{"id":3493,"date":"2019-11-25T14:31:22","date_gmt":"2019-11-25T13:31:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3493"},"modified":"2019-12-10T10:22:27","modified_gmt":"2019-12-10T09:22:27","slug":"die-entwicklung-der-wiener-kulturfoerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/11\/25\/die-entwicklung-der-wiener-kulturfoerderung\/","title":{"rendered":"Die Entwicklung der Wiener Kulturf\u00f6rderung"},"content":{"rendered":"<b>Eine Analyse der Kunst- und Kulturberichte der Stadt Wien 1998 bis 2017. <\/b><\/p>\n<p>Norbert Hofer, Dissertant der mdw, gibt Einblick in seine Arbeit im Fachbereich Kulturbetriebslehre und zeigt, wie sich die Wiener Kulturf\u00f6rderung seit 1998 entwickelt hat.<\/p>\n<p>Ein historischer Abriss gibt Einblick in die organisatorische Entwicklung der Kunst- und Kulturf\u00f6rderung der Stadt Wien und des Bundes, auch im Zusammenhang mit der politischen Entwicklung.<\/p>\n<p>Ausgehend von den Begriffen \u201eKunst\u201c und \u201eKultur\u201c werden die kulturpolitischen Positionen, Ziele und Vorstellungen der im Wiener Gemeinderat vertretenen Parteien recherchiert, die erwartungsgem\u00e4\u00df sehr unterschiedlich ausfallen. In einem ausf\u00fchrlichen Kapitel werden aus den Parteiprogrammen und den Wiener Regierungs\u00fcbereinkommen die kulturpolitischen Standpunkte der \u00f6sterreichischen Parteien dargestellt und durch eine Timeline der Regierungen auf Bundes- und Landesebene sowie den jeweiligen personellen Besetzungen erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Davon ausgehend wird hinterfragt, inwieweit sich diese Standpunkte in den vergebenen F\u00f6rderungen widerspiegeln, welche strukturellen Probleme auf die F\u00f6rderpraxis Einfluss haben und ob ein Zusammenhang zwischen der Praxis der Wiener Kunst- und Kulturf\u00f6rderung und der sozialen und \u00f6konomischen Situation der K\u00fcnstler_innen hergestellt werden kann.<\/p>\n<p>Gerade die Stadt Wien betont immer wieder nachdr\u00fccklich die Bedeutung des (freien) Zugangs zu Kunst und Kultur f\u00fcr alle, womit sich die Frage der sozialen Bedeutung von Kultur an sich und der tats\u00e4chlichen M\u00f6glichkeit der Teilhabe am kulturellen Geschehen stellt. Hier orientiert sich die Arbeit wesentlich an den Theorien des franz\u00f6sischen Soziologen und Sozialphilosophen Pierre Bourdieu, der sich in seiner \u201eFeldtheorie\u201c und mit den Begriffen des \u201eHabitus\u201c und des \u201ekulturellen Kapitals\u201c zentral mit den Ungleichheiten in der Gesellschaft und damit zusammenh\u00e4ngend mit dem Zugang zu Kunst- und Kultur besch\u00e4ftigt hat.<\/p>\n<p>Aufgrund des Datenvolumens und der Vielzahl der gef\u00f6rderten Institutionen wird als Forschungsmethode eine quantitative Analyse angewandt, die punktuell durch Gespr\u00e4che mit Expert_innen oder Personen, welche in den Kulturbetrieb involviert sind, erg\u00e4nzt wird.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wurde bei den Vorarbeiten aus den Kunst- und Kulturberichten der Stadt Wien sowie der Kunstsektion des Bundes 1998 bis 2017 eine Datenbank mit \u00fcber 40.000 Datens\u00e4tzen erarbeitet. Damit kann \u2013 nicht nur im groben \u00dcberblick, sondern auch auf der Ebene der einzelnen Institutionen \u2013 eine signifikante Aussage \u00fcber Art und H\u00f6he der vergebenen F\u00f6rderungen getroffen werden.<\/p>\n<p><b>Vorl\u00e4ufige Ergebnisse<\/b><\/p>\n<p>Korrigiert und konsolidiert stellt sich die Entwicklung der F\u00f6rdersummen der Stadt Wien so dar: Die F\u00f6rderungen sind nominal von 141 Millionen Euro im Jahr 1998 auf 204 Millionen im Jahr 2017 gestiegen. F\u00fcr eine objektive Vergleichbarkeit m\u00fcssen Betr\u00e4ge \u00fcber einen so langen Zeitraum allerdings inflationsbereinigt (deflationiert) werden. Daf\u00fcr stehen grunds\u00e4tzlich zwei Berechnungsmethoden zur Verf\u00fcgung: nach dem Verbraucherpreisindex (VPI) oder nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) \u2013 siehe Abbildung. Demnach liegt die F\u00f6rdersumme heute praktisch auf dem gleichen Niveau wie 1998.