{"id":3859,"date":"2020-02-24T18:10:49","date_gmt":"2020-02-24T17:10:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3859"},"modified":"2020-02-27T11:54:08","modified_gmt":"2020-02-27T10:54:08","slug":"erinnerungsort-beethoven-theater-an-der-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/02\/24\/erinnerungsort-beethoven-theater-an-der-wien\/","title":{"rendered":"Erinnerungsort Beethoven: Theater an der Wien"},"content":{"rendered":"<h1>Oder: Wie denken wir AN BEETHOVEN, wenn wir das BEETHOVEN-ANDENKEN im Jubil\u00e4umsjahr gestalten?<\/h1>\n<p>Dem Beethoven-Jubil\u00e4umsjahr kann man sich in Wien kaum entziehen. Von gro\u00dfen Plakatfl\u00e4chen blickt Beethoven in unz\u00e4hligen Varianten seines ber\u00fchmten Portr\u00e4ts gefertigt von Joseph Karl Stieler auf uns herab. Neben der mdw widmen auch viele andere Wiener Kulturinstitutionen \u2013 von den Konzert- und Opernh\u00e4usern \u00fcber weitere Universit\u00e4ten bis hin zu Basis.Kultur.Wien \u2013 dem Komponisten \u00fcber das ganze Jahr verteilt Programmschwerpunkte. Dabei werden Beethoven-Bilder und -Klischees wie das vom herausragenden Genie oder vom m\u00fcrrischen Eigenbr\u00f6tler und Sonderling immer wieder bedient und \u2013 oft unhinterfragt \u2013 reproduziert. Diese Inszenierungen waren im Vorfeld des Jubil\u00e4umsjahrs absehbar und Grund genug, forschend dar\u00fcber nachzudenken, wie solche Narrative \u00fcberhaupt entstehen, was sie uns \u00fcber uns und unser Gedenken sagen und mit welchen Erinnerungsbildern wir das Gedenken in diesem Jahr gestalten (wollen).<\/p>\n<h5>Reflexion \u00fcber das Erinnern<\/h5>\n<figure id=\"attachment_3861\" aria-describedby=\"caption-attachment-3861\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3861 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-17-1024x514.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-17-1024x514.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-17-300x151.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-17-768x386.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-17-1536x771.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-17-2048x1028.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-17-850x427.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3861\" class=\"wp-caption-text\">Das Theater an der Wien um 1805. Ansicht des Papageno-Tors und der Fassade von der J\u00e4gergasse (heute: Mill\u00f6ckergasse) \u00a9 \u00d6NB\/Bildarchiv<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dies hat sich das Forschungsprojekt <i>Erinnerungsort Beethoven: Theater an der Wien<\/i>, das seit 2018 am Institut f\u00fcr Musikwissenschaft und Interpretationsforschung der mdw angesiedelt ist, zur Aufgabe gemacht. Mit einem Fokus auf der Phase, in der Beethoven am Theater an der Wien lebte und arbeitete, dort mehrere Akademien auff\u00fchrte und den <i>Fidelio <\/i>komponierte, untersuchen wir, wie und wodurch die davon ausgehende Erinnerungskultur gepr\u00e4gt wurde.<\/p>\n<p>Sehr konkret ging es zun\u00e4chst um das unmittelbare Umfeld Beethovens w\u00e4hrend seines Wirkens am Theater an der Wien. Hier wurde ein Komponist erkennbar, der als einer von vielen Akteurinnen und Akteuren in einem lebendigen Theaternetzwerk lebte und arbeitete. Zeitgenoss_innen beschrieben ihn als geselligen Kollegen, der als Bewohner des Hauses in die Arbeitsprozesse am Theater eingebunden war. Seine Oper <i>Fidelio<\/i> wurde im Rahmen der allt\u00e4glichen Produktionsprozesse \u00fcberarbeitet und umbesetzt, neu geprobt und wiederaufgef\u00fchrt \u2013 und stach keineswegs als au\u00dfergew\u00f6hnliches Werk eines Ausnahme-Genies aus dem Spielplan heraus. Warum aber gingen diese Erinnerungen an den geselligen Komponisten nicht in das Beethoven-Ged\u00e4chtnis ein? Warum ist das Theater an der Wien in der st\u00e4dtischen Erinnerungskultur st\u00e4rker an Mozart, <i>Die<\/i> <i>Zauberfl\u00f6te<\/i> und Schikaneder gekn\u00fcpft als an Beethoven und dessen <i>Fidelio<\/i>?<\/p>\n<p>Diese \u00dcberlegungen f\u00fchrten uns zu der Frage, wie im Laufe der \u00fcber 200-j\u00e4hrigen Erinnerungsgeschichte an Beethovens Zeit am Theater an der Wien erinnert wurde. Denn lange Zeit passte das Theater an der Wien nicht ins Bild der Wiener Beethoven-Erinnerungsorte: Offenbar stellte man sich Beethoven lieber als einsam durch die gr\u00fcnen H\u00fcgel der Vorst\u00e4dte wandernden und von der Natur inspirierten Einzelg\u00e4nger vor, und nicht als einen von vielen am schnelllebigen Theateralltag beteiligten Akteuren. Warum galt die Urauff\u00fchrung des <i>Fidelio <\/i>1805 lange als Misserfolg im Gegensatz zur Auff\u00fchrung der dritten Fassung am K\u00e4rntnertortheater 1814? Welche Rolle spielt dabei die franz\u00f6sische Besatzung Wiens zur Zeit der Urauff\u00fchrung? Und wie \u00e4ndert sich das Bild, wenn man den <i>Fidelio <\/i>nicht isoliert als einzige Oper Beethovens, sondern im Kontext des zeitgleich gespielten B\u00fchnenrepertoires am Theater an der Wien betrachtet?