{"id":4065,"date":"2020-02-24T07:44:18","date_gmt":"2020-02-24T06:44:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=4065"},"modified":"2020-03-09T16:12:30","modified_gmt":"2020-03-09T15:12:30","slug":"mulier-fortis-neuinterpretation-eines-barocken-jesuitenspiels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/02\/24\/mulier-fortis-neuinterpretation-eines-barocken-jesuitenspiels\/","title":{"rendered":"Mulier fortis: Neuinterpretation eines barocken Jesuitenspiels"},"content":{"rendered":"<h5>Japan und \u00d6sterreich<\/h5>\n<figure id=\"attachment_4067\" aria-describedby=\"caption-attachment-4067\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4067 size-medium\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-27-300x213.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-27-300x213.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-27-1024x725.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-27-768x544.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-27-1536x1088.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-27-2048x1451.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-27-104x74.jpg 104w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-27-850x602.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4067\" class=\"wp-caption-text\">Constantia et Fortitudine (Melk) \u00a9 Karlheinz Essl<\/figcaption><\/figure>\n<p>2019 feierten wir 150 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Japan und \u00d6sterreich. Eineinhalb Jahrhunderte einer wechselvollen Geschichte, die eine v\u00f6llige Ver\u00e4nderung des Begriffs eines \u00f6sterreichischen Staates ebenso wie einen Wandel vom \u201eEntwicklungsland\u201c Japan zu einer f\u00fchrenden Industrienation gebracht haben. Eines ist durch den stetigen Wandel hindurch konstant geblieben: Die gegenseitige Achtung und Bewunderung der Kulturen und Traditionen, ganz besonders im Bereich der Musik. Japan hat sofort nach der \u00d6ffnung des Landes Kontakte zu \u00d6sterreich aufgenommen, um die westliche Musik kennenzulernen. Umgekehrt haben sich Gr\u00f6\u00dfen wie Johannes Brahms und sp\u00e4ter Eta Harich-Schneider au\u00dferordentlich f\u00fcr die traditionelle japanische Musik interessiert. Was ist also naheliegender, als dieses gro\u00dfe freundschaftliche Jubil\u00e4um mit einer Musik zu begehen, die sowohl einen Bezug zu Japan als auch zu \u00d6sterreich hat?<\/p>\n<p>Im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts war Japan zwar ein exotisch-fremdes, aber keineswegs g\u00e4nzlich unbekanntes Land. Es wurde von portugiesischen und spanischen Seefahrern erkundet und bald von jesuitischen M\u00f6nchen missioniert. Die innenpolitischen Probleme des japanischen Reiches um 1600 f\u00fchrten zu einer Verdr\u00e4ngung \u00e4u\u00dferer Einfl\u00fcsse, Vertreibung von Fremden und der Unterdr\u00fcckung ausl\u00e4ndischer Ideen, und schlie\u00dflich zur v\u00f6lligen Isolation. Eine Geschichte aus diesen Zeiten des Umbruchs und der konfessionellen Spannungen soll mit dieser Neuinszenierung wieder in Erinnerung gerufen werden: eine Geschichte, die im Kyoto des 16. Jahrhunderts spielt und 1698 in Wien geschrieben und uraufgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4070\" aria-describedby=\"caption-attachment-4070\" style=\"width: 229px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4070\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image3-6-229x300.jpg\" alt=\"\" width=\"229\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image3-6-229x300.jpg 229w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image3-6.jpg 677w\" sizes=\"auto, (max-width: 229px) 100vw, 229px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4070\" class=\"wp-caption-text\">Titelblatt Mulier fortis \u00a9 DT\u00d6 152<\/figcaption><\/figure>\n<h5>Mulier fortis<\/h5>\n<p><i>Mulier fortis<\/i> (Eine starke Frau) erinnert an die Leidensgeschichte der Hosokawa Tamako (1563\u20131600), einer adeligen, mit einem Feudalherrn verehelichten, historischen Pers\u00f6nlichkeit. Unter dem Taufnamen Gracia (japanisch: Garasha) konvertierte sie zum Christentum, wurde aus politischen Motiven verfolgt und zur Selbstt\u00f6tung durch Harakiri gezwungen. In dem vorliegenden Jesuitendrama wurde der Stoff aber ver\u00e4ndert: Gracia stirbt durch die Hand ihres gewaltt\u00e4tigen Ehemanns, weil sie die Verleugnung des neuen Glaubens standhaft verweigerte. Die so zur M\u00e4rtyrerin gemachte Frau wird als Vorbild der Best\u00e4ndigkeit und St\u00e4rke gefeiert.