{"id":4528,"date":"2020-05-28T13:02:34","date_gmt":"2020-05-28T11:02:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=4528"},"modified":"2020-12-07T17:06:45","modified_gmt":"2020-12-07T16:06:45","slug":"heroes-canons-cults-critical-inquiries-isascience-konferenz-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/05\/28\/heroes-canons-cults-critical-inquiries-isascience-konferenz-2020\/","title":{"rendered":"Heroes, Canons, Cults. Critical Inquiries: isaScience-Konferenz 2020"},"content":{"rendered":"Im Vorfeld der 30. Internationalen Sommerakademie der mdw sollte die <i>isaScience<\/i> 2020 bereits zum achten Mal in der Semmering-Region stattfinden. Sie l\u00e4dt Forschende, Kunstschaffende und Aktivist_innen aller akademischen Levels und aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen mit Bezug auf Musik und darstellende Kunst ein, am Diskurs zum diesj\u00e4hrigen thematischen <i>isa<\/i>-Schwerpunkt \u201eHeroes?!\u201c teilzunehmen. Angesichts der weltweiten Covid-19-Krise stand zu Redaktionsschluss allerdings noch nicht fest, ob und in welcher alternativen Form die Konferenz im August 2020 stattfinden wird. <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/forschungsf%c3%b6rderung\/isascience\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Informationen dazu finden Sie auf der Konferenz-Website.<\/a><\/p>\n<p>Die \u00fcber einen internationalen Call for Papers organisierte interdisziplin\u00e4re Konferenz <i>isaScience<\/i> befasst sich mit kritischen Perspektiven auf \u201eHeroes, Canons, Cults\u201c. Durch alle Musikstile hindurch und in unterschiedlichen kulturellen Kontexten tragen Held_innen, Kulte und Kanons zur Schaffung normativer, ausgrenzender und sogar gewaltt\u00e4tiger Rahmenbedingungen bei und diktieren, was f\u00fcr Ohren und Augen angemessen und wertvoll zu sein hat. Ebenso bestimmen Heroisierung, Kultifizierung und Kanonisierung, was ungeh\u00f6rt und ungesehen bleibt bzw. als unw\u00fcrdig oder minderwertig herabgesetzt wird.<\/p>\n<p>Solche Prozesse reichen zeitlich weit zur\u00fcck und sind eng mit der Entwicklung der westlichen Kunstmusik und der Verehrung bestimmter Komponisten als \u201egro\u00dfe K\u00fcnstler\u201c sowie der W\u00fcrdigung ihrer Werke als \u201eMeisterwerke\u201c verbunden. Diese Praktiken, die f\u00fcr die Produktion k\u00fcnstlerischer Werte eingesetzt werden, sind von der Ideologie des autonomen K\u00fcnstlers und einer seit dem 19.\u00a0Jahrhundert zunehmenden Musealisierung des Konzertrepertoires gepr\u00e4gt. Dar\u00fcber hinaus unterst\u00fctzten diese Praktiken die Herausbildung einer harten Grenze zwischen \u201eHochkultur\u201c und \u201eniederen\u201c kulturellen Formen. Die \u201eHochkultur\u201c wurde zum Standard f\u00fcr die Bewertung popul\u00e4rer und traditioneller Musikformen. Diese Entwicklungen sind eng mit eurozentrischen, imperialistischen und elit\u00e4ren Institutionen wie Opernh\u00e4usern, Konzerth\u00e4usern und Musikkonservatorien verbunden, die klassen- und geschlechtsspezifische sowie rassifizierende Formen der Produktion, der Auff\u00fchrung, des Konsums und der Aneignung von Musik bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Mittlerweile spielen das Internet und die sozialen Medien eine bedeutende Rolle bei der Definition von Ruhm, der Erschaffung von Held_innen und bei Kanonisierungsprozessen in verschiedenen Genres, unter anderem in den Bereichen Popularmusik, klassische Musik und traditionelle Musik. Die Entwicklung elektronischer Aufnahmetechniken erm\u00f6glichte beispielsweise die Verf\u00fcgbarkeit von traditionellen Musikst\u00fccken in lokalen Sprachen und Dialekten und damit koloniale Ethnografien indigener Musiken. Umgekehrt bot diese technologische Innovation der kolonialisierten Bev\u00f6lkerung die M\u00f6glichkeit, eigene Musikkanons zu definieren und ein Identit\u00e4tsgef\u00fchl zu st\u00e4rken, das f\u00fcr den antikolonialen Aktionismus notwendig war. In j\u00fcngerer Zeit werden Internettechnologien zunehmend dazu genutzt, alternative Musikgeschichten zu dokumentieren und zu verbreiten sowie um den Mainstream-Musikkanon herauszufordern, der traditionell People of Color, nicht-westliche Interpret_innen, Musikerinnen und queere Menschen an den Rand gedr\u00e4ngt hat.