{"id":4615,"date":"2020-05-28T17:12:44","date_gmt":"2020-05-28T15:12:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=4615"},"modified":"2020-06-03T10:09:14","modified_gmt":"2020-06-03T08:09:14","slug":"auch-die-kunst-laesst-den-staat-erst-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/05\/28\/auch-die-kunst-laesst-den-staat-erst-leben\/","title":{"rendered":"\u201eAuch die Kunst l\u00e4sst den Staat erst leben\u201c"},"content":{"rendered":"<h1>Max-Reinhardt-Seminar-Absolventin Anna Marboe \u00fcber ihre Musik und ihr Theater<\/h1>\n<h5>Anna Marboe, geboren 1996 in Wien, ist Theaterregisseurin und Musikerin. Am Max Reinhardt Seminar hat sie Regie studiert und 2019 ihr Studium abgeschlossen. Sie inszenierte bereits am Schauspielhaus Wien, am Landestheater Nieder\u00f6sterreich und am Wiener Volkstheater in den Bezirken. Dar\u00fcber hinaus ver\u00f6ffentlichte sie im Herbst 2019 ihr erstes Album. Mit dem <i>mdw-Magazin <\/i>sprach die vielseitige K\u00fcnstlerin \u00fcber ihren Werdegang und ihr Schaffen.<\/h5>\n<p>Der Weg zum Theaterregiestudium war f\u00fcr Anna Marboe ein eher zuf\u00e4lliger. \u201eIch wollte lange Schauspiel studieren und als ich mich f\u00fcr die Aufnahmepr\u00fcfung am Max Reinhardt Seminar anmelden wollte, habe ich entdeckt, dass es auch das Studienfach Regie gab\u201c, erz\u00e4hlt sie.<\/p>\n<p>Ihre Zeit am Max Reinhardt Seminar hat sie sehr genossen, vor allem die Anfangszeit, in der das Ausprobieren im Vordergrund stand. Zur gemeinsamen Ausbildung von Regie- und Schauspielstudierenden meint sie: \u201eDieses ,Seite-an-Seite-im-Dunkeln-Tappen\u2018 von Regie- und Schauspielstudierenden mit gro\u00dfen Gedanken und Visionen in ihren kleinen K\u00f6pfen erzeugte die sch\u00f6nsten und lehrreichsten Momente, weil man aneinander und miteinander lernt.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_4617\" aria-describedby=\"caption-attachment-4617\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-4617\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-35-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-35-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-35-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-35-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-35-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-35-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-35-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4617\" class=\"wp-caption-text\">Anna Marboe \u00a9 Daniela Matejschek<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ihr Regiehandwerk hat sie in Produktionen f\u00fcr das Schauspielhaus Wien, mit <i>Angstbeisser<\/i> von Wilke Weermann oder <i>Oh Schimmi<\/i> von Teresa Pr\u00e4auer unter Beweis gestellt, ebenso f\u00fcr das Landestheater Nieder\u00f6sterreich mit <i>Demian<\/i> von Hermann Hesse, f\u00fcr das Volkstheater mit <i>Die Rei\u00dfleine<\/i> von David Lindsay-Abaire und f\u00fcr das Landestheater Linz mit <i>Gespr\u00e4che mit Astronauten<\/i> von Felicia Zeller. \u00dcber die Bedeutung von Theater sagt Anna Marboe: \u201eMich fasziniert das Erfinden von neuen Welten, die man sich bei jedem St\u00fcck \u00fcberlegen kann, und die Freiheit, immer wieder neue Regeln und Realit\u00e4ten erschaffen zu k\u00f6nnen, die mit dem Allt\u00e4glichen auf den ersten Blick wenig zu tun haben, aber deshalb nicht weniger real sind. Die Wirklichkeit als eine von vielen M\u00f6glichkeiten zu sehen, schafft eine gro\u00dfe Freiheit, die das Theater f\u00fcr mich so besonders macht.\u201c Projekte, die sie reizen, sind jene, in denen sie sich mit Menschen innerhalb und au\u00dferhalb des Ensembles auseinandersetzt. \u201eOft bekommt man ein St\u00fcck oder einen Text und dann dreht und schraubt man an den Gedanken von anderen. Der Reiz des Theaters ist, dass es eine soziale Kunst ist, in der sich verschiedene Bereiche erg\u00e4nzen, treffen und auch widersprechen.