{"id":346,"date":"2016-09-29T14:15:29","date_gmt":"2016-09-29T12:15:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=346"},"modified":"2016-12-12T12:44:00","modified_gmt":"2016-12-12T11:44:00","slug":"ein-ort-der-zukunft-die-neue-bibliothek-der-mdw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/09\/29\/ein-ort-der-zukunft-die-neue-bibliothek-der-mdw\/","title":{"rendered":"Ein Ort der Zukunft: Die neue Bibliothek der mdw"},"content":{"rendered":"<strong>Im Sommer 2016 ist die Bibliothek der mdw nach 103 Jahren in der Lothringerstra\u00dfe an ihren neuen Standort auf dem Campus der Universit\u00e4t \u00fcbersiedelt. Michael Staudinger, Leiter der Bibliothek, spricht im Interview \u00fcber die Logistik eines solchen Umzugs, die Vorteile der neuen Bibliothek f\u00fcr NutzerInnen, die Zukunft von Bibliotheken und seine Lieblingsb\u00fccher.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was muss beim Umzug von 160.000 Werken \u2212 von zum Teil unwiederbringlichem Wert \u2212 besonders beachtet werden?<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich ist es nicht viel anders, als wenn man die eigene Bibliothek von einer Wohnung in eine andere \u00fcbersiedelt. Es sind einfach nur viel mehr B\u00fccher und in unserem Fall auch Noten. Wir haben nat\u00fcrlich auch alte B\u00fccher in unserem Bestand, aber diese m\u00fcssen bei einem Umzug nicht zwingend besonders behandelt werden \u2013 es ist generell immer abh\u00e4ngig davon, wie der Zustand des Buches ist. Wenn Bindung und Papier gut sind, dann sind \u00e4ltere B\u00fccher robuster als B\u00fccher, die sp\u00e4ter hergestellt wurden und bei denen stark holzhaltiges Papier verwendet wurde.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zum Privatumzug spielt es bei uns jedoch eine Rolle, dass die Ordnung auf keinen Fall durcheinandergewirbelt werden darf. Ein Buch, das am falschen Ort steht, ist im Prinzip verloren, au\u00dfer man findet es zuf\u00e4llig wieder. Dar\u00fcber hinaus haben wir auch den Freihandbereich unserer \u00fcber 100 Jahre alten Bibliothek an die Bed\u00fcrfnisse von heute angepasst und eine neue Aufstellungssystematik installiert. Au\u00dferdem haben wir zahlreiche Notenb\u00e4nde aus den bisherigen Magazinen in den neuen Freihandbereich transferiert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_348\" aria-describedby=\"caption-attachment-348\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-348\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/neue_bibliothek2.jpg\" alt=\"Neue Bibliothek\" width=\"800\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/neue_bibliothek2.jpg 800w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/neue_bibliothek2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/neue_bibliothek2-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-348\" class=\"wp-caption-text\">Die Best\u00e4nde der mdw-Bibliothek werden umgesiedelt \u00a9Marcell Nimf\u00fchr<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wie sieht der neue Freihandbereich aus?<\/strong><\/p>\n<p>Wir hatten am alten Standort etwas mehr als 15.000 Notenb\u00e4nde im Freihandbereich stehen, am neuen Standort starten wir mit mehr als 30.000 B\u00e4nden, die selbst aus dem Regal genommen und entlehnt werden k\u00f6nnen. Insgesamt hat der neue Bereich eine Kapazit\u00e4t f\u00fcr 60.000 bis 70.000 B\u00e4nde und wird in den n\u00e4chsten Jahren weiter wachsen. Die neue Aufstellungssystematik erleichtert au\u00dferdem das Auffinden der Werke.<\/p>\n<figure id=\"attachment_349\" aria-describedby=\"caption-attachment-349\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-349\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/neue_bibliothek3.jpg\" alt=\"Neue Bibliothek\" width=\"400\" height=\"599\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/neue_bibliothek3.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/neue_bibliothek3-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-349\" class=\"wp-caption-text\">103 Jahre war die Bibliothek der mdw in der Lothringerstra\u00dfe beheimatet \u00a9Marcell Nimf\u00fchr<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Was ist neu an der Systematik?<\/strong><\/p>\n<p>Ich erkl\u00e4re es am besten anhand des Bereichs \u201eKammermusik\u201c, den wir nun \u201eBestand f\u00fcr kleine Ensembles\u201c nennen. In diesem Bereich war alles von Duos bis Nonetten kunterbunt gemischt. Wenn also jemand zum Beispiel Streichquartette von Mozart haben wollte, mussten mehrere Regalmeter durchsucht werden, um das Gew\u00fcnschte zu finden. Das ist ein wenig so, als ob man in ein Schuhlager geschickt wird, um rote Schuhe zu suchen \u2013 da gibt es dann tausende Schuhkartons und irgendwo darunter sind auch die roten Schuhe. Am neuen Standort haben wir die\u00a0Aufstellung deutlich verfeinert und erg\u00e4nzt: Das Mozart\u2019sche Streichquartett ist nun in der Abteilung \u201eStreichquartette\u201c unter \u201eMozart\u201c zu finden. Au\u00dferdem ist die Auswahl an Literatur f\u00fcr einzelne Instrumente nun viel gr\u00f6\u00dfer und vielf\u00e4ltiger als die bisher gewohnten Studienwerke im Freihandbereich. So gibt es dort nun auch unterschiedlichste sonstige Literatur f\u00fcr das jeweilige Instrument.