{"id":5772,"date":"2021-02-23T14:41:31","date_gmt":"2021-02-23T13:41:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=5772"},"modified":"2021-02-23T14:41:47","modified_gmt":"2021-02-23T13:41:47","slug":"theater-ohne-publikum-ist-kein-theater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/02\/23\/theater-ohne-publikum-ist-kein-theater\/","title":{"rendered":"\u201eTheater ohne Publikum ist kein Theater\u201c"},"content":{"rendered":"<h5>Studierende des jeweiligen Abschlussjahrgangs am Max Reinhardt Seminar pr\u00e4sentieren sich im Zuge des sogenannten Absolvent_innen-Vorspiels, kurz AVO, mit Szenen und Monologen dem Fachpublikum. 2020 musste das AVO \u2013 wie so vieles \u2013 in den digitalen Raum verlegt werden. Wie das funktioniert hat, warum digitales Publikum ein echtes Gegen\u00fcber im Theater nicht ersetzen kann und welche Herausforderungen ein Vorsprechen mit sich bringt, dar\u00fcber sprach das <i>mdw-Magazin <\/i>mit Annett Matzke, stellvertretende Institutsleiterin am Max Reinhardt Seminar.<\/h5>\n<p>Bis vor wenigen Jahren vereinbarten Schauspielschulen Vorsprechtermine f\u00fcr ihre Studierenden des Abschlussjahrgangs direkt mit den Theatern. Da das viel Zeit und vor allem Geld kostete, hatte die St\u00e4ndige Konferenz Schauspielausbildung (SKS) vor einigen Jahren die Idee, zentrale Vorsprechen f\u00fcr die Schauspielschulen im deutschsprachigen Raum zu organisieren. \u201eMan wollte die Absolvent_innen-Vorsprechen gleichberechtigter und effizienter gestalten. So organisiert nun die SKS einmal im Jahr, in der 46. Kalenderwoche, zentrale Vorsprechen f\u00fcr insgesamt 19 staatliche Schauspielschulen an den Standorten Berlin, Neuss und M\u00fcnchen\u201c, erkl\u00e4rt Annett Matzke, die seit 2004 als Professorin f\u00fcr Sprachgestaltung am Max Reinhardt Seminar t\u00e4tig ist. Unterst\u00fctzt durch den Deutschen B\u00fchnenverein m\u00fcssen f\u00fcr eine Woche Probeb\u00fchnen und Theaters\u00e4le angemietet und ein straffer Zeitplan erstellt werden \u2013 eine logistische Meisterleistung f\u00fcr die SKS. Intendant_innen und Dramaturg_innen, die Vakanzen an ihren Theaterh\u00e4usern haben, begeben sich in dieser Woche auf die Suche nach neuen Ensemblemitgliedern und laden die Studierenden im besten Fall zu weiteren Vorsprechen direkt an ihr Theater ein.<\/p>\n<p>2020 kam bekanntlich vieles anders als geplant. \u201eCoronabedingt beschloss die SKS Ende September 2020, die Absolvent_innen-Vorspiele diesmal online zu pr\u00e4sentieren. Bedingung war f\u00fcr alle Studierenden: zehn Minuten pro Student_in und abgefilmtes Theater.\u201c Die SKS stellte zur Pr\u00e4sentation die Plattform SPECTYOU zur Verf\u00fcgung. \u201eMehr als 400 Theater wurden angeschrieben und nur \u00fcber einen spezifischen Link erhielten die Theater Zugang zu dem Material. Das ist zum Schutz der Bewerber_innen unerl\u00e4sslich,\u201c berichtet Matzke von der digitalen Variante des AVO. W\u00e4hrend E-Castings, also Vorsprechen bzw. Castings via Video, in der Filmbranche \u00fcblich sind und immer wieder zum Einsatz kommen, herrschen im Theater noch andere Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten. \u201eMan kann eine Menge auf einem Video sehen, was f\u00fcr eine Vorauswahl relevant ist. Interessieren sich Theater f\u00fcr bestimmte Absolvent_innen, werden sie aber anschlie\u00dfend zu einem Vorsprechen direkt am Theater eingeladen. Denn ohne die reale Arbeitsbegegnung kommt Theater nicht aus. Ein Video ist in diesem Fall kein (voller) Ersatz\u201c, so Matzke.<\/p>\n<p>Szenen, Monologe und manchmal auch Lieder, die in den vergangenen Semestern im Unterricht erarbeitet wurden, werden f\u00fcr das AVO ausgew\u00e4hlt. Die Lehrenden achten dabei vor allem darauf, womit sich die Studierenden am besten pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, also ihr Talent am deutlichsten zum Vorschein kommt. \u201eAu\u00dferdem ber\u00fccksichtigen wir, dass ganz unterschiedliche Figuren und Charaktere zu sehen und die Studierenden dadurch relativ breit aufgestellt sind\u201c, berichtet Matzke vom Auswahlprozess f\u00fcr das Vorspiel. 2020 wurden die Studierenden vor eine besondere Herausforderung gestellt: \u201eF\u00fcr die Studierenden war und ist die gesamte Situation schwierig. Die Szenen werden f\u00fcr einen Theaterraum erarbeitet. Es sind keine Filmszenen und auch abgefilmtes Theater hat seine Besonderheiten: Wie gehe ich mit Raum um? Soll ich in die Kamera sprechen? Wie sind die \u00dcberg\u00e4nge? \u00dcbertr\u00e4gt sich wenigstens etwas von der Atmosph\u00e4re auf der B\u00fchne?\u201c, sind die spezifischen Herausforderungen vor die die Studierenden coronabedingt gestellt wurden. \u201eTheater ohne Publikum ist kein Theater. Die Schauspieler_innen spielen f\u00fcr das Publikum. Theater braucht es, dass Spielende und Zuschauende zur gleichen Zeit am gleichen Ort gemeinsam ein theatrales Erlebnis haben und direkte Reaktionen kommen, was online so nicht m\u00f6glich ist\u201c, ist Annett Matzke \u00fcberzeugt. Unabh\u00e4ngig von der besonderen Situation 2020 bringt eine Vorspielsituation immer etwas sehr Spezielles mit sich. \u201eMan kann das leider nur trainieren, indem man diesem Vorgang ausgesetzt ist\u201c, so Matzke. \u201eBeim ersten Vorsprechen sind Schauspieler_innen sicherlich \u00e4u\u00dferst nerv\u00f6s. Theaterleitungen schaffen hier obendrein selten eine Atmosph\u00e4re, in der sich Schauspieler_innen wohlf\u00fchlen k\u00f6nnen.\u201c Beim Vorsprechen geht es vor allem um die Konzentration und das sich Fallenlassen. \u201eMan wei\u00df, was die Figur zu verhandeln hat, was sie will und das bestimmt ihr Handeln. Eins mit sich selbst, der Figur und der Situation sein, ist wichtig, denn dann wird das Spiel sehr pers\u00f6nlich und authentisch\u201c, so Matzke.<\/p>\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass im Herbst 2021 das Absolvent_innen-Vorspiel, inklusive der Auff\u00fchrung in Wien zum Abschluss der Tour, wieder stattfinden und seine gewohnten Wege gehen kann.<\/p>\n<p>Unter <a href=\"http:\/\/vimeo.com\/maxreinhardtseminar\">vimeo.com\/maxreinhardtseminar<\/a> kann das AVO von 2020 nachgesehen werden.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis vor wenigen Jahren vereinbarten Schauspielschulen Vorsprechtermine f\u00fcr ihre Studierenden des Abschlussjahrgangs direkt mit den Theatern. 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