{"id":4603,"date":"2020-05-30T17:12:45","date_gmt":"2020-05-30T15:12:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=4603"},"modified":"2020-06-03T13:47:21","modified_gmt":"2020-06-03T11:47:21","slug":"junge-frauen-schon-an-der-universitaet-staerken-und-mutig-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/05\/30\/junge-frauen-schon-an-der-universitaet-staerken-und-mutig-machen\/","title":{"rendered":"\u201eJunge Frauen schon an der Universit\u00e4t st\u00e4rken und mutig machen\u201c"},"content":{"rendered":"<h5>Seit M\u00e4rz 2020 wirkt Marin Alsop, Chefdirigentin des RSO, als Artist in Residence an der mdw und unterrichtet dort als erste Frau Orchesterdirigieren. Mit Rektorin Ulrike Sych und Vizerektorin Gerda M\u00fcller sprach die Maestra \u00fcber Quoten, Exzellenz und Chancengleichheit.<\/h5>\n<p>Manche Dirigentinnen sind es leid, dar\u00fcber zu sprechen, dass Frauen in diesem Beruf noch immer eine Minderheit sind. Wie geht es Ihnen damit?<\/p>\n<p><b>Marin Alsop (MA):<\/b> Nat\u00fcrlich w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn wir diese Frage nicht mehr ins Zentrum stellen m\u00fcssten, weil sie davon ablenkt, was wir als K\u00fcnstlerinnen leisten. Aber ich glaube, es ist immer noch ein langer Weg, bis Gleichheit zwischen den Geschlechtern herrscht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_4605\" aria-describedby=\"caption-attachment-4605\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4605 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-33-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-33-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-33-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-33-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-33-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-33-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image0-33-850x637.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4605\" class=\"wp-caption-text\">Marin Alsop \u00a9 Grant Leighton<\/figcaption><\/figure>\n<p>Haben Sie pers\u00f6nlich w\u00e4hrend Ihrer Studienzeit Diskriminierung erlebt?<\/p>\n<p><b>MA:<\/b> Es ist nicht immer leicht zu erkennen, was unter Diskriminierung f\u00e4llt und was schlicht dem Umstand geschuldet ist, dass man jung, unerfahren und neu in einem Fach ist. Ich habe w\u00e4hrend meines Studiums versucht, jede Art von Kritik von Lehrenden nicht als sexistisch zu verstehen. Ich wollte es vermeiden, damit eine eventuelle Ausrede zu haben, falls ich einen Job nicht bekommen h\u00e4tte. Das wollte ich keineswegs auf mein Geschlecht zur\u00fcckf\u00fchren, weil ich dann meine Fehler nicht objektiv analysiert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Wie viele Studentinnen gab es, als Sie Dirigieren studiert haben?<\/p>\n<p><b>MA:<\/b> Eine Handvoll. In meinem ersten Jahr waren wir drei. Aber ich w\u00fcrde sagen, die Anzahl der studierenden Frauen war in den vergangenen drei Jahrzehnten immer \u00e4hnlich. Erst vor Kurzem hat sich das ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Wie kann eine Musikuniversit\u00e4t weibliche Studierende des Fachs \u201eDirigieren\u201c unterst\u00fctzen?