina Traun<\/figcaption><\/figure>\n<p>In der Oper kommt auch ein Komponist vor, der Richard Strauss erstaunlich \u00e4hnlich ist. Strauss betonte, die Figur m\u00fcsse eine Hosenrolle sein, wohl auch, um eine gewisse Distanz zu gew\u00e4hrleisten. \u201eWir sehen keinen Grund, aus einer jungen Frau einen jungen Mann zu machen. Heute gibt es doch l\u00e4ngst Komponistinnen\u201c, erkl\u00e4rt Sturminger seinen zeitgen\u00f6ssischen Ansatz. Verhandelt werden f\u00fcr ihn auch \u00e4sthetisch nach wie vor aktuelle Fragen: \u201eDas Theater und die Oper sind angewandte K\u00fcnste. In der Unterhaltung muss auch Kunst sein. Und in der Kunst Unterhaltung.\u201c St\u00e4ndig wird \u00fcber Musik und die Umst\u00e4nde, unter denen sie verwirklicht werden kann, nachgedacht. \u201eDas sind Themen, die auch die Studierenden besch\u00e4ftigen: Wie geht man so einen Beruf an?\u201c, sagt Sturminger.<\/p>\n<p>\u201eDie Oper ist ideal, weil die Studierenden daran so viel lernen k\u00f6nnen\u201c, betont auch Christoph Ulrich Meier, der das Projekt musikalisch verantwortet: \u201eEs gibt gro\u00dfe Monologe, Tanzszenen, Sprechgesang. Stimmlich ist die Oper herausfordernd, sie wird oft mit schweren, reifen Stimmen besetzt. Ich versuche, die von Strauss intendierte kammermusikalische Seite in den Vordergrund zu stellen.\u201c Zugleich staunt Meier, wie aktuell der Stoff durch die Corona-Pandemie geworden ist: \u201eEs geht um die Rolle von Kunstschaffenden in der Gesellschaft. Wenn die Politik aktuell Kunst mit Bordellen und Paintballanlagen in einen Topf wirft, dann f\u00fchlt man sich ins 18.\u00a0Jahrhundert zur\u00fcckversetzt.\u201c <i>Ariadne auf Naxos<\/i> bringt das auf den Punkt. Da wird die heroische Oper zu den \u201edie Verdauung f\u00f6rdernden Gen\u00fcssen\u201c gerechnet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6052\" aria-describedby=\"caption-attachment-6052\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6052\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-6-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-6-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-6-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-6-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-6-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-6-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-6-850x637.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6052\" class=\"wp-caption-text\">Bau des B\u00fchnenbilds \u00a9 Selina Traun<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eManchmal schwirrt uns der Kopf: Auf welcher Ebene befinden wir uns gerade?\u201c, sagt Melanie Unseld vom Institut f\u00fcr Musikwissenschaft und Interpretationsforschung der mdw, die gerade ein Seminar zu dem Stoff h\u00e4lt. <i>Ariadne auf Naxos<\/i> ist n\u00e4mlich auch der Versuch, ein gescheitertes Projekt durch einen Remix doch noch zu retten \u2013 und macht genau das auch zum Thema auf der B\u00fchne. Strauss und Hofmannsthal hatten urspr\u00fcnglich die Idee, Moli\u00e8res Kom\u00f6die <i>Der B\u00fcrger als Edelmann<\/i> zu bearbeiten und mit Schauspielmusik zu versehen. Dazu h\u00e4ngten sie die tragische Oper <i>Ariadne auf Naxos<\/i> an. Bei der Urauff\u00fchrung 1912 unter der Regie von Max Reinhardt floppte der vierst\u00fcndige Abend. Er war zu langatmig. In der zweiten Fassung von 1916 emanzipierten sich Strauss und Hofmannsthal st\u00e4rker von Moli\u00e8re, aus der Bearbeitung wird eine eigene Fassung.<\/p>\n<p>Melanie Unseld und ihre Studierenden besch\u00e4ftigt die Frage: Was ist Interpretation und Bearbeitung? Zuk\u00fcnftige S\u00e4nger_innen, also Leute aus der Praxis, werden da an die Wissenschaft herangef\u00fchrt. \u201eSie sollen lernen, eigenst\u00e4ndig Ideen zu Stoffen zu entwickeln\u201c, sagt Unseld: \u201eDamit Wissenschaft kein Fremdk\u00f6rper ist, sondern etwas, das unmittelbar mit ihnen zu tun hat. Unser Ziel ist ihre Selbsterm\u00e4chtigung als reflektierende Kunstschaffende.\u201c So schreiben die angehenden Opernstars gerade an den Programmhefttexten. Und im n\u00e4chsten Semester wird es dann auch ein Begleitsymposion zu den Auff\u00fchrungen geben, bei dem Wissenschaftler_innen mit den Kunstschaffenden ins Gespr\u00e4ch kommen.