<\/p>\n<p><strong>Was sind die Vorteile f\u00fcr NutzerInnen?<\/strong><\/p>\n<p>An unserer Bibliothek wird generell sehr intensiv nach Noten gefragt, denn das Angebot an Notenliteratur im Internet ist klein. Au\u00dferdem muss man die im Internet gefundenen Noten ausdrucken und wenn man sie dann auf den Notenst\u00e4nder legt, hat man eine Menge loser Bl\u00e4tter, deren Schriftgr\u00f6\u00dfe eventuell nicht passt und dergleichen. Gedruckte Noten sind also nach wie vor eine wichtige Grundlage, um danach zu musizieren. Da wir eine gro\u00dfe Menge davon zur Verf\u00fcgung stellen wollen, brauchte es eben eine Unterteilung in kleinere H\u00e4ppchen, um schnelle Auffindbarkeit zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><strong>Wie wichtig ist eine Bibliothek generell noch in der digitalen Welt?<\/strong><\/p>\n<p>Die digitale Welt betrifft manche Bibliotheken sehr massiv und andere weniger. Naturwissenschaftlich orientierte Bibliotheken stellen beispielsweise bereits einen guten Teil ihrer Literatur in elektronischer Form zur Verf\u00fcgung. In anderer Weise betrifft die digitale Welt etwa die \u00d6sterreichische Nationalbibliothek, weil sie einen Sammelauftrag hat und auch digitale Objekte sammeln muss \u2013 darunter Abz\u00fcge verschiedener \u00f6sterreichischer Websites.<\/p>\n<p>Generell denke ich, dass Bibliotheken immer wichtig bleiben werden und es wird sie auch immer geben. M\u00f6glicherweise kann man vieles von dem, was heute eine Bibliothek an Informationsversorgung leistet, irgendwann auch von zu Hause aus machen, aber ich bin mir trotzdem sicher, dass es diesen Ort noch lange geben wird. Eine Bibliothek ist ein Ort, der einem kein Verhalten auferlegt \u2013 in eine Bibliothek kann jeder gehen, der die Vorz\u00fcge gut sortierter Literatur nutzen will, der sich fachkundig beraten lassen will, der lernen will, der die Zeitung lesen will und auch jeder, der sich einfach nur an einen freien Platz setzen\u00a0und in die Luft schauen will. Niemand muss Rechenschaft dar\u00fcber ablegen, warum er sich dort aufh\u00e4lt. Als solche Orte wird es Bibliotheken meiner Meinung nach immer geben und ich glaube, dass die Qualit\u00e4t dieses Ortes in Zukunft noch an mehr Bedeutung gewinnt.<\/p>\n<p><strong>Zum Abschluss noch eine pers\u00f6nliche Frage \u2212 lesen Sie selbst gerne?<\/strong><\/p>\n<p>Ich lese sogar sehr gerne, aber da ich drei kleine Kinder habe, komme ich im Moment wenig dazu. Mit meinen Kindern lese ich jedoch sehr viele Kinderb\u00fccher.<\/p>\n<p><strong>Welche Literatur m\u00f6gen Sie und welche B\u00fccher gefallen Ihren Kindern? <\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_351\" aria-describedby=\"caption-attachment-351\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-351\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/michael_staudinger.jpg\" alt=\"Michael Staudinger\" width=\"400\" height=\"503\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/michael_staudinger.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/michael_staudinger-238x300.jpg 238w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-351\" class=\"wp-caption-text\">Michael Staudinger beim Umzug \u00a9Marcell Nimf\u00fchr<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich lese sehr gerne russische Literatur des 19. Jahrhunderts und auch aus der Zeit der ehemaligen Sowjetunion. Dazu z\u00e4hlen zum Beispiel Leo Tolstoj, Fjodor M. Dostojewskij, Michail Bulgakow und Wassili Schukschin, der Kurzgeschichten \u00fcber den sowjetischen Alltag verfasste. Mit meinen Kindern habe ich k\u00fcrzlich <em>Die unendliche Geschichte<\/em> von Michael Ende gelesen, ein Buch, das auch ich als Kind sehr gern mochte. Selbst wenn sie es noch nicht ganz verstanden haben, haben die Geschichten ihnen doch gut gefallen. Au\u00dferdem haben wir zusammen die B\u00fccher von Astrid Lindgren, etwa <em>Pippi Langstrumpf, Michel von L\u00f6nneberga<\/em> und<em> Wir Kinder aus Bullerb\u00fc<\/em> gelesen. Wir sind seit einiger Zeit dabei, an der mdw- Bibliothek einen Bestand an Kindermusikb\u00fcchern aufzubauen, der dann auch im neuen Freihandbereich zug\u00e4nglich sein soll. Ziel ist es, zuk\u00fcnftig eine reiche Auswahl an Literatur zur Verf\u00fcgung zu haben, aus der einerseits die Studierenden der Musikp\u00e4dagogik f\u00fcr elementares Musizieren sch\u00f6pfen k\u00f6nnen, die sich andererseits aber auch an Eltern wendet, die ihre Kinder mit Musik besch\u00e4ftigen m\u00f6chten.<\/p>\n<p><strong>Die neue Universit\u00e4tsbibliothek der mdw <\/strong><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/4LvkasTuUJE\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sommer 2016 ist die Bibliothek der mdw nach 103 Jahren in der Lothringerstra\u00dfe an ihren neuen Standort auf dem Campus der Universit\u00e4t \u00fcbersiedelt. 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