<\/p>\n<p><b>Ulrike Sych (US):<\/b> Indem sie ihnen viel Selbstvertrauen vermittelt, an sie glaubt und sie darin unterst\u00fctzt, authentisch zu bleiben und ihren k\u00fcnstlerischen Weg zu gehen. Au\u00dferdem wollen wir diesen Studentinnen an der mdw auch M\u00f6glichkeiten au\u00dferhalb des Curriculums bieten und ihnen, entsprechend ihrer jeweiligen Begabungen, bestimmte Tools vermitteln. Wir wollen sie aber auch lehren, Nein zu sagen, und sie f\u00fcr m\u00f6gliche Diskriminierungen sensibilisieren. Sie sollen lernen, Konfliktstrategien zu entwickeln. Wir wollen die jungen Frauen schon an der Universit\u00e4t st\u00e4rken und mutig machen, auch, damit sie unterwegs nicht aufgeben, sondern beim Dirigieren bleiben. Das alles gilt eigentlich f\u00fcr alle Studierenden der mdw.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4609\" aria-describedby=\"caption-attachment-4609\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image4-3-scaled.jpg\" rel=\"lightbox-0\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-4609\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image4-3-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image4-3-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image4-3-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image4-3-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image4-3-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image4-3-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image4-3-850x637.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4609\" class=\"wp-caption-text\">Ulrike Sych \u00a9 Inge Prader<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Gerda M\u00fcller (GM):<\/b> Wir brauchen auch Role-Models, denn wir wollen unseren Studierenden \u2013 besonders den Frauen \u2013 zeigen, dass ein erfolgreicher Karriereweg m\u00f6glich ist. Als Universit\u00e4tsleitung haben wir die Verantwortung, ihnen R\u00e4ume zu bieten, um etwa auch als Dirigentinnen erfolgreich sein zu k\u00f6nnen. Zu den Zahlen: 2001 hatten wir einen Anteil von 17,8 Prozent Frauen als Studierende im Fach Dirigieren. Im Studienjahr 2018\/19 waren es 18,3 Prozent, also nur eine geringe Steigerung. Wir entwickeln derzeit im Rahmen einer Diversit\u00e4tsstrategie Ma\u00dfnahmen, die mehr Frauen zu diesem Studium bewegen sollen. Dazu geh\u00f6rt auch das Programm mit Marin Alsop. Sehr erfreulich ist, dass im Studienjahr 2020\/21 erstmals 50 Prozent Frauen in das Dirigierstudium aufgenommen wurden, das ist ein Riesenerfolg.<\/p>\n<p><b>US:<\/b> Es geht auch darum, auf die Zeit vor dem Studium zu blicken, denn noch immer kommen viele junge M\u00e4dchen gar nicht auf die Idee, Dirigieren zu studieren, obwohl sie die Begabung dazu haben.<\/p>\n<p><b>GM:<\/b> Mithilfe unserer Diversit\u00e4tsstrategie m\u00f6chten wir die Studentinnen empowern. Das geschieht etwa durch Workshops oder Kamingespr\u00e4che, in denen wir sie mit erfolgreichen Frauen zusammenbringen, die mit ihnen im Rahmen eines Mentorings arbeiten. Aber wir trainieren unsere Studentinnen auch darin, wie man mit Bewerbungssituationen umgeht, wie man sich pr\u00e4sentiert. Es geht auch darum, ihr Selbstbewusstsein zu st\u00e4rken, bevor sie in die Welt hinausgehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4606\" aria-describedby=\"caption-attachment-4606\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-27-scaled.jpg\" rel=\"lightbox-1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-4606\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-27-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-27-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-27-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-27-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-27-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-27-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-27-850x637.