{"id":5766,"date":"2021-02-23T14:26:08","date_gmt":"2021-02-23T13:26:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=5766"},"modified":"2021-02-23T14:38:56","modified_gmt":"2021-02-23T13:38:56","slug":"musikalischer-dialog-im-schatten-von-indiens-beethoven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/02\/23\/musikalischer-dialog-im-schatten-von-indiens-beethoven\/","title":{"rendered":"Musikalischer Dialog im Schatten von Indiens Beethoven"},"content":{"rendered":"<h5>Seit 2015 bereist Marialena Fernandes mit ihren Studierenden regelm\u00e4\u00dfig die indische Provinz Goa. Gemeinsam konnten sie im Beethoven-Jahr 2020 ganz besondere musikalische Eindr\u00fccke sammeln.<\/h5>\n<p>In Mumbai geboren, ist es der international t\u00e4tigen Pianistin Marialena Fernandes ein gro\u00dfes Anliegen, Interaktion zwischen aktiven Musiker_innen und interessierten Zuh\u00f6renden, die motiviert werden mitzuwirken, zu erreichen. Ihr soziales Engagement sowie die intensive Besch\u00e4ftigung mit pers\u00f6nlichen Wurzeln im Rahmen ihrer Dissertation f\u00fchrte 2015 zu einem einzigartigen Bildungsprojekt. Es geht um den Dialog, den junge K\u00fcnstler_innen aus Indien und \u00d6sterreich miteinander \u00fcber die Musik f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Alles begann auf einer ihrer Konzertreisen nach Indien. Im Jahre 2005 wurde Fernandes von ehemaligen Schulkolleg_innen auf einen Abstecher nach Goa eingeladen, wo sie in der Ortschaft Siolim sp\u00e4tabends unerwartet auf eine Statue von Ludwig van Beethoven traf. Sie beschreibt diese \u201eBegegnung\u201c so:<\/p>\n<p>\u201eRiesige Bl\u00e4tter, wilde B\u00e4ume, viel Unkraut im Dschungel, bis mein Fu\u00df an ein steinartiges Ding stie\u00df. Da ich in der Finsternis nichts sehen konnte, musste ich mit den H\u00e4nden f\u00fchlen, die wurden immer l\u00e4nger und h\u00f6her, bis einer der Freunde mir eine Taschenlampe borgte und \u2026O mein Gott \u2026 da stand er, v\u00f6llig alleingelassen, herabschauend, aber umarmend.<\/p>\n<p>Mein Held, Herr Ludwig van Beethoven, viktorianisch angezogen, Arme ausgestreckt, in einer Hand ein Buch, in der anderen einen Stab. So begann meine Reise zu dem Beethoven in Indien \u2013 Goa \u2013 Siolim, ein Fischerdorf im Norden des Landes.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_5769\" aria-describedby=\"caption-attachment-5769\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-5769\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-9-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-9-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-9-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-9-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-9-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-9-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image1-9-850x638.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5769\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Marialena Fernandes\/privat<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Statue hatten die Nachkommen eines musikbegeisterten Hausbesitzers im Vorgarten errichten lassen. Nach einem kurzen Moment des ungl\u00e4ubigen Staunens war rasch die Entscheidung getroffen, an diesem einzigartigen Ort k\u00fcnftig zu musizieren.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in Wien reifte der Plan, Studierende und Lehrende, darunter der damalige Vizerektor der mdw, Wolfgang Klos, an diese St\u00e4tte zu bringen. Von Anfang an war die grundlegende Idee des Projekts, dass Musik hier nicht nur aufgef\u00fchrt, sondern vor allem mitgeteilt und geteilt werden soll. Der \u00f6sterreichische Konsul in Goa unterst\u00fctzte das Beethovenprojekt, die lokalen Bildungs- und Kulturtr\u00e4ger wurden aktiv, und so fanden im Jahr 2007 innerhalb weniger Tage \u00fcber 300 Jugendliche den Weg zu etwas Neuem, das alle Beteiligten nachhaltig bereichern sollte. Rund um Beethovens und Schuberts Musik brachten die Musiker_innen aus Wien ein Programm mit, das das Publikum begeisterte und zum Mitsingen und Tanzen animierte.