{"id":5015,"date":"2020-09-30T11:36:47","date_gmt":"2020-09-30T09:36:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=5015"},"modified":"2020-09-30T14:34:43","modified_gmt":"2020-09-30T12:34:43","slug":"der-digitale-hoersaal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/09\/30\/der-digitale-hoersaal\/","title":{"rendered":"Der digitale H\u00f6rsaal"},"content":{"rendered":"<h5>In den vergangenen Monaten fanden Lehrveranstaltungen an \u00f6sterreichischen Hochschulen vor allem online statt. Doch was ist gut daran und was nicht? Lehrende der mdw gaben Auskunft.<\/h5>\n<p>Sie stand schon l\u00e4nger auf der Agenda, Mitte M\u00e4rz passierte sie von einer Woche auf die andere: die Digitalisierung der Bildung. W\u00e4hrend des Corona-Lockdowns wurden auch an der mdw s\u00e4mtliche Lehrveranstaltungen ins Internet verlagert. An einer Vorlesung teilzunehmen, hie\u00df also etwa, den Laptop aufzuklappen, per Link einer Videokonferenz beizutreten und den Vortrag am Bildschirm zu verfolgen.<\/p>\n<p>Doch was sind die Vor- und Nachteile dieser Lehrform? Und welche Potenziale birgt sie f\u00fcr die Zukunft? Das <i>mdw-Magazin<\/i> hat sich bei mdw-Lehrenden umgeh\u00f6rt und herausgefunden, welche Erfahrungen sie mit der digitalen Lehre gemacht haben.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst habe sie die Umstellung vor technische Herausforderungen gestellt, sagen die Befragten. Es galt, sich mit den entsprechenden Tools \u2013 wie Zoom, Skype oder der Lernplattform Moodle \u2013 vertraut zu machen. \u201eWir haben in k\u00fcrzester Zeit etliche neue Kompetenzen erworben\u201c, sagt Michael Meixner vom Leonard Bernstein Institut f\u00fcr Konzertfach Blas- und Schlaginstrumente.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5018\" aria-describedby=\"caption-attachment-5018\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-5018\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-4-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-4-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-4-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-4-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-4-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-4-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image1-4-850x637.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5018\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Michael Meixner<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch die Unterrichtsmethoden mussten angepasst werden. Vieles, das sonst im Unterricht schnell erkl\u00e4rt ist, wurde nun schriftlich ausformuliert. \u201eDas ist einerseits gut, denn es entsteht durchdachtes Material zum Nachlesen, andererseits habe ich mich manchmal auch ausgebremst gef\u00fchlt\u201c, erkl\u00e4rt Meixner.<\/p>\n<p>Dass sie ihren Unterricht radikal \u00e4ndern musste, sagt auch Elisabeth Aigner-Monarth, Lehrende f\u00fcr Klavier und Klavierdidaktik am Institut Ludwig van Beethoven. \u201eIch habe versucht, den Stoff nicht nur frontal per Zoom zu pr\u00e4sentieren, sondern die Studierenden auch in diesem speziellen Setting aktiv miteinzubeziehen.\u201c Wie andere Lehrende arbeitete Aigner-Monarth mit Videos. Sie stellte f\u00fcr die Klavierdidaktik Aufnahmen bereit, die beispielhaft eine Lehrsituation zeigen und analysiert werden sollten. Im k\u00fcnstlerischen Einzelunterricht wiederum bat sie ihre Studierenden, ihr Klavierspiel zu filmen und ihr die Aufnahme zu senden. \u00c4hnlich lief der Gesangsunterricht am Antonio Salieri Institut f\u00fcr Gesang und Stimmforschung in der Musikp\u00e4dagogik, sagt Institutsleiterin Judith Kopecky. Zus\u00e4tzlich zu regelm\u00e4\u00dfigen Videokonferenzen nahmen Studierende ihre \u00dcbungseinheiten auf und die Lehrenden gaben Feedback.<\/p>\n<p>\u201eEs waren kreative L\u00f6sungsans\u00e4tze gefordert, die Neues zutage gebracht haben\u201c, sagt Magdalena F\u00fcrnkranz, Lehrende am Institut f\u00fcr Popularmusik, \u00fcber die vergangenen Monate. Im Rahmen einer Lehrveranstaltung am ipop sei beispielsweise ein Podcast entstanden.<\/p>\n<p>Als Nachteil nennen die Befragten, dass die digitale Lehre sowohl f\u00fcr Studierende als auch f\u00fcr Lehrende wesentlich aufwendiger sei. Sie k\u00f6nnen ihr aber auch viel Positives abgewinnen. Indem sie sich selbst beim \u00dcben filmten, h\u00e4tten die Studierenden etwa ihre Kritikf\u00e4higkeit und Selbstbeobachtung geschult. Au\u00dferdem seien sie noch selbstst\u00e4ndiger geworden. Schlie\u00dflich biete die Lehrform auch ein hohes Ma\u00df an Flexibilit\u00e4t: \u201eDie Tatsache, dass sie uns erm\u00f6glicht, unabh\u00e4ngig von Zeit und Raum zu lernen und lehren, erscheint mir besonders reizvoll\u201c, sagt F\u00fcrnkranz. Ebenfalls positiv: Die Kommunikation untereinander sei in der Krise sehr gut gewesen. Das Studium stellte f\u00fcr die Studierenden in dieser Zeit offenbar eine Art Anker dar, beobachtete Florian Reiners, Professor f\u00fcr Sprachgestaltung am Max Reinhardt Seminar. \u201eViele sind zu ihren Eltern gefahren, waren zur\u00fcckgeworfen in ihr altes Leben.