<\/p>\n<p>Der Mainstream-Musikkanon liefert zugleich das Rohmaterial f\u00fcr die kommerzielle, profitorientierte Musikindustrie, w\u00e4hrend die Tourismusindustrie auf Nostalgie und der Erinnerung an musikalische Helden, Traditionen und Kanons aufbaut, um St\u00e4dte oder auch Nationalstaaten wie \u00d6sterreich zu <i>branden<\/i> und zu vermarkten. Diese nostalgische Erinnerungspolitik f\u00fchrt h\u00e4ufig auch zu einem <i>Fandom<\/i>, das in religi\u00f6sen und spirituellen Zuschreibungen und Kulten rund um Musik und musikalische Helden gipfeln kann, wobei sich einige Fans stark in Brand-Communities engagieren. Dar\u00fcber hinaus manifestiert sich diese Erinnerungspolitik in Form von Denkm\u00e4lern, Archiven und Festivals, die den Kanon auf Kosten von Innovation und Vielfalt aufrechterh\u00e4lt und f\u00f6rdert. In dieser Hinsicht verdecken die kanonischen Verwendungen traditioneller Musik als normative und normierende Repr\u00e4sentationen regionaler und nationaler Kultur \u2013 wie zum Beispiel in den Listen des immateriellen Kulturerbes der UNESCO deutlich wird \u2013 die Pr\u00e4senz anderer kultureller Ausdrucksformen, insbesondere jene marginalisierter Gruppen.<\/p>\n<p>Die wissenschaftliche und k\u00fcnstlerische Forschung \u00fcber Musikheld_innen und -kanons hat dominante Strukturen und Wahrnehmungen von Musik vielfach verst\u00e4rkt, das Bild des wei\u00dfen m\u00e4nnlichen Komponisten beispielsweise, oder auch die Darstellung bestimmter Musiken als Teile des weltweiten Kulturkanons, die oft tief in kolonialen Vorstellungen und entsprechenden Ethnografien verwurzelt sind. Feministische Kritiken an \u201eGr\u00fcnderv\u00e4tern\u201c, ihren Anh\u00e4nger_innen und Nachfolger_innen sowie Untersuchungen, wie und warum Frauen in Kanonisierungsprozessen \u201everloren gehen\u201c, sind wichtige Diskurse in der aktuellen wissenschaftlichen Debatte geworden. Die Heroisierung von \u00fcberwiegend wei\u00dfen, cisgegenderten, m\u00e4nnlichen Akademikern korrespondiert mit den von ihnen initiierten Kanonisierungsprozessen. In den ethnografischen Disziplinen hat die Mystifizierung der Feldforschung als heroisches Streben, als mutige Beharrlichkeit, die h\u00f6chste Ehrungen verspricht, zur Heroisierung des Ethnografen als Retter der jeweiligen Kultur beigetragen.<\/p>\n<p>Bei der diesj\u00e4hrigen <i>isaScience<\/i> sollen alle diese Themen mit einem besonderen Schwerpunkt auf postkolonialen, feministischen, queeren und klassenbezogenen Analysen kritisch behandelt und diskutiert werden. Wir freuen uns auf Vortr\u00e4ge und Diskussionsbeitr\u00e4ge aus jeder Disziplin, mit jeder Methodik und zu jeder Art von Musik und Tanz, einschlie\u00dflich der Sph\u00e4ren von Film und Theater.<\/p>\n<p><b>Heroes, Cults, Canons. Critical Inquiries<br \/>\n<\/b>Geplante Konferenzdaten: 12.\u201316. August 2020<br \/>\nKeynotes von Mina Yang (USA), Esteban Buch (Frankreich), Milena Dragi\u0107evi\u0107 \u0160e\u0161i\u0107 (Serbien; angefragt), Denise Gill (USA; angefragt)<br \/>\nLeitungsteam: Dagmar Abfalter, Marko K\u00f6lbl, Rosa Reitsamer, Fritz Tr\u00fcmpi<br \/>\nKoordination: Karoline Feyertag und Slavom\u00edra Marti\u0161kov\u00e1","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Vorfeld der 30. Internationalen Sommerakademie der mdw sollte die isaScience 2020 \ufeffbereits zum achten Mal in der Semmering-Region stattfinden. 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