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4606\" class=\"wp-caption-text\">Gerda M\u00fcller \u00a9 Sabine Hauswirth<\/figcaption><\/figure>\n<p>Was kann man noch vor der Studienwahl, in der Schulzeit bewirken?<\/p>\n<p><b>US:<\/b> Man kann schon atmosph\u00e4risch in die Zeit vor der Universit\u00e4t hineinwirken, national und international. Frauenf\u00f6rderung ist nicht Frauensache, sondern eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir als Universit\u00e4t wirken durch unsere P\u00e4dagogik-Studien ohnehin stark in den Schulbereich hinein, und durch die elementare musikalische Fr\u00fcherziehung sogar in den Kindergarten. Auch hier bringen wir unsere Ans\u00e4tze von Gender Studies schon stark ein. Denn es geht ja auch darum, wie die Kindergartenp\u00e4dagog_innen mit den ganz Kleinen sprechen. Zu M\u00e4dchen sagt man ja gern: \u201eHast du aber ein sch\u00f6nes Kleid an!\u201c Das w\u00fcrde man zu Buben \u00fcber ihre Kleidung nie sagen.<\/p>\n<p>Frau Alsop, wie kamen Sie auf den Wunsch, Dirigentin zu werden?<\/p>\n<p><b>MA<\/b>: Meine Eltern waren beide Musiker_innen. Ich habe Klavier und Geige gelernt, und am meisten habe ich es genossen, im Orchester zu spielen. Als ich neun war, nahm mein Vater mich in ein Konzert mit. Ich war schwer beeindruckt vom Dirigenten. Was er da machte, fand ich begeisternd und unwiderstehlich, ich wollte so sein wie er! Nun, dieser Dirigent war Leonard Bernstein.<\/p>\n<p>Bernstein wurde Ihr Mentor &#8230;<\/p>\n<p><b>MA:<\/b> 1987 begann ich mein Studium bei ihm. Dann wurde ich am Tanglewood Music Center aufgenommen, wo Bernstein unterrichtete. Wir waren einander sehr nah und arbeiteten viel zusammen, bis er starb. Er war ein unglaublicher Weltb\u00fcrger, Mensch, Lehrer und ein phantastischer Mentor. Meine Zeit dort \u00fcbertraf all meine Erwartungen, es war einfach gro\u00dfartig.<\/p>\n<p>Was bewirkt ein guter Mentor oder eine gute Mentorin?<\/p>\n<p><b>MA:<\/b> Man muss seinem Sch\u00fctzling die F\u00e4higkeit vermitteln, ganz bei sich selbst zu bleiben. Bernstein glaubte an mich und damit best\u00e4tigte er mich in meiner Pers\u00f6nlichkeit. Das hat mich extrem best\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Es gibt immer noch Orchester, die noch nie mit einer Dirigentin gearbeitet haben. Wann wird dieses Problem gel\u00f6st sein? Wenn endlich eine Frau das Wiener Neujahrskonzert dirigiert?<\/p>\n<p><b>MA:<\/b> Das w\u00e4re ein guter erster Schritt. Aber solange es noch nicht normal geworden ist, Frauen am Dirigent_innenpult zu sehen, ist das Problem nicht gel\u00f6st.<\/p>\n<p>W\u00fcrden Sie gerne das Neujahrskonzert dirigieren?<\/p>\n<p><b>MA:<\/b> Man kann mich gerne anfragen.<\/p>\n<p>Was muss eine gute Dirigentin bzw. ein guter Dirigent k\u00f6nnen? Es geht wohl auch um Management?<\/p>\n<p><b>MA:<\/b> Zun\u00e4chst muss er oder sie ein absolutes Bekenntnis zur Kunst haben. Weiters eine ausgepr\u00e4gte Leidenschaft, den Intentionen der Komponist_innen zu dienen. Und dann braucht man \u00dcberzeugungskraft in Bezug auf das, was man mit der Kunst \u00fcberhaupt erreichen will. Zu den anderen Skills: Man muss eine gute Managerin bzw. ein guter Manager und Leader sein, und Menschen m\u00fcssen bereit sein, einem zu vertrauen und den Weg mitzugehen. Aber da gibt es unterschiedliche Bewertungen von M\u00e4nnern und Frauen, denn bei M\u00e4nnern wird eher akzeptiert, dass sie autokratisch f\u00fchren. Von Frauen erwartet man hingegen Kollaboration.