{"id":3101,"date":"2019-09-27T13:33:13","date_gmt":"2019-09-27T11:33:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3101"},"modified":"2020-03-02T12:26:45","modified_gmt":"2020-03-02T11:26:45","slug":"die-digitalisierung-und-anreicherung-unseres-musikalischen-erbes-selbst-gestalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/09\/27\/die-digitalisierung-und-anreicherung-unseres-musikalischen-erbes-selbst-gestalten\/","title":{"rendered":"Die Digitalisierung und Anreicherung unseres musikalischen Erbes selbst gestalten"},"content":{"rendered":"<b>Das von der EU-Kommission gef\u00f6rderte Forschungs- und Innovationsprojekt TROMPA (<i>Towards Richer Online Music Public-domain Archives<span id='easy-footnote-1-3101' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/09\/27\/die-digitalisierung-und-anreicherung-unseres-musikalischen-erbes-selbst-gestalten\/#easy-footnote-bottom-1-3101' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/trompamusic.eu\/&quot;&gt;https:\/\/trompamusic.eu\/&lt;\/a&gt;'><sup>1<\/sup><\/a><\/span><\/i>) m\u00f6chte eine digitale Plattform schaffen, auf der die Digitalisierung, Vernetzung und Anreicherung aller Erscheinungsformen von klassischer Musik (wie Partituren und Tonaufnahmen) von jeder\/jedem selbst mitgestaltet werden k\u00f6nnen.<\/b><\/p>\n<p>Die klassische Musik ist ein kostbarer Teil unseres kulturellen Erbes. Dieses wird jedoch keineswegs in unver\u00e4nderter Form \u00fcberliefert, sondern ist durch Forschung, st\u00e4ndige Neu-Interpretation, Wiederauff\u00fchrung, und letztendlich durch den breiten H\u00f6rgenuss einem permanenten Wandel unterworfen, der es auf vielfache Weise aktualisiert und weiterleben l\u00e4sst. Klassische Musik ist im Internet an vielen Orten und in vielerlei Gestalt anzutreffen: Musikbibliotheken und Archive (wie beispielsweise IMSLP<span id='easy-footnote-2-3101' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/09\/27\/die-digitalisierung-und-anreicherung-unseres-musikalischen-erbes-selbst-gestalten\/#easy-footnote-bottom-2-3101' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/imslp.org\/&quot;&gt;https:\/\/imslp.org\/&lt;\/a&gt;'><sup>2<\/sup><\/a><\/span> oder die British Library<span id='easy-footnote-3-3101' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/09\/27\/die-digitalisierung-und-anreicherung-unseres-musikalischen-erbes-selbst-gestalten\/#easy-footnote-bottom-3-3101' title='&lt;a href=&quot;http:\/\/bl.uk\/subjects\/music&quot;&gt;http:\/\/bl.uk\/subjects\/music&lt;\/a&gt;'><sup>3<\/sup><\/a><\/span>) sammeln und bewahren Notendrucke, Handschriften oder andere Quellen und stellen diese in digitalisierter Form der \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung. Online-Plattformen wie YouTube oder Spotify bieten Aufnahmen klassischer Musik in audio-visueller Form mit den dazugeh\u00f6rigen Metadaten (Titel, Interpret_in, Komponist_in) an. Diese unterschiedlichen Quellenarten sind allerdings kaum miteinander verkn\u00fcpft und bieten nur wenige M\u00f6glichkeiten zur pers\u00f6nlichen Interaktion.<\/p>\n<p>Das Ziel von TROMPA ist es, modernste Music-Information-\u00adRetrieval(MIR)- und Crowd-Sourcing-Technologien einzusetzen, um gemeinfreie digitale Partituren unseres musikalischen Erbes zu generieren (im musikwissenschaftlichen MEI-Format<span id='easy-footnote-4-3101' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/09\/27\/die-digitalisierung-und-anreicherung-unseres-musikalischen-erbes-selbst-gestalten\/#easy-footnote-bottom-4-3101' title='&lt;a href=&quot;http:\/\/music-encoding.org&quot;&gt;http:\/\/music-encoding.org&lt;\/a&gt;'><sup>4<\/sup><\/a><\/span>) und diese durch Crowd-Interaktion auf ein solides Datenniveau zu heben und von Fehlern zu befreien. Die unterschiedlichen Modalit\u00e4ten (Partituren, Aufnahmen) werden miteinander verkn\u00fcpft und synchronisiert (Score-to-Performance-Alignment) und durch vielf\u00e4ltige Annotationen durch die \u201eCrowd\u201c angereichert (siehe Abb. 1). Damit wird die Grundlage f\u00fcr vielf\u00e4ltige webbasierte Computeranwendungen geschaffen.