{"id":555,"date":"2016-09-26T15:57:45","date_gmt":"2016-09-26T13:57:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=555"},"modified":"2016-12-01T16:21:26","modified_gmt":"2016-12-01T15:21:26","slug":"rueckschau-lexikographie-gender-musikgeschichtsschreibung-in-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/09\/26\/rueckschau-lexikographie-gender-musikgeschichtsschreibung-in-hamburg\/","title":{"rendered":"R\u00fcckschau: Lexikographie, Gender, Musikgeschichtsschreibung in Hamburg"},"content":{"rendered":"<strong>Vom 26. bis 29. Mai 2016 fand an der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Hamburg (HfMT) die internationale Tagung Lexikographie, Gender und Musikgeschichtsschreibung unter der Leitung von Beatrix Borchard und Nina Noeske statt.<\/strong><\/p>\n<p>Parallel dazu wurde ein Nachwuchsforum mit Schwerpunkt Popmusik veranstaltet. WissenschaftlerInnen diskutierten \u00fcber die Aspekte von <em>Lexikographie, Gender und Musikgeschichtsschreibung<\/em> unter globalen Gesichtspunkten. Die Tagung drehte sich um das Online-Lexikon <em>MUGI \u2212 Musikvermittlung und Genderforschung im Internet<\/em>.<\/p>\n<p>Die Digitalisierung von musikbezogenem Wissen und der Vermittlungsaspekt stehen im Fokus von <em>MUGI<\/em>, das seit 2003 an der HfMT herausgegeben wird. Es enth\u00e4lt \u00fcber 470 Personeneintr\u00e4ge mit unterschiedlichen musikbezogenen Schwerpunkten vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Das Projekt entstand vor dem Hintergrund der in den USA etablierten Forschungsdisziplinen Women Studies, Gender Studies und Queer Studies. Das Erforschen von Musikgeschichte als Geschichte von AutorInnen und Werken sollte durchbrochen werden. Musikerinnen, die in Interpretation, Musikp\u00e4dagogik und Musikf\u00f6rderung t\u00e4tig waren, blieben h\u00e4ufig unbekannt. Musikgeschichte soll als Geschichte des kulturellen Handelns betrachtet und geschrieben werden. Das Ziel von <em>MUGI<\/em> ist, Frauen- und Geschlechterforschung in methodischer Hinsicht weiterzuentwickeln und in das Fach Musikwissenschaft an Universit\u00e4ten und Hochschulen zu integrieren. F\u00fcr die lexikalischen Artikel von <em>MUGI<\/em> wurde von Borchard eine eigene Struktur entwickelt, die neben Biografie, Werkund Literaturverzeichnis auch das Profil, Repertoire und die Orte des Wirkens einer Musikerin erfasst. Unter\u00a0Ber\u00fccksichtigung biografischer Gender-Aspekte existieren seit 2013 auch Artikel \u00fcber m\u00e4nnliche Musiker. Keine Einschreibung in <em>MUGI<\/em> fand bis dato die Popularmusik.<\/p>\n<p><strong>Existiert die M\u00f6glichkeit einer gendersensibilisierten Lexikographie von Popularmusik?<\/strong><\/p>\n<p>Das Nachwuchsforum mit Schwerpunkt Popmusik besch\u00e4ftigte sich mit der Einschreibung von Popularmusik in das Online-Lexikon. Erkl\u00e4rtes Ziel ist es, die Plattform <em>MUGI<\/em> um diese Sparte zu erg\u00e4nzen. Magdalena F\u00fcrnkranz, Universit\u00e4tsassistentin am Institut f\u00fcr Popularmusik der mdw, hat diese beim Forum vertreten. Er\u00f6ffnet wurde die Veranstaltung mit der Keynote <em>Die sch\u00f6nste Frau der Welt, das h\u00fcbsche Ding von nebenan und die sehr f\u00e4hige DJ. \u00dcber heterosexistische Genderstereotypen im Schreiben \u00fcber Pop und die Produktion effektiver Gegenstrategien<\/em> von Sonja Eismann (<em>Missy Magazine<\/em>). Frauen werden im Musikjournalismus nicht selten als \u201eernst zu nehmende Musikerinnen\u201c oder \u201esexy Frontfrauen\u201c bezeichnet. Klischeehaften Zuschreibungen wie diese bleiben oft unhinterfragt, werden stumm zur Kenntnis genommen. Eismanns Vortrag deckte Sexismen im Journalismus auf und hinterfragte diese kritisch. Die Inszenierung von Frauen als das \u201eAndere\u201c ist vorherrschend. Musikerinnen werden auf k\u00f6rperliche und optische Mechanismen reduziert. Trotz der Institutionalisierung der Gender Studies im deutschsprachigen Raum in den 1990ern existieren auch im 21. Jahrhundert noch festgelegte sexistische Zuschreibungen im Journalismus. Sonja Eismann pr\u00e4sentierte Beispiele aus der Praxis und stellte ein Kategorienschema der Stereotypisierung auf, das unter anderem den abwertenden Terminus \u201eM\u00e4dchenmusik\u201c, weibliches Fantum als negatives Qualit\u00e4tsmerkmal und sexistische Strukturen im Musikbusiness umfasst. Zu den Gegenstrategien f\u00fcr JournalistInnen z\u00e4hlen unter anderem der Einsatz inklusiver Sprache und die Vermeidung von geschlechtsspezifischen Zuordnungen in eigenen Texten. Sexismen in fremden Texten m\u00fcssen analysiert und k\u00f6nnen in weiterer Folge dekonstruiert werden.