{"id":5747,"date":"2021-02-23T13:35:58","date_gmt":"2021-02-23T12:35:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=5747"},"modified":"2021-02-24T11:32:06","modified_gmt":"2021-02-24T10:32:06","slug":"populismus-kritisieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2021\/02\/23\/populismus-kritisieren\/","title":{"rendered":"Populismus kritisieren"},"content":{"rendered":"<h1>Auftakt einer neuen mdw-Veranstaltungsreihe mit Birgit Sauer und Julia Roth<\/h1>\n<p>Noch vor \u201eIbiza\u201c, also unter anderen \u00f6sterreichischen Regierungsbedingungen, entstand die Idee zu einer Veranstaltungsreihe \u00fcber populistische Politiken und deren Kritik im akademischen und im k\u00fcnstlerischen Kontext. Unser Anliegen war es, das gesellschaftliche Engagement in verschiedenen Feldern der mdw zu b\u00fcndeln. Entsprechend ist diese Reihe eine ebenso kollektive wie disziplinen\u00fcbergreifende Initiative, an der sich immer mehr Kolleg_innen mit durchaus unterschiedlichen politischen Positionen und institutionellen Affiliationen beteiligen. Neben Gerda M\u00fcller, Vizerektorin f\u00fcr Organisationsentwicklung, Gender &amp; Diversity, sind das Ralf von Appen (Popularmusik), Sarah Chaker (Musiksoziologie), Andrea Glauser (Kulturwissenschaft), Therese Kaufmann (Forschungsf\u00f6rderung), Dagny Schreiner (Personalentwicklung), Claudia Walkensteiner-Preschl (Filmakademie) sowie Mariama Diagne und Evelyn Annu\u00df (Gender Studies). Inzwischen gibt es an der mdw also ein breites B\u00fcndnis, das seit 2020 ein vielf\u00e4ltiges Programm in den n\u00e4chsten Semestern gestaltet \u2013 von wissenschaftlichen Vortr\u00e4gen \u00fcber praktische Workshops und Podiumsdiskussionen bis hin zu Formaten der k\u00fcnstlerischen Forschung. In gemeinsamen Web-Vortr\u00e4gen kooperiert <i>Populismus kritisieren<\/i> nun zudem auch international mit dem Margherita-von-Brentano-Zentrum f\u00fcr Geschlechterforschung der Freien Universit\u00e4t (FU) Berlin. Denn gerade Genderfragen sind zentrale Ausgangspunkte, um populistische Politiken zu verstehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5751\" aria-describedby=\"caption-attachment-5751\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5751\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image2-5-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image2-5-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image2-5-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image2-5-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image2-5-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image2-5-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image2-5-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5751\" class=\"wp-caption-text\">Birgit Sauer \u00a9 Otto Penz<\/figcaption><\/figure>\n<p>Den Auftakt der neuen Reihe \u00fcbernahm kurz vor dem Jahreswechsel entsprechend die bekannte Politikwissenschaftlerin Birgit Sauer (Universit\u00e4t Wien) mit einem Vortrag \u00fcber <i>Rechtspopulismus und maskulinistische Identit\u00e4tspolitiken<\/i>. Gewidmet war ihr Beitrag der komparativen Frage nach rechtsextremen Regierungspolitiken und deren Gendering in \u00d6sterreich und Deutschland. Sauer ist nicht nur eine mit zahlreichen Staats- und Wissenschaftspreisen dekorierte Wissenschaftlerin, sondern eine jener Akademiker_innen, f\u00fcr die die Geschlechterforschung eine dezidiert politische Angelegenheit geblieben ist.<\/p>\n<p>Mit 150 Anmeldungen wurde die coronabedingt ins Netz verlegte Auftaktveranstaltung zu einem gro\u00dfen Erfolg. Eineinhalb Stunden lang wurde im Anschluss an den Vortrag weiterdiskutiert. Angesichts der US-Wahl stand diese Diskussion nicht zuletzt unter dem Eindruck der Abw\u00e4hlbarkeit rechtspopulistischer Regime. Die Pr\u00e4sentation ist auf der Website (<a href=\"http:\/\/mdw.ac.at\/ikm\/populismuskritisieren\">mdw.ac.at\/ikm\/populismuskritisieren<\/a>) einsehbar.<\/p>\n<p>Unsere Veranstaltungsreihe war von Anfang an der Notwendigkeit geschuldet, sich mit dem Rechtsruck der letzten Jahre unter zeitgen\u00f6ssischen medialen Bedingungen auseinanderzusetzen und dabei unterschiedlichen Perspektiven und differierenden Formaten Raum zu geben. Seit 2019 haben sich die politischen Vorzeichen auch in \u00d6sterreich gewandelt. Und doch ist diese Veranstaltungsreihe heute aktueller denn je. Sp\u00e4testens seit dem Wiener Anschlag im November 2020 werden im Namen \u201edes Volkes\u201c wieder zunehmend Affekte mobilisiert und Ressentiments gesch\u00fcrt. Unmittelbar vor Sauers Vortrag wurde das am geplanten Anti-Terror-Paket deutlich, mit dem unter anderem die Sicherungsverwahrung f\u00fcr Gesinnungsdelikte auf unbestimmte Zeit und die Aberkennung von Staatsb\u00fcrgerschaft, mithin die Etablierung ausnahmezustands\u00e4hnlicher Ma\u00dfnahmenpolitiken, vorgeschlagen wurde. Anstelle einer Auseinandersetzung mit dem Versagen des Verfassungsschutzes und der innerbeh\u00f6rdlichen