{"id":3851,"date":"2020-02-24T17:00:25","date_gmt":"2020-02-24T16:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3851"},"modified":"2020-02-27T12:26:08","modified_gmt":"2020-02-27T11:26:08","slug":"das-beethovenjahr-2020-an-der-mdw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2020\/02\/24\/das-beethovenjahr-2020-an-der-mdw\/","title":{"rendered":"Das Beethovenjahr 2020 an der mdw"},"content":{"rendered":"Nun sind wir also mitten drin in diesem von den einen herbeigesehnten, von den anderen gef\u00fcrchteten Jubil\u00e4umsjahr.<\/p>\n<p>Auch die mdw setzt bereits seit J\u00e4nner starke Akzente zum gro\u00dfen Ludwig van, und das mit einer beeindruckenden F\u00fclle und Bandbreite exzellenter Projekte. Ich bedanke mich beim Initiativteam am Haus, das \u00fcber gut eineinhalb Jahre Denkvorarbeit geleistet, Projekte geschmiedet, Ideen eingesammelt und das Ganze dann in eine \u00fcbersichtliche Struktur gebracht hat.<\/p>\n<p>Wie bedeutend dieses Jahr in Deutschland ist, zeigt allein die Tatsache, dass die Aktivit\u00e4ten zur Feier des 250. Geburtstags des Mannes aus Bonn schon 2016 von der deutschen Bundesregierung zur \u201enationalen Aufgabe\u201c erkl\u00e4rt und vom deutschen Bundestag mit einem beachtlichen Budget von 27 Millionen Euro ausgestattet wurden (leider haben uns die Kolleg_innen an Spree und Rhein dabei finanziell nicht mitbedacht, aber schlie\u00dflich k\u00f6nnte es bei dieser \u201eHaupt- und Staatsaktion\u201c ja ein wenig auch um die R\u00fcckeroberung eines Wahlwieners gehen).<\/p>\n<p>Die Musikstadt Wien und ihre gro\u00dfen Wahlwiener: Was w\u00e4ren denn die Wiener Musikszenen seit ihren Anf\u00e4ngen ohne die Zugereisten gewesen? \u2013 W\u00e4ren sie \u00fcberhaupt jemals so entstanden? Jedenfalls macht die geradezu magnetische Anziehungskraft in Sachen Musik diese Stadt zu einer unfairen Gegnerin f\u00fcr alle herkunftsorientierten Vereinnahmungsbem\u00fchungen, andererseits ist das auch ein wenig bequem \u2013 es sind schlie\u00dflich ja noch alle gerne gekommen \u2026<\/p>\n<p>Wie auch immer: Es gibt jetzt auch ein \u201eoffizielles\u201c Beethovenjahr in Wien, in das sich die mdw gerne einf\u00fcgt \u2013 und vielleicht wird es ja, gerade weil es nicht generalstabsm\u00e4\u00dfig und von langer Hand kommunal oder vom Bund geplant wurde, eine anregende und im besten Sinn aufregende Zeit. Worum geht es uns jetzt also? Noch mehr Auff\u00fchrungen der ohnehin den Kanon beherrschenden Werke dieses Herrn van Beethoven? Oder wollen wir versuchen, dieses Ph\u00e4nomen durch vielf\u00e4ltige Ann\u00e4herungen ein wenig fassbarer zu machen?<\/p>\n<p>Beethoven, wohl unbestritten einer der gr\u00f6\u00dften \u201eHeroes\u201c und \u201eBig Seller\u201c des Klassikbetriebs von dessen Anf\u00e4ngen an, ist zugleich der Komponist mit den unterschiedlichsten und in Rezeptions- sowie Vereinnahmungsgeschichte widerspr\u00fcchlichsten Gesichtern. Als \u201eModell-Genie\u201c zwischen Idealismus und Romantik sowie kompromissloser Rebell gegen alle Konventionen (der sich aber gleichwohl vom Adel unterst\u00fctzen l\u00e4sst) wird er im 19. Jahrhundert zum Vollender der Wiener Klassik ernannt und bald erste Adresse, wenn Staatstragendes und Affirmatives gebraucht wurde und wird \u2013 egal ob von dem linken oder rechten Lager. Vollender vielleicht, jedenfalls aber Vision\u00e4r und Experimentator mit dem Unm\u00f6glichen. Wom\u00f6glich ist sein gr\u00f6\u00dfter posthumer Erfolg, dass die Ode aus seiner <i>9. Symphonie<\/i> als Hymne und Symbol f\u00fcr das europ\u00e4ische Friedensprojekt gew\u00e4hlt wurde. Wir sollten allerdings den Text ernster nehmen: \u201eFREUDE, sch\u00f6ner G\u00f6tterfunken!