<\/p>\n<p>Aktuelle Dissertationsprojekte, die sich mit Fragen der Geschlechterkonstruktionen im Feld der Popularmusik besch\u00e4ftigen, wurden im Rahmen des Nachwuchsforums mit Themen wie die Repr\u00e4sentation von M\u00e4nnlichkeit im\u00a0Musikgenre Indie, Funktionsweisen einer heteronormativen und m\u00e4nnlich dominierten Jazzgeschichtsschreibung oder geschlechtsspezifische Sexualit\u00e4ts- und Begehrenskonstruktionen im Klang von Popsongs pr\u00e4sentiert. Archivvertreterinnen aus der Schweiz und Deutschland sprachen beim anschlie\u00dfenden Round Table \u00fcber <em>Archivierung von Subkultur? \u2013 Popmusikforschung als lexikographische Herausforderung<\/em>. Im Rahmen einer interdisziplin\u00e4ren Werkstatt wurde ein erstes Konzept f\u00fcr neue digitale Lexikonartikel und multimediale Pr\u00e4sentationen ausgearbeitet. Zus\u00e4tzlich wurde ein Ergebniskatalog zum gendersensiblen Forschen und Vermitteln von popul\u00e4rer Musik im Rahmen des digitalen Lexikons <em>MUGI POP<\/em> erstellt. Hierbei wurden neben der Unterscheidung von Kunst- und Unterhaltungsmusik auch Themen wie die Definition des Feldes Popularmusik, die Zuschreibung von Geschlechteridentit\u00e4ten, Hegemonieverh\u00e4ltnisse in Pop\/Rock\/Jazz und der Umgang mit Medien diskutiert. <em>MUGI POP<\/em> soll die AutorInnen hinter den Lexikoneintr\u00e4gen sichtbar machen, Diskografien der vorgestellten K\u00fcnstlerInnen und ein Bandregister beinhalten.<\/p>\n<p>Unter der Leitung von Elisabeth Treydte (HfMT) wurde eine Arbeitsgemeinschaft zum Themenfeld Popmusik und Genderforschung gegr\u00fcndet. Magdalena F\u00fcrnkranz vertritt die mdw in diesem Netzwerk. Gemeinsam mit Studierenden sollen im laufenden Studienjahr lexikographische Texte \u00fcber \u00f6sterreichische MusikerInnen erstellt werden. Der Schwerpunkt wird auf jungen, weiblichen, queeren AkteuerInnen der Wiener Rock-\/Popszene liegen. Multimediale Pr\u00e4sentationsformen in der Vermittlung von Musik, in der Darstellung von Arbeitskontexten von MusikerInnen und genderspezifischen Sachthemen sollen im Rahmen einer Lehrveranstaltung am ipop entwickelt und umgesetzt werden. Dies leistet einen Beitrag zur Vermittlung von Musik und ihrem kulturellen Kontext und tr\u00e4gt gleichzeitig zur Auseinandersetzung mit aktuellen musikalischen Tendenzen bei. Interessierte Studierende der mdw werden somit in das Online-Lexikon <em>MUGI POP<\/em> eingebunden und durch die wissenschaftliche T\u00e4tigkeit eine internationale Schnittstelle f\u00fcr das Forschungsnetzwerk an der mdw geschaffen. Erste Ergebnisse sollen bei der Tagung des Instituts f\u00fcr Popularmusik <em>PopNet Austria<\/em> vom 1. bis 3. Dezember 2016 pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n<ul>\n<li>Infos zu MUGI: <a href=\"http:\/\/mugi.hfmt-hamburg.de\/\" target=\"_blank\">mugi.hfmt-hamburg.de<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 26. bis 29. Mai 2016 fand an der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Hamburg (HfMT) die internationale Tagung Lexikographie, Gender und Musikgeschichtsschreibung unter der Leitung von Beatrix Borchard und Nina Noeske statt. Parallel dazu wurde ein Nachwuchsforum mit Schwerpunkt Popmusik veranstaltet. WissenschaftlerInnen diskutierten \u00fcber die Aspekte von Lexikographie, Gender und Musikgeschichtsschreibung unter globalen Gesichtspunkten. &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":25,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[95,53,99,98,117,33,52],"class_list":["post-555","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-special","tag-2016-3","tag-forschung","tag-pop","tag-popular-music","tag-popularmusik","tag-research","tag-wissenschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/555","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/25"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=555"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/555\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":559,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/555\/revisions\/559"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=555"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=555"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}