<\/p>\n<p>Vernetzung, Kommunikation und Austausch sind \u00fcberhaupt zentrale Anliegen dieses Projekts, das innerhalb der mdw weite Kreise ziehen soll. Die mdw ist eine der gr\u00f6\u00dften Musikuniversit\u00e4ten weltweit. Es gibt 25\u00a0Institute, deren Ausbildungsinhalte von Musiktheorie \u00fcber darstellende Kunst, Film und Fernsehen bis Kirchenmusik reichen. \u201eSeit Jahren w\u00fcnsche ich mir, dass nicht jedes Institut nur f\u00fcr sich arbeitet. Sondern, dass sich die unterschiedlichen Institute verzahnen\u201c, sagt Margit Klaushofer, Leiterin des Instituts f\u00fcr Gesang und Musiktheater. Von ihr stammt die Idee f\u00fcr dieses sparten\u00fcbergreifende Projekt, das auch das Max Reinhardt Seminar miteinbezieht. Regisseur David B\u00f6sch wird mit seinen Studierenden die Performance <i>Bienvenue, Parven\u00fc! Kunst-B\u00fcrger-Liebe. Musikalisch-szenische Betrachtungen nach Lully und Moli\u00e8re<\/i> inszenieren und dabei mit Johannes Weiss, der am Institut f\u00fcr Alte Musik unterrichtet, zusammenarbeiten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6277\" aria-describedby=\"caption-attachment-6277\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6277\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/4_Zerbinetta_am_Strand_Sujet-2-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/4_Zerbinetta_am_Strand_Sujet-2-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/4_Zerbinetta_am_Strand_Sujet-2-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/4_Zerbinetta_am_Strand_Sujet-2-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/4_Zerbinetta_am_Strand_Sujet-2-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/4_Zerbinetta_am_Strand_Sujet-2-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/4_Zerbinetta_am_Strand_Sujet-2-850x1275.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/4_Zerbinetta_am_Strand_Sujet-2-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6277\" class=\"wp-caption-text\">Beachcollage: \u201eZerbinetta am Strand\u201c \u00a9 Anna Schwarz<\/figcaption><\/figure>\n<p><i>Der B\u00fcrger als Edelmann<\/i> ist eine Ballettmusik von Moli\u00e8re und dem Komponisten Jean-Baptiste Lully. Es war der H\u00f6hepunkt der Zusammenarbeit der beiden, die auch selbst auftraten. Im Zentrum steht ein B\u00fcrger, der gern ein Adeliger w\u00e4re, aber dabei kein Fettn\u00e4pfchen ausl\u00e4sst. Lully hat damals einen recht eigenst\u00e4ndigen franz\u00f6sischen Musikstil entwickelt und ihn sp\u00e4ter zur gro\u00dfen franz\u00f6sischen Barockoper weitergef\u00fchrt, erz\u00e4hlt Weiss, der als Dirigent bei diesem Projekt ein Barockorchester leiten wird: \u201eEs ist faszinierend, wie da vom B\u00fcrgertum bis zum Adel alle durch den Kakao gezogen werden. Man wundert sich fast, dass der Abend damals so gut ankam.\u201c Es w\u00e4re zu umfangreich, das gesamte Werk aufzuf\u00fchren, deshalb hat man sich auf eine andere Form geeinigt: \u201eEs werden musikalische Ausschnitte von Lully gespielt, dazwischen gibt es Szenen, in denen sich der reiche Empork\u00f6mmling Schauspiel-, Fecht- und Philosophieunterricht holt\u201c, so Weiss. Die Sprechrolle des Haushofmeisters in der Ariadne wird \u00fcbrigens der heimische Kabarettist Alfred Dorfer \u00fcbernehmen. Auch das ist innovativ und originell: Meist wird dieser kleine Part von Schauspielstars gestaltet.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Oper Ariadne auf Naxos von Richard Strauss ist der ideale Stoff, um die zahlreichen Institute der mdw \u2013 Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien miteinander zu verzahnen. Warum das so ist, erkl\u00e4ren die Mitwirkenden im Gespr\u00e4ch mit dem mdw-Magazin.<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":6050,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[1162,1182,88,837],"class_list":["post-6048","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-music","tag-2021-2","tag-ariadneaufnaxos","tag-gesang","tag-music"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6048","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6048"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6048\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6279,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6048\/revisions\/6279"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6050"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}