{"id":3608,"date":"2019-11-28T16:21:22","date_gmt":"2019-11-28T15:21:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3608"},"modified":"2019-11-28T18:56:40","modified_gmt":"2019-11-28T17:56:40","slug":"its-2019-baby-gender-und-diversitaet-im-oesterreichischen-spielfilm-perspektiven-der-medien-und-filmwissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/11\/28\/its-2019-baby-gender-und-diversitaet-im-oesterreichischen-spielfilm-perspektiven-der-medien-und-filmwissenschaft\/","title":{"rendered":"\u201cIT\u2019S 2019, BABY\u201d: Gender und Diversit\u00e4t im \u00f6sterreichischen Spielfilm \u2013 Perspektiven der Medien- und Filmwissenschaft"},"content":{"rendered":"<b>Einblick in die quantitative medien- und filmwissenschaftliche Forschungsarbeit <i>Moving The Needle. Repr\u00e4sentation und Darstellung von Gender und Diversit\u00e4t im \u00f6sterreichischen Spielfilm der Jahre 1997\u20132017<\/i> an der Filmakademie Wien.<\/b><\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Film und Fernsehen \u2013 die Filmakademie Wien der mdw, bekannt f\u00fcr exzellente k\u00fcnstlerische Ausbildung im Film und Entstehungsort vieler renommierter filmischer Arbeiten, ist seit 2012 ebenfalls wissenschaftliche Heimat f\u00fcr den kleinen, aber feinen Fachbereich f\u00fcr Medien- und Filmwissenschaft unter der Leitung von Claudia Walkensteiner-Preschl. Neben dem Modul Medien- und Filmwissenschaft, das die k\u00fcnstlerischen Bachelor und Masterstudien wissenschaftlich-theoretisch unterst\u00fctzt und begleitet, liegt die Kernaufgabe des Fachbereichs im Bereich der Forschung durch die Doktoratsstudierenden. Diese Forschung umspannt ein diverses Feld von Filmanalyse, feministischer Filmtheorie, \u00fcber filmhistorische Fragestellungen bis hin zu Artistic Research und neuerdings quantitativen Studien und Methodenentwicklung in der Forschung \u00fcber Film.<\/p>\n<p>Das Konzept der quantitativen Forschung \u00fcber Film, um evidenzbasierte Daten sowohl auf methodischer, als auch inhaltlicher Ebene durch eine transdisziplin\u00e4re Methodologie zu generieren, ist ein relativ junger, aber sehr vielversprechender und teilweise zu stark vernachl\u00e4ssigter Teil der mehrheitlich qualitativ arbeitenden Filmwissenschaft und als solcher bisher eher in der Medienwissenschaft als Sozialwissenschaft verankert (Redfern, 2014).<\/p>\n<p>Seit den Anf\u00e4ngen der feministischen Filmtheorie und -wissenschaft in den sp\u00e4ten 1960er- und 1970er-Jahren, unter anderem eingeleitet durch den wegweisenden Essay <i>Visuelle Lust und narratives Kino<\/i> von Laura Mulvey (1975), hat sich zwar die Forschung im Feld der feministischen Filmwissenschaft, Genderstudies und Diversit\u00e4t gemeinhin universit\u00e4r etabliert, in der Praxis besteht jedoch weiterhin eine klar feststellbare Ungleichheit in der Repr\u00e4sentation von Geschlechtern sowie in der Darstellung von Diversit\u00e4t im Film (Friedman, Daniels &amp; Blinderman, 2015) ebenso wie in der Repr\u00e4sentation von Frauen als Autorinnen und Filmemacherinnen (Flicker &amp; Vogelmann, 2018; Smith et al., 2018; Prommer &amp; Linke, 2017). Vor allem im Bereich Kunst und Medien fehlen oft Fakten \u2013 quantitative Studien, die transparente Daten \u00fcber herrschende Verteilungen in der Kulturbranche liefern sowie Methodologien, diese Daten reliabel zu generieren.<\/p>\n<p>Die Doktoratsstudierende Barbara Wolfram widmet sich diesem Forschungsfeld in ihrer Dissertation, indem sie den Fokus auf die Erhebung der On-Screen-Faktoren (also das, was auf dem Screen zu sehen ist) legt. Transdisziplin\u00e4r forschend, \u00fcbertr\u00e4gt sie psychometrische Theorien zur Erfassung von latenten (nicht direkt beobachtbaren) Pers\u00f6nlichkeitsmerkmalen aus der differenziellen Psychologie (Stemmler et al., 2016) auf latente Eigenschaften von Filmen in Hinblick auf deren Darstellung und Repr\u00e4sentation von Gender und Diversit\u00e4t auf deskriptiver (Besetzung, Dialoganteile, Bildanteile) sowie auf inhaltlicher Ebene (Dramaturgie, Figurencharakteristik, Aufbau des Films). Dies erfolgt durch die Entwicklung eines On-Screen-Erhebungsinstruments unter Einbeziehung testkonstruktivistischer Methodologie.