{"id":5355,"date":"2020-11-20T15:55:32","date_gmt":"2020-11-20T14:55:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=5355"},"modified":"2020-11-23T14:07:02","modified_gmt":"2020-11-23T13:07:02","slug":"isascience-digital-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/11\/20\/isascience-digital-2020\/","title":{"rendered":"isaScience digital 2020"},"content":{"rendered":"Mina Yangs Statement <i>Beethoven and the Dangers of Hero Discourses<\/i> am 19.\u00a0August 2020 initiierte einen angeregten und kritischen Austausch zu den Themen der auf 2021 verschobenen <i>isaScience-<\/i>Konferenz <i>Heroes, Canons, Cults. Critical Inquiries<\/i>.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5568\" aria-describedby=\"caption-attachment-5568\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5568 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/screenshots4_David-R\u00f6thler-1024x704.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"584\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/screenshots4_David-R\u00f6thler-1024x704.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/screenshots4_David-R\u00f6thler-300x206.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/screenshots4_David-R\u00f6thler-768x528.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/screenshots4_David-R\u00f6thler-1536x1056.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/screenshots4_David-R\u00f6thler-2048x1407.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/screenshots4_David-R\u00f6thler-320x220.jpg 320w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/screenshots4_David-R\u00f6thler-850x584.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5568\" class=\"wp-caption-text\">Zoom Screenshot \u00a9 David R\u00f6thler<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die u.\u2009a. f\u00fcr ihr Buch<i> Planet Beethoven <\/i>bekannte Musikwissenschaftlerin Mina Yang (USA) zeigte in ihrem Zoom-Vortrag bei der <i>isaScience digital<\/i> die problematischen Aspekte der Heroisierung wei\u00dfer, cis-m\u00e4nnlicher Komponisten westlicher Kunstmusik auf: \u201eBeethoven wurde zum Inbegriff m\u00e4nnlicher Vormachtstellung und Universalit\u00e4t.\u201c Und weiter, Henry Kingsbury zitierend, betonte Yang: \u201eIm Musikhochschulbereich sind musikalische Auff\u00fchrung und Interpretation untrennbar mit der Aushandlung und Reproduktion sozialer Ungleichheit verbunden.\u201c Ihre Analyse des Heroisierungs- und Kanonisierungsprozesses von Beethovens Person und Musik durch gro\u00dfe Konzerth\u00e4user und klassische Musikp\u00e4dagogik blieb aber nicht bei der Feststellung stehen, dass dies bei vielen Dirigenten zu Machtmissbrauch, Ausnutzung von hierarchischen Beziehungen bis hin zu sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung gef\u00fchrt hatte. Yang nahm in ihrem engagierten Vortrag auch auf sehr aktuelle Entwicklungen Bezug: Sie wies darauf hin, dass im Sog des Harvey-Weinstein-Skandals und der #MeToo-Bewegung klassische Musiker_innen an die \u00d6ffentlichkeit traten und Musikhochschullehrende und Dirigent_innen an Konservatorien der sexuellen Bel\u00e4stigung und Vergewaltigung beschuldigten. Die \u201eHelden\u201c von einst \u2013 James Levine, Charles Dutoit und Placido Domingo, um nur die ber\u00fchmtesten zu nennen \u2013 wurden Yang zufolge zu Symbolen dessen, was im Herzen der klassischen Musik verdorben war. Yang brachte mit einem Zitat des Musikjournalisten Norman Lebrecht das trotz #MeToo fortbestehende Problem auf den Punkt, n\u00e4mlich die Angst vor Vergeltung im Musikindustrie- und Musikschulbetrieb: \u201eDer Schweigekodex in der klassischen Musik ist so streng wie die sizilianische Omert\u00e0. Machen Sie den Mund auf, sind Sie tot.\u201c<\/p>\n<p>Deshalb sei es an der Zeit, grundlegend die Strukturen und die Organisation klassischer Musik zu hinterfragen und vor allem all jene Musiken und Zuh\u00f6rer_innen ins Auge zu fassen, die bis jetzt keinen Zugang zu den Diskursen an den Konservatorien hatten. Dies w\u00fcrde bedeuten, die Black-Lives-Matter-Bewegung sowie die #MeToo-Bewegung tats\u00e4chlich ernst zu nehmen. Denn, so Yang in ihrer Argumentation weiter: \u201eSolange die Macht in den H\u00e4nden einiger weniger liegt und Heldenmythen weiterhin m\u00e4nnliche Tapferkeit feiern, solange wird es T\u00e4ter geben, deren r\u00fccksichtsloses Verhalten nach wie vor nicht bestraft wird, und Opfer, die kein Recht erfahren. [&#8230;] Wir haben die Chance, einen Paradigmenwechsel vorzunehmen und viel radikalere Alternativen in Betracht zu ziehen.