{"id":356,"date":"2016-09-28T14:53:56","date_gmt":"2016-09-28T12:53:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=356"},"modified":"2016-11-30T14:19:14","modified_gmt":"2016-11-30T13:19:14","slug":"bi-ba-pop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/09\/28\/bi-ba-pop\/","title":{"rendered":"Bi Ba Pop"},"content":{"rendered":"Bei manchen Menschen existiert ja ein seltsamer D\u00fcnkel allem Popul\u00e4ren gegen\u00fcber. Wenn etwas beim Volk \u2013 lateinisch populus \u2013 beliebt ist und von der Masse gesch\u00e4tzt wird, so der in manchen Kreisen verbreitete Glaube, kann es nicht gut sein. Als Beweis f\u00fcr diese These werden dann gerne Biografien von K\u00fcnstlern herangezogen, die heute zu den ganz Gro\u00dfen und allseits Verehrten ihres Faches geh\u00f6ren, nach denen jedoch zu Lebzeiten kein Hahn gekr\u00e4ht hat. Van Gogh, Kafka, Schubert.<\/p>\n<p>Nur drei Beispiele f\u00fcr v\u00f6llig untersch\u00e4tzte Genies, die ein trauriges, ruhmloses Leben fristeten sowie einsam und verkannt von der ahnungslosen Masse ihr Ende fanden. Nun ist es jedoch so eine Sache mit K\u00fcnstlermythen, erst recht, wenn alle Zeitgenossen tot sind und die K\u00fcnstler obendrein. Ger\u00fcchte verselbstst\u00e4ndigen sich, jeder erfindet eine Kleinigkeit dazu, das \u201eStille Post\u201c-Spiel der K\u00fcnstlerbiografien. Hie und da findet sich jedoch ein Autor, der einem Detektiv gleich mit hartn\u00e4ckigen Mythen aufr\u00e4umt.<\/p>\n<p>Etwa der britische Tenor Ian Bostridge in seinem hinrei\u00dfenden Buch \u00fcber Schuberts Winterreise, in dem er nach eingehender Recherche feststellt, dass die Legende vom armen, erfolglosen Schubert tats\u00e4chlich als solche zu sehen ist. Als Fabel, die kritiklos von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Schubert war vielmehr der erste freischaffende K\u00fcnstler seiner Zeit, der versuchte, au\u00dferhalb des g\u00e4ngigen M\u00e4zenatentums seitens des Adels zu re\u00fcssieren und auch auf eine Fixanstellung in der Kirche verzichtete. Ein neuer Selbstst\u00e4ndiger w\u00fcrde man heute dazu sagen. Schubert verdiente dabei mit seinen Auftritten in den Salons der besseren Gesellschaft gar nicht schlecht und war bei jenen, die ihn kannten, durchaus angesehen. Es kannten ihn nur zu wenige. Was auch an den Vertriebsm\u00f6glichkeiten lag. H\u00e4tte es damals iTunes gegeben, er w\u00e4re ein Superstar geworden. Damit etwas popul\u00e4r werden kann, muss es dem Volk eben auch zug\u00e4nglich sein.<\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel daf\u00fcr ist Mozart, eine Art Michael Jackson seiner Zeit. Wunderkind, Allroundgenie, in eine ehrgeizige Familie hineingeboren, die sich schon in jungen Jahren darum bem\u00fchte, dass den Filius m\u00f6glichst viele Menschen zu h\u00f6ren bekommen. Mozart war gerade beim Volk beliebt und ist eine sch\u00f6ne Gegenthese zum elit\u00e4ren Naser\u00fcmpfen: Nur weil es vielen gef\u00e4llt, muss es nicht schlecht sein.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei manchen Menschen existiert ja ein seltsamer D\u00fcnkel allem Popul\u00e4ren gegen\u00fcber. Wenn etwas beim Volk \u2013 lateinisch populus \u2013 beliebt ist und von der Masse gesch\u00e4tzt wird, so der in manchen Kreisen verbreitete Glaube, kann es nicht gut sein. Als Beweis f\u00fcr diese These werden dann gerne Biografien von K\u00fcnstlern herangezogen, die heute zu den &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[95,98,117],"class_list":["post-356","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-column","tag-2016-3","tag-popular-music","tag-popularmusik"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/356","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=356"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/356\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":429,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/356\/revisions\/429"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=356"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=356"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=356"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}