{"id":5983,"date":"2021-04-21T14:30:39","date_gmt":"2021-04-21T12:30:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=5983"},"modified":"2021-04-26T09:02:26","modified_gmt":"2021-04-26T07:02:26","slug":"diearchitektureinesuniversitaetsgebaeudes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/04\/21\/diearchitektureinesuniversitaetsgebaeudes\/","title":{"rendered":"\u201eDie Architektur eines Universit\u00e4tsgeb\u00e4udes ist auch immer ein Statement\ufeff.\u201c"},"content":{"rendered":"<h1>Ein Gespr\u00e4ch mit Hans-Peter Weiss (BIG) im Vorfeld der Er\u00f6ffnung des Future Art Lab<\/h1>\n<h5>Bereits vergangenen Sommer fertiggestellt, wurde im <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/index.php\/2020\/11\/20\/special-architektur-sound-das-future-art-lab-der-mdw\/\">Future Art Lab<\/a> rasch der Betrieb aufgenommen. Auf seine feierliche Er\u00f6ffnung musste der Neubau am Campus der mdw aber pandemiebedingt l\u00e4nger warten. Hans-Peter Weiss, CEO der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), hat den gesamten Planungs- und Bauprozess begleitet und erz\u00e4hlt im Vorfeld der Er\u00f6ffnung des Future Art Lab am 7.\u00a0Juni 2021, wie die BIG als Bauherrin inspirierende Orte zum Lernen und Arbeiten gestaltet, wie sie auf Klima- und Coronakrise reagiert und wie die Zusammenarbeit mit einer Kunstuniversit\u00e4t aussieht.<\/h5>\n<p>Universit\u00e4ten haben mit Blick auf die r\u00e4umliche Ausstattung ganz spezielle Bed\u00fcrfnisse. Welche Rolle nimmt die Bundesimmobiliengesellschaft bei der Gestaltung von Universit\u00e4ten ein?<\/p>\n<figure id=\"attachment_5987\" aria-describedby=\"caption-attachment-5987\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5987\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/post-1_image2-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5987\" class=\"wp-caption-text\">Hans-Peter Weiss \u00a9 Peter Rigaud<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Hans-Peter Weiss (HW):<\/b> Die Gestaltung von Universit\u00e4tsgeb\u00e4uden und die Entwicklung ganzer Campusstandorte erleben seit einigen Jahren eine ungeheure Dynamik. Vor zehn Jahren haben wir zusammen mit der Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien den Campus WU gleichsam auf der gr\u00fcnen Wiese geplant und errichtet. Bei seiner Er\u00f6ffnung war er eine Sensation in Wien. Inzwischen hat er mit seinen vielen Freifl\u00e4chen und dem gastronomischen Angebot einen ganzen Stadtteil belebt und ist zur touristischen Attraktion geworden. F\u00fcr das Aufbl\u00fchen von Universit\u00e4tsvierteln und ihrer Nachbarschaft gibt es etliche Beispiele aus Wien und aus den Landeshauptst\u00e4dten. Ein besonders Sch\u00f6nes, an dessen Anfang allerdings nicht die gr\u00fcne Wiese, sondern ein bestehender Geb\u00e4udekomplex mit \u00fcberraschender Vorgeschichte stand, ist der Campus der mdw. Die Errichtung und Entwicklung von Universit\u00e4tsstandorten ist eine spannende, verantwortungsvolle Aufgabe. Besonders herausfordernd ist die Adaptierung von historischer Bausubstanz f\u00fcr einen zeitgem\u00e4\u00dfen Universit\u00e4tsbetrieb und die Verbindung mit neuen baulichen Elementen. Sie setzt eine besondere technische Expertise und viel Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den universit\u00e4ren Betrieb voraus. Immerhin beherbergen unsere Universit\u00e4tsgeb\u00e4ude alles vom Fl\u00fcgel bis zu Elektronenmikroskop, von tausenden Studienanf\u00e4nger_innen bis zu Spitzenwissenschaftler_innen und zum Oscar-Preistr\u00e4ger. Architektur und atmosph\u00e4rische Komponenten spielen eine gewichtige Rolle, wenn wir inspirierende Orte zum Lernen und Arbeiten schaffen wollen, ebenso wie Klimaschutz und die Langlebigkeit von Geb\u00e4uden.