\u201c Drei Ziele nannte Yang: Erstens, die Verbindung zwischen der Welt der klassischen Musik und der realen Welt anzuerkennen und zu st\u00e4rken; zweitens, Beethoven kleiner zu machen; drittens, alle anderen gr\u00f6\u00dfer zu machen. Diese drei Ziele sollten dazu f\u00fchren, den Universalismus und die Transzendenz westlicher Kunstmusik hinter sich zu lassen und sich endlich mit Rassismus, Klassismus, Sexismus, Ableismus etc. tats\u00e4chlich und in der eigenen Institution auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Zum Abschluss ihres Vortrags brachte Yang zwei Fallbeispiele, in denen sie ihre drei Ziele schon verwirklicht sieht: Das erste Projekt hei\u00dft <i>The Silk Road Project<\/i> und wird seit Juli von Rhiannon Giddens geleitet. Das zweite Beispiel sind die Hauskonzerte und Tiny Desk Concerts von Igor Levit, Beethoven-Preistr\u00e4ger 2019, die laut Yangs Urteil ebenfalls den von ihr genannten drei Zielen Rechnung tragen. Mit ihrem Statement zur <i>isaScience digital<\/i> hat Mina Yang dazu eingeladen, sich eine andere Zukunft f\u00fcr die klassische Musik vorzustellen, die inklusiv statt ausschlie\u00dfend ist, die Solidarit\u00e4t statt Hierarchie f\u00f6rdert und die Gemeinschaft anstelle des einsamen Helden unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Da die <i>isaScience <\/i>aufgrund der internationalen Covid-19-Pandemie erstmals in einer digitalen und verk\u00fcrzten Ausgabe stattfand, kann die Aufzeichnung von Mina Yangs Vortrag vom 19. August 2020 <a href=\"https:\/\/repo.mdw.ac.at\/events\/isaScience\/2020\/mina-yang.html\">hier<\/a> abgerufen werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5358\" aria-describedby=\"caption-attachment-5358\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5358 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/post-1_image1-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/post-1_image1-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/post-1_image1-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/post-1_image1-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/post-1_image1-1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/post-1_image1-1-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/post-1_image1-1-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5358\" class=\"wp-caption-text\">V. l. n. r.: Rosa Reitsamer, Fritz Tr\u00fcmpi, Dagmar Abfalter, Marko K\u00f6lbl \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die <i>isaScience<\/i>-Konferenz zum Thema <i>Heroes, Canons, Cults. Critical Inquiries<\/i> wurde von August 2020 auf den 11. bis 15. August 2021 verschoben. Der Call for Papers bleibt bis zum 28. Februar 2021 offen. S\u00e4mtliche bis dato eingelangte Abstracts werden weiterhin ber\u00fccksichtigt oder k\u00f6nnen auch \u00fcberarbeitet und neu eingereicht werden.<\/p>\n<p>Weitere Informationen finden Sie unter <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/forschungsf%c3%b6rderung\/isascience\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mdw.ac.at\/isascience<\/a><\/p>\n<div class=\"bdaia-separator se-shadow\" style=\"margin-top:30px !important;margin-bottom:30px !important;\"><\/div>\n<p><b>Heroes, Cults, Canons. Critical Inquiries<br \/>\n<\/b>11.\u2009\u2013\u200915. August 2021<br \/>\nKeynotes von Mina Yang (USA), Esteban Buch (Frankreich), Milena Dragi\u0107evi\u0107 \u0160e\u0161i\u0107 (Serbien), Denise Gill (USA)<br \/>\nLeitungsteam: Dagmar Abfalter, Marko K\u00f6lbl, Rosa Reitsamer, Fritz Tr\u00fcmpi<br \/>\nKoordination: Karoline Feyertag","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mina Yangs Statement \u201eBeethoven and the Dangers of Hero Discourses\u201c am 19.\u00a0August 2020 initiierte einen angeregten und kritischen Austausch zu den Themen der auf 2021 verschobenen isaScience-Konferenz \ufeffHeroes, Canons, Cults. 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