{"id":5135,"date":"2020-09-29T12:34:34","date_gmt":"2020-09-29T10:34:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=5135"},"modified":"2020-10-01T08:42:44","modified_gmt":"2020-10-01T06:42:44","slug":"rezension-zauber-improvisation-virtuositaet-schriften-zur-musik-review-zauber-improvisation-virtuositaet-schriften-zur-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/09\/29\/rezension-zauber-improvisation-virtuositaet-schriften-zur-musik-review-zauber-improvisation-virtuositaet-schriften-zur-musik\/","title":{"rendered":"Rezension: Zauber, Improvisation, Virtuosit\u00e4t. Schriften zur Musik"},"content":{"rendered":"<h5>Vladimir Jank\u00e9l\u00e9vitch: <i>Zauber, Improvisation, Virtuosit\u00e4t. Schriften zur Musik<\/i>, aus dem Franz\u00f6sischen von Ulrich Kunzmann, herausgegeben von Andreas Vejvar, Suhrkamp Verlag, 2020<\/h5>\n<figure id=\"attachment_5137\" aria-describedby=\"caption-attachment-5137\" style=\"width: 183px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/zauber_improvisation_virtuositaet-vladimir_jankelevitch_29871.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5137\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image0-16-183x300.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image0-16-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image0-16-625x1024.jpg 625w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image0-16-768x1258.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image0-16-938x1536.jpg 938w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image0-16-1250x2048.jpg 1250w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image0-16-850x1393.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image0-16.jpg 1302w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5137\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 suhrkamp<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Denken des franz\u00f6sischen Philosophen und Musikwissenschaftlers Vladimir Jank\u00e9l\u00e9vitch ist deutschsprachigen Leser_innen seit 2016 durch die beeindruckende \u00dcbersetzung seiner Abhandlung <i>La Musique et l\u2019Ineffable<\/i> (1961) zug\u00e4nglich. Mit der deutschen Fassung <i>Die Musik und das Unaussprechliche<\/i> erschlossen der versierte \u00dcbersetzer Ulrich Kunzmann und der Herausgeber Andreas Vejvar einen Meilenstein der franz\u00f6sischen Musikphilosophie des 20. Jahrhunderts. Ein weiterer Band mit dem Titel <i>Zauber, Improvisation, Virtuosit\u00e4t<\/i>. <i>Schriften zur Musik<\/i> ist das Nachfolgeprojekt dazu. Kunzmann und Vejvar widmen sich mit dieser Ver\u00f6ffentlichung erkl\u00e4rterma\u00dfen dem \u201eResonanzboden\u201c von Jank\u00e9l\u00e9vitchs musikphilosophischem Hauptwerk. Die Reihe an bislang nicht in deutscher Sprache verf\u00fcgbaren Texte f\u00fchrt in die musikalische Welt der franz\u00f6sischen Moderne ein. Mit stupender Repertoirekenntnis reflektiert der Autor etwa \u00fcber \u201eSeelenruhe und Zauber im Werk Gabriel Faur\u00e9s\u201c. Ein anderes Mal gelangt er auf der Basis des philosophischen Optimismus Henri Bergsons zu einer Definition von musikalischer Einfachheit. Im Schreiben h\u00f6rt er auch den Obert\u00f6nen von musikalischem \u201eCharme\u201c und klingender \u201eVerve\u201c nach. Imponierend sind Jank\u00e9l\u00e9vitchs systematische Auseinandersetzung mit musikalischer Improvisation und sein schw\u00e4rmerisch-philosophischer Blick auf das Mysterium des Erscheinens, wie es sich durch musikalische Virtuosit\u00e4t ereignet. Die Texte, die insgesamt weniger von analytisch zersetzender Logik als von einem flie\u00dfenden und virtuos improvisierenden Verstand zeugen, spannen einen historischen Bogen von 1942, der Zeit der franz\u00f6sischen R\u00e9sistance, bis in Jank\u00e9l\u00e9vitchs Todesjahr 1985. Es scheint, als w\u00e4ren dabei die gro\u00dfen Themen, die sein Reflektieren \u00fcber Musik, Geschichte, Gesellschaft und Moral pr\u00e4gten, dieselben geblieben. Die Vorstellung eines komplement\u00e4ren Wirkens von Dunkelheit und Hoffnung, die der Band gleich zu Beginn mit dem zutiefst ber\u00fchrenden <i>Nocturne<\/i>-Beitrag von 1942 exponiert, pr\u00e4gt noch ein nach seinem Tod ver\u00f6ffentlichtes Gespr\u00e4ch, das er mit Jean-Pierre Barou und Robert Maggiori f\u00fchrte. Zur Sprache brachte der in eine j\u00fcdische Intellektuellenfamilie hineingeborene Philosoph bei dieser Gelegenheit die pr\u00e4genden Erfahrungen seines Lebens und Denkens: die Trag\u00f6die des Antisemitismus und die Magie des Verzeihens.<\/p>\n<p>So weltfl\u00fcchtig Jank\u00e9l\u00e9vitchs Mediationen \u00fcber Musik auf den ersten Blick scheinen m\u00f6gen, so sind sie gerade das in Wahrheit nie. Musik ist dem Autor der Texte nicht das Sch\u00f6ne, sondern ein Zugang zu einer ihn umgebenden Lebenswelt, in der auch Dichotomien aufeinanderprallen. Solche Pr\u00e4missen von Jank\u00e9l\u00e9vitchs musikphilosophischem Kosmos erhellen das \u00e4u\u00dferst lesenswerte Nachwort des Herausgebers und die bemerkenswerte \u00dcbersetzung Kunzmanns. Die \u00dcbersetzung l\u00e4sst der franz\u00f6sischen Sprache ihr Geheimnis, trumpft nicht mit der Geste vollst\u00e4ndigen Verstehens auf, sondern interpretiert im Sinne Walter Benjamins mit fremdem Blick das ohnehin immer unerreichbare Original.<\/p>\n<h5><\/h5>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Denken des franz\u00f6sischen Philosophen und Musikwissenschaftlers Vladimir Jank\u00e9l\u00e9vitch ist deutschsprachigen Leser_innen seit 2016 durch die beeindruckende \u00dcbersetzung seiner Abhandlung La Musique et l\u2019Ineffable (1961) zug\u00e4nglich.<\/p>\n","protected":false},"author":206,"featured_media":5138,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[1049,1020,1048,153],"class_list":["post-5135","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-research","tag-1049","tag-2020-3","tag-rezension-magdalenazorn","tag-review"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/206"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5135"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5337,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5135\/revisions\/5337"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5138"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}