{"id":5792,"date":"2021-02-24T09:30:01","date_gmt":"2021-02-24T08:30:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=5792"},"modified":"2021-02-24T13:01:51","modified_gmt":"2021-02-24T12:01:51","slug":"jessica-hausner-im-gespraech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/02\/24\/jessica-hausner-im-gespraech\/","title":{"rendered":"Jessica Hausner im Gespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"<h1>\u201eDie d\u00e9coupage ist mein liebstes Spielfeld\u201c<\/h1>\n<h5>Die Filmakademie Wien hat eine neue Regie-Professorin. Jessica Hausner im Gespr\u00e4ch \u00fcber ihren Zugang zum Medium Film und die Schwerpunkte, die sie in der Lehre setzen m\u00f6chte. Im Fr\u00fchjahr 2021 erscheint in einer Schriftenreihe der Filmakademie Wien ein Buch \u00fcber das k\u00fcnstlerische Werk der Filmemacherin.<\/h5>\n<p>F\u00fcr die kommenden zwei Jahre hat die Filmakademie F\u00fcr F\u00fcr die kommenden zwei Jahre hat die Filmakademie Wien Jessica Hausner als Regie-Professorin gewinnen k\u00f6nnen. Hausner studierte in den 1990er-Jahren selbst an der Filmakademie Regie und feierte als Teil der sogenannten<i> nouvelle vague viennoise<\/i> bereits als Studentin internationale Erfolge. Der vorl\u00e4ufige H\u00f6hepunkt ihrer Karriere ist ihr englischsprachiges Deb\u00fct <i>Little Joe<\/i> (2019). Der Film wurde in den internationalen Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes eingeladen und mit dem Prix d\u2019interpr\u00e9tation f\u00e9minine ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Inwieweit l\u00e4sst sich Filmregie lehren? Was m\u00f6chtest du deinen Student_innen mit auf den Weg geben?<\/p>\n<figure id=\"attachment_5795\" aria-describedby=\"caption-attachment-5795\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-5795\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-12-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"478\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-12-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-12-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-12-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-12-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-12-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-12-850x478.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5795\" class=\"wp-caption-text\">Jessica Hausner \u00a9 Lukas Allmaier, Filmakademie Wien<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Jessica Hausner (JH): <\/b>In einem k\u00fcnstlerischen Beruf kommt es immer auf die pers\u00f6nliche Sichtweise an. Als Lehrende kann ich fragend und beratend zur Seite stehen. Damit meine ich, dass es f\u00fcr die Studierenden wichtig ist, f\u00fcr sich selbst herauszufinden, was sie sagen wollen und wie sie es sagen k\u00f6nnen. Es handelt sich also um eine Entwicklung der k\u00fcnstlerischen Pers\u00f6nlichkeit. Ich kann dabei helfen, die eigenen Vorstellungen und F\u00e4higkeiten der Studierenden ans Tageslicht zu bef\u00f6rdern. Dazu geh\u00f6rt auch die F\u00e4higkeit, die eigene Arbeit selbst zu hinterfragen und einzusch\u00e4tzen. Diese Form der konstruktiven Kritik zu \u00fcben, sehe ich als Teil meiner Aufgabe.<\/p>\n<p>Auf welchen Aspekt des Filmemachens m\u00f6chtest du dich in deiner Lehre besonders fokussieren?<\/p>\n<p><b>JH:<\/b> Ich finde es spannend, die M\u00f6glichkeiten der Filmsprache auszuloten und zu erweitern. Die sogenannte Aufl\u00f6sung, die d\u00e9coupage, ist mein liebstes Spielfeld. Ich erforsche gerne die suggestiven Wirkungen von Bildsprache und Schnitt. Daher lasse ich mich inspirieren von Filmen von Maya Deren oder Lucrecia Martel. Beide haben die Filmsprache erneuert und innovative Elemente eingesetzt, die sehr wirkungsvoll funktionieren.<\/p>\n<p>Besonders wichtig ist mir der Stil. Die Suche nach dem geeigneten Tonfall, in dem sich eine Geschichte erz\u00e4hlen l\u00e4sst, ist f\u00fcr mich essenziell. Der naturalistische Erz\u00e4hlstil ist nur einer von vielen, obwohl er im Kinospielfilm vorherrscht. Insofern finde ich es spannend, mit den Studierenden auch andere Stile zu erforschen, und die Vorstellung, dass Film Realit\u00e4t wiedergibt, zu hinterfragen. Das l\u00e4sst den Gedanken zu, dass Film eine neue Realit\u00e4t erschafft. Und der Tonfall, der Stil, ist ausschlaggebend daf\u00fcr, was ich als Zuseher_in davon mitnehme.<\/p>\n<p>Inwiefern beeinflussen dich die Erfahrungen aus deiner Studienzeit an der Filmakademie Wien in deiner neuen Aufgabe als Regie-Professorin?