{"id":3918,"date":"2020-02-27T13:00:57","date_gmt":"2020-02-27T12:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3918"},"modified":"2020-03-10T10:44:28","modified_gmt":"2020-03-10T09:44:28","slug":"die-lange-nacht-der-forschung-2020-im-exil-arte-zentrum-der-mdw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/02\/27\/die-lange-nacht-der-forschung-2020-im-exil-arte-zentrum-der-mdw\/","title":{"rendered":"Die Lange Nacht der Forschung 2020 im exil.arte\ufeff-Zentrum der mdw"},"content":{"rendered":"Der \u00f6sterreichische Musikwissenschaftler Gerold W. Gruber ist Gr\u00fcnder und Leiter des exil.arte-Zentrums der mdw. exil.arte fungiert als Anlauf- bzw. Schnittstelle f\u00fcr die Rezeption, Erforschung, Bewahrung und Pr\u00e4sentation der Werke \u00f6sterreichischer Komponist_innen, Musiker_innen und Musikforscher_innen, die im sogenannten Dritten Reich als \u201eentartet\u201c galten.<\/p>\n<p>Seit 2016 ist das Zentrum nun Teil der mdw und hat bereits ein umfangsreiches Archiv mit Exilmusik aufgebaut, das nicht nur Wissenschaftler_innen und K\u00fcnstler_innen offensteht, sondern auch Musikliebhaber_innen mittels Ausstellungen, Konzerten, Workshops, Seminaren, Publikationen und Lehrveranstaltungen etc. vorgestellt wird. Im Rahmen der <a href=\"https:\/\/exilarte.org\/orf-lange-nacht-der-museen-05-oktober-2019\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Langen Nacht der Forschung am 8. Mai 2020<\/a> erfahren Interessierte, was passiert, wenn ein Nachlass an das Zentrum kommt. Im <i>mdw-Magazin<\/i> erhalten Sie schon vorab einen kleinen Einblick in die Arbeit des exil.arte-Zentrums.<\/p>\n<p><b><\/b>Seit wann gibt es exil.arte und womit besch\u00e4ftigt es sich genau?<\/p>\n<figure id=\"attachment_3923\" aria-describedby=\"caption-attachment-3923\" style=\"width: 217px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3923\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image3-5-217x300.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image3-5-217x300.jpg 217w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image3-5.jpg 677w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3923\" class=\"wp-caption-text\">Gerold Gruber \u00a9 Florain Hammer<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Gerold Gruber (GG):<\/b> Der Verein exil.arte wurde 2006 mit dem Ziel gegr\u00fcndet, jene Musik wieder auf das Podium und die Opernb\u00fchne zu bringen, deren Sch\u00f6pfer vertrieben, verfemt oder ermordet wurden. Wir haben im J\u00fcdischen Museum Wien, im Haus der Musik und an anderen Orten im In- und Ausland Konzerte mit dieser Musik veranstaltet. Die Reaktionen waren so positiv, dass wir in den ersten zehn Jahren des Bestehens \u00fcber 100 Konzerte veranstalten sowie etliche CDs produzieren konnten.<\/p>\n<p><b><\/b>Wie kommt man auf so eine Idee?<\/p>\n<p><b>GG:<\/b> Ich habe mich als Sch\u00f6nbergforscher nat\u00fcrlich auch mit seinem Umfeld besch\u00e4ftigt und mir ist bald klar geworden, dass es hier ein gro\u00dfes Reservoir an interessanter Musik gibt, die bisher weder gespielt noch beforscht wurde. Ich sah es einerseits als Herausforderung, andererseits als Verpflichtung an, diese Musik aus der Vergessenheit zur\u00fcckzuholen.<\/p>\n<p><b><\/b>Wie kommen Sie an die Nachl\u00e4sse?<\/p>\n<p><b>GG:<\/b> \u00d6sterreich hat das Privileg, weltweit dutzende Kulturforen zu betreiben, deren Mitarbeiter_innen ein gro\u00dfes Wissen \u00fcber die dortigen Exilant_innen gesammelt haben. Diese Informationen kommen uns jetzt zugute. Wir bekommen laufend Informationen \u00fcber Personen, Kinder, Enkelkinder, die daran interessiert sind, dass das Werk ihrer Vorfahren sachgem\u00e4\u00df betreut und auch ver\u00f6ffentlicht wird.<\/p>\n<p><b><\/b>Was war Ihr erster Nachlass?