{"id":3854,"date":"2020-02-24T18:08:50","date_gmt":"2020-02-24T17:08:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3854"},"modified":"2020-02-27T11:54:57","modified_gmt":"2020-02-27T10:54:57","slug":"beethoven-im-wettbewerb-wiener-tradition-trifft-auf-frische-interpretationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/02\/24\/beethoven-im-wettbewerb-wiener-tradition-trifft-auf-frische-interpretationen\/","title":{"rendered":"Beethoven im Wettbewerb \u2013 Wiener Tradition trifft auf frische Interpretationen"},"content":{"rendered":"<h1>Rechtzeitig zum 250. Geburtstag des Komponisten veranstaltet die mdw den 16. Internationalen Beethoven Klavierwettbewerb<\/h1>\n<p>Eigentlich sind wir ja schon mitten im Geschehen. Die Bewerbungsphase ist abgeschlossen und auch die Vorauswahlen liegen bereits hinter uns. Gerade dieser Teil des normalerweise vierj\u00e4hrig ausgetragenen Wettbewerbs ist ein spannender und wesentlicher, gilt es f\u00fcr die hochkar\u00e4tig besetzte Jury doch, aus den \u00fcber 230 Anmeldungen die 32 Pianist_innen f\u00fcr den Hauptwettbewerb auszuw\u00e4hlen. Dieser startet mit einem Er\u00f6ffnungsabend im Joseph Haydn-Saal der mdw am 4. Mai 2020 und schlie\u00dft mit dem gro\u00dfen Finale im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins am 14. Mai.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3856\" aria-describedby=\"caption-attachment-3856\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-3856\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-16-1024x427.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"354\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-16-1024x427.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-16-300x125.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-16-768x320.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-16-1536x640.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-16-2048x853.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image0-16-850x354.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3856\" class=\"wp-caption-text\">Finale des Beethoven Wettbewerbs 2017 \u00a9 Andrej Grilc<\/figcaption><\/figure>\n<h5>Internationalit\u00e4t<\/h5>\n<p>International ist nicht nur die Jury besetzt, international offen ist der gesamte Wettbewerb. Auditions finden in New York, Tokyo, Shanghai, Berlin und Wien statt, wobei die meisten Kanditat_innen in Wien pers\u00f6nlich vorspielen. Ebenso viele Bewerbungen kommen als Videoaufnahmen per DVD oder Datenstick \u2013 eine zeitgem\u00e4\u00dfe M\u00f6glichkeit, die von immer mehr interessierten jungen Pianist_innen weltweit genutzt wird.<\/p>\n<p>Jan Jiracek von Arnim, k\u00fcnstlerischer Leiter und Organisator des \u00e4ltesten und wichtigsten internationalen Klavierwettbewerbs \u00d6sterreichs, zeigt sich jedenfalls begeistert: \u201eIch finde es toll, dass sich so viele junge Menschen f\u00fcr diesen Wettbewerb interessieren und sich mit Beethoven auseinandersetzen, denn es ist auch ziemlich einzigartig, dass wir in unserem Wettbewerb nur Werke von Beethoven haben. Es gibt da meines Wissens nur einen anderen Wettbewerb, der das auch so macht, n\u00e4mlich der Chopin-Wettbewerb in Warschau.\u201c<\/p>\n<h5>Ein klarer Fokus<\/h5>\n<p>Das Klavierwerk Ludwig van Beethovens ist sehr umfangreich und beinhaltet 32 Klaviersonaten, f\u00fcnf Klavierkonzerte, mehrere Variationen, Bagatellen, Fantasien und T\u00e4nze. Der Wettbewerb geht damit ausgesprochen differenzierend und sorgsam um, teilt die Werke in sechs Gruppen und weist diese den Vorauswahlspielen beziehungsweise den einzelnen Runden im Hauptwettbewerb zu, um eine optimale Vergleichbarkeit unter den Teilnehmer_innen zu erzielen.<\/p>\n<p>Warum aber beschr\u00e4nkt sich der Wettbewerb auf nur einen Komponisten, so prominent und wegweisend dieser auch gewesen sein mag? Der k\u00fcnstlerische Leiter hebt die lange Tradition des Wettbewerbs hervor: \u201eDer Internationale Beethoven Klavierwettbewerb entstand an der damaligen Akademie f\u00fcr Musik und darstellende Kunst, heute mdw, im Jahr 1958. Wien galt damals schon als Zentrum f\u00fcr die Interpretation von Beethovens Werken, und das Klavier-Institut der Akademie als weltweit f\u00fchrend bei Beethoven-Traditionen. Das geht auf Beethoven selbst zur\u00fcck, der im Alter von 22 Jahren nach Wien zog, hier komponierte und \u00fcber viele Jahre hinweg unterrichtete. Einer seiner Sch\u00fcler war Carl Czerny, der seine Schrift <i>\u00dcber den richtigen Vortrag der s\u00e4mtlichen Beethoven\u2019schen Werke f\u00fcr das Piano allein<\/i> ver\u00f6ffentlichte und sein Wissen in seinem eigenen Unterricht an \u00fcber 500 Sch\u00fcler_innen weitergab, wodurch sich in Wien eine Tradition bildete \u2013 dazu geh\u00f6rt besonderes Legatospiel, sparsamer Pedalgebrauch, die Wahl von angemessenen Tempi und vieles andere mehr\u201c, wei\u00df Jan Jiracek von Arnim.