{"id":5775,"date":"2021-02-22T15:19:06","date_gmt":"2021-02-22T14:19:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=5775"},"modified":"2021-02-23T14:46:37","modified_gmt":"2021-02-23T13:46:37","slug":"ein-starkes-ensemble-bilden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/02\/22\/ein-starkes-ensemble-bilden\/","title":{"rendered":"Ein starkes Ensemble bilden"},"content":{"rendered":"<h1>Unterricht mit Friderikke-Maria H\u00f6rbe am Max Reinhardt Seminar<\/h1>\n<h5>Friderikke-Maria H\u00f6rbe ist seit M\u00e4rz 2020 Professorin f\u00fcr Ensemblearbeit\/Rollengestaltung am Max Reinhardt Seminar. Mit dem <i>mdw-Magazin <\/i>sprach sie \u00fcber ihren Unterricht und ihren eigenen Weg zur Schauspielerei.<\/h5>\n<p>Im Fach <i>Rollengestaltung f\u00fcr Ensemblearbeit<\/i> im zweiten Semester stehen Partner- und Ensemblespiel im Vordergrund. Die Studierenden lernen die Techniken des Improvisierens. \u201eWir lassen uns dabei von Situationen aus dem Alltag, von Gem\u00e4lden, Fotos, Artikeln, Filmen und Theaterst\u00fccken inspirieren und erarbeiten die improvisierten Szenen. Durch Wiederholungen werden die Handlungen und Texte verdichtet und die Konflikte zugespitzt\u201c, erkl\u00e4rt H\u00f6rbe. Ziel der Improvisationen ist auch, Spontanit\u00e4t und Spielfreude zu f\u00f6rdern. Die Schauspielprofessorin gibt ein Beispiel einer vorbereitenden \u00dcbung aus dem Unterricht: \u201eDie Studierenden erz\u00e4hlen gemeinsam eine Geschichte, indem jede_r Studierende in einem vorgegebenen Rhythmus nacheinander reihum ein Wort in die Runde wirft. Das funktioniert nur, wenn man spontan auf das zuletzt Gesagte reagiert. Dabei entstehen die wildesten Geschichten, die direkt dem Unterbewusstsein entspringen.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5778\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-10-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-10-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-10-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-10-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-10-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-10-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-10-850x638.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>F\u00fcr Schauspielstudierende ab dem dritten Semester bedeutet das Fach <i>Rollengestaltung<\/i> die spielerische Erarbeitung von Texten oder Szenen aus klassischen St\u00fccken, St\u00fccken der Antike und der Gegenwartsdramatik auf der B\u00fchne. \u201eWir beginnen mit dem Lesen und Analysieren des Textes, um die Essenz der Situation, die Ziele und Widerst\u00e4nde der Figuren herauszufiltern, bevor die Studierenden die Szene spielen\u201c, sagt H\u00f6rbe. \u201eSchauspiel ist vor allem Reaktion. Es geht darum, im Moment zu sein. Die Figur verfolgt zwar ihr Szenenziel, aber jeder Spielzug ver\u00e4ndert sich durch das Handeln des Spielpartners. Der Weg zum Ziel bleibt offen! Es ist wichtig, dass die Studierenden dieses Prinzip trainieren und verinnerlichen\u201c, so H\u00f6rbe. Verschiedene \u00dcbungen und Techniken helfen den Studierenden dabei, die Selbstkontrolle aufzugeben und die Aufmerksamkeit auf das Gegen\u00fcber zu lenken, um spontan, aber trotzdem im Sinne der Logik der Figur reagieren zu k\u00f6nnen. Besonderen Wert legt Friderikke-Maria H\u00f6rbe in ihrem Unterricht darauf, dass die Studierenden \u00c4ngste ablegen k\u00f6nnen: \u201eEs ist mir ein Anliegen, durch eine motivierende, unterst\u00fctzende Herangehensweise einen angstfreien Raum zu schaffen, damit Vertrauen und Kreativit\u00e4t entstehen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Der Schauspielnachwuchs sieht sich in der beruflichen Praxis mit komplexen, sich st\u00e4ndig \u00e4ndernden Anforderungen konfrontiert. Schauspielerisches Handwerk bildet das Fundament, um damit umzugehen. \u201eHandwerk ist vor allem wichtig, wenn es in der Arbeit schwierig wird. Dann hat man etwas, auf das man zur\u00fcckgreifen kann\u201c, sagt H\u00f6rbe. Die Entwicklung zu einer k\u00fcnstlerischen Pers\u00f6nlichkeit ist ebenso zentral in der Ausbildung. \u201eAm Ende der Ausbildung ist nicht nur die Kunstfertigkeit einer Schauspielerin oder eines Schauspielers, alles spielen zu k\u00f6nnen, das alleinige Kriterium f\u00fcr k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t, sondern ob sie oder er eine faszinierende Pers\u00f6nlichkeit mit eigenen Visionen ist, die das Publikum in den Bann zieht.\u201c In der Ausbildung ist zudem die Schulung der sozialen Kompetenz der Studierenden wichtig. \u201eTheater- und Filmarbeit ist meist Teamarbeit. Dem gegen\u00fcber steht die Notwendigkeit von gesundem Egoismus und Radikalit\u00e4t bei der Erschaffung von Kunst. Dies erfordert ein hohes Ma\u00df an sozialer Kompetenz\u201c, betont H\u00f6rbe.