{"id":4969,"date":"2020-09-14T14:58:20","date_gmt":"2020-09-14T12:58:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=4969"},"modified":"2020-10-02T15:01:59","modified_gmt":"2020-10-02T13:01:59","slug":"ein-beruehmter-alumnus-und-ehrenmitglied-der-mdw-ernst-krenek-zum-120-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/09\/14\/ein-beruehmter-alumnus-und-ehrenmitglied-der-mdw-ernst-krenek-zum-120-geburtstag\/","title":{"rendered":"Ein ber\u00fchmter Alumnus und Ehrenmitglied der mdw: Ernst Krenek zum 120. Geburtstag"},"content":{"rendered":"<strong>Am 23. August j\u00e4hrte sich Ernst Kreneks Geburtstag zum 120. Mal. Ernst Krenek (geb. 1900 in Wien, gest. 1991 in Palm Springs, Kalifornien) z\u00e4hlt zu den bedeutendsten und facettenreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er war nicht nur ein herausragender Musiker und Denker, sondern ein ebenso gro\u00dfer Literat und P\u00e4dagoge. <\/strong><\/p>\n<p>Ernst Kreneks langer und merkw\u00fcrdiger Weg durch beinahe ein Jahrhundert Musikgeschichte begann \u2013 von ein paar durchaus anerkennenswerten pr\u00e4ludierenden Fr\u00fch-Entwicklungen abgesehen \u2013 an jener historischen Wiener Institution, die heute als mdw \u2013Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst bekannt ist. Mit einer <em>Suite f\u00fcr Klavier in F-Dur<\/em> stellte sich der 16-j\u00e4hrige Krenek Franz Schreker vor, der ihn \u2013 der Erinnerung Kreneks nach \u2013 mit einem genuschelten \u201eganz nett\u201c in seine Klasse an der k.u.k. Akademie aufnahm. Um seine Schulausbildung fortsetzen zu k\u00f6nnen, wurde eine Sonderregelung getroffen, und er wurde von Nebenf\u00e4chern wie Geh\u00f6rbildung, Dirigieren und Korrepetieren befreit und konzentrierte sich ganz auf die von Schreker geleiteten Kontrapunktstudien. Wie Kreneks erhaltene Zeugnisse mitteilen, war sein Flei\u00df in diesem Gegenstand \u201eausdauernd\u201c und seine Leistungen \u201evorz\u00fcglich\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4973\" aria-describedby=\"caption-attachment-4973\" style=\"width: 176px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4973 size-medium\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FA_II_01A-04_300dpi-176x300.jpg\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FA_II_01A-04_300dpi-176x300.jpg 176w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FA_II_01A-04_300dpi-600x1024.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FA_II_01A-04_300dpi-768x1310.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FA_II_01A-04_300dpi-900x1536.jpg 900w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FA_II_01A-04_300dpi-1200x2048.jpg 1200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FA_II_01A-04_300dpi-850x1450.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FA_II_01A-04_300dpi-scaled.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4973\" class=\"wp-caption-text\">Ernst Krenek Portrait, ca. 1916 \u00a9 Historisches Museum Wien<\/figcaption><\/figure>\n<p>Von den Kanons, Fugen und Doppelfugen, die er f\u00fcr die Absolvierung des Faches komponierte, nahm er die letzte Doppelfuge in C-Dur als Opus 1a in sein Werkverzeichnis auf. Sein Klassenkollege Felix Petyrek spielte sie in einem Klassenkonzert am 14. Mai 1918. Stilistisch erweist sich die kleine Komposition als Spiegel der charakteristischsten Merkmale, die damals in Wien als modern galten und die auch die Tonsprache eines Lehrers pr\u00e4gten: sp\u00e4tromantische Harmoniestruktur und gelegentliche Andeutungen von impressionistischen Kl\u00e4ngen ergeben sich aus Kreneks eleganter und sicherer Demonstration kontrapunktischer Handwerkskunst.<\/p>\n<p>Nicht nur musikalisch, sondern auch geographisch folgte er seinem Lehrer, n\u00e4mlich 1920 an die Staatliche Musikhochschule in Berlin, wo er alsbald von einem progressiveren Verst\u00e4ndnis von musikalischer Moderne zu einem befreiten Umgang mit Dissonanzen im Hinblick auf eine Maximierung expressionistischer Ausdrucksm\u00f6glichkeiten inspiriert wurde. Die von Schreker und dem b\u00fcrgerlichen Publikum etwas skeptisch aufgenommenen, daf\u00fcr aber von den Bef\u00fcrwortern der musikalischen Avantgarde gefeierten, fr\u00fchen Streichquartette und Symphonien lenkten gro\u00dfe Aufmerksamkeit auf den gerade 20-j\u00e4hrigen Krenek, der in Musiklexikonartikeln und in musikjournalistischen Beitr\u00e4gen bereits zu den wichtigen Beitr\u00e4gern der zuk\u00fcnftigen Musikentwicklung gez\u00e4hlt wurde.<\/p>\n<p>Kurz nach diesen ersten atonal-expressionistischen Erfolgen f\u00fchrte die Erfahrung von Strawinsky, Honegger und dem Pariser Musikleben zu einer Abkehr von einer nur sich selbst gen\u00fcgenden musikalischen Moderne. Das Schaffen von Neuer Musik positionierte Krenek in einem kulturellen und gesellschaftlichen Kontext und damit in Beziehung zu den (Unterhaltungs-)Anspr\u00fcchen des Publikums. Der handwerklich so wandlungsf\u00e4hige Krenek kehrte zu einer harmonisch moderateren Tonsprache zur\u00fcck, spielte mit neoklassizistischen Formen und integrierte \u2013 als Beobachter seiner musikalischen Gegenwart \u2013 auch Elemente der popul\u00e4ren amerikanischen Modet\u00e4nze in seine Werke. Diese Entwicklung f\u00fchrte zur Oper <em>Jonny spielt auf<\/em>, die mit beispiellosem Erfolg die B\u00fchnen Europas in den letzten Jahren der \u201eGoldenen 20er\u201c eroberte.