<\/p>\n<p>Eine quantitative L\u00e4ngsschnittanalyse der Spielfilmarbeiten in \u00d6sterreich \u00fcber einen repr\u00e4sentativen Zeitraum (1997\u20132017) gibt die M\u00f6glichkeit, das Testinstrument methodisch auf seine Testg\u00fcte (Qualit\u00e4t eines Messinstruments) hin zu \u00fcberpr\u00fcfen und mit Off-Screen-Daten (Besetzung, Stabstellen, Budget) zu vergleichen. Bis dato gibt es kein Standardinstrument f\u00fcr die Erhebung solcher Daten, ebenso liegen keine quantitativen On-Screen-Daten f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Raum \u00fcber einen Zeitraum, der l\u00e4nger als f\u00fcnf Jahre ist, vor. Die Erhebung schlie\u00dft somit ebenfalls eine L\u00fccke in der filmhistorischen Forschung \u00fcber den \u00f6sterreichischen Spielfilm.<\/p>\n<p>Film greift auf die Wirklichkeit zur\u00fcck und kreiert in diesem R\u00fcckgriff wiederum eine m\u00f6gliche Wirklichkeit. Wie diese Wirklichkeit aussieht, welche (Un-)M\u00f6glichkeiten sie in sich tr\u00e4gt und als (Un-)M\u00f6glichkeitsraum projiziert, h\u00e4ngt von den Menschen ab, die Filme machen. Dass dieser geschaffene M\u00f6glichkeitsraum ein offener, inkludierender und fairer Raum ist, h\u00e4ngt von der Forschung, von der Lehre und von einer Kulturpolitik ab, die evidenzbasierte Entscheidungen \u00fcber die Geschichten und die Wirklichkeiten trifft, die durch Finanzierungen auch geschaffen und gesehen werden. Der Film und die darin gezeigten Geschichten, Inhalte und Menschen haben die Kraft, eine Vision f\u00fcr die Gegenwart und Zukunft zu geben. Ungleichheit, Diskriminierung und Marginalisierung haben in einem zeitgem\u00e4\u00dfen filmischen Schaffen keinen Platz mehr. Visuelle Repr\u00e4sentation vermittelt Wertigkeiten, und Wertigkeiten er\u00f6ffnen M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume durch die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird. Film hat daher die Verantwortung, Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Wolfram sieht in ihrer Forschung die M\u00f6glichkeit, einen wichtigen Teil zu dieser Vision beizutragen und durch die Forschungsarbeit andere Menschen und vor allem Film- und Kunstschaffende zu einer Verantwortungs\u00fcbernahme im Sinne einer gleichgestellten, fairen und inklusiven Welt zu motivieren.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Flicker, E. &amp; Vogelmann, LL. (2018). \u00d6sterreichischer Film Gender Report 2012\u20132016. \u00d6sterreichisches Filminstitut, Bundeskanzleramt \u00d6sterreich, Sektion II Kunst und Kultur.<\/p>\n<p>Friedman, L., Daniels, M. &amp; Blinderman, I. (2015). Hollywood\u2019s Gender Divide and its Effect on Films. Examining the Gender of Writers, Producers, and Directors who make films that fail the Bechdel Test. Polygraph.<\/p>\n<p>Mulvey, L. (1975). Visual Pleasure and Narrative Cinema. Screen, 16 (3), 6\u201318.<\/p>\n<p>Prommer, E. &amp; Linke, C. (2017). Audiovisuelle Diversit\u00e4t? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland. Institut f\u00fcr Medienforschung, Universit\u00e4t Rostock.<\/p>\n<p>Redfern, N. (2014). Quantitative methods and the study of film. Invited Lecture, Unversity of Glasgow.<\/p>\n<p>Smith, S., Choueiti, M. Pieper, K., Case, A., &amp; Choi, A. (2018). Inequality in 1,100 Popular Films: Examining Portrayals of Gender, Race\/Ethnicity, LGBT &amp; Disability from 2007 to 2017. USC Annenberg Inclusion Initiative, Los Angeles.<\/p>\n<p>Stemmler, G., Amelang, M., Hagemann, D., Spinath; F., Hasselhorn, M., Kunde, W. &amp; Schneider (Hrsg.), S. (2016). Differentielle Psychologie und Pers\u00f6nlichkeitsforschung. Kohlhammer, 8. Auflage, Stuttgart.<\/p>\n<p>&nbsp;","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einblick in die quantitative medien- und filmwissenschaftliche Forschungsarbeit  Moving The Needle. Repr\u00e4sentation und Darstellung von Gender und Diversit\u00e4t im \u00f6sterreichischen Spielfilm der Jahre 1997\u20132017  an der Filmakademie Wien.<\/p>\n","protected":false},"author":175,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[888,908,179,907,33],"class_list":["post-3608","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-film","tag-2019-4","tag-barbara-wolfram","tag-film","tag-filmwissenschaft","tag-research"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3608","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/175"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3608"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3608\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3633,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3608\/revisions\/3633"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3608"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3608"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3608"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}