{"id":3486,"date":"2019-11-25T14:30:44","date_gmt":"2019-11-25T13:30:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3486"},"modified":"2019-11-28T20:25:53","modified_gmt":"2019-11-28T19:25:53","slug":"wissenschaft-und-praxis-in-diskurs-bringen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/11\/25\/wissenschaft-und-praxis-in-diskurs-bringen\/","title":{"rendered":"Wissenschaft und Praxis in Diskurs bringen"},"content":{"rendered":"<b>Zum 10. Mal fanden im September die Vienna Music Business Research Days an der mdw statt. Ein Jubil\u00e4ums-Bericht in Stichworten von A wie Anfang bis Z wie Zukunft.<\/b><\/p>\n<p><b>Anfang<\/b><\/p>\n<p>Begonnen hat alles mit einem Blog zu Fragen der Musikwirtschaftsforschung, den Peter Tschmuck, heute Leiter des Instituts f\u00fcr Kulturmanagement und Gender Studies (IKM), 2009 ins Leben rief. Zahlreiche R\u00fcckmeldungen legten einen ungeahnten Resonanzboden frei und lie\u00dfen das Bed\u00fcrfnis nach einem Format zum interdisziplin\u00e4ren Austausch erkennen: Die ersten <i>Vienna Music Business Research Days<\/i> (VMBRD) wurden 2010 an der mdw abgehalten.<\/p>\n<p><b>Business<\/b><\/p>\n<p>\u201eDas Music Business tangiert zahlreiche unserer Wissenschaftsfelder an der mdw\u201c, sagt Dagmar Abfalter, stellvertretende Leiterin des strukturierten Doktoratsprogramms der mdw. Die Konferenz bietet Raum f\u00fcr Aspekte der Musikausbildung ebenso wie klassische Industriethemen und musikwissenschaftliche Themen mit wirtschaftlichem Bezug. Zwar gibt es auch Branchentreffen der Industrie und diverse Networking-Formate, als fundierte wissenschaftliche Konferenz zum Musikbusiness, die sich auch zur Praxis hin \u00f6ffnet, haben die VMBRD aber ein Alleinstellungsmerkmal.<\/p>\n<p><b>Community<\/b><\/p>\n<p>Musikwirtschaftsforschung betrifft viele. So setzt sich die rege Community der VMBRD dann auch aus Vertreter_innen unterschiedlicher Disziplinen zusammen: Musikwissenschaft, Popularmusikforschung und Medienwissenschaft ebenso wie Soziologie, Kulturwissenschaft sowie Personen mit \u00f6konomischen Perspektiven. Auch Vertreter_innen aus der Praxis d\u00fcrfen nicht fehlen. \u201eEs braucht zehn Jahre, bis sich so eine Community etablieren kann\u201c, erz\u00e4hlt Peter Tschmuck und lacht: \u201eWir sind nicht die Kardiologen mit ihren Zehntausenden, aber wir wachsen und sehen, dass es dieses Format gebraucht hat!\u201c<\/p>\n<p><b>Diskurs<\/b><\/p>\n<p>\u201eMir gef\u00e4llt die Vielfalt an Themen, Perspektiven und Teilnehmer_innen der VMBRD, sodass der interdisziplin\u00e4re Diskurs Raum erh\u00e4lt\u201c, schw\u00e4rmt Dagmar Abfalter, und auch Peter Tschmuck freut sich, dass es gelingt \u201eWissenschaft und Praxis in den Diskurs zu bringen und auch Konflikte austragen zu lassen. Alle Positionen sollen dargestellt werden.\u201c<\/p>\n<p><b>International<\/b><\/p>\n<p>Nicht nur das Musikbusiness, auch die wissenschaftliche Community ist international. Bew\u00e4hrte Kooperationen bestehen bereits mit amerikanischen Universit\u00e4ten, besonderes Interesse kommt auch aus Australien, wo die Gr\u00fcndung einer Gesellschaft f\u00fcr Musikbusiness-Forschung bevorsteht. Inzwischen hat die Erasmus-Universit\u00e4t Rotterdam Interesse angemeldet, auch einmal eine Konferenz auszurichten, berichtet Tschmuck. Er h\u00e4lt es f\u00fcr denkbar, mit den VMBRD zuk\u00fcnftig auch in andere L\u00e4nder zu gehen und das \u00fcber die Jahre erworbene Know-how weiterzugeben. \u201eEs w\u00e4re an der Zeit, auch in L\u00e4ndern, die nicht direkt im Zentrum der Musikindustrie stehen, etwas anzusto\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p><b>M\u00e4rkte<\/b><\/p>\n<p>Waren die vergangenen zehn Jahre stark von den gro\u00dfen M\u00e4rkten im Musikbusiness gepr\u00e4gt \u2013 neben den USA vor allem durch westeurop\u00e4ische L\u00e4nder wie Deutschland, Gro\u00dfbritannien und Frankreich \u2013 wird sich der Fokus in den kommenden Jahren st\u00e4rker auf andere L\u00e4nder richten: \u201eIn China, Indien, Lateinamerika und auch in Afrika sind spannende neue M\u00e4rkte am Entstehen\u201c, zeigt sich Peter Tschmuck begeistert. \u201eWir m\u00fcssen aus unserer euro- und US-zentrierten Sichtweise ausbrechen und lernen, wie andere M\u00e4rkte funktionieren, etwa der chinesische. Da gibt es ganz neue Konsumformen \u2013 was dort passiert, wird die Musikindustrie der n\u00e4chsten Jahre pr\u00e4gen.