{"id":326,"date":"2016-09-29T09:09:05","date_gmt":"2016-09-29T07:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=326"},"modified":"2017-12-11T14:36:03","modified_gmt":"2017-12-11T13:36:03","slug":"jetzt-gerade-beginnt-es-erst-so-richtig-zu-brodeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/09\/29\/jetzt-gerade-beginnt-es-erst-so-richtig-zu-brodeln\/","title":{"rendered":"&#8220;Jetzt gerade beginnt es erst so richtig zu brodeln&#8220;"},"content":{"rendered":"<strong>Das Leitungsteam des ipop im Interview<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eigentlich ist es ja eine f\u00fcnfk\u00f6pfige Combo, die seit 2009 die Geschicke des ipop orchestriert. Doch Martin Fuss und Herbert Pichler fehlen urlaubsbedingt beim Interview. David Baldinger hat mit Wolfgang Puschnig, Patricia Simpson und Harald Huber \u00fcber Gratwanderungen, Erdung und Herzensangelegenheiten gesprochen.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_327\" aria-describedby=\"caption-attachment-327\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-327\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/ipop_team.jpg\" alt=\"ipop\" width=\"800\" height=\"462\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/ipop_team.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/ipop_team-300x173.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/ipop_team-768x444.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-327\" class=\"wp-caption-text\">Das Leitungsteam mit den KollegInnen vom Institut f\u00fcr Popularmusik (ipop) \u00a9Sabine Hauswirth<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Was w\u00fcrde der \u00f6sterreichischen Musiklandschaft heute fehlen, wenn das ipop nicht im M\u00e4rz 2002 gegr\u00fcndet worden w\u00e4re?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Harald Huber (HH):<\/strong> Das w\u00e4re\u00a0ganz schlecht. (lacht)<\/p>\n<p><strong>Patricia Simpson (PS):<\/strong> Diese Vielf\u00e4ltigkeit, die bei uns m\u00f6glich ist, habe ich in anderen Institutionen so noch nicht gesehen. Wir sind ja noch lange nicht am Ende. Ich finde, jetzt gerade beginnt es erst, so richtig zu brodeln.<\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Von uns kommen etwa im Jazzbereich Viola Falb oder Clemens Salesny, die halbe Jazzwerkstatt Wien hat bei uns studiert. Im Popbereich Fijuka. Worldmusic mit Federspiel oder Alma. Elektro Guzzi im Grenzbereich Pop und Dance. Unendlich viele Studierende haben mittlerweile toll ihren Weg gemacht.<\/p>\n<p><strong>Wolfgang Puschnig (WP):<\/strong> Da kann man nicht mit dem Daumen darauf zeigen. Die Arbeit beginnt erst und wird auch noch sehr lange dauern. Uns geht es nicht um Fertigkeiten, sondern um eine Einstellung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_329\" aria-describedby=\"caption-attachment-329\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-329\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/wolfgang_puschnig_patricia_simpson.jpg\" alt=\"Wolfgang Puschnig und Patricia Simpson\" width=\"800\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/wolfgang_puschnig_patricia_simpson.jpg 800w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/wolfgang_puschnig_patricia_simpson-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/wolfgang_puschnig_patricia_simpson-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-329\" class=\"wp-caption-text\">Wolfgang Puschnig und Patricia Simpson \u00a9Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Kann man diese Einstellung auf einen Punkt bringen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>WP:<\/strong> Ja, keine Angst und Offenheit. Kein Lagerdenken. Es geht hier nicht um stilistische Mauern. Es geht um eine \u00d6ffnung. Nat\u00fcrlich gibt es Qualit\u00e4tsunterschiede, aber irgendwann kommt der Punkt, an dem sogar die nicht mehr das Wichtigste sind.<\/p>\n<p><strong>Popkunst kann nicht gelehrt werden, eine institutionalisierte Lehre w\u00fcrde kreative Eruptionen ersticken und am Ende in einer Kanonisierung, L\u00e4hmung oder Nivellierung enden \u2013 was halten Sie von dieser Sichtweise?<\/strong><\/p>\n<p><strong>WP:<\/strong> Grunds\u00e4tzlich stimmt das, aber eigentlich geht es nicht darum. Jede Institution hat einen Rahmen. Das Wichtige ist aber, dass man innerhalb dieses Rahmens etwas vermitteln kann, das nicht blockiert, sondern f\u00f6rdert. Kreativit\u00e4t kann man nicht nach Rezept unterrichten \u2013 sie ist da oder nicht da. Aber man kann Voraussetzungen schaffen, sodass sie eher hervorkommt. Ich selbst war am Konservatorium. Das war damals auch sehr schulisch, hat mich aber an nichts gehindert.<\/p>\n<p><strong>PS:<\/strong> Ich hinterfrage das auch selbst immer wieder: Ist es wirklich das Richtige, zielstrebig ein Studium zu machen, wenn ich frei Musik machen will? Es ist eine Gratwanderung. Ich selbst h\u00e4tte das Studium sehr gerne gemacht. Auf meinem Sektor habe ich damals nichts vorgefunden.