{"id":3604,"date":"2019-11-28T16:21:08","date_gmt":"2019-11-28T15:21:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3604"},"modified":"2019-11-29T09:24:38","modified_gmt":"2019-11-29T08:24:38","slug":"der-koerper-als-buehne-unterricht-mit-aleksandar-acev-am-max-reinhardt-seminar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/11\/28\/der-koerper-als-buehne-unterricht-mit-aleksandar-acev-am-max-reinhardt-seminar\/","title":{"rendered":"\u201eDer K\u00f6rper als B\u00fchne\u201c: Unterricht mit Aleksandar Acev am Max Reinhardt Seminar"},"content":{"rendered":"\u201eDer K\u00f6rper macht sehr viel richtig, das Training ist eine \u201ahelping hand\u2018\u201c, sagt Aleksandar Acev, seit Oktober Professor f\u00fcr k\u00f6rperliches Basistraining und k\u00f6rperliche Gestaltung am Max Reinhardt Seminar. Die Studierenden lernen die eigenen k\u00f6rperlichen Bewegungen als Mittel der Darstellung wahrzunehmen. \u201eEs geht um die Verk\u00f6rperung von \u201aetwas\u2018: Emotionen, Empfindungen, Erinnerungen, Wahrnehmungen, Gedanken, Imagination\u201c, erkl\u00e4rt Aleksandar Acev. Die Entwicklung eines eigenen Bewegungsrepertoires der Studierenden zur k\u00f6rperlichen Umsetzung einer Rolle beziehungsweise Figur ist dabei zentral. \u201eIn meinem Unterricht ist der Fokus u. a. auf Raumlehre, Artikulation und Musikalit\u00e4t der Bewegung, dem Typ der Bewegungen und Gesten. Diese Inhalte dr\u00fccken sich manchmal in ganz allt\u00e4glichen T\u00e4tigkeiten aus: Stehen, Gehen, Sitzen, Fallen, Handshake, Steinwurf usw. Es muss nicht immer etwas Spektakul\u00e4res sein\u201c, erl\u00e4utert Acev. Der Unterricht besteht \u00fcberwiegend aus praktischen \u00dcbungen: \u201eIch lege zum Beispiel meine Hand auf die Schulter einer Person. Ich wiederhole das mehrmals \u2013 einmal mit dem Blick zu ihrem Gesicht, dann mit Blick zum K\u00f6rper, \u00fcber ihren Kopf, neben ihren Kopf, mit Blick zum Publikum, zum Himmel, zum Boden, zu meinem K\u00f6rper usw. Meine Hand lege ich immer wieder auf ihre Schulter, aber mein Blick erzeugt jedes Mal neue Bedeutungen oder Interpretationsm\u00f6glichkeiten. Wenn ich noch die Dynamik der Geste ver\u00e4ndere, die Atmung oder die Spannung meiner Hand, entstehen neue Nuancen und Bedeutungen mit Wirkung auf die andere Person, auf das Publikum und auf mich selbst. Noch wichtiger als die Aktion ist die Reaktion auf meine Bewegung! Zwei Bewegungen reichen, um eine kleine Geschichte zu erz\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_3636\" aria-describedby=\"caption-attachment-3636\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3636\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/webacc-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/webacc-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/webacc-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/webacc-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/webacc-850x1274.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3636\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Hanna Lippmann<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sich und die eigenen Bewegungen (neu) zu entdecken ist im Unterricht ma\u00dfgeblich. Wobei Aleksandar Acev Erwartungen und vielleicht vorgefertigte Meinungen der Studierenden beiseite schieben m\u00f6chte. Studierende, die eine \u201eGebrauchsanweisung\u201c f\u00fcr den Einsatz des K\u00f6rpers erwarten, werden entt\u00e4uscht. \u201eDas Training ist eine Art Entdeckungsreise, in dem Schauspielstudierende ihre Erfahrungen sammeln und sortieren. Oft ergeben sich durch die \u00dcbungen mehr Fragen als Antworten\u201c, sagt er. Interessant ist hierbei weniger, was man kann, als was man nicht kann. Acev dazu: \u201eDie Phase der Entdeckung der eigenen Inkompetenzen kann manchmal sehr unangenehm