<\/p>\n<p><b>JH: <\/b>Insofern, als Wolfgang Gl\u00fcck der Professor war, der mir eine hilfreiche Auskunft gegeben hat: Er sagte zu meinem Drehbuch <i>Flora<\/i> (1996): \u201eDir muss es gefallen. Du musst wissen, was du da erz\u00e4hlen willst und du musst es verstehen. Nicht ich.\u201c Das sagte er mit einer solchen schlichten \u00dcberzeugung, dass ich innehielt und auf einmal das Gef\u00fchl hatte, wieder im Besitz meiner Urteilskraft zu sein, die ich im Laufe des Studiums beinahe verloren hatte. Auf einmal wusste ich wieder, dass ich nun mal nur meine eigenen Vorstellungen habe und niemals die der anderen erf\u00fcllen werde k\u00f6nnen, selbst wenn ich es wollte. Das war erleichternd und erschreckend zugleich: Ich habe verstanden, dass ich voll und ganz verantwortlich bin f\u00fcr das, was ich tue.<\/p>\n<p>Regie-Professorin zu sein bedeutet daher f\u00fcr mich, mich auf die Vorstellungswelten der Studierenden einzulassen und diese mit ihnen weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p>Was hat sich zwischen deiner Zeit als Studentin und heute an der Filmakademie Wien ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p><b>JH: <\/b>Es gibt heute viel mehr Austausch und Vergleich, mehr M\u00f6glichkeiten und mehr Einfl\u00fcsse. Wir waren in den 90er-Jahren noch hinter den sieben Bergen. Eine Festivaleinreichung hat jede_r selbst gemacht, per Post, begleitet von einem Festnetztelefonat oder einem handgeschriebenen Brief an den jeweiligen Festivaldirektor \u2013 damals gab es in entscheidenden Positionen nur M\u00e4nner. Jetzt also mehr Vernetzung und mehr Frauen, die Filme machen und damit internationale Anerkennung erreichen. Die gab es damals auch noch nicht. Mit dem erleichterten Zugang zu Informationen und Inhalten durch die Digitalisierung entsteht aber auch ein gr\u00f6\u00dferer Druck, sich vergleichen zu m\u00fcssen. Fr\u00fcher waren wir vielleicht l\u00e4nger unbeobachtet.<\/p>\n<p>Wie sch\u00e4tzt du die Situation f\u00fcr junge Filmschaffende in \u00d6sterreich heute ein?<\/p>\n<p><b>JH: <\/b>Grunds\u00e4tzlich denke ich, dass die Chancen gut sind. Es gibt Filmf\u00f6rderung und die Bem\u00fchung, ausgewogen zu entscheiden. Dar\u00fcber hinaus gibt es Streaming-Plattformen, die Inhalte brauchen und gerne junge Talente daf\u00fcr nutzen. Umso wichtiger ist es, in einer Filmakademie eigene Positionen zu entwickeln. Herauszufinden, wo man\/frau hin will und wohin nicht.<\/p>\n<div class=\"bdaia-separator se-shadow\" style=\"margin-top:30px !important;margin-bottom:30px !important;\"><\/div>\n<figure id=\"attachment_5798\" aria-describedby=\"caption-attachment-5798\" style=\"width: 213px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5798 size-medium\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-6-213x300.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-6-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-6-726x1024.jpg 726w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-6-768x1084.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-6-850x1199.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-6.jpg 886w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5798\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Sonderzahl<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Kerstin Parth, Laura Ettel, Jana Libnik, Nicolas Pindeus (Hg.)<\/b><br \/>\n<b>Aus der Werkstatt: Jessica Hausner Sonderzahl 2021<\/b><br \/>\n<b>Band 2 einer Schriftenreihe der Filmakademie Wien, hg. von Kerstin Parth und Claudia Walkensteiner-Preschl<\/b><\/p>\n<p>Band 2 der Reihe <i>Aus der Werkstatt <\/i>stellt mit Jessica Hausner eine der wichtigsten \u00f6sterreichischen Autorenfilmerinnen in den Fokus. Mit den Herausgeber_innen sprach Hausner ausf\u00fchrlich \u00fcber ihr gesamtes filmisches Schaffen \u2013 beginnend bei ihren fr\u00fchen Akademie-Kurzfilmen bis hin zu ihrem aktuellsten Film <i>Little Joe<\/i> (2019), der im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes ausgezeichnet wurde. Die Reihe <i>Aus der Werkstatt<\/i> basiert auf einem Oral-History-Projekt der Medien- und Filmwissenschaft an der Filmakademie Wien.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Filmakademie Wien hat eine neue Regie-Professorin. Jessica Hausner im Gespr\u00e4ch \u00fcber ihren Zugang zum Medium Film und die Schwerpunkte, die sie in der Lehre setzen m\u00f6chte. 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