Kommunikation gerieten so vor allem junge muslimische migrantische M\u00e4nner ins Visier. Deutlich wurde hierbei, so ein Fazit der Diskussion um Sauers Vortrag, dass sich auch die Gender Studies in Auseinandersetzung mit populistischen Politiken nicht auf die Kritik antifeministischer Meinungsmache beschr\u00e4nken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Daran kn\u00fcpfte der Webvortrag <i>Gender als Affektbr\u00fccke und Arena<\/i> von Julia Roth, Amerikanistin mit Schwerpunkt Gender Studies an der Universit\u00e4t Bielefeld, zu Beginn dieses Jahres an. Organisiert vom Margherita-von-Brentano-Zentrum f\u00fcr Geschlechterforschung der FU Berlin, schalteten sich wiederum etwa 150 Interessierte aus zahlreichen L\u00e4ndern zu, um den \u201erechtspopulistischen Komplex\u201c \u2013 so Roth \u2013 nicht nur als Ph\u00e4nomen der Retraditionalisierung, sondern als genuin modernes Ph\u00e4nomen unter neoliberalen Bedingungen zu bestimmen. Dabei stand nicht zuletzt die Aneignung von Opferpositionen durch die Rechte und auch die Schnittstelle zu nationalistischen Positionen im feministischen Diskurs zur Debatte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5752\" aria-describedby=\"caption-attachment-5752\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5752\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-3-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-3-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-3-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-3-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-3-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/post-1_image3-3-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5752\" class=\"wp-caption-text\">Vortrag Julia Roth (links unten im Zoom-Fenster) \u00a9 zur Verf\u00fcgung gestellt<\/figcaption><\/figure>\n<p>Fortgef\u00fchrt wird die Reihe am 25. M\u00e4rz 2021, mit einem mdw-Vortrag von Gabriele Dietze, die weitere Geschlechterakzente setzen wird. In den kommenden Semestern folgen der Workshop <i>Argumentieren gegen rechts <\/i>von Martin Reisigl, eine Podiumsdiskussion \u00fcber den Kulturbetrieb, zu dem Katalin Erd\u00f6di, Peter Laudenbach, Rachel Mader und Monika Mokre eingeladen sind, sowie eine Schwerpunktveranstaltung zu Popmusik und Populismus mit Emilia Barna, \u00c1gnes Patakfalvi-Czirj\u00e1k, Andr\u00e9 Doehring, Kai Ginkel, Mario Dunkel und Anna Schwenck. Perspektivisch sind zudem eine Lecture Performance mit Arne Vogelgesang, Absolvent des Max Reinhardt Seminars sowie eine Filmreihe im neuen, mdw-eigenen Kino im Future Art Lab geplant. Weitere Vortr\u00e4ge sind in Kooperation mit der FU Berlin angedacht.<\/p>\n<p>Die Veranstaltungsreihe steht freilich auch an der mdw nicht allein, wenn es um das Engagement gegen Rechtspopulismus geht. Sie korrespondiert unter anderem mit einer Initiative des Rektorats, die zum diesj\u00e4hrigen Tag der Menschenrechte die Diskursanalytikerin Ruth Wodak, Autorin des Standardwerks <i>Politik mit der Angst, <\/i>eingeladen hat. Und auch in der Forschung bildet sich momentan ein entsprechender geistes- beziehungsweise kulturwissenschaftlicher Schwerpunkt zu \u00c4sthetik, performativen Praktiken und Politik heraus. So konnte Silke Felber als Senior Scholar mit einem von der FWF-Akutf\u00f6rderung erm\u00f6glichten Forschungsprojekt zur \u00f6sterreichischen Corona-Diskurspolitik (<i>Performing Gender in View of the Outbreak<\/i> ) gewonnen werden. An der mdw wird es also zuk\u00fcnftig auf unterschiedlichen Ebenen um die Kritik des Populismus und entsprechender politischer Auftrittsformen gehen. Stay tuned!","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch vor \u201eIbiza\u201c, also unter anderen \u00f6sterreichischen Regierungsbedingungen, entstand die Idee zu einer Veranstaltungsreihe \u00fcber populistische Politiken und deren Kritik im akademischen und im k\u00fcnstlerischen \ufeffKontext. Unser Anliegen war es, das gesellschaftliche Engagement in verschiedenen Feldern der mdw zu b\u00fcndeln. Entsprechend ist diese Reihe eine ebenso kollektive wie disziplinen\u00fcbergreifende Initiative, an der sich immer mehr Kolleg_innen mit durchaus unterschiedlichen politischen Positionen und institutionellen Affiliationen beteiligen.<\/p>\n","protected":false},"author":230,"featured_media":5852,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1130,1139,1140,854],"class_list":["post-5747","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2021-1","tag-humanrights","tag-populismuskritisieren","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/230"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5747"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5747\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5919,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5747\/revisions\/5919"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5852"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}