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3497 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/post-1_image1-6-1024x674.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"559\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/post-1_image1-6-1024x674.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/post-1_image1-6-300x197.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/post-1_image1-6-768x505.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/post-1_image1-6-850x559.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/post-1_image1-6.jpg 1898w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><\/p>\n<p>Nachdem es im Laufe der Jahre zwischen den F\u00f6rdergruppen massive Verschiebungen gab und zahlreiche Institutionen aus mehreren Gruppen F\u00f6rderungen beziehen, bringt eine Analyse der (LIKUS-)Gruppen nur bedingt signifikante Ergebnisse. Conclusio: Ein objektives Bild bringt nur eine Auswertung auf der Ebene der einzelnen Organisationen.<\/p>\n<p>Der Anteil der F\u00f6rderungen an die gro\u00dfen Organisationen hat im Zeitraum 1998\u20132017 um rund 15 Prozent zugenommen, was zulasten aller anderen F\u00f6rderwerber_innen ging. Insgesamt werden j\u00e4hrlich rund 4.000 bis 5.000 Institutionen gef\u00f6rdert. Davon erhalten 31 Institutionen eine j\u00e4hrliche F\u00f6rderung von 1 Million Euro oder mehr. An diese 31 Institutionen ergehen rund 78 Prozent des gesamten F\u00f6rdervolumens. Anders gerechnet: Die sechs am h\u00f6chsten gef\u00f6rderten Institutionen erhalten genauso viel, sogar etwas mehr, als alle \u00fcbrigen zusammen.<\/p>\n<p>Es gibt weiters eine Reihe struktureller Probleme, die sich auf die Finanzsituation insbesondere kleinerer Organisationen negativ auswirken.<\/p>\n<p>Genannt sei hier die immer wiederkehrende Klage \u00fcber den Mangel an R\u00e4umen f\u00fcr Kulturprojekte oder auch \u00fcber die nur marginale mediale Berichterstattung und geringe Medienpr\u00e4senz kleiner Kulturorganisationen.<\/p>\n<p><b>Grenzen der Analyse<\/b><\/p>\n<p>In manchen Bereichen ergeben sich aufgrund des mangelhaften Datenmaterials Unsch\u00e4rfen, die sich jedoch auf das Gesamtergebnis nicht nennenswert auswirken. Hinsichtlich der Auswirkungen der Kulturf\u00f6rderung auf die Einkommenssituation der Kulturschaffenden gibt es Indizien, konkrete Zahlenwerte lassen sich jedoch nicht ermitteln. Dazu w\u00e4re eine Analyse der Jahresabschl\u00fcsse einer statistisch signifikanten Zahl von Kulturorganisationen notwendig, was den Rahmen der Arbeit bei Weitem \u00fcbersteigen w\u00fcrde. Aber man kann hier aus Querverbindungen zu relevanten Untersuchungen (wie z. B. den Berichten zur sozialen Lage der K\u00fcnstler_innen) und aus anderen Berechnungen R\u00fcckschl\u00fcsse ziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Norbert Hofer, Dissertant der mdw, gibt Einblick in seine Arbeit im Fachbereich Kulturbetriebslehre und zeigt, wie sich die Wiener Kulturf\u00f6rderung seit 1998 entwickelt hat.<\/p>\n","protected":false},"author":171,"featured_media":3496,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[888,150,53,894,324],"class_list":["post-3493","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-research","tag-2019-4","tag-dissertation","tag-forschung","tag-kulturfoerderung","tag-wien"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3493","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/171"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3493"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3493\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3696,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3493\/revisions\/3696"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3496"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3493"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3493"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3493"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}