{"id":4525,"date":"2020-05-28T16:03:19","date_gmt":"2020-05-28T14:03:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=4525"},"modified":"2020-06-03T10:53:43","modified_gmt":"2020-06-03T08:53:43","slug":"erfahrungsraeume-schaffen-verbindendes-wahrnehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/05\/28\/erfahrungsraeume-schaffen-verbindendes-wahrnehmen\/","title":{"rendered":"Erfahrungsr\u00e4ume schaffen \u2013 Verbindendes wahrnehmen"},"content":{"rendered":"<h1>Gedanken zur Diversit\u00e4t anl\u00e4sslich des Tags der Vielfalt an der mdw<\/h1>\n<p>\u201eDiversit\u00e4t als Chance\u201c ist mittlerweile in aller Munde. Sie wird als gesellschafts- und institutionengestaltendes beziehungsweise antidiskriminierungssensibles Instrument verstanden, um mit den Herausforderungen umzugehen, denen sich die westliche Welt im 21. Jahrhundert zu stellen hat: Neue geopolitische Realit\u00e4ten, eine neue multipolare (Un)Ordnung, globale Konflikte, demokratische Bem\u00fchungen, nicht-demokratische Herrschaftsanspr\u00fcche, neue Kommunikationstechnologien sowie die Klimakrise, das Aufbrechen der Eindeutigkeiten, um nur einige Aspekte zu nennen, dies alles fordert ein neues Denken heraus. Diversit\u00e4t situiert sich als Dauerthema unserer Zeit. Dabei ist das Thema der Praktiken der gesellschaftlichen Differenzierung kein neues. Fragen gesellschaftlicher Vielfalt wie (Un)Gleichheiten wurden durch die Geschichte hinweg immer wieder verhandelt.<\/p>\n<p>Ja, das ist alles ganz einleuchtend. Aber was hat das mit mir zu tun? Da geht es doch um die anderen. Welche anderen, woran erkenne ich sie? Nun ja, sie sehen anders aus, benehmen sich anders, essen etwas anderes als wir, sie lieben anders, haben andere Lieder, stammen vielleicht aus einer Zeit, in der ich noch gar nicht geboren war usw. Mich tr\u00fcgen doch meine Augen und Ohren nicht. Die anderen sind anders!<\/p>\n<p>Gegen das Anderssein an sich ist nicht zu argumentieren. Welche Effekte damit einhergehen und was es mit jeder und jedem zu tun hat, steht auf einem anderen Blatt. Das Konzept des <i>Othering<\/i> beschreibt die Diskurse des Fremdmachens als hegemoniale, gewaltvolle, kulturell verankerte Praxis. Menschen als anders beziehungsweise fremd zu klassifizieren, funktioniert entlang einer Reihe bekannter Differenzkategorien \u2013 Geschlecht, Ethnie, sozialer Hintergrund, sexuelle Orientierung, Generation, BeHindernisse u.\u2009v.\u2009a.\u2009m. Doch geht die Unterscheidung hier mit einer Distanzierung sowie der Bildung von Gruppen Hand in Hand \u2013 wir und die anderen. Dies bereitet den Boden f\u00fcr D\u00e4monisierungen und Feindbilder. Es erlaubt Abgrenzung und Ausgrenzung, die ihrerseits gesellschaftliche Machtverh\u00e4ltnisse herstellen und perpetuieren. Das Eigene wird dabei als selbstverst\u00e4ndlich, als positiv und wertvoll angesehen, das Fremde hingegen abgewertet.<\/p>\n<p>Allerdings ist <i>Othering<\/i> nicht nur als individuelles Versagen zu verstehen. Gesellschaftliche bzw. institutionelle Strukturen beg\u00fcnstigen das Ein- und Ausschlie\u00dfen, reproduzieren es im Agieren innerhalb dieser Strukturen. Letztlich jedoch liegt die Verantwortung immer in der Macht der Akteur_innen. Sie halten Dominanzordnungen aufrecht oder brechen bzw. modifizieren sie, auch wenn ein Konsens dar\u00fcber besteht, wie schwierig es aufgrund der kulturellen Involviertheit selbst f\u00fcr diskriminierungskritisch eingestellte Menschen ist, nicht-diskriminierend zu handeln. Wir kennen das alle. Mit dem ersten Blick erfolgt die Bestandsaufnahme, mit wem wir es zu tun haben: Frau\/Mann\/Dazwischen, wei\u00df\/nicht-wei\u00df, jung\/alt, (dis-)abled und welches Register dementsprechend zu bedienen ist. Zudem gibt es in einer Welt wie der des 21. Jahrhunderts ja auch kaum Zeit, einen Menschen, aber auch ein Musikst\u00fcck, eine Handlung, ein Gem\u00e4lde, eine Situation, einen Text \u00fcber diese Kategorien hinweg wahrzunehmen. Es geht vielleicht beim Thema Diversit\u00e4t nicht nur um Management, sondern darum, R\u00e4ume und Zeit daf\u00fcr zu schaffen, zu sehen, zu h\u00f6ren, zu f\u00fchlen, zu erfahren: Das, was um uns herum ist, aber auch um mit uns selbst in Kontakt zu treten. Und bei allem, was uns als anders, als fremd erscheint, uns zu erlauben, das Verbindende wahrzunehmen.<\/p>\n<p><i>diversity unplugged. ein tag zum erfahren und querdenken<\/i> findet aufgrund der aktuellen Situation im digitalen Raum statt und m\u00f6chte eine Reflexion \u00fcber das Jetzt und die Zukunft erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/ggd\/diversity-unplugged\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><b>diversity unplugged. <\/b><i>digital edition<br \/>\n<\/i><\/a>Mittwoch, 10. Juni 2020<br \/>\n<a href=\"mailto:ggd@mdw.ac.at\">Anmeldung erforderlich<\/a><\/p>\n<p><b><blockquote class=\"bdaia-blockquotes\">Literatur<\/b><\/p>\n<p>Andr\u00e9 Blum, Nina Zschocke, Hans-J\u00f6rg Rheinberger und Vincent Barras (Hg.), Diversit\u00e4t. Geschichte und Aktualit\u00e4t eines Konzepts, W\u00fcrzburg 2016<\/p>\n<p>Edward Said, Orientalismus, Frankfurt a. M. 2009 (orig. 1978)<\/p>\n<p>Gayatri C. Spivak (1985): The Rani of Sirmur. An Essay in Reading the Archives, in: Francis Barker u.\u2009a. (Hg.), Europe and its Others, Vol. 1., Colchester 1985<\/p><\/blockquote>\n<h1><\/h1>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDiversit\u00e4t als Chance\u201c ist mittlerweile in aller Munde. Sie wird als gesellschafts- und institutionengestaltendes beziehungsweise antidiskriminierungssensibles Instrument verstanden, um mit den Herausforderungen umzugehen, denen sich die westliche Welt im 21. 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