<\/p>\n<p>Die BIG und die mdw verbindet ein langer gemeinsamer Weg: Der Campus am Anton-von-Webern-Platz ist durch Um-, Zu- und Neubauten zu einem lebendigen, bestens ausgestatteten Zentrum f\u00fcr musikalische, p\u00e4dagogische und wissenschaftliche Ausbildung geworden. Welche Bedeutung hat diese langfristige und grundlegende Zusammenarbeit f\u00fcr die BIG?<\/p>\n<p><b>HW:<\/b> Das Geb\u00e4udeensemble am heutigen Anton-von-Webern-Platz, der \u00fcbrigens eigens f\u00fcr die mdw erst zu einem eigenen Platz wurde, hat eine besondere Geschichte. Kaiser Joseph\u00a0II. lie\u00df hier am damaligen Wiener Neust\u00e4dter Kanal ein Tierspital errichten, das im Laufe der Jahre mehrfach adaptiert und schlie\u00dflich von der k.\u00a0u.\u00a0k. Tier\u00e4rztlichen Hochschule zur Veterin\u00e4rmedizinischen Universit\u00e4t Wien wurde. Nach einer Generalsanierung mit Architekt Reinhardt Gallister, bei der die historische Struktur bewahrt wurde und die R\u00e4umlichkeiten akustisch f\u00fcr eine Musikuniversit\u00e4t vorbereitet wurden, zog Ende der 1990er-Jahre die mdw ein. Seitdem haben wir gemeinsam einen modernen Campus geschaffen, der der international f\u00fchrenden Musikuniversit\u00e4t in der Musikwelthauptstadt Wien w\u00fcrdig ist. Das ist das sch\u00f6ne Ergebnis einer langfristigen, vertrauensvollen und kreativen Zusammenarbeit, die sich seitens der Universit\u00e4t und der Bundesimmobiliengesellschaft auf allen Ebenen etabliert hat. Bei uns liegt sie in den engagierten H\u00e4nden von Projektleiter Thomas Breitsching, der gemeinsam mit dem kurz nach Baubeginn in den Ruhestand gewechselten Berthold Scheurer auch den Bau des Future Art Lab verantwortet hat, und Asset Manager Christian Wagner. Das Future Art Lab ist der j\u00fcngste Baustein im Campus-Inneren.<\/p>\n<p>An der mdw ist die Freude gro\u00df, dass das von Pichler &amp; Traupmann entworfene Future Art Lab seinerseits als architektonisches Kunstwerk die besten Bedingungen f\u00fcr die Entfaltung der an unserer Universit\u00e4t gelehrten K\u00fcnste bietet. Worin bestehen f\u00fcr Sie die speziellen Herausforderungen einer Kunstuniversit\u00e4t?<\/p>\n<p><b>HW:<\/b> Da m\u00f6chte ich zuerst ein Beispiel aus Linz bringen: Dort haben wir die beiden massiven Br\u00fcckenkopfgeb\u00e4ude f\u00fcr die Kunstuniversit\u00e4t adaptiert. Sie sollten urspr\u00fcnglich der monumentale bauliche Auftakt eines Prachtboulevards f\u00fcr Hitlers geplante \u201eF\u00fchrerstadt\u201c werden und wurden dann jahrzehntelang als Finanzamt genutzt. Es bedeutete eine gro\u00dfe Z\u00e4sur, eine Kunstuniversit\u00e4t in Geb\u00e4uden mit dieser Geschichte heimisch zu machen \u2013 und sichtbar sollte die neue Nutzung auch sein. Daf\u00fcr sorgt jetzt mit dem \u201eTranszendenzaufzug\u201c ein \u201eKunst &amp; Bau\u201c-Projekt unserer Kunstinitiative \u201eBig Art\u201c: eine begehbare Lichtskulptur der K\u00fcnstlerin Karin Sander, die zehn Meter aus dem Geb\u00e4ude herausragt und als weithin sichtbares st\u00e4dtebauliches Zeichen f\u00fcr die neue Nutzung wirkt. W\u00e4hrend technische Universit\u00e4ten bei ihren Bauvorhaben oft sehr funktional denken, muss f\u00fcr eine Kunstuniversit\u00e4t auch das Ambiente passen. Das war uns auch bei der Planung f\u00fcr das Future Art Lab bewusst. Mit dem Future Art Lab haben wir gemeinsam mit der mdw und dem