\u201c Gerne w\u00fcrde sie sich auch mit einem Projekt besch\u00e4ftigen, zu dessen Beginn kein fertiger Text, sondern eine Frage oder eine Idee steht, der Regie und Ensemble dann gemeinsam auf den Grund gehen. \u201eDadurch wird das Ergebnis nicht das einzige Ziel, sondern der Prozess und die Besch\u00e4ftigung mit einem Thema finden gleichwertig statt\u201c, sagt die Regisseurin.<\/p>\n<p>Die Kreativit\u00e4t der jungen K\u00fcnstlerin ist aber nicht nur dem Theater gewidmet. Auch ihre Musikkarriere treibt sie voran. Bei einem Festival in Litschau hat sie Ernst Molden kennengelernt und ihm ein paar Lieder vorgespielt, wovon dieser sofort begeistert war. Ihr Deb\u00fctalbum <i>die oma hat die susi so geliebt<\/i> hat sie unter dem Namen Anna Mabo bei Moldens Plattenlabel Bader Molden Recordings im September 2019 ver\u00f6ffentlicht. Sie spielt Gitarre und singt auf Deutsch. \u201eIch hab immer schon gerne Gedichte geschrieben. Als ich mit einem Gitarrenbuch meine ersten Akkorde gelernt habe, habe ich anfangs meine lyrischen Versuche \u00fcber die Akkorde von Liedern wie <i>House of the Rising Sun<\/i> oder <i>What Shall We Do With the Drunken Sailor<\/i> gesungen\u201c, erz\u00e4hlt Anna Marboe \u00fcber ihre musikalischen Anf\u00e4nge. Das Unmittelbare und Spontane gef\u00e4llt ihr am Musikmachen besonders. \u201eDer Weg von Gedanken aus meinem Kopf zu den Ohren der Menschen ist so erstaunlich kurz und direkt. Oft kommt man sich beim gemeinsamen Singen oder Musikh\u00f6ren n\u00e4her, als beim Kaffeetrinken und Reden\u201c, findet sie. Beim Musikmachen sch\u00e4tzt sie auch den Gegensatz zur Arbeit am Theater: \u201eDas Musikmachen, wie ich es zurzeit betreibe, ist eine sehr stille und einsame T\u00e4tigkeit, die keiner R\u00fccksprache oder Koordination mit anderen bedarf, wie bei Theaterproduktionen. Das tut manchmal sehr gut.\u201c Momentan widmet sie sich verst\u00e4rkt ihrer Musik.<\/p>\n<p>In Marboes Leben spielten Kunst und Kultur von klein auf eine gro\u00dfe Rolle. \u201eDank des Interesses meiner Eltern war Kunst ein fixer Bestandteil meines Lebens und hatte einen hohen Stellenwert, weshalb mein Theater- und Musikmachen zu Hause nie auf Widerstand oder Skepsis gesto\u00dfen ist, sondern immer gro\u00dfe Unterst\u00fctzung erfahren hat\u201c, freut sie sich. Das hat ihren Weg ins Kunstschaffen erleichtert, aber sie appelliert auch an die gesellschaftliche und politische Verantwortung den Kunstschaffenden gegen\u00fcber: \u201eMan kann sich nur w\u00fcnschen, dass die Gesellschaft und der Staat den Wert der Kunst erkennen und f\u00f6rdern, sodass nicht nur Kinder interessierter und gut situierter Eltern K\u00fcnstler_innen werden k\u00f6nnen. Vor allem die Lage bildender K\u00fcnstler_innen ist nicht nur in \u00d6sterreich extrem prek\u00e4r. Da muss politisch unbedingt ein Umdenken her, weil nicht nur der Staat die K\u00fcnstler_innen \u00fcberleben lassen muss, sondern ja auch die Kunst den Staat erst leben l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p>Anna Marboe l\u00e4sst uns in ihren Theaterinszenierungen und Liedern an ihrer k\u00fcnstlerischen Ausdruckskraft und Ideenwelt teilhaben. Auf die Frage, was und wo sie einmal gerne inszenieren m\u00f6chte, meint sie: \u201eEin Musical im Burgtheater vielleicht? <i>Mamma Mia 2<\/i> oder <i>Frozen<\/i> \u2026\u201c Somit d\u00fcrfen wir auf das Kommende gespannt sein.<\/p>\n<h1><\/h1>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anna Marboe, geboren 1996 in Wien, ist Theaterregisseurin und Musikerin. Am Max Reinhardt Seminar hat sie Regie studiert und 2019 ihr Studium abgeschlossen. 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