\u201c Die Lerneinheiten h\u00e4tten ihnen Kontinuit\u00e4t gegeben und seien \u201ehochkonzentriert\u201c verfolgt worden.<\/p>\n<p>Allen Vorteilen zum Trotz k\u00f6nne die digitale Lehre den Pr\u00e4senzunterricht keinesfalls ersetzen \u2013 da sind sich die Befragten einig. \u201eIm Theater braucht man ein Publikum und die Spannung im Raum. Das haben wir nach neun Wochen Zoom-Unterricht umso mehr gemerkt\u201c, berichtet Reiners. Als der Unterricht im Juni \u2013 unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen \u2013 wieder an der Universit\u00e4t stattfinden konnte, sei das f\u00fcr alle eine Erleichterung gewesen. \u201eWir haben richtig aufgeatmet.\u201c Kulturschaffende br\u00e4uchten eben das Miteinander. Aigner-Monarth pflichtet bei: \u201eDie Begegnung mit Menschen kann nicht ersetzt werden, wenn es um Kunst geht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Energie der Gruppe, das Zwischenmenschliche, Spontaneit\u00e4t und nonverbale Kommunikation\u201c w\u00fcrden bei der digitalen Lehre eben zu kurz kommen, erkl\u00e4rt Sandra Bohle, Lehrende der Filmakademie Wien. Die gemeinsame Arbeit an der Universit\u00e4t ist f\u00fcr sie, wie f\u00fcr ihre Kolleg_innen nicht wegzudenken.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5019\" aria-describedby=\"caption-attachment-5019\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-5019\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image2-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image2-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image2-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image2-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image2-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image2-1-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/post-1_image2-1-850x637.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5019\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Elisabeth Aigner-Monarth<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Zukunft wird wohl in einer Kombination beider Lehrformen liegen. \u201eVorlesungen, deren Inhalte sich im Laufe der Zeit nur geringf\u00fcgig \u00e4ndern, k\u00f6nnen aufgezeichnet und regelm\u00e4\u00dfig um aktuelle Erkenntnisse und Inhalte erg\u00e4nzt werden\u201c, meint F\u00fcrnkranz. Vorstellbar sei, dass die Theorie online und die Praxis an der Uni vermittelt wird, sagt Meixner: \u201eGut aufbereitete digitale Medien erlauben Wiederholung und Vertiefung, die im Live-Unterricht im Seminarraum oft zu kurz kommen. Andererseits k\u00f6nnte im Pr\u00e4senzunterricht die praktische Anwendung im Vordergrund stehen, wenn die \u201aFakten\u2018 bereits vorher in Videos gekl\u00e4rt wurden.\u201c Diese Methode ist als \u201eflipped classroom\u201c bekannt. Daf\u00fcr brauche es aber an der mdw technisch noch mehr gut ausgestattete R\u00e4ume, \u201edamit es leichter wird, Videos und andere gut gestaltete Unterrichtsmaterialien zu erstellen\u201c.<\/p>\n<p>Nach einer guten technischen Infrastruktur verlangt auch Aigner-Monarth. \u201eMomentan sind wir auf unsere eigenen Tools angewiesen.\u201c Und nicht alle haben einen nagelneuen Computer mit einer schnellen Internetverbindung zu Hause. Die Instrumente der Studierenden lie\u00dfen ebenfalls oft zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. \u201eEine meiner Studentinnen \u00fcbt auf einem Pianino im Keller eines Studentenheims in einem \u00fcberhalligen Raum.\u201c Auch in einigen Studienrichtungen an der Filmakademie habe sich die Online-Lehre als schwierig herausgestellt, erkl\u00e4rt Bohle. \u201eMontage-Unterricht ohne Schneideraum, Kameraunterricht ohne Equipment, das ist nur reduziert durchf\u00fchrbar.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die wissenschaftliche Lehre ben\u00f6tige es einen besseren Zugang zu digitalen Ressourcen, konkret \u201emehr Lizenzen f\u00fcr Online-Archive, ausgew\u00e4hlte Fachzeitschriften und wissenschaftliche E-Books\u201c, erg\u00e4nzt F\u00fcrnkranz. Sie w\u00fcnscht sich au\u00dferdem \u201eeine Lernprozessbegleitung auch in der digitalen Lehre\u201c. Schlie\u00dflich m\u00fcsse die Medienkompetenz der Studierenden, aber auch die der Lehrenden gest\u00e4rkt werden, so die Meinung der Befragten.<\/p>\n<p>Sie sollten auch benennen, was sie aus den vergangenen Monaten mitgenommen haben. F\u00fcr Kopecky ist es \u201eder Mut, Dinge neu zu denken\u201c. Sie freue sich darauf, innovative Lehrmethoden zu entwickeln \u2013 k\u00fcnftig jedoch nicht erst dann, \u201ewenn der Hut brennt\u201c, sondern mit der notwendigen Mu\u00dfe.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den vergangenen Monaten fanden Lehrveranstaltungen an \u00f6sterreichischen Hochschulen vor allem online statt. Doch was ist gut daran und was nicht? 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