<\/p>\n<p>In weiterer Folge initiierte Fernandes 2015 eine neue Projektserie namens <i>Quest for Passion<\/i>, ein Kultur-, Bildungs- und nicht zuletzt Sozialprojekt f\u00fcr Kinder und Jugendliche. Diese f\u00fchrt sie jedes Jahr gemeinsam mit diversen Ensembles und K\u00fcnstler_innen nach Indien \u2013 zuerst mit der Gruppe Hotel Palindrone, im Jahr darauf mit dem Music-Comedy-Trio The ThreeX, 2017 mit dem Trio ViennAir, 2018 mit dem Trio Infernal und 2019 mit Amitri.<\/p>\n<p>Im Beethoven-Jahr 2020 reiste Marialena Fernandes im Februar zum sechsten Mal mit mdw-Studierenden, diesmal mit dem Trio Sphere, auch nach Siolim in Goa. Auf dem Programm standen Beethoven und Mozart. Das goanesische Ensemble Ultra Brass Sound (UBS) unter der Leitung des Hornisten und Gitarristen Rui Lobo sowie die S\u00e4ngerin Kim Ann Costa traten auf, der Abend klang erneut mit gemeinschaftlichem Singen und Tanzen aus.<\/p>\n<p>Das Res\u00fcmee der S\u00e4ngerin belegt den Erfolg der Veranstaltung: \u201eDer H\u00f6hepunkt dieser musikalischen Begegnung zwischen den beiden L\u00e4ndern mit Beethovens <i>Ode an die Freude<\/i> war ein gro\u00dfartiges Finale.\u201c<\/p>\n<p>Und Lobo fasst zusammen: \u201eEs passte sehr gut zu Marialenas Projekt, denn eines der charakteristischen Merkmale ihrer Arbeit in Indien \u00fcber die Jahre hinweg war die musikalische Vielfalt, die sie in jedes Programm einbringt. Es war pure Freude, dass sie und ihr fantastisches Team uns sowohl im Rahmen von Workshops als auch Einzelunterricht begleitet haben. Der Auftritt mit UBS in Siolim vor einem gro\u00dfen, dankbaren Publikum war ein musikalischer H\u00f6hepunkt in diesem Jahr. Unser tiefster Dank gilt Marialena und allen Organisationen, wie der mdw, dem \u00f6sterreichischen Konsulat, den lokalen goanischen Vereinen sowie einer Reihe anonymer Einzelpersonen, die diese Aktivit\u00e4ten unterst\u00fctzen. Das motiviert uns alle, nach Spitzenleistungen zu streben.\u201c<\/p>\n<p>Auch das \u00f6sterreichische Trio Sphere aus Wien zeigt sich von der Reise beeindruckt:<\/p>\n<p>\u201e<i>Quest for Passion<\/i> \u2013 ein Projekt organisiert von Marialena Fernandes \u2013 f\u00fchrte uns (Martina St\u00fcckler, Mojca Pecman und Stefan Mancic) auf eine Entdeckungsreise nach Indien, wo wir in eine v\u00f6llig fremde Kultur mit neuartigen Kl\u00e4ngen und ungewohnten Ger\u00fcchen eintauchen durften. Die Reise \u00fcbertraf jegliche Erwartungen und erf\u00fcllte uns mit wunderbaren, musikalischen und herzerw\u00e4rmenden Momenten und pers\u00f6nlichen Begegnungen. So offenbarte sich uns eine komplett fremde Welt, in der wir auf unserer Suche nach Leidenschaft auch auf Beethoven trafen. W\u00e4hrend des Musizierens konnten wir die mystische, kraftvolle und universelle Sprache der Musik sp\u00fcren, die uns alle trotz gro\u00dfer kultureller Unterschiede im Moment vereinte.\u201c<\/p>\n<p>Und die <i>Quest for Passion<\/i>, die Suche nach der Leidenschaft, geht weiter: Mit leidenschaftlichem Eifer und gro\u00dfem Engagement organisiert die Pianistin, Kammermusikerin und Cross-Over-Expertin bereits die n\u00e4chste Reise \u2013 immer mit dem Ziel vor Augen, den Dialog zwischen den Menschen und Kulturen durch die Musik zu vertiefen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2015 bereist Marialena Fernandes mit ihren Studierenden regelm\u00e4\u00dfig die indische Provinz Goa. 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