Architektenteam ein Universit\u00e4tsgeb\u00e4ude geschaffen, das in jeder Hinsicht besonders ist. Die Architektur ist spektakul\u00e4r und gleichzeitig auf das Wesentliche reduziert. Bauweise und Raumkonzept liefern die Voraussetzung f\u00fcr Aufnahmen und Auff\u00fchrungen auf Weltniveau. Atmosph\u00e4risch konnten wir eine Umgebung gestalten, die k\u00fcnstlerisches Schaffen anregt. Die Fassade besteht aus Aluminiumverbundplatten, die das charakteristische Schimmern erzeugen, im Inneren des Geb\u00e4udes kommt Sichtbeton als n\u00fcchterner Gegenspieler zur \u201egl\u00e4nzenden\u201c Fassade zum Einsatz. Die beiden gro\u00dfz\u00fcgigen Terrassen schaffen eine Verbindung zum gr\u00fcnen Campushof. Die Architektur eines Universit\u00e4tsgeb\u00e4udes ist auch immer ein Statement. F\u00fcr die Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur Wien haben wir ziemlich zeitgleich mit dem Future Art Lab ein Seminargeb\u00e4ude aus Holz errichtet. F\u00fcr den mdw Campus war die goldige, moderne Fassade passend.<\/p>\n<p>Mitten in der Pandemie fertiggestellt und bezogen, hat sich das Future Art Lab als Gl\u00fccksfall f\u00fcr die mdw erwiesen und dazu beigetragen, dass der Unterricht auch in Zeiten von Corona-Beschr\u00e4nkungen bestm\u00f6glich fortgef\u00fchrt werden konnte: Topinfrastruktur in \u00dcbe- und Unterrichtsr\u00e4umlichkeiten, Konzertsaal, Kino und Klangtheater und nicht zuletzt die Aufnahmestudios erlauben es, sich die Welt digital ins Haus zu holen, bzw. ebenso aus dem Campus in die Welt hinaus zu streamen. Was kann man aus der Krise mitnehmen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Bauprojekte? Wie k\u00f6nnen die BIG und die Universit\u00e4ten den gegenw\u00e4rtigen Krisen \u2013 von der Corona- bis zur Klimakrise \u2013 begegnen?<\/p>\n<p><b>HW:<\/b> Uns und auch den Universit\u00e4ten ist an einer langfristigen, vorausschauenden, verantwortungsvollen und damit nachhaltigen Planung gelegen. Das beginnt mit der Frage, wie wir Bestandsgeb\u00e4ude sinnvoll nutzen. Diese Fragen haben wir gemeinsam mit der mdw wunderbar gel\u00f6st. Denkmalschutz wird mehr und mehr auch zu einem Faktor f\u00fcr den Klimaschutz, wenn wir Bestandsobjekte konsequent instandhalten, vielleicht f\u00fcr neue Nutzungen adaptieren und vor allem nutzen. Gerade unsere Universit\u00e4tsbauten aus den letzten Jahren sind Mustersch\u00fcler beim nachhaltigen Bauen. Beim zuvor erw\u00e4hnten Holzbau f\u00fcr die BOKU sieht man das von au\u00dfen, bei den gro\u00dfen Stahlbetonbauten wie dem Med Campus Graz spielt sich daf\u00fcr oft viel unter der Erde ab, mit Geothermiesonden, die hundert Meter unter der Erde installiert wurden und Erdw\u00e4rme nutzbar machen. Auch beim Future Art Lab haben wir Energieeffizienz im Betrieb bedacht. W\u00e4hrend der Pandemie hat sich ein Trend ganz klar best\u00e4tigt, den wir schon erkannt haben: Optimal ist, wenn man Gr\u00f6\u00dfe und Funktion von R\u00e4umen im Laufe der Zeit adaptieren kann. Gleichzeitig braucht es gerade im Universit\u00e4tsbau so spezialisierte Bauwerke wie das Future Art Lab, das mit dem Klangtheater, einem Arthouse-Kino, einem Aufnahmesaal und einem Konzertsaal mit hundert Pl\u00e4tzen vier sehr verschiedene S\u00e4le unter einem Dach vereint, die technisch, akustisch und atmosph\u00e4risch sprichw\u00f6rtlich alle St\u00fcckerl spielen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits vergangenen Sommer fertiggestellt, wurde im Future Art Lab rasch der Betrieb aufgenommen. 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