<\/p>\n<p>Inzwischen sind mehr Frauen denn je im Musik-Business pr\u00e4sent, auch Dirigentinnen. Geh\u00f6rt das sozusagen zum \u201eguten Ton\u201c oder hat sich wirklich etwas in der Gesellschaft ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p><b>MA:<\/b> Seit der MeToo-Bewegung hat sich etwas wesentlich ver\u00e4ndert: Auf einmal werden von vielen Stellen aktiv weibliche Dirigentinnen gesucht. Das ist v\u00f6llig anders als zu Beginn meiner Karriere. Das ist zwar gro\u00dfartig, aber ich m\u00f6chte das auch nachhaltig \u00fcber das kommende Jahrzehnt hinaus erleben. Allerdings bin ich eher skeptisch, denn man h\u00e4tte diese Haltung schon l\u00e4ngst haben k\u00f6nnen. Frauenrechte und Gleichberechtigung sind seit 250 Jahren ein Thema.<\/p>\n<p>Wie sieht es heute bei den Lehrenden aus? Wie ist das Geschlechterverh\u00e4ltnis an der mdw?<\/p>\n<p><b>GM:<\/b> Im Fach Dirigieren gab es bisher keine Professorin, Marin Alsop ist die erste Frau, die regelm\u00e4\u00dfig im Rahmen von Masterclasses in diesem Fach bei uns lehren wird. Was Professuren generell betrifft, so haben wir seit 2019 mehr als 30 Prozent Professorinnen. Bei den Lehrenden des k\u00fcnstlerischen und wissenschaftlichen Personals gibt es ein ausgewogenes Verh\u00e4ltnis. Die Aufteilung h\u00e4ngt auch von den Studienf\u00e4chern ab. In den p\u00e4dagogischen Studien lehren mehr Frauen. In der Popularmusik unterrichten zwar mehr Frauen Gesang, allerdings lehrt nur eine Frau im Instrumentalbereich.<\/p>\n<p><b>US: <\/b>K\u00fcrzlich haben wir eine Frau als Professorin im Tonmeisterstudium berufen. Ich lege gro\u00dfen Wert darauf, auch in diese klassischen M\u00e4nnerdom\u00e4nen gute Frauen zu berufen.<\/p>\n<p>Wie denken Sie \u00fcber Quotenregelungen?<\/p>\n<p><b>US:<\/b> Da m\u00f6chte ich ein allgemeines Missverst\u00e4ndnis aufkl\u00e4ren, denn Quote ist ein Exzellenzbegriff. Wenn eine Frau in einer M\u00e4nnerdom\u00e4ne bei gleicher Qualifikation gleich gereiht wird, muss sie exzellent sein. Ich bin eine Bef\u00fcrworterin der Quote als Instrument, um exzellente Frauen in Positionen zu bringen, in denen sie schon l\u00e4ngst h\u00e4tten sein sollen.<\/p>\n<p><b>GM:<\/b> Wir haben jetzt bei den Bewerbungs-Hearings einen sehr guten Chancenindikator f\u00fcr Frauen erreicht. Das ist auch ein Ergebnis unserer Arbeit. Unsere strukturellen Ma\u00dfnahmen zeigen Wirkung, wie man an den Zahlen sehen kann.<\/p>\n<p>Es hei\u00dft oft, dass Frauen die Netzwerke fehlen w\u00fcrden.<\/p>\n<p><b>US:<\/b> Das sehe ich nicht so. Ich arbeite als Rektorin letztlich auch in einer M\u00e4nnerdom\u00e4ne und f\u00fchle mich mindestens genauso vernetzt wie alle m\u00e4nnlichen Kollegen, nur sind wir Frauen anders vernetzt, nicht so plakativ. Wir geh\u00f6ren weniger den traditionellen Clubs an, sondern sind eher fachbezogen stark vernetzt. Wir sind etwas undurchschaubarer in unserer Vernetzung, und das ist gut so.<\/p>\n<p><b>GM:<\/b> Die Frage ist, wie einflussreich die Personen in diesen Netzwerken sind. Wer bekleidet die wesentlichen Positionen? Wer hat F\u00fchrungspositionen inne und trifft Entscheidungen? Man soll die Netzwerke der Frauen nicht untersch\u00e4tzen, aber wenn es um Macht und Einfluss geht, denke ich, dass wir Frauen noch st\u00e4rker in F\u00fchrungspositionen verankert sein m\u00fcssten, um eine \u00e4quivalente Wirkung erzielen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit Marin Alsop ist jetzt eine starke F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit in einer auch f\u00fcr die mdw wichtigen Institution, dem RSO Wien.