{"id":4594,"date":"2020-05-28T17:12:46","date_gmt":"2020-05-28T15:12:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=4594"},"modified":"2020-06-03T12:43:33","modified_gmt":"2020-06-03T10:43:33","slug":"zukunftsmusik-kuenstlerische-karrieren-in-zeiten-der-klimakrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/05\/28\/zukunftsmusik-kuenstlerische-karrieren-in-zeiten-der-klimakrise\/","title":{"rendered":"\u201eZukunftsmusik\u201c \u2013 k\u00fcnstlerische Karrieren in Zeiten der Klimakrise"},"content":{"rendered":"<a href=\"https:\/\/www.nmz.de\/artikel\/monteverdi-und-der-klimawandel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">In der Ausgabe 9\/2019 der nmz (Neue Musikzeitung) hat der deutsche Komponist und Musikvermittler Bernhard K\u00f6nig einen Text mit dem Titel Monteverdi und der Klimawandel ver\u00f6ffentlicht.<\/a> F\u00fcr viele war dieser Artikel ein wichtiger Denkansto\u00df. Schon der Titel symbolisiert die Frage, die sich uns im Kulturbereich beziehungsweise an einer Universit\u00e4t t\u00e4tigen Menschen stellt: Was kann ich in meinem T\u00e4tigkeitsbereich f\u00fcr den Klimaschutz tun? Und die schnell parate Antwort: Das hat doch nichts miteinander zu tun! Oder doch?<\/p>\n<figure id=\"attachment_4597\" aria-describedby=\"caption-attachment-4597\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-26-scaled.jpg\" rel=\"lightbox-0\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-4597\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-26-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-26-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-26-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-26-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-26-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-26-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/post-1_image1-26-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4597\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einerseits bleibt ambitionierten jungen K\u00fcnstler_innen keine Wahl, wenn sie Karriere machen wollen \u2013 Mobilit\u00e4t scheint unabdingbar: Konzertreisen, Wettbewerbe, Meisterkurse, Auslandssemester, Aufrechterhaltung der Pr\u00e4senz im Herkunftsland, wenn man woanders studiert\u00a0&#8230; \u2013 Ohne internationale Vernetzung geht nichts! Internationalit\u00e4t bedeutet Reisen, bedeutet auch Flugreisen, bedeutet somit Treibhausgasemissionen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat jede_r Einzelne innerhalb dieser Rahmenbedingungen einen gewissen Spielraum: Bei jeder einzelnen Reise kann man sich folgende Fragen stellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Lohnt sich diese Reise wirklich?<\/li>\n<li>Kann ich mit dem Zug fahren, statt zu fliegen?<\/li>\n<li>Kann ich einmal l\u00e4nger bleiben, statt mehrmals hinzufahren?<\/li>\n<li>Kann ich direkt fliegen, statt umzusteigen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine \u00f6kologisch ausgerichtete Mobilit\u00e4tsstrategie werden in der neu gegr\u00fcndeten Senats-Arbeitsgruppe an der mdw diskutiert und erarbeitet.<\/p>\n<p>Gleichzeitig m\u00fcssen wir uns bewusst sein: Die Rahmenbedingungen werden sich \u00e4ndern \u2013 so oder so! Die M\u00f6glichkeit, so viel zu fliegen, wird es wohl bald nicht mehr geben, wie auch PKW-Reisen nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich sein werden. Entweder uns gelingt ein geordneter, sanfter \u00dcbergang zu einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise oder wir stehen vor einem Zusammenbruch der bisherigen Systeme \u2013 inklusive des Kulturbetriebs. Wenn wir uns diese Realit\u00e4t vor Augen halten, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, sind wir bald bei der Frage: Wollen wir Teil der L\u00f6sung sein oder Teil des Problems? Wollen wir den Wandel aktiv mitgestalten oder so lange wie m\u00f6glich an etwas festhalten, das nicht zukunftstr\u00e4chtig ist? Es ist die gleiche Frage, vor der die Menschen in den Kohleregionen stehen und die L\u00e4nder, die (noch) von Erd\u00f6lf\u00f6rderung abh\u00e4ngig sind.<\/p>\n<p>Wenn wir nun weiter fragen: \u201eWelcher Wandel? Wie w\u00fcnschen wir uns unsere Kultur-<i>Landschaft<\/i> \u00fcberhaupt? Worauf kommt es an?\u201c, werden wir \u00fcberrascht sehen, dass ein und derselbe Ansatz auf vielf\u00e4ltige Weise gesellschaftspolitisch wirksam sein und die Lebensqualit\u00e4t steigern kann. Eine \u00d6kologisierung des Kultursektors durch Aufwertung regionaler Strukturen und einer breiteren Verankerung in der Bev\u00f6lkerung k\u00f6nnte Chancen f\u00fcr die Kulturschaffenden bringen.<\/p>\n<p>Was ist eigentlich eine erfolgreiche Karriere? Wenn wir ganz von vorne beginnen, mit der Frage nach dem Sinn im (K\u00fcnstler_innen-)Leben, wenn wir uns fragen, was uns erf\u00fcllt und befriedigt, kommen wir vielfach zu anderen Zielen und einer anderen Lebensplanung als wenn wir \u201eden gro\u00dfen internationalen Durchbruch\u201c suchen.<\/p>\n<p>Wenn Erfolg bedeutet, Menschen mit unserer Kunst zu <i>erreichen<\/i>, wenn unser Tun dadurch Sinn bekommt, dass wir auf <i>Resonanz<\/i> sto\u00dfen, dann bedeuten Preise bei Wettbewerben oder internationale Engagements noch lange kein gl\u00fcckliches, <i>erfolg<\/i>-reiches Leben.