<\/p>\n<p><b>GG:<\/b> Als Musikforscher hatte ich schon immer ein besonderes Faible f\u00fcr Nachl\u00e4sse und war seit dem Studium immer Gast in der Musiksammlung der Nationalbibliothek und der Wienbibliothek. Ich war fasziniert von der Ausstrahlung, die Originale auf mich hatten, egal ob es sich um Schubert-, Beethoven-, Mahler- oder Berg-Autografe handelte. Der erste Nachlass, den ich dann nach Wien holen konnte, war eigentlich ein Vorlass, n\u00e4mlich jener von Walter Arlen, der derzeit 99-j\u00e4hrig in Los Angeles lebt. Hier hatte ich auch das erste Mal die Gelegenheit, sowohl mit Autografen konfrontiert zu sein, als auch mit jenem, der mir aus erster Hand Informationen zu den Manuskripten geben konnte \u2013 eine ganz au\u00dferordentliche Erfahrung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3920\" aria-describedby=\"caption-attachment-3920\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3920\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-22-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-22-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-22-768x434.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-22-850x480.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-22.jpg 923w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3920\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p><b><\/b>Wie kommt man mit Besitzer_innen von Nachl\u00e4ssen in Kontakt und wie ist das weitere Prozedere?<\/p>\n<p><b>GG:<\/b> Sobald wir eine_n sogenannte_n Rechtnachfolger_in ausgeforscht haben, die oder der uns die Notenmaterialien wie auch Dokumente, Fotos, Kost\u00fcme und \u00c4hnliches \u00fcbergeben m\u00f6chte, m\u00fcssen nat\u00fcrlich die rechtlichen Rahmenbedingungen \u00fcberpr\u00fcft und gekl\u00e4rt werden, insbesondere die Frage der Eigentums- und Verwertungsrechte. Wir bieten an, dass die Materialien als Schenkung oder als Leihgabe an uns \u00fcbergeben werden k\u00f6nnen. Immer haben wir dabei im Auge, dass wir die Materialien nicht nur sichten und aufbewahren, sondern diese auch der \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung stellen wollen.<\/p>\n<p><b><\/b>Was passiert, nachdem ein Nachlass am exil.arte-Zentrum eingetroffen ist?<\/p>\n<p><b>GG:<\/b> Unsere Archivarin erstellt unmittelbar nach dem Eintreffen eine erste Bestandsliste, damit wir immer einen \u00dcberblick \u00fcber den Umfang haben. Als zweiter Schritt erfolgt die Erstellung eines Werkkatalogs jener Werke, die Teil dieses Nachlasses sind. Anschlie\u00dfend werden sie in unseren Archivr\u00e4umen gelagert, und zwar bei konstanten klimatischen Bedingungen von 20 Grad und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit.<\/p>\n<p><b><\/b>\u00dcber welchen Nachlass haben Sie sich am meisten gefreut?<\/p>\n<p>GG: Die meisten Nachl\u00e4sse kommen im Schnitt ca. ein bis zwei Jahre nach der ersten Kontaktaufnahme an unser Zentrum. Im Fall von Hans G\u00e1l habe ich zehn Jahre lang mit seiner Tochter Eva \u00fcber eine m\u00f6gliche \u00dcbersiedlung des Nachlasses nach Wien gesprochen. Inzwischen bin ich mit ihr befreundet und habe mich besonders dar\u00fcber gefreut, dass sie gleichsam die Gr\u00fcndung des Zentrums im Jahr 2016 \u201eabgewartet\u201c hat und uns dann schlie\u00dflich den Nachlass ihres Vaters \u00fcbergeben hat.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3921\" aria-describedby=\"caption-attachment-3921\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3921\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-18-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-18-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-18-768x434.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-18-850x480.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-18.jpg 923w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3921\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p><b><\/b>Was ist das Besondere am exil.arte-Zentrum im Vergleich zu anderen solchen Einrichtungen?<\/p>\n<p>GG: Wir sind ein aktives Zentrum und nicht nur ein Archiv. Dies bedeutet, dass wir zwar die Archivarbeit selbstverst\u00e4ndlich nicht geringsch\u00e4tzen, aber gro\u00dfes Augenmerk darauf legen, dass die Materialien in Form von Ausstellungen, Konzerten, Publikationen etc. wieder der \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung gestellt werden.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u00f6sterreichische Musikwissenschaftler Gerold W. Gruber ist Gr\u00fcnder und Leiter des exil.arte\ufeff-Zentrums der mdw. exil.arte fungiert als Anlauf- bzw. 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