<\/p>\n<p><b>US:<\/b> Die Zusammenarbeit der mdw mit dem RSO ist eine besondere Kooperation, die historisch gewachsen ist. Marin Alsop wird Studierende auch in Proben des RSO Wien mitnehmen und ihre Kontakte f\u00fcr die Studierenden fruchtbar machen, da bin ich sicher.<\/p>\n<p>Im vergangenen November haben Sie im Rahmen der Veranstaltungsreihe \u201efifty-fifty in 2030\u201c eine Masterclass f\u00fcr angehende Dirigentinnen an der mdw gegeben. Worum geht es in einem Kurs speziell f\u00fcr Frauen?<\/p>\n<p><b>MA:<\/b> Ich glaube, dass Frauen eine andere Physis haben als M\u00e4nner, und das wirkt sich zum Beispiel auf die Gesten beim Dirigieren aus. Beim Dirigieren geht es um Gesten. Jede Geste, die wir Dirigent_innen machen, muss von den Musiker_innen im Sinne der Musik richtig interpretiert werden. Wenn sie aber falsch interpretiert werden, m\u00fcssen wir unsere Gesten so anpassen, dass sie verstanden werden, denn es geht ja darum, die Musik umzusetzen. Es zeigt sich aber, dass manche Gesten bei Frauen anders interpretiert werden als bei M\u00e4nnern. Es ist sinnvoll, solche Kurse f\u00fcr Frauen zu machen, weil die Probleme anders gelagert sind.<\/p>\n<p>Worauf achten Sie bei Ihrer Dirigiersprache?<\/p>\n<p><b>MA:<\/b> Ich versuche, sie neutral zu gestalten, also weder weiblich noch m\u00e4nnlich. Das war ein langer Prozess. Es ist auch sehr hilfreich, die Gesten mit den Musiker_innen zu besprechen. Eine Frage in unserer Masterclass ist zum Beispiel auch, wie man ausdrucksstark dirigieren kann, ohne aggressiv zu wirken.<\/p>\n<p>Hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die Situation f\u00fcr Frauen in der Musikbranche verbessert?<\/p>\n<p><b>US:<\/b> Ich bin sehr optimistisch. Als ich studiert habe, gab es noch kein Bewusstsein f\u00fcr Frauenf\u00f6rderung. Das hat sich ge\u00e4ndert. Heute bestehen an der mdw Kommissionen zur H\u00e4lfte aus Frauen. Da gibt es keine Diskussionen mehr. Auf universit\u00e4rer Ebene waren wir sehr erfolgreich. In der Gesellschaft ist das etwas anderes, und wenn man die Entwicklung in Europa beobachtet, denke ich, das man aufpassen muss. Es gibt in manchen Staaten starke Tendenzen zur R\u00fcckentwicklung.<\/p>\n<p><b>GM:<\/b> Wir sind gut unterwegs und es hat sich vieles positiv ver\u00e4ndert. In Europa oder den USA sind wir privilegiert, aber anderswo auf der Welt ist die Situation f\u00fcr Frauen schlecht. Unsere Verantwortung ist es, aus unserer Position heraus neue Perspektiven f\u00fcr alle Frauen zu entwickeln. Wir haben Studierende aus 70 L\u00e4ndern an der mdw. Insofern k\u00f6nnen wir auch viel Einfluss auf ihre Rollenbilder nehmen. Das ist unsere Verantwortung als Universit\u00e4t.<\/p>\n<p><b>US:<\/b> Ich h\u00e4tte gerne, dass unsere Studierenden, wenn sie die Universit\u00e4t verlassen und in die Welt gehen, sich nicht nur als K\u00fcnstler_innen, sondern auch als Botschafter_innen verstehen f\u00fcr Menschenrechte, Gleichheit und Transkulturalit\u00e4t.<\/p>\n<h5><\/h5>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit M\u00e4rz 2020 wirkt Marin Alsop, Chefdirigentin des RSO, als Artist in Residence an der mdw und unterrichtet dort als erste Frau Orchesterdirigieren. 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