\u201c Tschmuck sieht es als wichtigen Auftrag f\u00fcr die VMBRD, diese Entwicklungen auch wissenschaftlich zu begleiten und neue Forschungsschwerpunkte zu setzen.<\/p>\n<p><b>Organisation<\/b><\/p>\n<p>Die VMBRD haben sich schnell institutionalisiert: 2015 wurde am IKM die International Music Business Research Association (IMBRA) gegr\u00fcndet, es gibt das <i>International Journal<\/i> <i>of Music Business<\/i> und mittlerweile zwei Buchreihen, eine deutsch- und eine englischsprachige, die im Springer-Verlag erscheinen.<\/p>\n<p><b>Papers &amp; Scholars<\/b><\/p>\n<p>\u201eIn einem breit angelegten Format kann der wissenschaftliche Diskurs nicht sehr in die Tiefe gehen\u201c, sagt Dagmar Abfalter, die 2014 den Conference Track Day, einen wissenschaftlichen Konferenztag in die VMBRD implementiert hat und dieses Format seither koordiniert, den Call for Papers und die Organisation der Peer Reviews abwickelt. Von Beginn an sind die VMBRD auch um den wissenschaftlichen Nachwuchs bem\u00fcht und richten seit 2011 einen Young Scholars\u2019 Workshop aus: ein Mentoring-Format f\u00fcr junge Wissenschaftler_innen in geschlossenen Workshops.<\/p>\n<p><b>Themen<\/b><\/p>\n<p>Ein breites Spektrum an Themen wurde in zehn Konferenzjahren bereits diskutiert: Filesharing stand schon 2010 auf der Agenda, Streaming und Downloadmodelle wurden 2011 diskutiert, 2012 \u201eNeues Konsumverhalten\u201c und 2013 die \u201eZukunft der Musiklizenzierung\u201c. Schwerpunkte zum Musikbusiness im digitalen Zeitalter pr\u00e4gten die Konferenzen von 2015 bis 2017, w\u00e4hrend 2018 dem Motto \u201eMusic Life is Live\u201c folgte und 2019 nichts weniger als die Zukunft des Musikbusiness zur Debatte stand.<\/p>\n<p><b>Universit\u00e4t<\/b><\/p>\n<p>\u201eDie mdw hat hier nicht nur etwas Wertvolles f\u00fcr das IKM geleistet, sondern mitgeholfen, dass international sichtbar Musikwirtschaftsforschung hier an der mdw etabliert und als neuer Fachbereich in die Welt gesetzt wurde\u201c, sagt Peter Tschmuck und freut sich \u00fcber das hohe internationale Renommee der Konferenz.<\/p>\n<p><b>Vortr\u00e4ge<\/b><\/p>\n<p>In zehn Konferenzjahren ist vieles, auch Legend\u00e4res passiert: In Vortr\u00e4gen wurden k\u00fchne Visionen entworfen, Konflikte ausgetragen und Thesen kontroversiell diskutiert. Nachhaltig in Erinnerung geblieben ist Peter Tschmuck etwa eine Diskussion \u00fcber Streaming: \u201eViele Vortr\u00e4ge kann man in der mdwMediathek heute noch nachsehen. Schon 2011 haben wir die \u00f6kologischen Konsequenzen von Streaming-Modellen diskutiert, mittlerweile werden auch Filme gestreamt \u2013 \u00f6kologisch betrachtet eine Katastrophe. Das Thema wird uns noch weiter besch\u00e4ftigen.\u201c<\/p>\n<p><b>Zukunft<\/b><\/p>\n<p>Der Erfolg der <i>Vienna Music Business Research Days scheint<\/i> auch f\u00fcr die n\u00e4chsten zehn Jahre gewiss! F\u00fcr die Zukunft w\u00fcnscht sich Dagmar Abfalter, dass noch mehr kritische Beitr\u00e4ge eingereicht werden, zum Beispiel zu Themen wie Geschlechtergerechtigkeit, Inklusion, gesundheitliche Probleme und die finanzielle Situation von Musiker_innen. \u201eUnd dass es leichter wird, Frauen aus dem Music Business f\u00fcr Keynotes und Podiumsdiskussionen zu finden \u2013 dahinter liegt nat\u00fcrlich auch ein Wunsch nach strukturellen Ver\u00e4nderungen in der Branche.\u201c[en:]The mdw recently hosted the tenth edition of the Vienna Music Business Research Days. A jubilee report in keywords.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/musicbusinessresearch.wordpress.com\/\">musicbusinessresearch.wordpress.com<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum 10. Mal fanden im September die  Vienna Music Business Research Days  an der mdw statt. 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