{"id":4632,"date":"2020-05-28T17:12:43","date_gmt":"2020-05-28T15:12:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=4632"},"modified":"2020-06-03T10:56:56","modified_gmt":"2020-06-03T08:56:56","slug":"rezension-musik-und-schrift-interdisziplinaere-perspektiven-auf-musikalische-notationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/05\/28\/rezension-musik-und-schrift-interdisziplinaere-perspektiven-auf-musikalische-notationen\/","title":{"rendered":"Rezension: Musik und Schrift. Interdisziplin\u00e4re Perspektiven auf musikalische Notationen"},"content":{"rendered":"<h5>Carolin Ratzinger, Nikolaus Urbanek, Sophie Zehetmayer (Hg.): <i>Musik und Schrift. Interdisziplin\u00e4re Perspektiven auf musikalische Notationen<\/i>, Wilhelm Fink, 2020 (Theorie der musikalischen Schrift 1)<\/h5>\n<figure id=\"attachment_4634\" aria-describedby=\"caption-attachment-4634\" style=\"width: 198px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-38.jpg\" rel=\"lightbox-0\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4634 size-medium\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-38-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-38-198x300.jpg 198w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-38-675x1024.jpg 675w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-38.jpg 678w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4634\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Wilhelm Fink Verlag<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00dcber Schrift zu schreiben, ist ein Paradoxon \u2013 bedient man sich doch desjenigen Werkzeugs zur Artikulation, dessen Beschreibung erreicht werden soll. \u00dcber <i>musikalische<\/i> Schrift zu schreiben, ist ein umso gr\u00f6\u00dferes \u2013 ist man doch gezwungen, ein musikbezogenes Ph\u00e4nomen mit den Mitteln sprachschriftlicher Kommunikation zu verhandeln. In vollem Bewusstsein der Unaufl\u00f6sbarkeit dieser Tatsache, hat sich das internationale D-A-CH-Projekt <i>Writing Music. Iconic, performative, operative and material aspects in musical notation(s)<\/i> nichts Geringeres zum Ziel gesetzt, als eine (schrift-)theoretische Fundierung f\u00fcr das Sprechen, Schreiben und Denken \u00fcber musikalische Notationen zu entwickeln. In der doppelten Zielsetzung sowohl einer reflektierten \u201emusikwissenschaftlichen Theoriebildung\u201c als auch Einbettung in den \u201eaktuellen Diskurs \u00fcber den transdisziplin\u00e4ren Gegenstand <i>Schrift<\/i>\u201c (S.\u00a0VII) verspricht dies eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige terminologische Problematisierung sowie eine Adressierung teilweise jahrelanger Forschungsdesiderata (so kennt z.\u2009B. das <i>Handw\u00f6rterbuch der musikalischen Terminologie<\/i> keinen Eintrag zu musikalischer Schrift, Notation oder <i>nota<\/i>; zugleich verwirrt bis heute die alltags- wie auch fachsprachlich zu beobachtende, teils deckungsgleiche Begriffsverwendung von vermeintlich eindeutigen Termini wie Notation, Notationssystem, Notenschrift, Notentext oder Notenbild).<\/p>\n<p>Der Anspruch des an der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen, der Universit\u00e4t Innsbruck, der mdw sowie der Paul Sacher Stiftung Basel angesiedelten Projekts unter der Federf\u00fchrung von Federico Celestini, Matteo Nanni, Simon Obert und Nikolaus Urbanek geht dabei \u00fcber eine rein lexikalisch-terminologische Bestimmung weit hinaus: So wartet der zum Jahresende 2019 erschienene erste Band der Reihe <i>Theorie der musikalischen Schrift<\/i>, der den eigenen Ansatz der musikschriftlichen Theoretisierung zwischen den konkreten Aspekten der Materialit\u00e4t, Operativit\u00e4t, Ikonizit\u00e4t und Performativit\u00e4t von Notation verortet (Celestini, Nanni, Obert, Urbanek), mit einer umfassenden Prospektion des Forschungsfelds auf. Zugleich wird ein ungemein breiter Blick auf den historischen und aktuellen Stand des Nachdenkens \u00fcber musikalische Notationen er\u00f6ffnet, wodurch die in den zehn weiteren Beitr\u00e4gen versammelten \u201einterdisziplin\u00e4ren Perspektiven\u201c auf das Thema \u201eMusik und Schrift\u201c gleichsam vorbereitet werden. Als Autor_innen konnte das Herausgeber-Trio die Vortragenden und Podiumsdiskutant_innen einer entsprechenden Ringvorlesung im Wintersemester 2016\/2017 an der mdw gewinnen: Protagonist_innen der aktuellen Schrift- und Schrift(bild)lichkeitsdebatten wie Jan Assmann, Birgit Mersmann und Sybille Kr\u00e4mer beleuchten das Thema aus einer horizonterweiternden kultur-, kunstwissenschaftlichen sowie schrifttheoretischen Au\u00dfenansicht, Manfred Hermann Schmid und Christian Gr\u00fcny bereichern diese aus musikhistorischer und -\u00e4sthetischer Perspektive, um das Potenzial der \u201eKulturtechnik\u201c Schrift auch in Bezug auf Musik deutlich zu machen. Die anschlie\u00dfenden historischen Einzelbetrachtungen zu sehr fr\u00fchen Notationspraktiken des mitteleurop\u00e4ischen, slawischen und byzantinischen Mittelalters (Max Haas\u2020, dessen Andenken die Herausgeber_innen den Band widmen), zur Rolle der Notation f\u00fcr die musikalische R\u00e4tsel-Euphorie der Fr\u00fchen Neuzeit (Katelijne Schiltz), zum Verh\u00e4ltnis von Partitur und Auff\u00fchrung im 17. Jahrhundert (Silke Leopold) sowie in der Neuen Musik der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts (D\u00f6rte Schmidt) werden durch das verdienstvolle, fast 40-seitige Transkript (Sophie Zehetmayer) einer Podiumsdiskussion zeitgen\u00f6ssischer Komponist_innen (Karlheinz Essl, Johannes Kreidler, Iris ter Schiphorst, Johannes Maria Staud) mit dem k\u00fcnstlerischen Leiter des Festivals <i>Wien Modern<\/i> Bernhard G\u00fcnther abgerundet.<\/p>\n<p>Wenn auch bestimmte musikschriftliche Aspekte in diesem ersten Band nur andeutungsweise Platz finden (so etwa die Rolle von Schrift im digitalen Zeitalter oder in au\u00dfereurop\u00e4ischen Kulturen), so wird doch die au\u00dferordentliche Funktion musikalischer Schrift f\u00fcr eine lateinisch-westliche Kompositionspraxis deutlich, deren Implikationen weit \u00fcber das blo\u00dfe Aufzeichnen von Kl\u00e4ngen hinausweisen. Man darf auf weitere B\u00e4nde mehr als nur gespannt sein.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Schrift zu schreiben, ist ein \ufeffParadoxon \u2013 bedient man sich doch desjenigen Werkzeugs zur Artikulation, dessen Beschreibung erreicht werden soll.<\/p>\n","protected":false},"author":195,"featured_media":4854,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[966,986,53,33,153,55,154,52],"class_list":["post-4632","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-research","tag-2020-2","tag-musikalischeschrift","tag-forschung","tag-research","tag-review","tag-rezension","tag-science","tag-wissenschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4632","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/195"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4632"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4632\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4896,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4632\/revisions\/4896"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4854"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}