{"id":5113,"date":"2020-09-30T11:52:41","date_gmt":"2020-09-30T09:52:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=5113"},"modified":"2020-09-30T14:36:50","modified_gmt":"2020-09-30T12:36:50","slug":"fuer-mich-ist-der-ensemblegedanke-entscheidend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/09\/30\/fuer-mich-ist-der-ensemblegedanke-entscheidend\/","title":{"rendered":"\u201eF\u00fcr mich ist der Ensemblegedanke entscheidend\u201c"},"content":{"rendered":"<h5>Seit Mitte Mai ist Burgschauspielerin Maria Happel offiziell die neue Leiterin des Max Reinhardt Seminars. Mit ihrer Stellvertreterin Annett Matzke, Professorin f\u00fcr Sprachgestaltung, will sie an der legend\u00e4ren Schauspiel- und Regieschule in den kommenden Jahren vor allem den Ensemblegedanken st\u00e4rken. Mit dem<i> <\/i><i>mdw-Magazin <\/i>sprachen Happel und Matzke \u00fcber das Seminar als Schiff, die Aufgabe alter Zauberer und \u00fcber die Frage, warum das Du am Haus abgeschafft wurde.<\/h5>\n<p>Ihr neues Eckb\u00fcro im Max Reinhardt Seminar ist Maria Happel mittlerweile wohlvertraut. Doch in ihrer neuen Position ist der Publikumsliebling des Burgtheaters in gewissem Sinne Erstsemestrige. Schlie\u00dflich wurde die 57-J\u00e4hrige am 18. Mai offiziell zur neuen Leiterin der legend\u00e4ren Schauspiel- und Regieschule bestellt. Der Nimbus der Eliteschule sei dabei f\u00fcr sie durchaus ambivalent, gesteht Happel: \u201eEs geht einerseits darum, sich an unserem Gr\u00fcnder Max Reinhardt zu orientieren, andererseits kann ich nicht erstarren unter der Last und dem Druck, dass wir hier einen so gro\u00dfen Namen haben.\u201c Tradition schlie\u00dfe f\u00fcr sie Innovation aber nicht aus, sondern bewirke diese geradezu.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5116\" aria-describedby=\"caption-attachment-5116\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5116\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-12-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-12-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-12-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-12-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-12-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-12-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-12-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5116\" class=\"wp-caption-text\">Maria Happel \u00a9 Jeanne Degraa<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sie wolle dem gro\u00dfen, renommierten Tanker vorsichtig eine neue Richtung geben, greift Happel zur nautischen Metapher. \u201eDas Reinhardt Seminar ist ein Schiff in voller Fahrt. Da kann man nicht pl\u00f6tzlich kommen und sagen: ,Hallo, ich bin der neue Kapit\u00e4n, und wir machen nun eine vollkommene Kehrtwende.\u2018 Das w\u00fcrde das Ganze zum Kentern bringen.\u201c Als erfahrene Steuerfrau steht der neuen Kapit\u00e4nin Annett Matzke zur Seite, die bereits seit dem Jahr 2004 am Haus unterrichtet. Auch wenn beide unabh\u00e4ngig voneinander in ihren neuen \u00c4mtern best\u00e4tigt wurden, war Matzke doch Happels Wunschkandidatin.<\/p>\n<p>Die Teamarbeit gilt dabei nicht nur f\u00fcr die Spitze, sondern ist f\u00fcr die geb\u00fcrtige Deutsche zentraler Kern ihrer Vision einer idealen Schauspielschule: \u201eF\u00fcr mich ist der Ensemblegedanke entscheidend. Und das erste Ensemble in der Karriere der angehenden Schauspieler_innen lernen sie hier kennen.\u201c Dieses respektvolle Gemeinschaftsgef\u00fchl zu vermitteln, sei die Aufgabe des Seminars: \u201eNiemand kann allein einen K\u00f6nig spielen. Den spielen immer die anderen.\u201c Sie selbst habe noch viele Theaterensembles erleben d\u00fcrfen, in denen man als junge K\u00fcnstlerin an die Hand genommen wurde. \u201eDas ist vielleicht ein wenig verloren gegangen\u201c, bedauert Happel.<\/p>\n<p>Der respektvolle Umgang miteinander d\u00fcrfe dabei nicht mit Distanzlosigkeit verwechselt werden, unterstreicht die neue Leiterin: \u201eDeshalb habe ich im Reinhardt Seminar die Sie-Form wieder eingef\u00fchrt.\u201c Das berge die M\u00f6glichkeit eines theatralen Vorgangs zum Abschluss der Schule in sich: \u201eWenn wir einen Jahrgang verabschieden, k\u00f6nnen wir uns verbr\u00fcdern. Ich biete dann als \u00e4ltere Kollegin das Du an. Ab diesem Zeitpunkt ist man auf Augenh\u00f6he.\u201c Denn letztlich lasse sich die Grundidee des Reinhardt Seminars in einem Satz zusammenfassen: \u201eWir wollen kluge und gebildete Menschen in die Welt schicken.\u201c<\/p>\n<p>Dieser ganzheitliche Ansatz schlie\u00dft dabei das eigentliche R\u00fcstzeug des angehenden Schauspielers oder der k\u00fcnftigen Regisseurin keineswegs aus, im Gegenteil. \u201eWichtig ist, dass die Studierenden ein gutes Handwerk lernen. Das ist zeitlos \u2013 unabh\u00e4ngig von den Moden am Theater\u201c, stellt Matzke klar. Ein abgehender Reinhardt-Absolvent oder eine -Absolventin m\u00fcsse die unbewusste Kompetenz erworben haben, K\u00f6rper und Stimme als Instrumente einzusetzen.