<\/p>\n<h5>Werte als Herausforderung<\/h5>\n<figure id=\"attachment_3857\" aria-describedby=\"caption-attachment-3857\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3857 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-12-1024x691.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"574\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-12-1024x691.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-12-300x202.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-12-768x518.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-12-1536x1036.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-12-2048x1382.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/post-1_image1-12-850x573.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3857\" class=\"wp-caption-text\">Rodolfo Leone, Sieger des Beethoven Wettbewerbs 2017 \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Um die Fokussierung auf Beethoven richtig zu verstehen, muss man noch einen Schritt zur\u00fcck, hinter die Tradition gehen, dorthin, wo die Entwicklung des Komponisten und seiner Pers\u00f6nlichkeit steht. Denn ab 1802 verl\u00e4sst er die von Joseph Haydn erlernten stilpr\u00e4genden Pfade und schl\u00e4gt neue Wege ein, wenn er etwa seinem Verleger Gottfried H\u00e4rtel schreibt, die beiden angebotenen Variationen seien \u201ebeyde auf eine wircklich ganz neue Manier bearbeitet, jedes auf eine andre verschiedene Art\u201c. Und weiter: \u201e\u2026 muss ich sie selbst versichern, dass die Manier in beiden Werken ganz neu von mir ist.\u201c Dies bedeutet einen Wendepunkt, der auch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass Beethoven als Komponist nicht nur neuartige Klaviere zur Verf\u00fcgung hatte, sondern auch viele Freiheiten kannte. Dazu erg\u00e4nzt Jiracek: \u201eDas zeichnet Beethoven ja aus, dass er am Ende alle Grenzen sprengt. So etwas wie die Hammerklaviersonate haben die Menschen seiner Zeit eigentlich nicht verstanden, das hat ihm aber nichts ausgemacht. Er war ein freier Mensch und nicht abh\u00e4ngig von einem Dienstherrn. Er konnte frei entscheiden, was er macht und wie er schreibt.\u201c<\/p>\n<p>Insofern treffen f\u00fcr den k\u00fcnstlerischen Wettbewerbsleiter die Worte des Schweizer Pianisten und Musikp\u00e4dagogen Edwin Fischer zu: \u201eBeim Studium des Klavierwerks Beethovens st\u00f6\u00dft man auf Schwierigkeiten, Fragen und Probleme, deren \u00dcberwindung nicht nur einen Teil der pianistischen, sondern der gesamten k\u00fcnstlerischen, ja menschlichen Erziehung eines Musikers bildet.\u201c Philosophisch k\u00f6nnte man es so interpretieren, dass die Werte, die Beethoven als Freigeist und Komponist der Aufkl\u00e4rung pers\u00f6nlich und k\u00fcnstlerisch lebte, in der Interpretation seiner Werke abgefragt werden und im Konzertsaal sp\u00fcrbar werden sollten.<\/p>\n<h5>Vernetzung und Partner<\/h5>\n<p>Zu guter Letzt hat der Internationale Beethoven Klavierwettbewerb auch eine tragende Bedeutung f\u00fcr die pianistische Community. Wenn junge, hochtalentierte und k\u00fcnstlerisch fortgeschrittene Pianist_innen, international renommierte und erfahrene Jurymitglieder sowie ein interessiertes und fachkundiges Publikum zusammentreffen, ist dies f\u00fcr das Networking und den Austausch von unsch\u00e4tzbarem Wert. Die Zusammenarbeit mit erstklassigen Partnern wie dem Wiener Musikverein, in dessen S\u00e4len die 2. Runde und das Finale ausgetragen werden, der Camerata Salzburg, die unter dem Dirigenten Andr\u00e9s Orozco-Estrada das Finalkonzert begleiten wird, und dem Klavierhersteller B\u00f6sendorfer, der einen Konzertfl\u00fcgel Modell 200 als 1. Preis stiftet, wei\u00df der Wettbewerb zu w\u00fcrdigen. Ebenso sch\u00e4tzt er die Unterst\u00fctzung durch internationale Institutionen wie etwa die Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin und andere Musikhochschulen sowie einzelne f\u00f6rdernde Privatpersonen und Privatstiftungen.<\/p>\n<p>Alle Termine und Informationen zum Wettbewerb finden Sie unter <a href=\"https:\/\/beethoven-comp.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">beethoven-comp.at<\/a>. Die Runden werden live \u00fcber die <a href=\"https:\/\/mediathek.mdw.ac.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mdwMediathek<\/a> gestreamt.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rechtzeitig zum 250. Geburtstag des Komponisten veranstaltet die mdw den 16. 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