<\/p>\n<p><b>Das Contributor Environment orchestriert Daten, Quellen und Prozesse<\/b><\/p>\n<p>Die zentrale Koordinationsstelle im TROMPA-Daten\u00adnetzwerk ist das sogenannte Contributor Environment (CE), durch das alle externen Inhalte (Aufnahmen, Partituren etc.) verlinkt, Metadaten zu Werken oder Aufnahmen mit anderen gemeinfreien Datenrepositorien wie Wikidata oder MusicBrainz verkn\u00fcpft und automatische Prozesse wie optische Notenerkennung oder Score-to-Performance-Alignment initiiert werden. Auch wenn im CE keine Daten selbst gespeichert sind, sondern nur die Verkn\u00fcpfungsinformationen, k\u00f6nnen alle Inhalte zentral gesucht und verwaltet werden. In der Organisation der Daten werden wichtige Informationsstandards eingehalten: Web-3.0-\u00adStandards wie Linked Data und Semantic Web, das FAIR-Prinzip (Daten m\u00fcssen findable \u2013 auffindbar, accessible \u2013 abrufbar, interoperable \u2013 kompatibel und reusable \u2013 wiederverwertbar sein) und Open Data (m\u00f6glichst viele generierte Daten und Repositorien sollen gemeinfrei und allgemein zug\u00e4nglich sein \u2013 die explizite Zustimmung der teilnehmenden Musizierenden vorausgesetzt).<\/p>\n<p><b>F\u00fcnf Zielgruppen, f\u00fcnf Use-Cases<\/b><\/p>\n<p>TROMPA hat f\u00fcnf Zielgruppen vor Augen, die jeweils mit einem eigenen Use-Case, einem Anwendungsbeispiel bedacht werden: Instrumentalist_innen, Musikgelehrte, Orchester, Ch\u00f6re und Musik-Begeisterte. Alle Use-Cases greifen dabei auf das zentrale CE zu und bauen ihre Anwendungen webbasiert darauf auf.<\/p>\n<p><b>Ein Performance-Companion f\u00fcr Pianist_innen<\/b><\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/www.mdw.ac.at\/iwk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Institut f\u00fcr musikalische Akustik \u2013 Wiener Klangstil (IWK)<\/a> ist f\u00fcr den Instrumentalist_innen-Use-Case verantwortlich, in dem ein Performance Companion, eine Art digitale Assistenz, sowohl f\u00fcr einzelne Musizierende als auch f\u00fcr Ensembles, die beim t\u00e4glichen \u00dcben und Proben zum Einsatz kommen soll. Zur Veranschaulichung: Eine Pianistin \u00fcbt ein neues St\u00fcck, sagen wir Beethovens <i>Appassionata<\/i>. Sie w\u00e4hlt die Partitur auf ihrem Tablet-\u00adComputer aus (falls diese noch nicht vorhanden ist, l\u00e4dt sie eine gescannte Version in das CE hoch und verbessert in der automatischen MEI-Konvertierung die gr\u00f6bsten Fehler \u00fcber ein Webinterface rasch selbst, weitere Fehler werden sp\u00e4ter von der Crowd noch behoben). W\u00e4hrend sie \u00fcbt, wird ihre Performance in Form von Audio- oder symbolischen Auff\u00fchrungsdaten an einen Alignment-Prozess im CE gestreamt, der die Performance mit der MEI-Partitur synchronisiert. Nachdem sie aufgeh\u00f6rt hat zu spielen, studiert sie die sofort angezeigte notengenaue Tempokurve ihres Performance-Ausschnitts. Dann w\u00e4hlt sie aus mehreren anderen Auff\u00fchrungen auf YouTube oder Spotify ihre Lieblingsauff\u00fchrung des St\u00fcckes, zum Beispiel die von Claudio Arrau, aus und erh\u00e4lt Arraus Tempokurve, die sie mit ihrer eigenen Auff\u00fchrung vergleichen kann. W\u00e4hrend sie Arraus Performance h\u00f6rt und seine Tempokurve beobachtet, schreibt sie einen Kommentar zu einer bestimmten Stelle in der <i>Appassionata<\/i> und erstellt eine Web-Annotation<span