{"id":5810,"date":"2021-02-22T11:54:18","date_gmt":"2021-02-22T10:54:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=5810"},"modified":"2021-02-24T13:24:30","modified_gmt":"2021-02-24T12:24:30","slug":"rezensioneinfuehrungkulturbetriebslehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/02\/22\/rezensioneinfuehrungkulturbetriebslehre\/","title":{"rendered":"Rezension\ufeff: Einf\u00fchrung in die Kulturbetriebslehre"},"content":{"rendered":"<h5>Peter Tschmuck: <i>Einf\u00fchrung in die Kulturbetriebslehre<\/i>. Wiesbaden: Springer VS, 151 Seiten.<\/h5>\n<p>Auch wenn es sich bei dem Fach Kulturmanagement, zu dem auch die Wiener Kulturbetriebslehre z\u00e4hlt, um ein relativ junges Fach handelt, so liegen doch eine Reihe von einschl\u00e4gigen Einf\u00fchrungen f\u00fcr die akademische Lehre vor. Daran muss sich jeder neue Versuch messen, was in dem vorliegenden Fall einer <i>Einf\u00fchrung in die Kulturbetriebslehre<\/i> \u2013 dies sei gleich vorab konstatiert \u2013 durchaus gelungen ist. Peter Tschmuck, ausgewiesen insbesondere mit seinen Analysen zur Musikwirtschaft, hat einen Ansatz vorgelegt, in dem er von Leitbegriffen ausgehend das Feld ordnet. Diese Begriffskonzepte, die gewisserma\u00dfen den roten Faden des Bandes bilden, sind Kultur, Institution, Gut und Wert. Diese werden unter Ber\u00fccksichtigung der zumindest wichtigsten Forschungstraditionen in ihrer methodischen und theoretischen Spezifik vorgestellt und diskutiert und anhand von Fallbeispielen veranschaulicht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5813\" aria-describedby=\"caption-attachment-5813\" style=\"width: 211px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.springer.com\/gp\/book\/9783658302641\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5813\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-13-211x300.jpg\" alt=\"\" width=\"211\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-13-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-13-722x1024.jpg 722w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-13-768x1090.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-13-850x1206.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-13.jpg 881w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5813\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Springer VS<\/figcaption><\/figure>\n<p>So werden Konzepte der Kulturbegrifflichkeit zwischen auf Bedeutung orientierte textparadigmatischen und auf die soziale Praxis rekurrierende sozialwissenschaftlichen Zug\u00e4ngen verortet. Nun mag man einwenden, dass eine Darstellung der komplexen Kulturbegrifflichkeit auf gerade mal 23 Seiten notwendige Komplexit\u00e4tsreduktion vornimmt, doch wer eine Art von ersch\u00f6pfender Vollst\u00e4ndigkeit erwartet, der \u00fcbersieht die Aufgabe einer solchen Einleitung, relevante Konzepte und Traditionen zu erfassen. Dies gilt auch f\u00fcr die \u00fcbrigen Begriffskonzepte. Die unterschiedlichen sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Betriebs- und Institutionenkonzepte werden in ihrer Mehrdeutigkeit (als Instanzen oder Organisationen) und Variabilit\u00e4t vorgestellt, Letzteres sehr sch\u00f6n am Beispiel des Urheberrechts im Musikbetrieb entwickelt. Deutlich wird damit, wie technologisch induzierte Ver\u00e4nderungen in der sozialen Praxis auch die Kulturproduktion beeinflussen, was in der Verschiebung von physischen zu digitalen Tontr\u00e4gern deutlich wird. Entsprechend werden Kulturg\u00fcter im Spannungsfeld von kulturellem Selbstverst\u00e4ndnis und \u00f6konomischem Nutzen eingef\u00fchrt, so wie der Wertbegriff in seinen kulturellen und \u00f6konomischen Interdependenzen diskutiert wird. Die Kulturbetriebslehre vertritt, das macht Tschmuck deutlich, einen Ansatz, der den \u00f6konomischen Tausch- wie den kulturellen Symbolwert ber\u00fccksichtigt. Das Symbolhafte wird in der Wirtschaft in Tauschwerte, der Tauschwert in der Kunstwelt in symbolische Werte \u00fcbersetzt, wie am Fallbeispiel einer Schredderaktion von Banksy bei Sotheby\u2019s zu sehen ist. Kulturg\u00fcter entstehen, so die nachvollziehbare Logik des kulturbetrieblichen Ansatzes, in einem institutionellen Setting, welches Strukturen und Praktiken mit dem Ziel der Symbolproduktion und -vermittlung ausbildet, wobei der Kulturbetrieb entweder als organisatorische Einheit oder als Netzwerk zu verstehen ist.