\u201c<\/p>\n<p>So viele Bilder, so viele Konstruktionen eines gew\u00fcnschten oder dominanten Bildes dieses K\u00fcnstlers im Lauf der Geschichte, so viel Information \u00fcber ihn und sein Werk \u2013 das wirft unweigerlich die Frage danach auf, in welchen F\u00e4llen all diese Informationen (jenseits der in Notenschrift vorhandenen) essenziell, manchmal gar unabdingbar sind und wo sie eher in die Irre oder zu groben Missverst\u00e4ndnissen f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist Beethovens mangelnder kalligrafischer Ehrgeiz f\u00fcr uns Ausf\u00fchrende da keine Hilfe \u2013 anders als bei Bach oder Mozart kann man aus den von ihm mit Hand geschriebenen Partituren praktisch nicht spielen. Es bleibt uns die M\u00f6glichkeit, zwischen den \u201eUrtextausgaben\u201c und den heute mehr als fr\u00fcher verf\u00fcgbaren digitalisierten Versionen von Erstdrucken, Stimmenabschriften etc. unsere Entscheidungen selbst zu treffen. Manches <i>Sforzando <\/i>zum Beispiel rutscht so nach 20 Jahren \u00fcberzeugter Platzierung wieder um eine Achtelnote vor oder zur\u00fcck, mancher Punkt wird doch zum Strich, ein Legatobogen beginnt doch auf dem Schlag statt danach etc. Aber letztlich wollen wir doch den ganzen Beethoven erfassen \u2013 von allen m\u00f6glichen Gesichtspunkten aus \u2013 und daher auch die verschiedensten \u201eBeethovens\u201c: Beethoven, den gro\u00dfen Welt-Umarmer, der nachweislich gr\u00f6bere Schwierigkeiten im Umgang mit seiner direkten Umgebung hatte; den \u201eTitan\u201c und Inbegriff des mit sich, mit dem Werk, mit der ungen\u00fcgenden Mitwelt, ja mit <i>\u201eder Gottheit\u201c<\/i> ringenden K\u00fcnstlers; den peniblen Ausarbeiter und Konstrukteur \u2013 vor allem aber eines der gr\u00f6\u00dften Improvisationsgenies aller Zeiten; den geschickten Vermarkter seiner selbst; und nat\u00fcrlich den erfolgreichen Arbeitsmigranten!<\/p>\n<p>Aber auch: Beethoven als Belastung f\u00fcr alle nach ihm? \u201eIch werde nie eine Symphonie komponieren! Du hast keinen Begriff davon, wie unsereinem zumute ist, wenn er immer so einen Riesen-Beethoven hinter sich marschieren h\u00f6rt.\u201c So ein anderer erfolgreich nach Wien Zugereister. \u2013 Er hat dann doch vier wunderbare Symphonien geschrieben, es konnte also nach Beethoven noch komponiert werden, bei aller Ehrfurcht.<\/p>\n<p>Beethoven, all das und noch viel mehr, von uns an der mdw im Laufe des Jahres auf alle Widerspr\u00fcchlichkeiten hin erforscht. Wir wollen also noch schlauer werden im Verst\u00e4ndnis von Beethovens Inhalten, nicht zuletzt f\u00fcr unseren interpretatorischen Umgang mit seinem Werk! Und wir wollen ein Gef\u00fchl entwickeln und verstehen: Wer ist diese \u00fcbergro\u00dfe Figur und der gleichzeitig doch so allzu menschliche Mensch jetzt im 21. Jahrhundert f\u00fcr uns an der mdw, die wir auf h\u00f6chster fachlicher Exzellenzstufe in einem Umfeld gepr\u00e4gt von Internationalit\u00e4t, gelebter Diversit\u00e4t und Transkulturalit\u00e4t mit \u00fcberzeugter Ausrichtung auf Inklusion und soziale Relevanz studieren, lehren und forschen? Dazu stehen uns die verschiedensten Formate zur Verf\u00fcgung: von Konzerten, Masterclasses und Vortr\u00e4gen bis hin zu Ausstellungen, \u00f6ffentlichen Seminaren, den Wiener Vorlesungen, einem gro\u00dfen Symposium und dem extra ein Jahr vorverlegten 16. Internationalen Beethoven Klavierwettbewerb. F\u00fcr die Internet-Konzertplattform ARTE-Concert entstehen zudem hochprofessionelle Videoaufnahmen von den Auff\u00fchrungen selten gespielter Werke Beethovens. Wir haben diese vielen spannenden Beitr\u00e4ge \u00fcber das ganze Jahr in einem gut gestaffelten Ablauf verteilt und mit einem eigenen Design versehen. Informieren Sie sich unter <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/Beethoven2020\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mdw.ac.at\/Beethoven2020<\/a> und begleiten Sie uns auf unseren Entdeckungsreisen, die wir in vielen Kooperationen mit zahlreichen internationalen G\u00e4sten und den bedeutendsten Wiener Kulturinstitutionen unternehmen!","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun sind wir also mitten drin in diesem von den einen herbeigesehnten, von den anderen gef\u00fcrchteten Jubil\u00e4umsjahr. 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