<\/p>\n<p>In vier oratorienhaften Zwischenspielen mit der Musik des Wiener Hofkomponisten Johann Bernhard Staudt (1654\u20131712) wird der Streit der Tugenden und Affekte (dargestellt als allegorische Figuren) in den schwierigen Situationen des Lebens dargestellt.<\/p>\n<p>Die Premiere am Wiener Jesuitenkolleg fand 1698 im Beisein der kaiserlichen Familie statt. Die Begriffe der Tugenden und moralischen Werte versucht man in barocke Bilder und Personen zu \u00fcbersetzen. \u201eConstantia et Fortitudine\u201c, Best\u00e4ndigkeit und St\u00e4rke, sollten zum Wahlspruch des sp\u00e4teren Kaisers Karl VI. werden, der als Prinz die Urauff\u00fchrung von <i>Mulier fortis<\/i> erlebte.<\/p>\n<h5>Neuinszenierung<\/h5>\n<figure id=\"attachment_4068\" aria-describedby=\"caption-attachment-4068\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-4068\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-19-1024x617.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-19-1024x617.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-19-300x181.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-19-768x463.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-19-1536x926.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-19-850x513.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-19.jpg 1904w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4068\" class=\"wp-caption-text\">mdw-Studierende Patricia Nolz, Alexander Simon Aigner und Ricardo Bojorquez mit Studierenden der Kyoto City University of Arts \u00a9 Karlheinz Essl<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die erste Wiederauff\u00fchrung fand nach mehr als 300 Jahren am 21. November 2019 mit Studierenden der Kyoto City University of the Arts und S\u00e4nger_innen der mdw unter der Leitung von Ingomar Rainer in Kyoto statt. Dabei handelt es sich nicht um historisches Reenactment, denn wir m\u00f6chten Ideen und Assoziationen weiterspinnen, \u00fcber die Zeiten und Kulturen hinweg. So wird die Performance mit einem St\u00fcck f\u00fcr das traditionelle Gagaku-Instrument Sh\u00f4 er\u00f6ffnet, einer Musik, wie sie Gracia Hosokawa zu ihren Lebzeiten geh\u00f6rt haben mag.<\/p>\n<p>Die Allegorie der Best\u00e4ndigkeit hat Karlheinz Essl zu dem instrumentalen Ensemblest\u00fcck <i>Constantia<\/i> inspiriert. Der Ton G \u2013 eine Anspielung auf den Vornamen der Garasha Hosokawa \u2013 durchzieht seine Komposition wie ein roter Faden, der allen Schwankungen und F\u00e4hrnissen widersteht.<\/p>\n<p>Georg Muffats Concerto grosso <i>Cor vigilans <\/i>(das wachsame Herz) f\u00fchrt uns weiter durch die Welt barocker Bilder, Anspielungen und Allegorien.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4071\" aria-describedby=\"caption-attachment-4071\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-4071\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image4-4-1024x472.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image4-4-1024x472.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image4-4-300x138.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image4-4-768x354.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image4-4-1536x707.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image4-4-2048x943.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image4-4-850x391.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4071\" class=\"wp-caption-text\">Bei der Premiere am 21. November 2019 an der Kyoto City University of Arts \u00a9 privat<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/veranstaltung\/?v=2520632\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wiener Auff\u00fchrung am 26. M\u00e4rz 2020<\/a> in der Wiener Hofmusikkapelle (Hofburg) komponieren Studierende von Karlheinz Essl elektroakustische Miniaturen, die in den dramaturgischen Ablauf eingeflochten werden. Dabei spielt neben Soundscapes, Computerkl\u00e4ngen und einer durchkomponierten Schlussperformance auch das japanische Gagaku-Instrument Sh\u00f4 eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>So hoffen wir, damit ein wenig mehr zu bieten als ein typisches Konzert \u201ealter Musik\u201c: zumindest den Versuch einer wirklichen Aneignung unserer gemeinsamen Vergangenheiten und eine lebendige Auseinandersetzung mit der heutigen Zeit.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2019 feierten wir 150 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Japan und \u00d6sterreich. 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