{"id":3087,"date":"2019-09-27T13:31:18","date_gmt":"2019-09-27T11:31:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3087"},"modified":"2019-12-10T10:35:01","modified_gmt":"2019-12-10T09:35:01","slug":"liebe-ist-der-beste-klebstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/09\/27\/liebe-ist-der-beste-klebstoff\/","title":{"rendered":"Liebe ist der beste Klebstoff"},"content":{"rendered":"<b>Die mdw entsandte im April 2018 die zwei Professorinnen f\u00fcr darstellende Kunst Beverly Blankenship und Anna Maria Krassnigg an die ASEA-UNINET-\u00adPartneruniversit\u00e4t Hanoi Academy of Theatre and \u00adCinema, wo sie gemeinsam mit Studierenden eine konzentrierte B\u00fchnenfassung von William Shakespeares <i>Romeo und Julia<\/i> entwickelten.<\/b><\/p>\n<p>Die Basis f\u00fcr die Herausforderung, ein Kernst\u00fcck europ\u00e4ischer Theaterliteratur in Vietnam mit Studierenden nicht nur in der Probenarbeit auszuloten, sondern auch als Produktion auf die B\u00fchne zu bringen, wurde im Jahr 2014 von Beverly Blankenship gelegt. Ihre Kenntnis der Kultur des Landes im allgemeinen, aber auch im akademischen und k\u00fcnstlerischen Bereich war grundlegend f\u00fcr den Erfolg dieses Projekts, das eindrucksvoll gezeigt hat, dass internationaler Austausch \u2013 auch vor dem Hintergrund sehr unterschiedlicher k\u00fcnstlerischer Traditionen \u2013 nicht nur im Bereich der Musik, sondern auch in der darstellenden Kunst von h\u00f6chstem Wert f\u00fcr alle Beteiligten sein kann.<\/p>\n<p>Basierend auf dem stofflichen und sinnlichen Material von <i>Romeo und Julia<\/i>, ein St\u00fcck das in Vietnam durchaus bekannt ist, aber freilich dennoch weit au\u00dferhalb des traditionellen Kanons liegt, wurde von Beverly Blankenship in mehreren Workshops mittels Impulsarbeit sowie Rollen- und Ensemblearbeit die professionelle Grundlage f\u00fcr die konkrete Probenarbeit am St\u00fcck gelegt. Die Neugier seitens eines relevanten Teils des Lehrk\u00f6rpers der Hanoi Academy of Drama and Cinema wie auch der Studierenden bildete den fruchtbaren Humus, um im April 2018 mit dem endg\u00fcltigen Cast in einer vergleichsweise kurzen und sehr intensiven Probenphase zu einem Ergebnis zu gelangen, das nicht nur das kollegiale und akademische Publikum, sondern auch Vertreter_innen von ASEA-UNINET sowie des Goethe-Instituts und der \u00f6sterreichischen Botschaft in Staunen versetzte.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung war erwartungsgem\u00e4\u00df der Br\u00fcckenschlag zwischen diametral entgegengesetzten kulturellen und k\u00fcnstlerischen Traditionen. Ein hohes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Form, K\u00f6rper, Ritual, Musikalit\u00e4t, aber auch ein zum Teil noch hierarchisches Prinzip der \u201eMeisterlehre\u201c und selbstredend ein Mindestma\u00df an materiellen Mitteln auf der vietnamesischen Seite trafen auf die Anforderung, mit komplexen Texten und h\u00f6chst anspruchsvollen, modernen B\u00fchnencharakteren in zeitgen\u00f6ssischen Theater- und Erz\u00e4hlformen mit dem Maximum an individueller k\u00fcnstlerischer Ausdruckskraft eine lebendige Shakespeare-Interpretation auf der H\u00f6he der Zeit zu kreieren.<\/p>\n<p>Der unerschrockene Einsatz der vietnamesischen Studierenden, ihre erstaunliche F\u00e4higkeit, couragiert aus der Mitte ihrer Emotionalit\u00e4t zu sch\u00f6pfen, anstatt sich hinter theoretischen Konstrukten zu verstecken, ihre instinktive physische Ausdruckskraft, ihr Verm\u00f6gen, nach dem Verlassen der Schutz- oder Komfortzone radikal Tiefen auszuloten, war beispielhaft und k\u00f6nnte auch f\u00fcr die westliche Theaterszene manch wesentlichen Aha-Moment ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Entwicklungsspr\u00fcnge waren in der genauen Text- und Interpretationsarbeit, im Ausloten der M\u00f6glichkeiten des Ensemblespiels \u2013 bereichert durch zeitgen\u00f6ssische Anwendung etwa der Tools von Konstantin S. Stanislawski, der Haltungen Max Reinhardts, der