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend an die zentralen Begriffskonzepte und deren wissenschaftshistorische Verankerung versucht Tschmuck eine fachgeschichtliche Einordnung der in Wien entwickelten Kulturbetriebslehre. Hierzu erfolgt ein knapper, die zentralen Entwicklungen abbildender \u00dcberblick vom US-amerikanischen Production-of-Culture-Ansatz \u00fcber die zun\u00e4chst dominanten Adaptionen von Konzepten aus der Betriebswirtschaft im Rahmen eines funktionalen Kulturmanagement bis hin zu den Versuchen einer theoretischen Begr\u00fcndung als selbstst\u00e4ndige Disziplin. Hierzu werden exemplarisch einzelne Konzepte aus der Forschung vorgestellt, in denen der Fokus auf die Vernetzung der Akteur_innen, die Verkn\u00fcpfungen zwischen Kultur und Wirtschaft oder Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse gelegt wird. Dabei wird, zumindest implizit, auch Kritik an einem Verst\u00e4ndnis des Faches ge\u00fcbt, dem es mehr um praktische Intervention als um wissenschaftliche Invention geht \u2013 ein Ph\u00e4nomen, das sich bis heute beobachten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Vor diesem fachhistorischen Hintergrund werden Herausbildung und Anspruch der Kulturbetriebslehre entwickelt, die als Wissenschaft die Produktion, Distribution und Rezeption von Kulturg\u00fctern untersucht und dabei den Antagonismus zwischen Zweck- und Wertrationalit\u00e4t reflektiert, der f\u00fcr das Fach als zentral erscheint. Geht es bei Ersterem um Komplexit\u00e4tsreduktion, Erwartungsstabilisierung und Regelm\u00e4\u00dfigkeit im Sinne einer Mittel-Zweck-Beziehung, so bei Letzterem um Komplexit\u00e4tserh\u00f6hung, Erwartungsst\u00f6rung und Kreativit\u00e4tsmobilisierung im Sinne einer Zweck-Ziel-Beziehung. Aus dieser Bedingung ergibt sich die spezifische \u00dcbersetzungsleistung zwischen den Wertsph\u00e4ren, die vom Kulturmanagement, verstanden als Entscheidungsprozess \u00fcber knappe Ressourcen, erwartet werden muss. In einem Ausblick werden thesenartig Perspektiven einer Kulturbetriebslehre als Transdisziplin entwickelt, eine Disziplin, die ihren Forschungsfokus auf die Formationsprozesse von symbolisch aufgeladenen Kulturg\u00fctern und deren Transformation zu Gegenst\u00e4nden \u00f6konomischer Tauschakte, auf die kulturellen Praktiken und deren institutionelle Einbindung, auf die spezifischen Merkmale von Kulturbetrieben sowie auf Prozesse gesellschaftlicher Organisation von Kunst- und Kulturberufen verlegt und die methodisch die Genese und Transformation des Kulturbetriebs genauso in den Blick nimmt, wie die jeweiligen Praxis-, Struktur- und Kulturg\u00fcterdimension.<\/p>\n<p>Peter Tschmuck, dies sei abschlie\u00dfend vermerkt, ist mit dieser Einf\u00fchrung in die Kulturbetriebslehre, die sich von den bisher vorliegenden akademischen Lehrwerken durch ihre Fokussierung auf die zentralen Begriffskonzepte deutlich abhebt, eine gleicherma\u00dfen konzise wie inspirative \u2013 und vor allem auch gut lesbare \u2013 Darstellung gelungen, die man mit Gewinn in der universit\u00e4ren Lehre wird einsetzen k\u00f6nnen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn es sich bei dem Fach Kulturmanagement, zu dem auch die Wiener Kulturbetriebslehre z\u00e4hlt, um ein relativ junges Fach handelt, so liegen doch eine Reihe von einschl\u00e4gigen Einf\u00fchrungen f\u00fcr die akademische Lehre vor. 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