<\/p>\n<h5>Ausstellung, Buchpublikation, Wandelkonzerte<\/h5>\n<p>Mit diesen Themen und Fragestellungen besch\u00e4ftigte sich eine Gruppe von PhD-Studierenden der mdw in einem Forschungsseminar am Institut f\u00fcr Musikwissenschaft und Interpretationsforschung im Sommersemester 2019. Gemeinsam wurde hier das Konzept f\u00fcr eine Ausstellung unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.theater-wien.at\/de\/programm\/production\/927\/Beethoven-an-der-Wien-denken\">BEETHOVEN|AN der Wien|DENKEN<\/a> erarbeitet, die im Fr\u00fchjahr 2020 gezeigt wird (Ausstellungser\u00f6ffnung war am 15.2.2020 im Theater an der Wien). Ein Schwerpunkt der Ausstellung ist beispielsweise das Thema Wohnen im Theater: Beethoven hatte im Theater an der Wien eine Dienstwohnung, um die sich zahlreiche Geschichten und Imaginationen ranken. Wie die Wohnung jedoch konkret aussah, wie gro\u00df sie war, was er darin tat \u2013 komponieren, Klavier spielen, Korrespondenz f\u00fchren, Besuch empfangen \u2026 \u2013 l\u00e4sst sich nicht abschlie\u00dfend beantworten. Wie sich aber im Laufe der Zeit verschiedene Personen diese Wohnung vorstellten, welche \u00dcberlegungen oder Behauptungen sie damit verkn\u00fcpften, spiegelt in besonderem Ma\u00dfe die Erinnerung ihrer jeweiligen Zeit, die Themen und Fragen, die auf Beethoven projiziert wurden, wider. So pr\u00e4sentiert die Ausstellung verschiedene Inszenierungen der Beethoven-Wohnung, wie auch ein von den Besucher_innen selbst bespielbares \u201ePuppenhaus\u201c, in dem dar\u00fcber reflektiert werden kann, welche Beethoven-Bilder mit verschiedenen Vorstellungen von Beethovens Wohnraum verkn\u00fcpft sind: Wohnte das \u00fcber den weltlichen Dingen stehende Genie in einem \u201ekreativen Chaos\u201c? Wie sieht die Wohnung eines Heroen aus, dessen Denkm\u00e4ler wie Pokale die Regalreihen f\u00fcllen? Und wie die eines rebellischen \u201ePopstars\u201c?<\/p>\n<figure id=\"attachment_3862\" aria-describedby=\"caption-attachment-3862\" style=\"width: 176px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3862\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-13-176x300.jpg\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-13-176x300.jpg 176w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-13-599x1024.jpg 599w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-13.jpg 677w\" sizes=\"auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3862\" class=\"wp-caption-text\">Theaterzettel vom Theater an der Wien zur Urauff\u00fchrung von Beethovens Oper Fidelio am 20. November 1805 \u00a9 \u00d6NB\/Theatermuseum<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Begleitbuch zur Ausstellung mit dem daran angelehnten Titel <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/literatur-sprach-und-kulturwissenschaften\/musikwissenschaft\/55050\/beethoven-an-denken\"><i>BEETHOVEN.AN.DENKEN<\/i><\/a>, in dem die Themen der Ausstellung in einzelnen Beitr\u00e4gen u. a. der Studierenden kommentiert und vertieft werden, erschien im Februar 2020 im B\u00f6hlau-Verlag. Daneben entstand in Zusammenarbeit mit dem Theater an der Wien ein Konzept f\u00fcr Wandelkonzerte im Theatergeb\u00e4ude: <i>Looking 4 Ludwig<\/i> thematisiert Beethovens dortiges Wirken und l\u00e4sst seine Musik an verschiedenen, dem Publikum sonst unzug\u00e4nglichen Orten, durch Studierende der mdw erklingen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/imi\/erinnerungsort-beethoven\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mdw.ac.at\/imi\/erinnerungsort-beethoven<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/Beethoven2020\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mdw.ac.at\/Beethoven2020<\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder: Wie denken wir AN BEETHOVEN, wenn wir das BEETHOVEN-ANDENKEN im Jubil\u00e4umsjahr gestalten?<\/p>\n","protected":false},"author":187,"featured_media":3861,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[924,112,932,33,854],"class_list":["post-3859","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2020-1","tag-beethoven","tag-beethoven2020","tag-research","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3859","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/187"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3859"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3859\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4096,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3859\/revisions\/4096"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3861"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3859"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3859"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3859"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}