id='easy-footnote-5-3101' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/09\/27\/die-digitalisierung-und-anreicherung-unseres-musikalischen-erbes-selbst-gestalten\/#easy-footnote-bottom-5-3101' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/www.w3.org\/TR\/annotation-model\/&quot;&gt;https:\/\/www.w3.org\/TR\/annotation-model\/&lt;\/a&gt;'><sup>5<\/sup><\/a><\/span>, die sowohl auf den relevanten Ausschnitt der Partitur als auch auf Arraus Aufnahme zeigt und im CE gespeichert ist. Ein Wissenschaftler, der diesen Abschnitt w\u00e4hrend eines Beethoven-Klaviersonatenprojekts analysiert, kann auf ihre (und andere) Anmerkungen zu Arraus Auff\u00fchrung zugreifen, sie in seine Analyse einbeziehen und auf ihren Kommentar in seiner Publikation referenzieren.<\/p>\n<p>Das TROMPA-Konsortium besteht aus vier akademischen Partnern (neben dem Wiener Institut sind es auch Partner aus Delft, Barcelona und London), drei Start-ups und zwei sogenannte Content Owners (darunter das K\u00f6nigliche Concertgebouw Orchester Amsterdam). TROMPA beendet derzeit das erste Jahr seiner T\u00e4tigkeit und wird bis Mitte 2021 laufen. Prototypen der einzelnen Use-Cases sind bereits weitgehend implementiert. Um jene Skalierbarkeit zu erreichen, die das Projekt f\u00fcr die verschiedenen Anwendungsgruppen wirklich n\u00fctzlich macht, m\u00fcssen noch einige technische Herausforderungen gel\u00f6st und vor allem eine gro\u00dfe Gemeinschaft von Musikbegeisterten aller Fachrichtungen und Kontexte gebildet werden, die dann in der Lage sein wird, ein umfassendes Archiv von gemeinfreien Partitur-Kodierungen aufzubauen, es gro\u00dffl\u00e4chig mit Aufnahmen zu verkn\u00fcpfen und mit zahlreichen pers\u00f6nlichen Kommentaren anzureichern. Wer die Digitalisierung und Anreicherung unseres musikalischen Erbes innerhalb des TROMPA-Netzwerks mitgestalten will, kann sich unter trompamusic.eu informieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-3101 gallery-columns-1 gallery-size-large'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/post-1_image1-jpg-11\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"850\" height=\"740\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image1-10-1024x891.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image1-10-1024x891.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image1-10-300x261.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image1-10-768x668.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image1-10-850x740.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure>\n\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das von der EU-Kommission gef\u00f6rderte Forschungs- und Innovationsprojekt TROMPA m\u00f6chte eine digitale Plattform schaffen, auf der die Digitalisierung, Vernetzung und Anreicherung aller Erscheinungsformen von klassischer Musik von jeder\/jedem selbst mitgestaltet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":159,"featured_media":3103,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[808,825,826,723,33,823,824],"class_list":["post-3101","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-research","tag-2019-3","tag-david-m-weigl","tag-digitalage","tag-digitalisierung","tag-research","tag-trompa","tag-werner-goebl"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3101","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/159"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3101"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3101\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4130,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3101\/revisions\/4130"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3103"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}