<\/p>\n<p>Dieser Erfolg erwies sich als \u00e4u\u00dferst ambivalente Erfahrung und in mehrfacher Hinsicht als entscheidender Wendepunkt in Kreneks Leben und k\u00fcnstlerischer Entwicklung. Von den jubelnden Massen und Theatermanagern genauso irritiert wie von den sich abwendenden Bef\u00fcrwortern der musikalischen Avantgarde zog sich Krenek wieder nach Wien zur\u00fcck, um sich in der vergleichsweise beschaulich-ruhigen und f\u00fcr Krenek heimatlichen Atmosph\u00e4re neue k\u00fcnstlerische und kompositorische Orientierung zu suchen. Die k\u00fcnstlerische Integrit\u00e4t von Karl Kraus oder von Arnold Sch\u00f6nberg und seinem Sch\u00fclerkreis lie\u00df Krenek seine publikumsorientierte Haltung \u00fcberdenken und er richtete seine kreativen Energien fortan entlang einer kompromisslos auf k\u00fcnstlerische Kriterien bedachten Einstellung aus. Er gab seine als Sackgasse empfundene \u201eNeo-Romantische\u201c Tonsprache auf, und eignete sich im Selbststudium das Komponieren mit Zw\u00f6lf nur aufeinander bezogenen T\u00f6nen an.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4974\" aria-describedby=\"caption-attachment-4974\" style=\"width: 748px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-4974\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FA_II_01B-43_150dpi-748x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"748\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FA_II_01B-43_150dpi-748x1024.jpg 748w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FA_II_01B-43_150dpi-219x300.jpg 219w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FA_II_01B-43_150dpi.jpg 758w\" sizes=\"auto, (max-width: 748px) 100vw, 748px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4974\" class=\"wp-caption-text\">Ernst Krenek am Klavier, Jahr unbekannt<br \/>\u00a9 Ernst Krenek Institut Privatstiftung<\/figcaption><\/figure>\n<p>Deutsch-nationale und nationalsozialistische Intrigen in \u00d6sterreich verhinderten 1934 die Urauff\u00fchrung von Kreneks erster Zw\u00f6lftonoper <em>Karl V.<\/em>, die er im Auftrag der Wiener Staatsoper komponiert hatte. F\u00fcr Krenek war dies nicht nur eine mehr als entt\u00e4uschende Erfahrung, sondern auch ein bedrohliches Anzeichen aufkommender politischer Entwicklungen, die ihn 1938 in die Emigration zwangen. Aus finanzieller Notwendigkeit nahm Krenek in den USA mehrere Lehrpositionen an unterschiedlichen Colleges und Universit\u00e4ten an und entdeckte eine auch f\u00fcr ihn unerwartete Freude am Unterrichten.<\/p>\n<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs versuchten mehrere deutsche und \u00f6sterreichische Musikhochschulen Krenek f\u00fcr ihre Institution zu gewinnen, darunter auch die Akademie f\u00fcr Musik und darstellende Kunst in Wien. Deren damaliger Pr\u00e4sident, Hans Sittner, machte Krenek zwischen 1949 und 1954 mehrfach Angebote f\u00fcr eine dauerhafte Lehrstelle, die Krenek allerdings (wie auch Angebote anderer Institutionen) nicht motivieren konnten, seinen Lebensmittelpunkt wieder zur\u00fcck nach Europa zu verlegen. Zu unsicher schien ihm die nochmalige Aufgabe seiner mittlerweile stabilen und vertrauten Verh\u00e4ltnisse im Exilland, dessen Staatsb\u00fcrger er bereits 1945 wurde.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Double Fugue, Op. 1a\" width=\"850\" height=\"638\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/AzTKqqtAYds?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Die Bem\u00fchungen Sittners f\u00fchrten aber immerhin zu einem Kurs, den Krenek im Sommersemester 1956 \u00fcber Probleme der Reihenkomposition hielt. Und auch in den kommenden Jahren fanden sich Gelegenheiten f\u00fcr Gastvortr\u00e4ge und Festveranstaltungen f\u00fcr runde Geburtstage von Krenek. Zum 60er wurde er zum Ehrenmitglied der Akademie ernannt, was den langen Weg des einstigen Studierenden zumindest symbolisch wieder zur\u00fcck an die Institution f\u00fchrte, an der er seinen Weg begonnen hatte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.krenek.at\/ernst-krenek\">https:\/\/www.krenek.at\/ernst-krenek<\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 23. August j\u00e4hrte sich Ernst Kreneks Geburtstag zum 120. Mal. Ernst Krenek (geb. 1900 in Wien, gest. 1991 in Palm Springs, Kalifornien) z\u00e4hlt zu den bedeutendsten und facettenreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er war nicht nur ein herausragender Musiker und Denker, sondern ein ebenso gro\u00dfer Literat und P\u00e4dagoge. 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