{"id":5800,"date":"2021-02-23T15:12:13","date_gmt":"2021-02-23T14:12:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=5800"},"modified":"2024-03-18T10:32:37","modified_gmt":"2024-03-18T09:32:37","slug":"zwischen-musik-und-politik-exilmusikerinnen-im-antifaschistischen-kampf-des-front-populaire","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/02\/23\/zwischen-musik-und-politik-exilmusikerinnen-im-antifaschistischen-kampf-des-front-populaire\/","title":{"rendered":"\u201eZwischen Musik und Politik: Exilmusiker_innen im antifaschistischen Kampf des Front Populaire\u201c"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>1936 commence, ann\u00e9e de la grande esp\u00e9rance populaire! [&#8230;] Le ,Front populaire\u2018 occupe 378 si\u00e8ges \u2013 les deux tiers \u2013 \u00e0 l\u2019Assembl\u00e9e Nationale [&#8230;] Cette victoire des id\u00e9es pour lesquelles je me bats depuis plusieurs ann\u00e9es, contre celles qui se d\u00e9veloppent aux fronti\u00e8res [&#8230;] j\u2019ai conscience de jouer un r\u00f4le dans la transformation de cette soci\u00e9t\u00e9 fran\u00e7aise qui est devenue la mienne.<\/p>\n<p>Paul Arma<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses Zitat stammt aus den Memoiren des Musikers Paul Arma (1904\/5\u20131987), der mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 nach Frankreich ins Exil floh, da er als Jude und Kommunist in NS-Deutschland stark gef\u00e4hrdet war. Arma beschreibt hier seine Freude \u00fcber den Wahlsieg der franz\u00f6sischen Volksfrontbewegung (Front Populaire) im Jahr 1936. Er gibt sich als Verfechter des Volksfrontkonzeptes, das auf eine Zusammenarbeit mehrerer linker und moderater Parteien im Kampf gegen den Faschismus setzte, zu erkennen. Paul Arma gestaltete den Aufstieg und die Regierungszeit (1936\u20131938) des Front Populaire aktiv mit, indem er f\u00fcr die Kommunistische Partei t\u00e4tig war, politische St\u00fccke komponierte, Agitprop-Truppen und Arbeiterch\u00f6re leitete, als Pianist und Chorleiter auf politisch motivierten Veranstaltungen auftrat sowie mit dem franz\u00f6sischen Bildungsministerium im Jugendmusikbereich zusammenarbeitete.<\/p>\n<p>Neben Paul Arma engagierten sich noch weitere aus NS-Deutschland geflohene Musikerinnen und Musiker im Exil in Frankreich f\u00fcr die Volksfrontbewegung. Zu diesen Personen z\u00e4hlen Paul Dessau (1894\u20131979), Hanns Eisler (1898\u20131962), Joseph Kosma (1905\u20131969), Franz Land\u00e9 (1893\u20131942), Marianne Oswald (1901\u20131985), Louis Saguer (1907\u20131991), Eberhard Schmidt (1907\u20131996) und Cora Schmidt-Eppstein (1900\u20131939). Die durch das Engagement dieser Musikschaffenden im Umkreis der Volksfront entstandenen Verflechtungen musikalischer und politischer Sph\u00e4ren werden in der Dissertation <i>ExilmusikerInnen im antifaschistischen Kampf des Front Populaire<\/i> n\u00e4her erforscht. Die konkrete Forschungsfrage lautet: Wie und unter welchen Rahmenbedingungen haben aus NS-Deutschland emigrierte Musikerinnen und Musiker die franz\u00f6sische Volksfront der 1930er-Jahre mitgestaltet?<\/p>\n<p>F\u00fcr die Beantwortung dieser Frage kommt die Histoire crois\u00e9e (\u201eVerflechtungsgeschichte\u201c) zum Einsatz. Diese Methode wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts von B\u00e9n\u00e9dicte Zimmermann und Michael Werner an der \u00c9cole des Hautes \u00c9tudes en Sciences Sociales in Paris entwickelt. Sie basiert auf einem vernetzenden Denkkonzept, das sich Verflechtungsstrukturen zunutze macht, um davon ausgehend wissenschaftliche Erkenntnisse abzuleiten. Da das Konzept der Histoire crois\u00e9e die Art und Weise, wie Verflechtungen analysiert werden sollen, weitgehend offenl\u00e4sst, wird mit zus\u00e4tzlichen Forschungsans\u00e4tzen gearbeitet. Im Wesentlichen werden drei Methoden in die Histoire crois\u00e9e integriert: die historische Methode, die Netzwerkanalyse und Musikanalyse. Um eine m\u00f6glichst intersubjektive Darstellung zu kreieren, werden verschiedenartige Quellen ausgewertet, wobei sich Memoiren von Musikschaffenden sowie Pressequellen als besonders fruchtbar erweisen.<\/p>\n<p>Die Dissertation besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil werden theoretische und kontextuelle Grundlagen f\u00fcr die Erforschung des Gegenstands geliefert. Im zweiten Teil wird das antifaschistische Engagement einzelner Exilmusiker_innen untersucht. Der dritte Teil widmet sich schlie\u00dflich Kontexten, in die jeweils mehrere exilierte Musikschaffende eingebunden waren. Im Eingangskapitel dieses dritten Teils stehen die Bereiche Agitprop und Kabarett im Zentrum der Betrachtungen. Das zweite Kapitel handelt vom antifaschistischen Engagement von Exilmusiker_innen im Kampf gegen den Anschluss des Saargebietes an Deutschland im Vorfeld der diesbez\u00fcglichen Volksabstimmung vom 13.\u200a1.\u200a1935. Es folgt im dritten Abschnitt eine Untersuchung der politischen Dimension der Internationalen Arbeitermusik- und Gesangsolympiade in Stra\u00dfburg zu Pfingsten\u00a01935. Als viertes werden politische Kompositionen von Exilmusiker_innen sowie \u00dcbersetzungen und Kontrafakturen der St\u00fccke einer n\u00e4heren Betrachtung unterzogen. Das anschlie\u00dfende f\u00fcnfte Kapitel befasst sich mit den Publikationsm\u00f6glichkeiten politischer Musik und den Chancen im Verlagswesen im Exil. Kapitel sechs ist den Medien Radio und Film und ihrem Einsatz als Sprachrohr der Volksfront gewidmet. Im letzten Kapitel des dritten Teils wird der Fokus auf eine internationale Ebene ausgeweitet und das Engagement von Exilmusiker_innen f\u00fcr die spanische Republik w\u00e4hrend des Spanischen B\u00fcrgerkriegs thematisiert. In jedem Kapitel des dritten Teils erfolgt eine Analyse von jeweils drei Musikst\u00fccken in Bezug auf ihren politischen Gehalt und ihre Rolle im antifaschistischen Kampf. Die Arbeit schlie\u00dft mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und einem Ausblick auf noch offene Fragen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Milena Amann-Rauter geht in ihrem Dissertationsprojekt der Frage nach: Wie und unter welchen Rahmenbedingungen haben aus NS-Deutschland emigrierte Musikerinnen und Musiker die franz\u00f6sische Volksfront der 1930er-Jahre mitgestaltet?<\/p>\n","protected":false},"author":233,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[1130,150,33,52],"class_list":["post-5800","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-research","tag-2021-1","tag-dissertation","tag-research","tag-wissenschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5800","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/233"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5800"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5800\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10034,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5800\/revisions\/10034"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5800"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5800"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5800"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}