<\/p>\n<p>Eine der Besonderheiten in der Ausbildung am Max Reinhardt Seminar ist, dass Regie- und Schauspielstudierende in den ersten beiden Semestern eine gemeinsame Grundausbildung genie\u00dfen. H\u00f6rbe sieht darin gro\u00dfe Vorteile: \u201eDie Zusammenarbeit zwischen Regie und Schauspiel ist der Kern der Theaterarbeit. Durch die fr\u00fche Begegnung von Schauspiel- und Regiestudierenden im Studium findet ein Perspektivenwechsel statt, sie k\u00f6nnen voneinander lernen und ein tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander entwickeln. Die St\u00e4rkung des Ensemblegedankens ist die Grundlage f\u00fcr gutes Schauspiel\u201c, so H\u00f6rbe.<\/p>\n<p>Die coronabedingten Einschr\u00e4nkungen stellen sich f\u00fcr den k\u00f6rpernahen und auf alle Sinne fokussierten Unterricht als herausfordernd dar. H\u00f6rbe und ihre Studierenden versuchen aber sich auf M\u00f6glichkeiten statt auf Unm\u00f6glichkeiten zu konzentrieren. Das gemeinsame Spielen in Online-Konferenzen wurde mit der Zeit selbstverst\u00e4ndlicher, Monologe erarbeitete H\u00f6rbe mit Studierenden im Einzelunterricht, Theaterst\u00fccke wurden per Streaming gemeinsam angesehen und anschlie\u00dfend analysiert. Sie gibt sich optimistisch: \u201eAus den Beschr\u00e4nkungen, die f\u00fcr eine gewisse Zeit gelten m\u00fcssen, k\u00f6nnen neue Kreativit\u00e4t und Kr\u00e4fte entstehen, von denen wir noch nichts ahnen. Vielleicht werden wir erst sp\u00e4ter sp\u00fcren, was wir auch dazugewonnen haben \u2013 und sei es ganz einfach die unb\u00e4ndige Lust, wieder richtig miteinander spielen zu k\u00f6nnen!\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_5781\" aria-describedby=\"caption-attachment-5781\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-5781\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-4-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-4-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-4-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-4-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-4-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-4-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image4-4-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5781\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Friderikke-Maria H\u00f6rbe<\/figcaption><\/figure>\n<p>Friderikke-Maria H\u00f6rbe hat die Lust am Schauspiel bereits in der Kindheit gepackt. 1971 geboren wuchs sie in einem kleinen Dorf in Th\u00fcringen auf. Obwohl sie in ihrer Kindheit weder mit Kino oder Theater in Kontakt kam und die Familie auch keinen Fernseher besa\u00df, versp\u00fcrte sie den Drang, Menschen nachzuspielen. \u201eIch konzentrierte mich dabei auf die Dorfbewohner, den Pfarrer und alle Lehrer. Ich spielte sogar meinen verstorbenen und mit Blumen aufgebahrten Opa nach, weil mich sein w\u00fcrdevolles Aussehen so faszinierte. Damals sagte man mir immer wieder: ,Du musst Schauspielerin werden!\u2018\u201c, erz\u00e4hlt sie. \u201eIch wei\u00df nicht, ob der Wunsch, Schauspielerin zu werden oder der Glaube an diese Prophezeiung zuerst da war. Aber als ich durch Zufall ein bekanntes Schauspielerehepaar kennenlernte, das mir Talent bescheinigte, war mein Ziel klar: Ich wollte auf die B\u00fchne!\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_5780\" aria-describedby=\"caption-attachment-5780\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-5780\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-5-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-5-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-5-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-5-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-5-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-5-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-5-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5780\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Friderikke-Maria H\u00f6rbe<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ihr Schauspielstudium absolvierte sie an der Filmuniversit\u00e4t Babelsberg Konrad Wolf. Sie gastierte an verschiedenen Theatern in Deutschland und nahm parallel dazu Filmengagements an. Es folgte ein mehrj\u00e4hriges Festengagement am Schauspiel Leipzig, wo sie mit Regisseur_innen wie Michael Thalheimer, Karin Henkel, Johanna Schall und Wolfgang Engel arbeitete und viele st\u00fccktragende Rollen spielte. Ihre Lehrt\u00e4tigkeit f\u00fchrte sie auch an andere renommierte Ausbildungsst\u00e4tten f\u00fcr Schauspiel im deutschsprachigen Raum. Zudem coacht sie regelm\u00e4\u00dfig Schauspieler_innen bei der Rollenvorbereitung. Die Professur am Max Reinhardt Seminar ist ein weiterer Meilenstein in ihrer Vita.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friderikke-Maria H\u00f6rbe ist seit M\u00e4rz 2020 Professorin f\u00fcr Ensemblearbeit\/Rollengestaltung am Max Reinhardt Seminar. 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