sein. Die K\u00f6rperlehre ist ein k\u00fcnstlerischer Prozess, der die Studierenden von der Entdeckung unbewusster Inkompetenz zur bewussten Inkompetenz und von bewusster Kompetenz letztendlich zu unbewusster Kompetenz f\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>Die Arbeit und Auseinandersetzung mit dem K\u00f6rper und der Bewegung ist f\u00fcr Schauspielstudierende wichtig, um zu einem authentischen Ausdruck zu gelangen. \u201eWenn bei der Entstehung und Ausf\u00fchrung einer Bewegung eine eigene Entscheidung oder der Instinkt im Zentrum stehen und sich die Bewegung nicht so sehr auf eine gegebene Form bezieht, gibt es eine gr\u00f6\u00dfere Chance, dass die Bewegung authentisch wirkt\u201c, erkl\u00e4rt Acev. Das Training soll den Studierenden helfen, sich von Gewohnheiten und Mustern in der Bewegung zu befreien.<\/p>\n<p>Aleksandar Acev selbst hat eine breite k\u00fcnstlerische Ausbildung absolviert. Neben einer Ballettausbildung am Kroatischen Nationalballett in Zagreb nahm er Unterricht in zeitgen\u00f6ssischem Tanz und \u201eModern Mime\u201c. Die Ballettkarriere verfolgte er nicht weiter, sondern trat als Mime im ehemaligen Jugoslawien auf und wurde auch dank zahlreicher Auftritte im kroatischen Fernsehen einem gro\u00dfen Publikum bekannt. Sein Weg f\u00fchrte ihn schon bald ins Ausland. \u201eIch hatte das Privileg in 20 L\u00e4ndern k\u00fcnstlerisch zu wirken. Dieser kulturelle Austausch mit dem Fremden und Unbekannten hat mich sehr gepr\u00e4gt\u201c, erinnert er sich. Zu seiner eigenen darstellerischen Arbeit kamen seine T\u00e4tigkeit als Regisseur und sp\u00e4ter der Wunsch zu Unterrichten hinzu. \u201eLangsam und organisch hat sich eine dreifache Aktivit\u00e4t entwickelt, indem die Darstellung die Regie n\u00e4hrt, Regiearbeit den Unterricht bereichert und der Unterricht die Choreografie n\u00e4hrt\u201c, sagt Acev. Seine Arbeit hat ihn immer wieder an ungew\u00f6hnliche Theaterorte gef\u00fchrt, z. B. erarbeitete er in einem Gef\u00e4ngnis in Berlin ein St\u00fcck mit den Insassen als Darsteller. \u201eDie Art von Theater an untypischen Orten hat eine Tendenz zum \u201aungew\u00f6hnlichen K\u00f6rper\u2018 \u2013 zu einem K\u00f6rper gegen die Regel\u201c, so Acev. Seine Aufgabe als Lehrender am Max Reinhardt Seminar sieht er in diesem Zusammenhang \u00e4hnlich: \u201eDie Studierenden sollen nicht nur leistungsstarke Pers\u00f6nlichkeiten f\u00fcr den Film- und Theatermarkt werden, sondern ich m\u00f6chte bei Schauspiel- und Regiestudierenden ihre eigene kreative Freiheit, ihre innere Reife, Selbstst\u00e4ndigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit f\u00f6rdern. Etwas von diesem rebellischen K\u00f6rper muss bleiben.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer K\u00f6rper macht sehr viel richtig, das Training ist eine \u201ahelping hand\u2018\u201c, sagt Aleksandar Acev, seit Oktober Professor f\u00fcr k\u00f6rperliches Basistraining und k\u00f6rperliche Gestaltung am Max Reinhardt Seminar.<\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":3606,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[888,283,909,44],"class_list":["post-3604","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-drama","tag-2019-4","tag-drama","tag-koerper","tag-max-reinhardt-seminar"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3604","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3604"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3604\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3681,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3604\/revisions\/3681"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3604"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3604"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3604"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}