<\/p>\n<p>Dies ist ohne Disziplin und Flei\u00df nicht zu erreichen. So st\u00fcnden bisweilen jene mit 30 Prozent Begabung, aber gro\u00dfem Flei\u00df am Ende bei 90 Prozent, w\u00e4hrend diejenigen mit 70 Prozent Begabung und dem Hang zur Faulheit stagnierten. Welche ihr am Ende lieber sind? \u201eDiejenigen, die 70 Prozent Begabung haben und flei\u00dfig sind. Die gibt es n\u00e4mlich auch\u201c, lacht Happel.<\/p>\n<p>Zugleich bleibt auch f\u00fcr die beiden erfahrenen Theaterexpertinnen stets ein gewisses Momentum des Undefinierbaren. \u201eDas ist der Punkt der Ausstrahlung. Manche haben sie nicht, auch wenn sie noch so viel ackern und arbeiten\u201c, versucht Matzke sich an einer Umschreibung. Es gebe eben Unerkl\u00e4rliches wie etwa den Idealzustand, dass ein Theaterabend \u201eflirrt\u201c, pflichtet auch Happel bei: \u201eDas l\u00e4sst sich nicht planen, aber diesen Moment herzustellen, das versuchen wir mit unserem Handwerkszeug. Wir kommen immer nahe ran \u2013 und manchmal klappt es.\u201c<\/p>\n<p>Am Ende m\u00fcsse man konstatieren, dass der Schauspielberuf einfach viel mit Magie zu tun habe \u2013 weshalb man am Reinhardt Seminar auch auf die erfahrene Magiergilde setzt. \u201eZu meiner Vision der Schauspielschule geh\u00f6rt, dass die alten Zauberer den Jungen die Geheimnisse ins Ohr fl\u00fcstern m\u00fcssen\u201c, greift Happel zu einem poetischen Bild. In diese Kerbe schl\u00e4gt etwa ein neues Format unter dem Titel \u201eAlte Meister\u201c, bei dem Gr\u00f6\u00dfen der Theaterwelt dem Nachwuchs ihre Ideen vermitteln.<\/p>\n<p>Denn auch wenn der Bereich Film unter der \u00c4gide von Happel und Matzke in der Ausbildung gest\u00e4rkt werden soll, steht f\u00fcr die neue Seminarchefin das Theater als solches im Fokus: \u201eF\u00fcr Max Reinhardt war es ein Urtrieb des Menschen, Theater zu spielen und zu schauen. Und diesen Glauben an die Unsterblichkeit des Theaters haben wir \u00fcbernommen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_5118\" aria-describedby=\"caption-attachment-5118\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5118\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image3-6-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image3-6-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image3-6-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image3-6-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image3-6-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image3-6-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image3-6-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5118\" class=\"wp-caption-text\">Annett Matzke \u00a9 privat<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dass zu dieser Glaubensgemeinschaft im Falle des Max Reinhardt Seminars auch Regie-Studierende geh\u00f6ren, ist f\u00fcr Happel ein Alleinstellungsmerkmal, das essenziell f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis des Hauses ist. \u201eWir gehen wie Reinhardt davon aus, dass in jedem guten Regisseur und jeder guten Regisseurin auch ein guter Schauspieler bzw. eine gute Schauspielerin steckt. Und es kann keinem Regisseur und keiner Regisseurin schaden, zu wissen, was die Arbeit f\u00fcr die Schauspieler_innen bedeutet.\u201c<\/p>\n<p>Und dann birgt dieser Umstand f\u00fcr die gro\u00dfe Schauspielerin Maria Happel augenzwinkernd auch noch einen positiven Nebenaspekt: \u201eWir haben die Regisseurinnen und Regisseure der Zukunft hier am Haus, die uns dann hoffentlich auch im Alter besetzen. Ich arbeite also auch an meiner eigenen Altersvorsorge.\u201c<\/p>\n<div id=\"gtx-trans\" style=\"position: absolute; left: 1052px; top: 965.653px;\">\n<div class=\"gtx-trans-icon\"><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maria Happel und Annett Matzke, das neue Leitungsduo des Max Reinhardt Seminars, \u00fcber ihre Visionen f\u00fcr die legend\u00e4re Theaterschule<\/p>\n","protected":false},"author":208,"featured_media":5117,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[1020,1056,1055,1057,283,810],"class_list":["post-5113","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-drama","tag-2020-3","tag-annettmatzke","tag-mariahappel","tag-neueleitung","tag-drama","tag-maxreinhardtseminar"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5113","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/208"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5113"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5113\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5288,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5113\/revisions\/5288"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5117"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5113"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5113"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5113"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}