Raumarbeit Peter Brooks \u2013 sowie im Interagieren mit moderner Licht- und Tonregie zu verzeichnen. Die integrierte Arbeit vor der Kamera und mit Videos als zus\u00e4tzlicher Spielebene hat den \u2013durchwegs mit westlicher Film\u00e4sthetik vertrauten \u2013 Studierenden gro\u00dfen Spa\u00df bereitet und ihnen neue Wege des dramatischen Erz\u00e4hlens er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr das Gelingen des Projekts war zudem die exzellente Vorbereitung durch Kolleg_innen von den jeweiligen universit\u00e4ren Referaten f\u00fcr internationale Beziehungen sowie die tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung durch die Rektorate der beiden Akademien.<\/p>\n<p>Die Sprachbarriere wurde durch den unerm\u00fcdlichen Einsatz einer renommierten vietnamesischen Regiekollegin, die als Dolmetscherin und Assistentin den sprachlichen und inhaltlichen Transfer vom Englischen ins Vietnamesische \u00fcbernahm, auf souver\u00e4ne Weise \u00fcberbr\u00fcckt, sodass am Ende ein m\u00fchelos und flie\u00dfend miteinander arbeitendes Produktionsteam t\u00e4glich erleben durfte, wie internationale Kooperationen nicht nur im universit\u00e4ren Bereich, sondern auch als Best-Practice-Beispiel f\u00fcr die professionelle Theaterszene funktionieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Begeisterung \u00fcber die tiefe Sinnhaftigkeit solcher Austauschprojekte lie\u00df auf allen Seiten den Wunsch entstehen, diesen Weg weiterzugehen und unsere Verantwortung als nunmehr weltweit f\u00fchrende Kunstuniversit\u00e4t in diesem Sinn weiterhin wahrzunehmen. Die M\u00f6glichkeit durch Weitergabe k\u00fcnstlerischer Modelle und Mittel dazu beizutragen, einer an Inhalten, nicht aber an Mitteln reichen Theaterszene zu der Sichtbarkeit zu verhelfen, die sie verdient, erscheint zukunftsweisend: nicht nur f\u00fcr die vietnamesischen Partner_innen, sondern auch f\u00fcr unser Verst\u00e4ndnis von zeitgen\u00f6ssischer darstellender Kunst. Insofern sind wir gl\u00fccklich, mit dem erneut vom ASEA-UNINET unterst\u00fctzten Folgeprojekt <i>Macbeth in Hanoi<\/i> diesen hochkar\u00e4tigen internationalen Austausch weiter voranzutreiben.<\/p>\n<p>Eine Kurzdokumentation der mdw begleitete die k\u00fcnstlerische Arbeit zu diesem Projekt und blickt hinter die Kulissen einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Zusammenarbeit:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Romeo and Juliet in Hanoi\" width=\"850\" height=\"478\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/STTm7mO4_Vk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die mdw entsandte im April 2018 Beverly Blankenship und Anna Maria Krassnigg an die ASEA-UNINET-\u00adPartneruniversit\u00e4t Hanoi Academy of Theatre and \u00adCinema, wo sie gemeinsam mit Studierenden eine konzentrierte B\u00fchnenfassung von William Shakespeares Romeo und Julia entwickelten.<\/p>\n","protected":false},"author":161,"featured_media":3089,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[808,831,385,283,276,44,830],"class_list":["post-3087","post","type-post","status-publish","format-gallery","has-post-thumbnail","hentry","category-drama","tag-2019-3","tag-anna-maria-krassnigg","tag-beverly-blankenship","tag-drama","tag-love","tag-max-reinhardt-seminar","tag-shakespeare","post_format-post-format-gallery"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3087","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/161"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3087"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3087\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3708,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3087\/revisions\/3708"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3089"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3087"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3087"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3087"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}