<\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Hinter dieser Meinung steckt eine alte Auffassung von Schule. Es gibt die Gefahr, dass die Schule die Musik beeinflusst. Aber das ist keine Einbahn: Wir als MusikerInnen ver\u00e4ndern ja auch die Schule. Der soziale Kontakt, der Band-Projekte erm\u00f6glicht, die Infrastruktur \u2013 all das sind Vorteile einer schulischen Einrichtung. Noch etwas: 1969 hat ein ber\u00fchmter Absolvent hier dem Haus den verliehenen Beethovenring zur\u00fcckgeschmissen. Friedrich Gulda. Sein Argument: Dieses Haus nimmt einen Gro\u00dfteil der Musik dieses Planeten nicht wahr. Die \u00dcberzeugung, dass Pop, Jazz und die ganze popul\u00e4re Musik ein wesentlicher Ausdruck von Kultur sind, hat hier alles in Gang gebracht. Wir sehen nicht ein, warum sich ein Haus wie dieses nicht auch mit diesen Musikrichtungen befassen sollte. Mittlerweile ist das auch einigerma\u00dfen durchgesetzt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_331\" aria-describedby=\"caption-attachment-331\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-331\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/harald_huber.jpg\" alt=\"Harald Huber\" width=\"800\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/harald_huber.jpg 800w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/harald_huber-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/harald_huber-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-331\" class=\"wp-caption-text\">Harald Huber \u00a9Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Was bedeutet das ipop f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich?<\/strong><\/p>\n<p><strong>PS:<\/strong> F\u00fcr mich ist es ein Gutteil meines Lebens. Ich fahre immer gern hierher und wenn ich rausgehe, denke ich: Wie sch\u00f6n ist es, hier zu sein und hier zu arbeiten.<\/p>\n<p><strong>WP:<\/strong> Ich habe sehr viel gelernt. Ich war schon sehr lange\u00a0eher auf meine k\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeit fokussiert. Die Arbeit hier hat mich geerdet. Ich habe gesehen, wo \u00fcberhaupt der Boden f\u00fcr die Kunst ist. Das habe ich durch die Kommunikation mit den Studierenden und meinen KollegInnen gelernt. Ich habe viel dazugelernt und falsche Konzepte \u00fcber den Haufen geworfen.<\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> F\u00fcr mich ist das ipop eine Herzensangelegenheit, ein Lebensprojekt. Ich bin seit den 1970ern dabei, damals als Studentenvertreter. Das dann langsam aufzubauen, Studienpl\u00e4ne zu entwickeln, 2002 das Institut und 2009 das neue Team zu gr\u00fcnden \u2013 das ist schon etwas Besonderes. Ein Vergleich: Ende der 1970er-Jahre Lehrveranstaltungen an der damaligen Musikhochschule: Null. Heute: Tolles Institut, 44 Lehrende, unendlich viele Lehrveranstaltungen.<\/p>\n<p><strong>Wo sehen Sie das ipop in zehn Jahren \u2013 wie k\u00f6nnte, sollte und muss es sich ver\u00e4ndern, um relevant zu bleiben? Gibt es etwas, das Sorgen bereitet?<\/strong><\/p>\n<p><strong>PS:<\/strong> Wir haben so viele Pl\u00e4ne und sehr viel Arbeit vor uns. Ich freue mich darauf. Es wird das Konzertfach geben \u2013 und nat\u00fcrlich ein verj\u00fcngtes Team, neue Lehrende, vielleicht sogar neue Formen des Unterrichts.<\/p>\n<p><strong>WP:<\/strong> Keiner von uns wird sich festkrallen. Wir wissen, wie wichtig es ist, dass der Apparat verj\u00fcngt wird. Ich hoffe, dass sich dieser Geist etabliert und das ipop noch besser wird.<\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Zum einen habe ich die Hoffnung, dass dieser k\u00fcnstlerische Studienplan dann existiert. Zum anderen, dass es weiterhin die Studienrichtung IGP Instrumental(Gesangs)p\u00e4dagogik gibt. Dass das Institut weiterhin pr\u00e4sent ist im Doktoratsstudium. Dass wir den Generationswechsel tats\u00e4chlich haben. Dass das Institut dazu beitr\u00e4gt, dass Wien in musikalischer Hinsicht als Melting Pot funktioniert. Ein kreativer Hotspot sollte das werden. Ich w\u00fcrde mir in zehn Jahren auch noch mehr Frauen bei uns w\u00fcnschen. Aber bei mir kommt davor noch die Pensionierung \u2212 ich schaue mir das dann von au\u00dfen an.<\/p>\n<ul>\n<li>Lesen Sie mehr \u00fcber das ipop im aktuellen Institutsmagazin &#8222;<a href=\"http:\/\/mdw.ac.at\/ipop\/2016\/kollektion-institutsmagazin-erschienen\" target=\"_blank\">Kollektion<\/a>&#8222;.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Leitungsteam des ipop im Interview Eigentlich ist es ja eine f\u00fcnfk\u00f6pfige Combo, die seit 2009 die Geschicke des ipop orchestriert. Doch Martin Fuss und Herbert Pichler fehlen urlaubsbedingt beim Interview. David Baldinger hat mit Wolfgang Puschnig, Patricia Simpson und Harald Huber \u00fcber Gratwanderungen, Erdung und Herzensangelegenheiten gesprochen. Was w\u00fcrde der \u00f6sterreichischen Musiklandschaft heute fehlen, &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":26,"featured_media":327,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[95,346,350,116,118,349,347,99,98,117,348],"class_list":["post-326","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2016-3","tag-harald-huber","tag-herbert-pichler","tag-ipop","tag-jazz","tag-martin-fuss","tag-patricia-simpson","tag-pop","tag-popular-music","tag-popularmusik","tag-wolfgang-puschnig"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/326","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/26"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=326"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/326\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":553,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/326\/revisions\/553"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/327"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=326"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=326"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=326"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}