<\/p>\n<p>Wenn wir uns aber realistischerweise eingestehen, dass wir mit leerem Magen auch nicht gl\u00fccklich sein k\u00f6nnen, also die soziale Frage stellen, m\u00fcssen wir umso mehr Reformbedarf feststellen. Derzeit sind diejenigen gut abgesichert, die eine Stelle bekommen. Aber wie viele K\u00fcnstler_innen haben kein Engagement? Wie viele Musiker_innen kommen nicht in einem Orchester unter (von einer internationalen solistischen Karriere ganz zu schweigen) oder m\u00fcssen mit wenigen Stunden an einer Musikschule auskommen? Wie viele Schauspieler_innen halten sich mit Grabreden, Gelegenheitsjobs und Sozialhilfe \u00fcber Wasser? Das derzeitige System belohnt einige wenige, w\u00e4hrend viele unter prek\u00e4ren Bedingungen arbeiten.<\/p>\n<p>Die mdw wird nicht darauf verzichten k\u00f6nnen und wollen, \u201edabei\u201c zu sein: Unter denjenigen, die \u201ees schaffen\u201c, die engagiert werden, die sich international etablieren, sollen viele unserer Absolvent_innen sein. Aber im elit\u00e4ren, stark internationalisierten Sektor des Kulturbetriebs haben nur wenige von uns Platz. Hier spielen nur die k\u00fcnstlerischen \u201eEliten\u201c f\u00fcr die \u201eEliten\u201c der Gesellschaft. Und es ist damit zu rechnen, dass es dort oben noch enger wird, die Luft d\u00fcnner, wenn die \u00f6kologischen Folgekosten eingepreist werden und immer weniger Menschen daran teilhaben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Hoffentlich wird weiterhin ein repr\u00e4sentativer Anteil dieser k\u00fcnstlerischen Eliten von der mdw kommen. Daneben aber m\u00fcssen wir uns genauso um die vielen k\u00fcmmern, die die vielzitierte \u201ePatchwork-Karriere\u201c vor sich haben. Dieses Berufsbild gilt es positiv zu definieren. Es gilt die vielen Herausforderungen zu identifizieren, die unsere Absolvent_innen bei ihren unterschiedlichen T\u00e4tigkeiten erwarten und ihnen in der Ausbildung Rechnung zu tragen. Es gilt die Trennung zwischen Konzerte spielen und unterrichten, zwischen K\u00fcnstler_in und Publikum in unseren K\u00f6pfen aufzubrechen. Letztlich sind wir alle \u201eKulturvermittler_innen\u201c im weitesten Sinne, ob wir nun in einem Konzertsaal spielen oder in einem Pensionistenheim singen, mit Fl\u00fcchtlingskindern ein Theaterprojekt durchf\u00fchren, eine Veranstaltungsserie programmieren oder zu Kulturthemen forschen und publizieren. Es gilt die Kultur in den Regionen zu verankern, unter aktiver Einbindung der dort lebenden Menschen. Es gilt unsere Rolle in der Gesellschaft <i>wahrzunehmen<\/i>: Jede Kulturveranstaltung bedeutet soziale Interaktion, <i>jedes Kulturprojekt ist ein Sozialprojekt.<\/i><\/p>\n<p>Es gilt die Kulturlandschaft so mitzugestalten und mitzupflegen, dass m\u00f6glichst breite Schichten m\u00f6glichst aktiv daran partizipieren k\u00f6nnen \u2013 dann haben wir auch darin eine <i>Zukunft<\/i>!<\/p>\n<p>Die vom Senat ins Leben gerufene Arbeitsgruppe Klimaschutz steht allen mdw-Mitarbeiter_innen und Studierenden offen, die sich in diesem Bereich engagieren wollen. Bis jetzt widmen sich ca. 25 Personen aus allen Bereichen der mdw in einzelnen Teams u.\u2009a. den Themen Mobilit\u00e4t, Geb\u00e4ude-Energie-Heizung, Lehre und Forschung, Beschaffung.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich der Pr\u00e4sentation der Treibhausgasbilanz der mdw findet im Sommersemester 2020 eine Podiumsdiskussion statt. Geladen werden Vertreter_innen aus der Film-, Theater-, Musikbranche um gemeinsam \u00fcber Zukunftsperspektiven nachzudenken:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/zukunftsmusik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><b>\u201eZukunftsmusik\u201c \u2013 Internationale k\u00fcnstlerische Karrieren trotz Klimakrise!?<br \/>\n<\/b><\/a>Mittwoch, 1. Juli 2020, 17.00 Uhr<br \/>\n<a href=\"https:\/\/live.mdw.ac.at\/zukunftsmusik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Livestream \u00fcber die mdwMediathek<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Ausgabe 9\/2019 der  nmz (Neue Musikzeitung)  hat der deutsche Komponist und Musikvermittler Bernhard K\u00f6nig einen Text mit dem Titel  Monteverdi und der Klimawandel  ver\u00f6ffentlicht. F\u00fcr viele war dieser Artikel ein wichtiger Denkansto\u00df. Schon der Titel symbolisiert die Frage, die sich uns im Kulturbereich beziehungsweise an einer Universit\u00e4t t\u00e4tigen Menschen stellt: Was kann ich in meinem T\u00e4tigkeitsbereich f\u00fcr den Klimaschutz tun?<\/p>\n","protected":false},"author":193,"featured_media":4755,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[966,974,968,972,918,52],"class_list":["post-4594","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2020-2","tag-future","tag-gruenemdw","tag-mdwsustainable","tag-senat","tag-wissenschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4594","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/193"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4594"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4594\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4871,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4594\/revisions\/4871"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4755"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4594"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4594"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4594"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}